Oskar und Sahra haben recht!

Die Linke Gysi und Kipping sind Geisterfahrer
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Ich weiss, ich werde jetzt vielen vor den Kopf stossen und man wird über mich herfallen. Ich werde allen Idealisten im Westen, die sich gerne gegenseitig auf die Schultern klopfen, weil sie moralisch die Guten sind und ich werde Ossis, die von sich glauben nach dem Mauerfall einen Anspruch haben auf Anerkennung ihrer Lebensleistung, auch wenn sie heute erst 40-50 sind, gewaltigen Shitstorm ernten. Aber ich will jetzt einfach mal rational aussprechen, worum es geht.


Wir leben nicht im Sozialismus, sondern im real existierenden Kapitalismus.


Globalisierung ist nicht der sozialistische Internationalismus. Bei einem sozialistischen Internationalismus gibt es nach wie vor Nationalstaaten und jeder muss in seinem Staat zusehen, dass er den Sozialismus in seinem Land einrichtet. Erst wenn das geschafft wurde, dann schliesst man sich zusammen und kann eine Weltregierung bilden. Das gleiche gilt auch für Europa. Eine neoliberale EU mit einem Lissabon Vertrag darf niemals ein Vereinigte Staaten von Europa werden. Wir sind cosmopolitisch, aber wir sind es im Sinne von einer Weltanschauung und nicht im Sinne von einer kapitalistischen Auffassung, dass man freien Handel für neue Märkte erschliesst und damit andere Länder platt machen kann und so auch Grenzen auflöst. Linke sind für einen fairen Handel zwischen Ländern, der sie nicht ausbeutet oder gar ihre Wirtschaft zerstört, damit wir sie übernehmen können.


Und hier kommen wir jetzt zum Punkt, weshalb ich diesen Text überhaupt schreibe.


Wer sich noch erinnert, so war Oskar Lafontaine 1990 Kanzlerkandidat der SPD und hat damals vermeintlich versucht im Nationalismustaumel zu erklären, dass wir die Einheit nicht aus der Portokasse bezahlen können.

Was war damit gemeint?

Es war klar, dass die CDU Regierung unter Kohl glaubte mit Hilfe der Sozialversicherungssysteme einfach die Einheit stemmen zu können. Es war klar, dass es eine grosse Belastung für das Rentensystem werden würde. Es war auch klar, dass es eine grosse Belastung für die Arbeitslosenversicherung und Krankenversicherung werden würde, denn es war auch klar, dass wir mit der Treuhand den Osten deindustrialiseren würden und so alle arbeitslos machen. Der Westen hatte für 2 Jahre einen Boom und konnte profitieren von dem Ausverkauf des Ostens, aber es hielt halt auch nur eine gewisse Zeit an um die Kassen zu füllen. Wir haben dann auch schon gleich 1994 die Quittung erlebt, die vorauszusehen war.

