Star Trek Kommunismus strategisch erzwingen 1

Zukunft/Gesellschaft Wie schaffen wir einen Star Trek Kommunismus durch Sachzwänge ohne eine blutige Revolution? Ein theoretischer Entwurf mit praktischen Folgerungen.
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Star Trek Kommunismus braucht kein Geld mehr. Auch Marx hat das als das Merkmal von Kommunismus gesehen. Gibt es einen Überfluss, dann muss man keine Verteilungssysteme wie Kapitalismus oder Sozialismus haben, denn ökonomische Systeme sind nur dazu da um Mangel zu verteilen. Die einen glauben, dass man Mangel gerecht verteilen muss (Sozialismus) und die anderen glauben, dass man Mangel nach Leistung verteilen muss in einem ausgeklügelten System, was Leistung ad absurdum führt (Kapitalismus). Im Kommunismus, der höchsten Stufe der Zivilisation, gibt es aber keinen Mangel und braucht entsprechend auch kein ökonomisches System mehr, was Mangel verwaltet und verteilt.
Wenn wir also einen Star Trek Kommunismus schaffen wollen, dann müssen wir das System dazu zwingen Mangel zu überwinden und Überfluss schaffen. Mancher wird denken, dass wir dieses mittlerweile schon haben, denn wir haben eine Überproduktion durch den fortgeschrittenen Kapitalismus, was auch in vielen Bereichen zu einer Deflation führt. Ja das trifft zu, aber bezieht sich nur auf den Massenkonsum-Markt auf minderwertigem technologischen Standard durch Monopolbildung. Es gaukelt uns vor, dass wir Mangel überwunden haben durch Konsum. Es ist aber das Gegenteil der Fall, denn Mangel existiert weiterhin und verfestigt Kapital in seiner Machtposition. Wir werden später sehen, wieso. Wachstumskritik setzt beim Massenkonsum an und zeigt auf, dass wir damit unsere Natur zerstören. Das ist berechtigt und auch richtig bezogen auf den Massenkonsummarkt, aber greift zu kurz und lenkt ab von einem anderen Problem. Die wesentlichen Schlüsselressourcen werden nach wie vor als Mangelprodukte erhalten - Künstlich und aufgrund technologischer Zurückhaltung/Vorenthaltung. Zum anderen werden existenzielle Schlüsselressourcen zur Ware, die ubiquitär zur Verfügung stehen und verknappt sie durch das System selbst, indem sie zur Ware gemacht werden.

Was ist der Grund dafür?

Ein Kapitalismus kann nur durch Mangel und Mehrwert von verknappten Gütern überleben und sich so Monopolstellungen erschaffen, die in Konzernen mündet für die Produktion auf dem Massenmarkt. Konzerne werden nur das produzieren, was sie mit einer Profitlogik aus dem Mehrwert heraus auf dem Massenmarkt verkaufen können. Dafür brauchen sie Schlüsselressourcen, die künstlich verknappt gehalten werden und nur ihnen zur Verfügung stehen, da sie über das nötige Kapital verfügen, um sich diese Schlüsselressourcen zu sichern.

Eine Schlüsselressource ist Energie, die grundlegend für Wohlstand notwendig ist. Jede Technologie basiert auf Energie. Jede Produktion basiert auf Energie. Jeder zivilisatorische Fortschritt basiert auf Energie. Energie ist der Schlüssel für jede Form von Entwicklung. Diese Ressource wird gehütet und nicht frei gegeben als eine Überflussressource.

Energiegewinnung wurde seit Jahrhunderten gleichgesetzt mit fossilen Rohstoffen. Mit der Dampfmaschine haben wir die industrielle Revolution bekommen, basierend auf Kohle, die uns eine Massenproduktion ermöglichte. Maschinen, die uns ermöglichen Massenproduktion für einen Massenmarkt bei einem hohen Profit aus dem Mehrwert zu schaffen, verbrauchen viel Energie, was nur das Kapital in der Lage war/ist als verknapptes Gut zu finanzieren - so auch die industrielle Technologie durch Maschinen, die durch die Energie betrieben werden.

Heute sind wir auf dem Weg uns von fossilen Energieträgern zu trennen und ersetzen Stück für Stück diese durch erneuerbare Energie. Ein Fortschritt, der aber nicht ausreicht. Wir haben wieder eine Monopolbildung durch Verknappung, denn wir ersetzen nur fossile Energieträger, aber erzeugen keinen Überfluss. Wenn wir einen Überfluss an Energie erzeugen würden, dann wäre es nicht möglich Monopole/Oligopole der Energieversorgung und Energienutzung zu erhalten und damit das System zu verfestigen. Das Kapital drängt also darauf weiterhin die Ressource Energie knapp zu halten und weiterhin mit einer Mehrwertlogik für den Massenmarkt ihren Profit aufrecht zu erhalten.

Worum es gehen muss, ist nicht nur die Schaffung von ausreichend Energie, sondern ein Überfluss an Energie und gleichzeitig auch eine Autarkie. Die Unabhängigkeit von Energieproduktion für den individuellen Haushalt ist heute schon möglich und muss ausgebaut werden.

