Warum Multiversum?

Kosmologie/Physik Ich möchte heute das Multiversum anschaulich erklären ohne zu sehr auf mathematische Feinheiten einzugehen, was aber in zwei Punkten unausweichlich sein wird.
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Hierzu werde ich aber auf das mathematische Verständnis eingehen, welches jeder in der Schule gelernt hat.
Ich erkläre das Multiversum in einer 4 dimensionalen Anschauung, die so verständlich wird und auch erklärt, wie ein Urknall und das beschleunigt, expandierende Universum zu verstehen ist. Wir können uns ein 4 oder 3 dimensionales Gebilde nur vorstellen, was die Anschauung ermöglicht. Die möglichen höheren Dimensionen werden hierbei zwar noch erklärt, aber werden die Anschauung nicht verändern. Die Darstellung ist also heruntergebrochen als Vorstellung über das Multiversum, wie es nur für unser Gehirn möglich ist, da wir uns keine 5, 6 oder gar 11 Dimensionen vorstellen können.


Das ist auch ein Grund, warum sich viele Physiker nicht mit der Idee anfreunden können, dass es mehr als 4 Dimensionen gibt. Eine typische Reaktion, die vor allem Physiker betrifft, die sich nie mit Geometrie auseinander setzen, außer wenn sie im Studium die Allgemeine Relativitätstheorie lernen, aber ansonsten nie brauchten. Der Grossteil aller Physiker ist mit der Quantentheorie sozialisiert worden, da es dort vor allem um technologische Entwicklungen geht. Alle Technologie basiert auf der Quantenelektrodynamik. Nur Astrophysiker und Astronomen brauchen die allgemeine Relativitätstheorie und man hat auch noch nie eine Technologie für praktische Anwendungen erfunden aus der Allgemeinen Relativitätstheorie heraus. Das Quantenuniversum für diese Physiker ist flach und 4 dimensional. Eine Quantentheorie hat keine Geometrie und man muss sich dann auch nicht mit Vorstellungen und Anschauungen beschäftigen. Mit der Kopenhagener Deutung der Quantentheorie ist es sogar verboten worden sich eine Vorstellung darüber zu machen. Man rechnet einfach und das war es. Man hat also den Grossteil aller Physiker zu Ingenieuren degradiert im Denken. Soweit vorab zu den soziologischen und psychologischen Feinheiten in der Physikergemeinde.


Trotzdem erfährt das Multiversum eine immer grössere Beliebtheit, weil es nicht einfach beschreibt sondern sogar erklärt, warum etwas so ist wie es ist. Unsere beiden großen Theorien, die in der Physik seit einem Jahrhundert unversöhnlich nebeneinander stehen, aber beide grosse Einblicke ermöglichten sind beide beschreibende Theorien.

Die eine Theorie, die Quantentheorie, handelt vom ganz kleinen, was wir nicht sehen können und die andere Theorie, die Allgemeine Relativitätstheorie, handelt vom ganz grossen, was wir auch nicht selbst wahrnehmen können und im Alltag irgend wie als Erfahrung bestätigen könnten. Die Quantentheorie hat aber einen Vorteil. Sie hat uns technologische Fortschritte bringen können, die wir als Gebrauchsgegenstände benutzen im alltäglichen Leben. Das kann die allgemeine Relativitätstheorie nicht vorweisen, ausser man betrachtet die Genauigkeit von GPS Signalen durch Satelliten als eine solche Errungenschaft. Ohne die Allgemeine Relativitätstheorie hätte das GPS Signal eine viel höhere Abweichung. Im Grunde würde aber auch ein GPS mit einer höheren Abweichung ohne die allgemeine Relativitätstheorie genauso gut funktionieren. Nicht so exakt, aber es würde reichen und funktionieren für unseren Hausgebrauch.