Wir erinnern uns an den Spruch von Blüm: „Die Rente ist sicher.“

Nur was war damit gemeint? Blüm hatte die Renten einfach gekürzt. Es gab bis dato eine Rente mit 68 % des Bruttolohns und es wurde nun die Rente auf 68 % des Nettolohns gekürzt. Das war ein grosser Einschnitt, aber das war damals die Portokasse von Kohl, wie er die Einheit finanzieren wollte. Davor hatte Oskar schon 1990 gewarnt, denn es würde ja keine Finanzierung stattfinden über eine höhere Besteuerung der Reichen um die Einheit zu stemmen. Im Gegenteil man hat ja sogar den Westfirmen erlaubt die Konkurrenz, die hätte im Osten entstehen können, zu schlucken. Dafür hatte man auch gleich ein neues Bewertungssystem zur Hand wie man Firmen in ihrem Wert berechnet. Anlagen, Hallen und Grundstücke usw waren jetzt nicht mehr ausschlaggebend für den Wert einer Firma, sondern der Umsatz. Rotkäppchensekt konnte noch überleben, aber alles andere wurde platt gemacht und es gab nur Leuchtturmprojekte um den Anschein zu wahren, dass man im Osten noch etwas gebrauchen konnte, was aber letztlich dann auch nur von Westfirmen aufgekauft wurde. Es ist also eine grosse Arbeitslosigkeit entstanden und natürlich haben diese dann nicht in die Rentenkasse so einzahlen können, wie sie es ansonsten getan hätten, wenn sie weiterhin Arbeit gehabt hätten. Gleiches gilt für Arbeitslosenversicherung und Krankenkasse. Blüms Einschnitt in das Rentensystem reichte also irgendwann nicht mehr aus und was hat rot-grün dann gemacht? Nochmal einen Kahlschlag in die sozialen Sicherungssystem und wir sind nun bei 48 % vom Nettolohn in der Rente gelandet. Es war nicht nur ein Kahlschlag sondern mit Agenda 2010 ein Systemänderung. Es wurde der Neoliberalismus umgesetzt. Hinzu kommt sogar noch die Erhöhung des Eintrittsalters der Rente mit 67 unter Müntefering und unter gleichem auch noch mal die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 3 % was auch nur den kleinen Mann trifft und sicher keinen Reichen. Wer mit 1000 Euro im Monat auskommen muss, der wird es merken am Ende des Monats. Die SPD hat sukzessive die Versicherungskonzerne und Banken mit Gewinnen gepäppelt mit Riesterente, was ein Betrug an Einzahler ist und jede Menge anderes. Muss ich nicht alles ausführen. Weiss jeder hier.


Wir sehen also, dass wir im knallharten Kapitalismus leben und wenn irgend wer gemolken wird, dann sind es die kleinen Leute. Ich habe hier noch nicht mal die Euro Einführung, Finanzblasen und Mietsteigerungen usw angeführt.
Die deutsche Einheit im Nationalismustaumel wurde also rein durch den kleinen Mann finanziert in den sozialen Sicherungssystem, was die Portokasse war von Kohl, was unser ganzes System zerschlagen hat und wir heute sehen können mit Tafeln und Pfandflaschensammlern.


Nun kommen wir zum Fall der Flüchtlingskrise.

Auch hier wird es uns nicht anders ergehen, denn eine CDU oder SPD Regierung (egal ob FDP oder Grüne darin beteiligt sind) wird genau das Gleiche machen wie schon zuvor. Wer muss die Zeche bezahlen dafür, dass wir moralisch uns auf der Seite der Guten befinden wollen?


