Wir brauchen naturwissenschaftliche Linke

Gendermainstream Warum ist in der linken gesellschaftlichen Anschauung, die richtig ist und unbedingt wieder hergestellt werden muss, soviel schief gegangen?
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Wir haben eine religiöse Ausrichtung bekommen, die seit 20-30 dominiert und falsche Prämissen gesetzt hat von denen alle sogenannten linken Intellektuell_Innen beinflusst wurden und so zu einer Lachnummer wurden. Es ist das Pippi Langstrumpf Syndrom.


Was ist das Pippi Langstrumpf Syndrom?


Ich bastel mir meine Welt wie sie mir gefällt.
Der Einfluss war vor allem die Gender Mainstream Bewegung, angeführt von Judith Butler, die mit ihrem "Kampf gegen die Diktatur der Natur" eine Entwicklung einleitete, die sämtliche Prämissen auf den Kopf stellte.
Linke haben sich ursprünglich angeschaut, wie tatsächlich die Verhältnisse sind und wie gesetzmässig Dinge ablaufen. Mit dem Gendermainstream fing man aber an sich mit Hilfe der Hermeneutik die Welt so umzudefinieren wie sie sein soll, sodass daraufhin völlig falsche Schlussfolgerungen entstanden. Es war das klassische Versagen der Geisteswissenschaften, was Naturwissenschaftler ihnen schon immer augenzwinkernd vorgeworfen haben: Es sind Laberfächer ohne wissenschaftliche Substanz im strengen Sinne, wie man es von Naturwissenschaften verlangt.
Mittlerweile hat Gendermainstream und alle, die sich damit anschliessenden Disziplinen, den gleichen Rang an Wissenschaftlichkeit an Universitäten erreicht wie Theologie und führt sich auch so auf. Also keine Wissenschaftlichkeit. Aber man duldet sie aus einer selbstgeschaffenen political correctness heraus.


Der Vorwurf von Geisteswissenschaftlicher Seite, dass man Gendermainstream nicht bekämpfen dürfe als Linker ist die gleiche Binärdenke, wie die Argumentation, dass man aus Angst vor Antisemitismus nicht Israel kritisieren dürfe. Der Vorwurf in Biologismus umzuschwenken, was heisst damit auch einem Sozialdarwinismus zu verfallen, ist eine Chimäre.
Aber das ist ein Szenario, was Gendermainstream selbst heraufbeschwört, denn jeder, der nur halbwegs sich mit Genderfragen beschäftigt, sieht ja, dass der ganze Blödsinn von einer Negierung der Natur letztlich nur Hirnficks sind von Intellektuell_Innen, die sich die Welt schön malen wollen rein nur mit Begriffen und Neudefinierungen. So funktioniert aber nicht die Welt.
Es gibt tatsächlich Gesetzmässigkeiten in der Natur, die man auch nicht wegnegieren kann. Es hat schon etwas religiöses, denn es ist im Gendermainstream letztlich das gleiche als wenn man Evolution negiert und behauptet, dass Kreationismus die wahre Erklärung wäre, wie Gott die Welt in 6000 Jahren geschaffen hat.


Wir müssen also schleunigst diesen ganzen Blödsinn von Gendermainstream los werden, um wieder materialistisch, analytisch und logisch Klassenkampf betreiben zu können und nicht auch noch abgelenkt zu werden mit zusätzlicher Konkurrenz der Geschlechter und deren Kampf beschäftigt zu sein. Denn Kapitalismus und das Kapital setzt darauf alle unteren Schichten ständig nur in einen Konkurrenzkampf zu bringen, damit wir beschäftigt werden und gegenseitig zu bekämpfen statt das Kapital ansich. Es erzeugt zudem auch ein Dumping, was natürlich auch nur hilfreich ist für das Kapital.

Das gleiche Prinip wird hier angewendet wie bei Rechtsextremen, die sich auch nur die Köpfe einschlagen in der gleichen Klasse mit Ausländern/anderen Religionen usw.Für eine gesellschaftliche Linke kann es nur darum gehen einen Klassenkampf zu führen ohne Pippi Langstrumpf Syndrom und die einzige Frage, die nach wie vor gilt ist die Eigentumsfrage. Nichts anderes.

Da müssen wir wieder hinkommen.

Nehmt alle Intellektuell_Innen einfach nicht mehr ernst. Sie haben linke Anschauung völlig verlassen und leben in ihrer religiösen Welt.

Wenn wir auf jemanden hören sollten, dann sind es Intellektuelle. (Und hier spielt es auch keine Rolle welches Geschlecht sie haben. Intellektuelle sind Menschen, die noch gerade aus denken können und nicht die Welt einteilen in Genderaffinität)

13:58 03.04.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Rüdiger Heescher

Rüdiger Heescher ist Gründungsmitglied von attac und hat von 2006-2010 für die Bundestagsfraktion und Parteivorstand der Partei Die Linke gearbeitet.
Rüdiger Heescher

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