So gut die Quantentheorie Denke funktioniert für unsere Technologie, so hat sie aber einen gewaltigen Nachteil gegenüber der allgemeinen Relativitätstheorie. Sie ist nicht exakt und auch nicht schön. Die Relativitätstheorie ist zwar nutzlos für unsere Technologie, aber sie ist exakt und stimmt. Hinzu kommt, dass sie auch noch klassische Physik ist und daher auch in einer Klarheit und Einfachheit vom Verständnis her überragt. Man muss keine Denkakrobatik betreiben um sie zu verstehen, auch wenn mancher glaubt sie sei schwierig zu verstehen. Das hatte man sicherlich auch bei Newtons Theorie geglaubt zudem weil er damit auch noch die Integralrechnung erfunden hat. So ähnlich war es auch mit Einsteins Theorie, der dann für Physiker ungewohnte Tensorrechnung eingebracht hat. Im Falle der Quantentheorie haben wir etwas anderes. Wir haben nur eine Wahrscheinlichkeitsrechnung eingebracht die uns die Erfahrung in unserer Welt lehrt. Jeder kennt das Würfelspiel mit welcher Wahrscheinlichkeit er eine 6 würfelt. Darauf basiert die Quantenmechanik und ist natürlich dann auch einfach zu verstehen. Vermeintlich! Denn was daraus folgte war ein mathematischer Prozess, der dann dazu mit der Kopenhagener Deutung aufforderte nicht mehr nachzudenken, sondern nur noch zu rechnen und zu akzeptieren was man heraus bekommt. Bei der Relativitätstheorie ist das nicht so. Dort muss man nachdenken und sich eine Vorstellung machen darüber, ob jeweilige Ergebnisse aus Tensorprodukten weiterhin benutzt werden dürfen oder nicht.


Im Grunde gibt es also eine unterschiedliche Wahrnehmung wie man mathematische Probleme lösen muss. Quantentheoretiker werden dazu angehalten fatalistisch zu akzeptieren, was sie errechnet haben ohne eine Anschauung darüber zu haben und Relativitätstheoretiker MÜSSEN sich ständig eine Anschauung vor Augen halten, ob sie bestimmte Zwischenergebnisse so weiter benutzen dürfen. Dieses ist auch der Unterschied, wieso die Relativitätstheorie eine klassische Physik ist und somit auch ein gewisses mathematisch konservatives Verständnis erfordert und die Quantenmechanik Voodoo Mathematik erlaubt (Ok, ich versuche nicht mehr polemisch zu werden ;-) ), die mathematisch weit entfernt ist von einer konservativ mathematischen Haltung.


Ich will es mal im Sinne von Paul Feyerabend vergleichen.

Wir haben eine Astrologie formal mathematisch ausgestaltet, welche alles Mögliche beschreibt und Zusammenhänge herstellt. Wir schauen dann, was es für Zusammenhänge sind und welche Eigenschaften wir ihnen zuordnen können. Wir haben also festgestellt, dass bei bestimmten Planetenkonstellationen eine Persönlichkeit so oder so entfaltet. Wir haben also empirische Befunde, die wir zuordnen. Wir können nicht exakt sein, aber wir haben so etwas wie eine Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch, der zu seiner Geburt den Jupiter in Konjugation zum Uranus im Sternzeichen Jungfrau mit einem Aszendenten Skorpion hat ein widerliches Arschloch sein muss. Wir stellen dieses fest bei vielen Menschen, die diese Konstellation zu ihrer Geburt haben. Natürlich sind es nicht alle, aber eine Gehäufte Anzahl mit einer höheren Wahrscheinlichkeit wird diesem Persönlichkeitsbild entsprechen. Damit haben wir dann den Typus eines bestimmten Persönlichkeitsbildes festgelegt bei einer bestimmten formalisierten mathematisch charakterisierten Persönlichkeit. Über die 3000 Jahre Astrologie Studium als logische empirische Wissenschaft konnten wir es immer mehr verfeinern und präzisieren. Wenn man ganz zu Anfang glaubte nur durch das Sternzeichen Jungfrau etwas über die Person sagen zu können, so wurde es mit den Jahrhunderten immer mehr angepasst und verfeinert. Das nennt man Renormalisierung und hat auch mit einer Eichtheorie grosse Erfolge gefeiert, die uns erlauben Vorhersagen zu machen. Ab und zu musste man zwischendurch über die Jahrtausende auch die Gruppentheorie (Numerologie) ändern und entsprechend andere Zuordnungen machen, denn wir haben ja über die Jahrtausende immer mehr Planeten entdeckt und unsere Messmethode wurde immer präziser, die uns die Konstellation der Planeten genauer beschreiben lässt. Es wurde erweitert, denn die Forschung in der Astrologie hat ja Fortschritte gemacht und hört nicht auf, die uns bestätigt, dass die Ergebnisse aus unserer Forschung mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Zumindest können wir hohe Wahrscheinlichkeitsaussagen machen. Es sind natürlich auch alle anderen Möglichkeiten vorhanden. Nichts ist unmöglich in der Astrologie genauso wie in der Quantenmechanik. Aber wir stellen halt fest, dass es doch eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt für eine bestimmte Persönlichkeit. Es ist also ein mathematisches Gerüst, was von Anfang an bestand, worauf alles folgende basiert und uns präzise Sigma 7 Wahrscheinlichkeit bescheinigt. Wenn wir also eine Persönlichkeit bestimmen können mit einer Sigma 7 Wahrscheinlichkeit, dann ist es auch so und Fakt. Es funktioniert und ist wahre echte Wissenschaft, denn wir werden bestätigt, dass es funktioniert. Astrologie ist eine logisch empirische Wissenschaft genauso wie die Quantenmechanik (Das ist keine Polemik, denn das Prinzip ist wirklich das gleiche. Nicht umsonst schwören heute noch viele Menschen auf Astrologie. Das darf man nicht vergessen.)