Wir leben nun mal im Kapitalismus und nicht im Sozialismus. Wer das immer noch nicht kapiert hat, der sollte endlich verstehen, dass eine Globalisierung kein sozialistischer Internationalismus ist. Es werden gleichermassen in allen Ländern die unteren Schichten ausgebeutet und man macht sogar die schwachen Länder platt indem man sie destabilisiert und ihnen die wirtschaftlichen Grundlagen nimmt. Ob wir Fischerei in Somalia oder Elfenbeinküste nehmen. Oder Landwirtschaft im Tschad oder oder.
Aber eben auch bei uns Zuhause im vermeintlichen Wohlstand. Wir haben heute für 40 % der Bevölkerung Reallöhne unter dem Stand vor 1995!!!! Das muss man sich mal vorstellen. Normalerweise sollte man doch annehmen, wenn es uns so gut geht, dass alle am Wohlstand prosperieren! Das war doch das Wohlstandsversprechen eines Ludwig Erhardts mit dem Kapitalismus der sozialen Marktwirtschaft oder auch der Freiburger Schule der FDP!
Genau das ist aber nicht eingetroffen. Es hatte angefangen mit Nixons Entschluss nicht mehr den Dollar am Gold zu binden, was dann dazu führte, dass wir einen Finanzkapitalismus bekamen. Die USA war damals kurz davor Pleite zu gehen, weil es echte Forderungen von 3 Mrd Dollar gab in Gold einzutauschen. Mit den Kriegen (Korea, Vietnam) hatte sich die USA damals finanziell übernommen und es war ihnen nicht mehr möglich ihre Gläubiger auszuzahlen. Also hatte man über Nacht entschieden, in einer geheimen Sitzung bevor die Börsenmärkte eröffneten den Dollar vom Gold abzukoppeln. Damit konnte man sich aus dieser Finanzkrise heraus stehlen.
Für uns bedeutete es ähnliches, denn wir haben dann in Deutschland unter Helmut Schmidt auch angefangen den Finanzkapitalismus einzuführen. Wir haben dann auch gleich gesehen, wozu es führte. Das Arbeitslosengeld für Studenten, die nach dem Studium nicht sofort Arbeit fanden, wurde gestrichen. Und andere Kürzungen wurden damals unter Schmidt vollzogen, was Brandt in seiner Regierungszeit erst eingeführt hatte. Es folgten dann Einschnitte unter Kohl, die aber erstmal nicht so gravierend waren bis dann die Deutsche Einheit kam. Manche würden sicherlich sagen: Die Westdeutsche Übernahme.
Damals gab es nur einen Menschen, der sich nicht von einem Nationalismustaumel hat überwältigen lassen, sondern ein kühler Denker blieb und genau wusste was anstehen würde. Denn man kennt ja seine Pappenheimer von der CDU und FDP, wie sie Probleme lösen würden. Und Kohl hatte es ja auch generös und grosskotzig angekündigt: Wir zahlen die Einheit aus der Portokasse. Der BRD geht es wirtschaftlich so gut, dass wir das locker stemmen können. Und Oskar wusste natürlich auch sofort dass alles über die sozialen Sicherungssysteme bezahlt werden würde.
Heute haben wir die gleiche Situation. Wir haben ja auch wieder diese trügerische Sicherheit mit ausgeglichenem Haushalt und sogar einer schwarzen Null, als wenn es Deutschland doch prächtig ging. Natürlich haben wir die letzten 20 Jahre versäumt Investitionen zu tätigen in Strassenbau, Schulen und überhaupt der ganzen Infrastruktur. Das soll ja alles mit links funktionieren durch Privatisierungen und PPP (Public private Partnership oder auch ÖPP genannt zu deutsch: öffentlich-private Partnerschaft). Nur wissen wir jetzt schon bei zwei Autobahnabschnitten, dass diese PPP Gesellschaften pleite gehen und sogar nun vom Staat Nachforderungen haben für versprochene ausgefallene Gewinne. Auch die Steuerbetrugsfinanzierung durch CBL (Crossboarderleasing) ist nun endgültig ins Wasser gefallen und die Gemeinden und Städte wickeln nun all diese CBL Betrugsfinanzierungen ab und müssen wahrscheinlich sogar noch mit Strafen rechnen. Das wird die Gemeinden und Städte sicherlich ein Haufen Geld kosten, gerade wenn es um Abwasserkanalsanierungen usw geht.
Das ganze System ist nur auf Betrug gebaut und nur einige wenige profitieren davon. Kennen wir ja nun auch vom „Dieselgate“ und der Betrogene wird immer der kleine Mann sein. So funktioniert nun mal der Kapitalismus. Es ist ein Betrugs- und Raubsystem.