Arbeit und Produktion

Ein grundsätzlicher Denkfehler ist heute Arbeit im Kollektivismus. Arbeit wird aber in Zukunft nicht mehr in der Produktion benötigt werden. Bisher glaubte man für die Herausbildung von Gemeinschaften ist der Prozess der Arbeit, die sich immer unter konkreten Produktionsverhältnissen vollzieht, ihre Teilung und Kooperation, von ausschlaggebender Bedeutung. Die Arbeit und die untrennbar mit ihr verbunden gesellschaftlichen Verhältnisse prägen entscheidend das gesellschaftliche Wesen des Menschen denn „das menschliche Wesen kein dem einzelnen Individuum innewohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse.“ (Marx/Engels, Bd.3, S.534)
Heute schon und in Zukunft noch viel mehr wird aber die Arbeit in der Produktion keine Rolle mehr spielen. Die gesellschaftlichen Verhältnisse werden dann andere sein, als noch zu Zeiten der Industrialisierung.
Der Grundbaustein einer Volkswirtschaft für Wertschöpfung liegt in der Produktion, was aber in Zukunft unabhängig von Arbeit gewährleistet sein wird. Es wird also nur noch Arbeit in Dienstleistungen geben, die Volkswirtschaftliche kaum reale Wertschöpfung erzeugen.
Produktion wird in Zukunft mit einem 3 D Drucker geschehen, sei es im Industriellen Format oder auch Zuhause. Auch hier ist mit Hilfe der Energieautarkie eine umfassendere Autarkie möglich.

Natürlich wird das Kapital immer Wege suchen auch hier Profit zu machen und irgend eine Dienstleistung anzubieten versuchen, die dann eine Abhängigkeit erzeugt. Doch sollte man von vornherein diese Winkelzüge erkennen und verhindern. Das gleiche hat sich schon angekündigt bei Elektroautos indem man eine Infrastruktur schaffen wollte durch austauschbare Batterien, statt Ladevorgängen. Neuerdings versucht man eine Infrastruktur zu schaffen von den Stromkonzernen, die auch mit Atom- und Kohlekraftwerken dann die Tankstellen betreiben und natürlich für ihren Strom auch Geld haben wollen. Doch das wird so nicht gelingen, denn heute schon sieht man mit Hausbatterien und eigener Photovoltaikanlage dem entgegen und wird auch in einem Paket von TESLA angeboten. Nissan will nachziehen und auch hier so ein Angebot machen, welches Autarkie in Energie und Mobilität ermöglicht. E.ON steigt schon ein in das Solardach Wartungsgeschäft um jetzt wenigsten etwas vom Kuchen abzubekommen. Schliesslich müssen wie Dachrinnen auch Solarpannels ab und zu gereinigt werden. Aber auch das wird bald nicht mehr gelingen, denn der technologische Fortschritt geht weiter und wir haben mittlerweile seit 2013 Solarzellen Folien, die man in Scheiben oder jeder glatten Oberfläche einbauen kann/aufkleben kann. Die Effizienz bei transparenten Folien, die bei 300 qm nur 1 Gramm wiegen, ist noch im Bereich von 8 % aber soll nach neusten Vorstellungen von Sharp und auch Silicon Valley Firmen 20-25 Effizient haben, wie die neuen herkömmlichen Siliziumbasierten Fotovoltaik Pannels auf dem Dach. Es ist also dann möglich transparente Folien in Fenster zu kleben, aber auch das ganze Elektroauto mit dieser Folie zu verkleben. Künstliche Photosynthese sozusagen für die ganze Oberfläche des Autos incl. der Scheiben. Damit wären Reichweite für Elektroautos mit Hilfe von Brems-Generatoren, die um die 400 kw Aufladung heute schon bringen sowie der Photovoltaik Folien eine Nutzung und gleichzeitige Aufladung der Batterien möglich.
Es hört sich an wie ein Perpetuum mobile, was es dann auch ist, wenn man berücksichtigt, dass die Sonne selbst ja ausserhalb des Systems steht und damit kein echtes Perpetuum mobile ist. Die Sonnenenergie ist aber im Überfluss vorhanden und es spielt dann auch keine Rolle, ob die Effizienz von Solarfolien 20 % oder 70 % ausmacht.
Es wird also für das Kapital nur einmalige Profite geben durch den einmaligen Kauf, aber nicht durch weitere Abhängigkeiten. Man wird viele Tricks versuchen durch Annehmlichkeiten wie im Internet, aber diese muss man genauso rigoros von vornherein ausschliessen wie man Werbung an Schulen verbietet. Ich weiss, dass man auch immer versucht gerade an PPP (Public Private Partnership) Schulen Werbung indirekt zu installieren. Doch da muss man wachsam sein, dass keine Kommerzialisierung und Abhängigkeiten durch Annehmlichkeiten entstehen, denn genau das ist der neoliberale Trick bisher gewesen.
Für einen Star Trek Kommunismus kommt es also darauf an jegliche neoliberale Tricksereien von vornherein auszuschliessen.

Schaffen wir durch technologischen Fortschritt und Energieüberfluss diesen Schritt hin zu einer Energie- und Mobilitätsautarkie, sowie in Zukunft auch der Produktionsautarkie, ohne dass wir auf die neoliberalen Tricks hereinfallen, dann können wir durch diesen Sachzwang das System in die Knie zwingen. Der Monetarismus wird sich eine Zeit halten durch Verbriefungen in Leasings, aber genau das wird man auch direkt angehen können indem nicht mehr Produkte zugelassen werden, die schlecht sind, sondern die Qualität das ausschlaggebende Kriterium sein wird.

Wie das funktionieren soll, neoliberale Finten zu verhindern und wie der Mehrwert eine entscheidende Rolle spielen wird, dass erfahrt ihr im zweiten Teil

to be continued

23:47 21.05.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Rüdiger Heescher

Rüdiger Heescher ist Gründungsmitglied von attac und hat von 2006-2010 für die Bundestagsfraktion und Parteivorstand der Partei Die Linke gearbeitet.
Rüdiger Heescher

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