Warum ich dieses so ausführlich voran stelle hat damit zu tun, wie man jeweilige Beobachtungen interpretiert und deutet. Ich will die Quantenmechaniker hier nicht bashen, was natürlich automatisch der Fall ist ;-), aber es geht mir hierbei um etwas völlig anderes. Es wird am Ende des Artikels deutlich, das eine Multiversum Vorstellung eine klassisch physikalische Darstellung ist im Gegensatz zu allen Akrobatiken, die man versucht mit einem Universum zu interpretieren.
Man wird es mir jetzt noch nicht glauben, da der Gedanke an mehr als 4 Dimensionen natürlich nicht behagt, aber so ist es.


Wie muss man sich ein Multiversum vorstellen?


Ich werde jetzt voranstellen, wie man zu Multiversen gekommen ist welche verschiedenen Vorstellungen es darüber gibt. Sie dienen aber mehr als Hinweis dafür, dass es mehrere Wege gab zu so einer Vorstellung zu kommen und weniger, dass es diese ganzen Modelle tatsächlich in der Wirklichkeit gibt. Darüber muss man dann eher streiten. Das Ding ist, dass man über verschiedenste Wege Hinweise auf die Existenz ansich gefunden hat aus unterschiedlichsten Bereichen der Physik. Hinweise, die uns dann ein komplettes Bild irgendwann ermöglicht haben.


1. Huge Everetts Tochteruniversen
Das bekannteste Multiversum Model, gerne in SciFi Filmen verwendet, aus der Interpretation der Quantentheorie von Everett ist kein geometrisches Modell, aber hat schon die Tür geöffnet für ein anderes Denken. Natürlich rein aus der Quantenmechanik heraus eine Vorstellung, die sich wieder mit der Interpretation von Wahrscheinlichkeit beschäftigt. Es wird später für unsere Betrachtung keine Rolle spielen. Aber ich will es mal hier darstellen.
In der Quantenmechanik gibt immer Wahrscheinlichkeiten, wovon wir eine Lösung als höchste Wahrscheinlichkeit annehmen, aber es kann auch sein, dass eine andere alternative Lösung tatsächlich existiert. Wenn sich also ein Teilchen für den einen Weg entscheidet (Spin), dann kann es sich auch genauso gut für den anderen Weg entschieden haben und da die Möglichkeit besteht, ist sie auch wahr. Das heisst also in unserem Makrokosmos, dass wir Entscheidungen fällen, so kann diese einmal so oder so ausfallen. Jede dieser Entscheidungen bildet wieder ein eigenes Universum. Wir werden natürlich nichts von dem anderen Universum erfahren, denn wir haben ja eine Entscheidung gefällt und kennen ja nicht die Auswirkungen, wenn wir uns anders entschieden hätten. Es werden also bei jeder Entscheidung die mehr als eine Lösung hat und wir uns verschieden entscheiden können gleichzeitig ein neues Universum geschaffen, wo genau diese andere Entscheidung dann zur Wirkung und Entfaltung kommt. Dieses wird dann also bedeuten, dass wir lauter verschiedene selbst generierende Tochteruniversen haben. Es gibt also noch viele andere Ichs in vielen anderen Paralleluniversen und keiner von denen wird je etwas über meine Existenz erfahren oder auch nur ahnen.