Ich wollte diese ganzen kleinen Beispiele nur anführen um zu zeigen, worauf dieses System basiert und dass wir mitnichten schon uns einbilden können wir würden mit der Globalisierung und einem vermeintlich linkerem Neoliberalismus die Probleme lösen können. Im Gegenteil. Wir werden sie nur noch mehr verschärfen, wenn wir so weiter denken und der beschissene wird der kleine Mann sein. Wer ist der kleine Mann? Es ist der Arbeiter und prekär Beschäftigte und Arbeitslose. Es ist der grossteil unserer Bevölkerung. Aber es ist auch der Rentner und alle die aufstocken müssen. Wir können mittlerweile von 70 % der Bevölkerung insgesamt sprechen.
Ich weiss, jetzt kommt die Frage, wieso dann nicht 70 % die Linke wählen? Ganz einfach.
• Die Leute werden eingelullt, dass es uns doch so gut geht und Meinungsumfragen werden dazu benutzt damit es eine Selbstbestätigung gibt. Fragt man die Leute, ob sie glauben es ginge ihnen gut, dann werden die wenigsten zugeben, dass es ihnen beschissen geht, gerade wenn sie ständig eingetrichtert bekommen, dass die meisten doch keine Probleme haben. Heile Welt Mechanismus als selffullfilling prophecy. Aber das ist es nicht alleine.
• Die Linke wurde immer noch als Ossi SED Partei gesehen. Mit Oskar konnte 2009 ein Teil damit überwunden werden, aber es hatte sich ja auch schnell gezeigt, dass die Wähler nicht so ganz unrecht mit ihren Befürchtungen hatten und der Wahlerfolg, den übrigens Oskar damals mit 11,9 % eingefahren hatte, war jetzt nicht nur ein Erfolg im Westen sondern auch im Osten, wovon Bodo Ramelow ausgerechnet dann in Thüringen noch heute profitiert hatte, denn es gab eine Zustimmung der Wähler von 29 % im Osten. Mit diesem Traumergebnis und dem Nachhall konnte dann auch Bodo Ramelow Ministerpräsident werden in Thüringen. Ohne Oskar und dem Bundestagswahlergebnis von 2009 wäre Ramelow niemals Ministerpräsident von Thüringen geworden. Man konnte jetzt also auch eher im Osten wieder die ehemalige SED wählen. Aber damals auch im Westen. Es waren Ergebnisse in Umfragen von NRW sogar möglich, die kein Mensch geglaubt hatte. Es gab Umfragen 2008 wo die Linke in NRW bei 18 % lag!!!! Danach musste natürlich gleich der Ost Flügel der Linken die NRWler als „Radikalinskis“ klein kriegen und machte medial gegen die NRWler mobil, denn NRW ist sogar grösser als die ganze ehemalige DDR zusammen von der Einwohnerzahl her und hätte damit eine Bedrohung für die Ost dominierung bedeutet innerhalb der Partei. Diese Kämpfe finden jetzt immer noch statt.

Ich wurde gefragt, was wir Wessis uns herausnehmen so arrogant zu sein, denn was hätte denn eine Linke vor dem Mauerfall schon bewirkt? Sie wäre ja nicht existent gewesen und erst durch die PDS gäbe es überhaupt für Wessis eine Linke.


Das ist grundlegend falsch und zeigt einfach nur, dass Ossis null Ahnung haben.
Für uns war damals Willy Brandt und auch die ganze 68er Generation die Linke. Wir haben das Land komplett verändert und sind kampferfahren gerade damals gegen die Altnazis unter dem Muff der 1000 jährigen Altare.
Später seit Gründung der Grünen 1980 und mit der Friedensbewegung und Antiatomkraftbewegung haben wir mit den Grünen eine Linke gehabt, die sogar bis zu ihrem Regierungseintritt das Land aus der Opposition verändert hat. Damals war für uns die Linke bis nach dem Mauerfall die Grünen als Partei. Mit Regierungseintritt und dem Verrat durch Kosovokrieg, Afghanistankrieg, Agenda 2010 usw wurde die Grünen überflüssig und sogar schädlich. Wir sehen ja auch heute, dass sie letztlich nur eine grün lackierte CDU/FDP geworden ist. ÖDP extrem sozusagen.


Wir haben im Westen als Linke schon immer die Kampferfahrung gehabt, egal ob auf der Strasse oder Parlament um Gegen etwas zu kämpfen. Das ist unsere Linke Tradition. Darin sind wir stark.


Wie sieht es bei Ossis aus?