Esoterisch oder? So ist es.


Aber das wird tatsächlich gerne angeführt natürlich von Quantenphysikern. Denn schliesslich entspringt diese Idee rein aus der Quantentheorie und dem mathematischen Formalismus der Quantentheorie. Diese Idee ist also eine Konzeption aus der Quantentheorie und beschreibt Tochteruniversen. Manche davon sehen ähnlich aus wie unser Universum aber haben jeweils kleine Unterschiede. Über die 13,8 Mrd Jahre haben sich natürlich auch Universen entwickelt, die völlig anders sind, aber wir könnten auch ein Paralleluniversum haben, was fast exakt genauso ist wie unseres nur dass du einmal verheiratet bist und das andere mal Single geblieben bist. Diese Tochteruniversen bringen uns aber nicht wirklich weiter um die grossen physikalischen Probleme zu lösen.
Aber es war schon mal ein Anfang und Hinweis aus der Quantentheorie heraus, dass man sich auch noch etwas vorstellen kann, was über unser Universum hinausreicht. Viele Wege führen nach Rom, was wir später auch noch sehen werden. Damals wurde Everett verspottet und wurde nur gerne von Esoterikern zitiert, weil er ja Physiker war. Esoteriker wollen ja immer eine physikalische Bestätigung für ihre Fantasien haben. Man muss dazu sagen, dass die Quantentheorie nun mal 20 verschiedene Interpretationen zulässt und die Kopenhagener Deutung auch nur eine von vielen ist. Sie ist nüchtern, aber hat eben auch dazu geführt, dass Physiker zu Ingenieuren wurden. Heute seit dem Hype der Stringtheorie wird Everett nicht mehr verspottet, denn man sieht es als ersten Hinweis darauf, dass es mehr als unser Universum rein aus dem Formalismus der Quantentheorie geben kann. Man kann also Quantenmechaniker beruhigen, dass vielleicht ihre Theorie doch etwas mit der Realität zu tun hat. Auch eine gute Politik. Eine Physikergemeinde besteht halt auch aus verschiedensten Fraktionen, die befriedigt werden muss, vor allem, wenn es die grösste Fraktion ist. ;-)


Es ist ein zweischneidiges Schwert, denn es geht davon aus, dass Quantenmechanik wirklich etwas mit der Realität zu tun hätte und erhöht damit auch das Fantasieren über esoterische Vorstellungen. Ich persönlich lehne diese Vorstellung ab, denn es ist einfach nur Blödsinn. Einfach Universen aus einer Wahrscheinlichkeitsberechnung zu postulieren hat für mich nichts mit Physik zu tun. Es ist schlicht und einfach Esoterik.


2. Das Blasenmultiversum
Mit dem Everett Modell hatte man noch eine rein ungeometrische Vorstellung, die schlicht und einfach nur verschiedenste Schichten von Universen dachte, die alle nebeneinander coexistierten. Schliesslich geht man davon aus, dass unser Universum flach ist und sich unendlich ausbreitet. Man hatte sich letztlich darüber auch keine grossen Gedanken gemacht, denn man war ja auf Wahrscheinlichkeiten fixiert und der Quantenmechaniker arbeitet ohnehin nur in einer flachen Matrix.
Bei dem Blasenmodell wurde es dann aber schon geometrisch und berücksichtigte auch eine abgeänderte Friedmann Gleichung, die aus der Allgemeinen Relativitätstheorie entstand. Die Väter dieser Theorie sind Alexander Vilenkin und sicherlich auch André Linde. Man hat ja angenommen, dass man sich das Universum vorstellen muss wie einen Luftballon der immer mehr aufgeblasen wird, was dann die Inflation darstellen soll. Es ist also einmal unsere Hubble Konstante, die das beschreibt, was wir Inflation nennen und unser Universum immer mehr vergrössert. Unser Universum liegt auf der Oberfläche des Luftballons und bildet dann unsere Sphäre. Dadurch, dass der Luftballon immer mehr aufgeblasen wird, vergrössert sich auch unser Universum immer mehr. Es ist letztlich das Model, was wir auch in der Schule lernen von unserem Universum.
Jetzt muss man sich aber vorstellen, dass diese Blase neue Blasen generieren kann und diese dann eingebunden sind in der grossen Blase. Diese Blasen können auch zusammenstossen und damit gehen dann Blasen kaputt und neue Blasen entstehen. Man muss es sich wie einen riesigen Ozean vorstellen in dem es unendlich viele Blasen gibt, die entstehen und vergehen. Ineinander von sich selbst aus dem Ozean. Es war von vornherein eine Theorie, die aus der Idee der „ewigen Inflation“ (eternal Inflation) entstand. Jede Blase kann entstehen und auch schnell wieder verschwinden. Jede Blase hat auch unterschiedliche physikalische Gesetze. Je nach Gesetzen sind Blasen stabil oder auch nicht. Ein entstehen und vergehen in der Blasenlandschaft, was aber dadurch bedingt wird, dass die Blasen sich gegenseitig beeinflussen und sogar auslöschen und neue entstehen lassen. Es gibt hier auch schon Berechnungen zu die dieses unter bestimmten Annahmen voraussagbar erfüllen. Hier wird zum ersten mal auch das, was wir beschleunigte Inflation nennen und beobachtet haben, erklärt. Ein Model, was viele Vorteile hat.


Es erklärt
• beschleunigte Inflation
• Urknall als Urcrunch zweier Blasen
• Das was wir im Quantenfeldtheorie Modell dunkle Energie nennen oder die Kosmologische Konstante von Einstein. Es wird geometrisch erklärt aus den Wechselwirkungen der Blasen. Es gibt dann also keine negative Energie mehr, wie es in der Quantenfeldtheorie beschrieben wird und hat nichts mit einer mysteriösen Geister Energie zu tun.

Hierzu für den interessierten Leser zwei neuere Veröffentlichungen


arXiv:1309.2847v2

arXiv:1403.1599v1


3. Braneworlds
Hierzu muss man eigentlich ein Buch schreiben. (Meine SciFi Serie, die ich als Drehbuch geschrieben habe, behandelt auch alle möglichen Aspekte dieser Theorie bis in Einzelheiten, wie es in Star Trek auch gemacht wurde mit allen möglichen Theorien.)


Braneworlds ist eine mittlerweile von unterschiedlichsten Theorien zusammengefasste Theorie, die sich entwickelt hat. Den Anfang machte die Superstringtheorie mit 10 Dimensionen und bekam durch Branetheorien, die es Anfang der 80er Jahre schon gab, aber nie bekannt wurden oder beachtet wurden, da sie reine mathematische Theorien waren und mit Physik nicht viel bis nichts zu tun hatten. Letztlich hat Edward Witten mit diesen Brane Theorien der 80er auch dann die 5 verschiedenen Stringtheorien vereinen können und die M Theorie entwickelt. Mittlerweile gehen Stringtheorien, Branetheorien und auch die Blasentheorien ineinander über, ergänzen sich oder zeigen verschiedene Aspekte von jeweils anderer Vorstellung. Es gibt eine Ausrichtung, die sich Brane Kosmologie nennt und schon mittlerweile das Denken beherrscht.


Warum ist Brane Kosmologie so interessant?
Es beschreibt nicht nur, sondern es erklärt. Das ist wohl der allerwichtigste Aspekt, den ich hervorheben will. Man kann mit einer semiklassischen Physik nicht nur unser Universum, in dem wir leben (D-Brane), erklären, sondern auch was vor unserem Universum war – ist - wird. Verwirrend? Ja das ist es, denn wir kennen auch in der Stringtheorie nur eine Zeitdimension. Das ist aber noch ein anderes Thema, was ich mal gesondert beschreiben und behandeln will. (eigentlich schon seit 2 Jahren, aber ich kann es selbst noch nicht. Die Zeit ist tückisch und ein Rätsel.)
Es erklärt unser Universum, warum wir die Beobachtungen machen, die wir machen, wie z.B. das beschleunigt expandierende Universum und kann es ohne irgend welche ominöse dunkle Energie oder als kosmologische Konstante aus dem Multiversum heraus erklären mit schlicht einer Kraft, die auch schon Einstein präzise beschrieben aber nicht erklärt hat: Gravitation


Was sind Branes?