Ossis mussten sich nie etwas erkämpfen, sondern ihnen wurde der Sozialismus von den Sowjets vor die Füsse gestellt und haben nie eine Revolution oder auch nur „Aufständchen“ gemacht. Ossis sind Konformität gewohnt und alles musste seinen preussischen Lauf nehmen, worauf sie sogar heute noch im FDS stolz sind. Wir im Westen schmunzeln darüber, wenn FDSler darauf verweisen. Wir Wessis rollen die Augen und schütteln dann den Kopf, dass sie immer noch glauben "staatstragend" sein zu müssen. Gregor Gysi hatte bei Maischberger bei seinem Abschied als Fraktionsvorsitzender sogar gesagt er hätte die PDS gegründet, weil natürlich die DDR Eliten keinen Platz gefunden hätten in Westdeutschland und eigentlich diese DDR Eliten lieber bei der FDP sich aufgehoben gefühlt hätten, aber die FDP wollte sie ja nicht haben. Wir haben auch mit der Nachwuchsgeneration dieser DDR Eliten (die Kinder dieser alten Eliten) heute immer wieder den Eindruck, dass sie eigentlich nicht wirklich links sind und sich völlig wohl fühlen im System des Neoliberalismus und nur etwas Stellschrauben drehen wollen. Daher auch diese Auffassung dass man unter links oftmals nur noch Identitätspolitik versteht von Minderheiten aber mit dem ökonomischen System ansich eigentlich gut leben können. Das sind Leute wie Lederer, Liebich, Hoff, Kipping und Co, die letztlich sich arrangieren im System und eigentlich unter Links etwas völlig anderes sehen wollen, wie man es in den USA ja auch lange Jahre praktiziert hatte und glaubte bei den Demokraten mit etwas Minderheitenpolitik und Feminismus schon linksradikal wäre. Nur ändert es halt nix an den ökonomischen Bedingungen und alles wird letztlich nur dem ökonomischen Primat untergeordnet wie man am besten damit neue Märkte erschliessen kann. Mehr ist es ja nicht. Ich will hier nicht auf Kulturindustrie von Adorno und Horkheim rekurieren. Aber letztlich sind sie alle in diese Falle getappt und glauben damit sogar auch noch links zu stehen.
Jetzt haben wir mit der Bundestagswahl zum ersten mal eine völlig andere Situation. Die Flüchtlingskrise, der Einzug der AfD und der grosse Verlust im Osten bei den Wählern gerade in den Bundesländern von Kipping und Hoff (der das Gehirn ist von Ramelow, weil er selbst kaum Intellektualität besitzt) was die Leute zur AfD rennen liess, gerade in Thüringen auch durch die fatalen Fehler, dass man nicht im Bundesrat gegen Maut und Privatisierung stimmte und damit die Linke verraten hat, weil man ja meinte unbedingt wieder "staatstragend" agieren zu müssen, wie man es ja von guten Preussen kennt, hat dazu geführt, dass wir nun eine Linke haben, die gewählt wurde von 2/3 Wessis und 1/3 Ossis (Westberlin macht 2/3 Wessis aus von ganz Berlin und Prenzlberg wird heute sogar auch eher durch Schwaben gekennzeichnet, als durch Ossis).
Zum ersten mal haben wir also nun eine gesamtdeutsche Linke, die nicht mehr von Ossis dominiert wird nach Wählern sondern von Wessis. Das war 2009 noch anders, wo es ungefähr pari pari war und Oskar ja sogar Ossis für sich begeistern konnte, weil man damit die Hoffnung hatte im Osten, dass es keine SED mehr sein würde, die sich dahinter versteckt.


Nun sehen wir uns mal genauer an, wieso dieses mal im Westen so viele (1 Mio Stimmen von hauptsächlich SPD, Grünen und Nichtwählern im Westen) die Linke gewählt haben. Es war der Sahra Faktor, der deutlich machte, dass man glaubwürdig nun eine Gesamtdeutsche Linke wählen würde. Eine Linke, die aber auch mit Vernunft agiert und eben nicht den ideologischen, moralischen sich auf die Schulter klopfen, sondern nach Verstand und Vernunft agieren würde. Sahra steht dafür und auch mit dem Wissen im Hinterkopf, dass Oskar ihr Ehemann ist und beide für etwas stehen, was manchem moralischem Schulterklopfer im Westen, aber auch Ostlinken gar nicht schmeckt.