Branes ist die Abkürzung von Membrane (Membranes). Unser Universum, wie wir es kennen und sehen ist eine 3+1 dimensionale Membrane und nennt sich D-Brane. Es gibt auch Universen, die nur in höherdimensionalen Branes existieren. Diese nennt man in der Superstringtheorie P-Brane und in der M-Theorie M-Brane. Sie können sich dimensional überlappen und können auch zusammen stossen und dann einen Urknall auslösen. Der Big Bang ist nichts anderes als ein Zusammenstoss von zwei Branes. Eine Membran wird durch andere Membrane angezogen und dadurch in sich selbst gezogen. Höherdimensionale Branes bilden die „Überfläche“ für niederdimensionale Branes und werden so ähnlich wie in der Allgemeinen Relativitätstheorie durch den Riemann Raum (Man spricht auch immer von einem Pseudo-Riemann Raum in dem Zusammenhang) in ein sich gegenseitiges beinflussen und Abhängigkeitsverhältnis gebracht. Es gibt in den Branes selbst eine Lokalität und wird bestimmt durch das, was wir bisher auch schon mit der allgemeinen Relativitätstheorie bestimmen können. Es gibt von Lisa Randall und Raman Sondrum ein einfaches Modell, das, ohne all zuviel Aufwand, Beziehungen beschreibt von 2 Branes in einem höherdimensionalem Raum. Es ist ein alt bekanntes Modell, was schon zu Einsteins Zeiten diskutiert wurde und auch zumeist in Extra Seminaren an der Uni unterrichtet wird. Das Kaluza Klein Modell dient hierbei als Blaupause für alle weiteren Darstellungen in einem 11 dimensionalem Raum.
Für den Interessierten hier die Arbeit von Randall und Sondrum


arXiv:hep-th/9906064v1


Doch ich will euch nicht länger mit solchen Feinheiten belästigen und komme nun zu den Dimensionen eines solchen Multiversums.


Wie muss man sich die höheren Dimensionen praktisch vorstellen?


Ich schreibe extra „praktisch“, weil ich hier anschaulich bleiben will, was man also „theoretisch“ damit machen kann, wenn wir in der Lage wären sie zu sehen und zu beherrschen (nutzen). Ein Hinweis sei hierbei auch gleich erlaubt, der deutlich macht, dass es durchaus einen technischen „Nutzen“ gibt mit höher dimensionalen Modellen zu rechnen.

WARP Antrieb
Ich schiebe es ein, damit es deutlich wird, welche Bedeutung es bekommt. Es kennt jeder den WARP Antrieb aus Star Trek. Und ist es eigentlich nicht möglich mit unserer bekannten Physik schneller als mit Lichtgeschwindigkeit zu anderen Planeten zu fliegen. Der WARP Antrieb ist aber ein Modell ursprünglich rein aus der allgemeinen Relativitätstheorie entwickelt. Es gibt mehrere Möglichkeiten so einen Antrieb zu realisieren. Es gibt ein „Wellenreiten in einer Blase“ mit dem sogenannten Alcubierre Antrieb (Raumschiff Enterprise) und es gibt ein Öffnen einer Röhre durch die wir schneller zu anderen Orten gelangen (Borg Kuben). Dieser nennt sich Krasnikow Röhren Antrieb. Wie ich schon erwähnte basieren beide Überlichtgeschwindigkeits-Antriebe auf Einsteins Relativitätstheorie und verbiegen die Raumzeit. Es ist jeweils ein 4 Dimensionales Modell, aber hat ein Problem, was wir auch schon von der mysteriösen dunklen Energie her kennen. Es braucht negative Energie. Nur was ist negative Energie? Keiner weiss, was das sein soll. Genauso auch negative Masse, was äquivalent bedeutet, dass es dann auch Tachyonen geben müsste mit einer negativen Masse. Nur was soll das sein? In der Aristotelischen Logik ist nicht das Gegenteil von etwas einfach das Vorzeichen zu ändern. Das Gegenteil von etwas vorhandenem ist schlicht und einfach nicht vorhanden, aber nicht „Nicht-Vorhandenes“. Was wir machen können in der Physik ist zu sagen, dass wir eine Äquivalenz haben zwischen Gravitation und Beschleunigung. Das eine kann also aus dem anderen dargestellt werden.
Nach der Allgemeinen Relativitätstheorie brauchen wir aber für einen WARP Antrieb eine negative Energie/Masse. Es wird oft von „exotischer Masse“ in diesem Zusammenhang gesprochen, aber das bezog sich ursprünglich nur auf Antimaterie, was schlicht und einfach nur die jeweilige Ladungsunterschiede ausdrückt. Ein Proton ist als Antimaterie nicht positiv geladen sondern negativ. Genauso wie ein Elektron als Antimaterie ein Positron ist. Solange wir von Elektrodynamik sprechen sind diese Beschreibungen als Gegensätze auch legitim. Aber nicht bei Energie und Masse ansich. Entweder gibt es Energie und Masse oder eben nicht.
In der Quantenfeldtheorie brauchen wir für Higgsfelder eine Beschreibung mit negativer Energie. Die gibt es aber nicht. Auch erhalten wir aus dem WARP Antrieb in den Berechnungen aus der allgemeinen Relativitätstheorie eine negative Masse die wir bräuchten um die Raumzeit zu verändern, damit wir mit Überlichtgeschwindigkeit fliegen könnten. Die gibt es aber nicht. Es gibt Antimaterie, aber nicht negative Masse. Jede negative Masse wäre automatisch ein Tachyon. Gibt es ein Tachyon dann müsste es nach E=mc2 auch negative Energie geben und umgekehrt. Gibt es aber nicht. Das als kleine Erläuterung, was nicht den Schulstoff überschreitet.