Wir haben jetzt zum erste mal die Gelegenheit aus der Linken wirklich eine Gesamtdeutsche Linke auch intern zu machen und damit auch westdominiert. Denn der Anteil im Osten ist nun mal sehr gering. Einwohnerzahl mässig macht der Osten nicht mal NRW alleine aus. Aber wir haben jetzt auch mit Sahra zum ersten mal die Chance eine Volkspartei zu werden. Denn darum muss es gehen. Eine Linke muss selbst den Kanzler stellen und selbst als Regierungsoption gelten. Wir haben nun zum ersten mal die Chance, dass aus allen Lagern eine Führungsperson nicht nur respektiert wird oder sympathisch gefunden wird als Pausenclown in Talkshows wie Gysi, sondern zum ersten mal auch zugetraut wird die Zügel des Landes in die Hand nehmen zu können. Und das ist Sahra. Letztlich haben wir zum ersten mal einen Willy Brandt Effekt.
Wir haben aber auch eine Situation, wo es darum geht, dass wir verhindern müssen, dass dieses Land nach rechtsaussen abdriftet. Diesmal aber nicht mit Strauss oder generell einer altnazi CDU Führung, sondern durch die Umbrüche, die wir nun erleben werden in der Welt. Wir haben in Afrika, in Libyen die Leute vor der Haustür stehen und klopfen an, weil wir ihnen die Lebensgrundlage genommen haben. Es sind jetzt nicht mehr so sehr die syrischen Flüchtlinge wie noch 2015, sondern afrikanische Flüchtlinge, die zu uns kommen wollen. Die Grünen sprechen gerne von Klimaflüchtlingen, was zum Teil auch stimmt, aber nur die halbe Wahrheit ist, denn es sind vor allem Flüchtlinge, die durch unsere Schuld gezwungen sind nach Europa zu flüchten. Unter Gaddafi gab es den Deal mit Europa, dass man ihm 5 Mrd Euro pro Jahr gibt, damit er diese bei sich behält. Damit wurde Libyen zu einem Gastarbeiterland, wo die Hälfte der Bevölkerung aus Gastarbeitern aus Mali, Tschad und anderen afrikanischen Ländern bestand, aber ein gutes Einkommen hatten und auch ansonsten in der mehr oder weniger sozialistischen Gesellschaft sich aufgehoben fühlen konnten. Nun sieht es anders aus und die ganzen Gastarbeiter werden von Rassismus bedroht in Libyen durch die Islamisten und haben auch keinen Anspruch mehr wie Gastarbeiter dort gesehen zu werden. Es kommen auch immer mehr über Libyen aus dem Kernarfika zu uns und wollen hier leben, weil wir bei ihnen im Land Diktatoren unterstützen oder Bürgerkriege anzettelten, weil man Stammesrivalitäten nun zu ethnischen und religiösen Kriegen machte. Wir kennen ja noch die Märchen, die uns über Sudan und Dafur erzählt wurden in den Medien. Gleiches findet jetzt auch im Tschad, Mali bis hin zu Tansania sogar statt. Wir sind verantwortlich für diese Kriege und befeuern sie, weil ein Stamm auf Rohstoffen sitzt, was unsere Westlichen Konzerne abschöpfen wollen und dafür den Stammesführern Waffen besorgen. Natürlich oftmals mit dem Label versehen, dass sie ja Christen sind die gegen den Islam kämpfen, weil man ihnen eine Bibel in die Hand gedrückt hat obwohl es Animisten sind, wie damals in Dafur geschehen.
Diese Aufgaben müssen gelöst werden vor Ort und nicht bei uns. Wir können nicht alle bei uns aufnehmen und glauben somit etwas Gutes zu tun. Wir haben immer noch nicht das Problem der deutschen Einheit gelöst und sollen wir dann genauso glauben, dass wir noch mehrere Mio Flüchtlinge aufnehmen können aus der Portokasse, wie uns Kohl damals versprochen hat mit der deutschen Einheit? Was passiert dann bei uns? Ich denke das kann sich jeder ausmalen ohne dabei eine Intelligenzbestie zu sein.
Wir leben nun mal im Kapitalismus und wir haben eine Merkelregierung. Es wäre aber auch völlig egal, ob wir nun eine SPD/grüne oder CDU/FDP Regierung hätten, denn bei allen 4 Parteien gibt es nur ein einziges Verständnis: Wir wollen so tun als wenn wir was Gutes tun, und dafür muss der kleine Mann dann eben bezahlen.


Was der Wähler und Bürger und kleine Mann will, ist etwas anderes.


Er will wissen, dass eine Regierung in seinem Sinne so das Land regiert, damit es uns wieder gut geht und man gut in diesem Land leben kann ohne Unsicherheiten, egal ob durch Rente im Alter oder auch mit Arbeit, die ihnen eine Zukunftsplanung ermöglicht. Man will wieder eine Anerkennung haben auf die Lebensleistung, wie es die Ossis ja die ganze Zeit schon fordern, aber nie bekommen haben. Deswegen ist es auch völlig verständlich, wenn gerade im Osten die Leute sich von der AfD erhoffen jetzt mal richtig aufzuräumen, egal wie es ausgehen würde. Sie haben einfach den Kaffee auf. Und das ist verständlich. Bisher haben wir im Westen genau dieses Potential noch auffangen können und viele die den Kaffee auf haben, haben nochmal oder sogar zum ersten mal die Linke gewählt.


Aber nur dieses mal noch. Es war schon dieses mal schwer Menschen davon zu überzeugen die Linke mit der Zweistimme zu wählen, statt die AfD zu wählen oder nicht wählen zu gehen. Nur weil Sahra Spitzenkandidatin war der Linken konnte es im Westen gelingen. Nicht weil man die Linke toll findet. Oder gar glaubwürdig. Mit der Spitzenkandidatur von Sahra wurde viel mehr verbunden als nur eine gute Frau für die Linke sie anzuführen im Wahlkampf. Es wurden auch Inhalte damit verbunden und man konnte auch damit klare Ausrichtungen erkennen. Sie ist die einzige Spitzenlinke, der man im Westen traut und glaubwürdig ist (neben Oskar).
Wenn wir in St. Pauli z.B. nun die stärkste Partei geworden sind und insgesamt sogar 38 % an absoluten Stimmen Zuwachs in Hamburg bekommen konnten, dann ist das ein Vertrauensvorschuss für Sahra, aber nicht für die Linke. Genauso auch in Städten wie Münster in NRW, wo man die Stimmen fast verdoppelt hat und die AfD sogar unter 5 % halten konnte.
Wenn die Linke nicht dem Kurs von Sahra und Oskar folgt, wird man bei der nächsten Bundestagswahl erleben, dass dann auch im Westen die AfD genauso an Stimmenzuwächsen bekommt, wie im Osten. Wir haben die einmalige Chance in dieser Legislaturperiode aus der Linken eine Volkspartei zu machen, die das nächste mal eine Kanzlerkandidatin Sahra Wagenknecht aufstellt.


Vertun wir nicht diese Chance, sondern ergreifen wir sie. Wir leben in einer Umbruchphase und es ist realistisch, dass dieser Umbruch für uns genutzt werden kann.


(Ich bin nicht auf die Situation der SPD und Grünen eingegangen, da es dann zu umfangreich geworden wäre. Es ist alles schon mitbedacht und ist hier nur ein Appell an Linke.)

16:56 29.09.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Rüdiger Heescher

Rüdiger Heescher ist Gründungsmitglied von attac und hat von 2006-2010 für die Bundestagsfraktion und Parteivorstand der Partei Die Linke gearbeitet.
Rüdiger Heescher

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