Nun kommen wir zum eigentlichen Kernstück weswegen ich ganz zu Anfang darauf hingewiesen habe, warum ein Multiversum eine klassisch physikalische Beschreibung ist.


Sobald wir nur eine höhere Dimension annehmen und das einfachste Modell nach Randall und Sondrum mit dem Kaluza-Klein Modell annehmen, hat sich das Problem gelöst für den WARP Antrieb. Sonny White, der den WARP Antrieb für die NASA bauen will, benutzt andere Berechnungen mit dem sogenannten Calabi-Yau Modell, welches 10-11 Dimensionen benötigt, aber das Prinzip ist das gleiche wie beim Kaluza-Klein Modell. Ein WARP Antrieb wäre dann mit einem Antimaterie Reaktor zu betreiben und wir brauchen nicht nach ominöser „negativer Energie“ suchen. Es gibt sie ohnehin nicht und ist nur Esoterik. Im Übrigen das gleiche mit dunkler Materie. Hat jetzt zwar nichts direkt damit zu tun, aber wollte ich in einem Abwasch auch gleich mit erwähnen, weil es ähnlicher Blödsinn ist.


Es gibt also sogar einen praktischen Nutzen davon auszugehen, dass es mehr als 4 Dimensionen gibt, was uns dann auch automatisch zu einem Multiversum führt.
Und es gibt gleichzeitig auch eine Bestätigung für die Korrektheit der Allgemeinen Relativitätstheorie, denn diese ist in einer D-Brane nach wie vor richtig und bleibt vollständig bestehen.


Was bedeutet es nun, wenn wir uns zusätzliche 6 Dimensionen vorstellen?


Zuerst einmal muss ich hier voranstellen, dass es zwei Möglichkeiten gibt, wie diese zusätzlichen 6 Dimensionen zu verstehen sind. Es gibt nach der M Theorie eine Aufhebung des Prinzips des Reduktionismus. Was heisst das genau?
Reduktionismus ist uns seit der Antike vertraut. Ein Haus besteht aus Backsteinen, die Backsteine bestehen aus Lehmmolekülen und diese aus Atome usw. Man kann also alles immer weiter reduzieren bis ich bei Subatomaren Teilchen angelangt bin. Wir denken also im Reduktionismus in einem Bausteinsystem.
In der M Theorie gibt es das nicht mehr. Ein Haus besteht aus Backsteinen, aber ein Backstein kann auch aus Häusern bestehen.
Bei den Dimensionen drückt es sich so aus, dass man Dimensionen so zusammenfalten kann, dass aus den 11 Dimensionen nur eine Dimension übrig bleibt. Wir nennen das Kompaktifikation. Wir können aber auch die 11 Dimensionen alle in voller Grösse entfalten lassen. Dann haben wir einen Makroraum mit 11 „sichtbaren“ Dimensionen. Wenn wir über Teilchenphysik sprechen, dann haben wir zusammengefaltete Dimensionen. Wir sehen dann nur unsere 4 Dimensionen (wenn überhaupt) und wenn wir über das Multiversum sprechen, dann haben wir entfaltete Dimensionen. Wir können Strings und Branes als jeweilige Äquivalente darstellen. Wenn wir also von unserem Multiversum sprechen, dann haben wir entfaltete Dimensionen und alle Dimensionen haben auch, wenn wir sie „sehen“ könnten und „Nutzen“ und „Beherrschen“ könnten, wie wir es machen mit unseren 4 Dimensionen, dann die Möglichkeit uns darin zu bewegen und zu verändern.

Unsere gewohnten 4 Dimensionen
Wir bewegen uns räumlich nur in 3 Dimensionen. Dadurch dass wir uns bewegen haben wir noch die Zeit als 4. Dimension. Das ist alles was wir können und erfahren.

5te Dimension
Jetzt nehmen wir an, wir haben noch eine 5te Raumdimension und könnten sie sehen, dann können wir auch andere D-Branes (Universum) in unserer Nachbarschaft sehen.

6te Dimension
Jetzt nehmen wir an, wir haben noch eine 6te Dimension und können sie nutzen, dann können wir alle Parallelen BRanes zu unserem überblicken.
Was heisst das praktisch als Nutzen für den hochtechnologischen Menschen im 24ten Jahrhundert? Wir könnten Zeitreisen machen. Ohne Probleme. In die Vergangenheit und Zukunft. Es gibt dann kein Grossvater Paradoxon mehr, wie noch in der Allgemeinen Relativitätstheorie. Nach der speziellen Relativitätstheorie können wir in die Zukunft reisen und in der allgmeinen Relativitätstheorie können wir in die Vergangenheit reisen, aber haben dann ein Paradoxon, was sich Grossvater Paradoxon nennt. Wenn wir in die Vergangenheit reisen und unseren Grossvater erschiessen, dann dürften wir ja nicht existieren. Das wäre dann aber nicht mehr der Fall. Wir leben dann trotzdem weiter.

7te Dimension
Nun nehmen wir an, wir haben noch eine 7te Dimension und können sie sehen, dann könnten wir sogenannte Taschenuniversen in unserem Universum sehen. Diese haben andere physikalische Gesetze als unser Universum.

8te Dimension
Nehmen wir an, wir haben noch eine 8te Dimension und können sie nutzen, dann könnten wir alle möglichen Universen sehen und uns auf machen solche Taschenuniversen zu betreten mit völlig anderen physikalischen Gesetzen. Diese muss man sich dann so ähnlich vorstellen wie beim Blasenuniversum. Es gibt stabile und nicht stabile Universen. Manche weichen in ihren physikalischen Gesetzen nur leicht ab und die Feinstrukturkonstante ist nur minimal verschoben und die Blätter an den Bäumen sind nicht grün sondern lila (Wenn es Bäume gibt lol)

9te Dimension
Nun nehmen wir an, wir haben noch eine 9te Dimension und können sie sehen, dann haben wir schon einen überblick über alle möglichen Welten die es gibt. Wir können alles sehen, was es gibt, aber nicht nutzen.

10te Dimension
Nun nehmen wir an, wir haben noch eine 10te Dimension und können sie nutzen. Hierzu kann man ein schönes Beispiel bringen, was es deutlich macht. Man stelle sich vor, dass ein Asteroid auf die Erde zurast. Wir sind eine hochtechnologische Zivilisation aus dem 27ten Jahrhundert und können alle 10 Dimensionen technologisch nutzen. Was machen wir dann einfach? Wir ändern die Gravitationskonstante des Asteroiden und leiten ihn damit um. Gefahr gebannt.

11te Dimension
Sind wir in der 11. Dimension und können sie technologisch nutzen, dann sind wir Q und können alles machen.


Das ist kein Science Fiction. Das ist M Theorie praktisch angewendet und beschrieben, welche Bedeutung die Annahme eines Multiversums hat. Es ist keine Esoterik, sondern basiert auf (semi-)klassische Physik im Einklang mit der allgemeinen Relativitätstheorie. Es gibt keine Geisterenergie oder ähnliches. Alles rein basierend auf höhere Dimensionen und einer Geometrie, die Eindeutigkeit bringt.


Ich hoffe es war spannend geschrieben, unterhaltend und auch leicht verdaulich. ^^

00:05 13.10.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Rüdiger Heescher

Rüdiger Heescher ist Gründungsmitglied von attac und hat von 2006-2010 für die Bundestagsfraktion und Parteivorstand der Partei Die Linke gearbeitet.
Rüdiger Heescher

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