Rüdiger Rauls

Geboren 1952 in Trier. Autor verschiedener Bücher über Themen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Neustes Buch: Wie funktioniert Geld
Rüdiger Rauls
RE: Wir sind ja so plural | 01.05.2016 | 13:56

Die Anhäufung von fachchinesischen Begriffen soll den Eindruck von Wissenschaftlichkeit vermitteln. In Wirklichkeit aber überdeckt nur eine einfache Erkenntnis: die herrschende Wirtschaftswissenschaft versteht nichts von Wirtschaft. Sie kennt nur die Theorien und Modelle über Wirtschaft, aber nicht die Kräfte, die im kapitalistischen Wirtschaftssystem treiben.

RE: Sanders, Corbyn und die Realität | 08.04.2016 | 15:10

"radikalere linke Ökonomen", was soll denn DAS sein? Wollen die den Sozialismus, also die Überwindung des kapitalistischen Wirtschaftssystem? Wäre das das Radikale daran? Oder sind die radikal und links, weil sie "radikale" Forderungen stellen als die anderen? Was immer das auch sein mag.

Ökonomen sind in der Regel Hochschulabsolventen, die glauben und vorgeben, etwas von Wirtschaft zu verstehen. Sie kennen vielleicht Wirtschaftstheorien, kennen aber nicht die Grundlagen des kapitalistischen Wirtschaftssystems und wissen demnach auch nicht, wie Wirtschaft auf diesen Grundlagen funktioniert. Und diese "Wissenschaftler" kommen nun auf den Markt und stellen "radikale" Forderungen wie Paul Krugman, seines Zeichens Nobelpreisträger, wie das Abwerfen von Geld aus Helikoptern, um die Inflation und damit die Wirtschaftstätigkeit anzukurbeln. Selbst Greenspan hatte sich in dieses Bild verliebt, was ihm den Beinamen Helikopter-Ben eingetragen hat.

Größeren Blödsinn hat man noch nicht gehört. Aber Krugman ist halt Nobelpreisträger und Greenspan war Chef der FED. Wer wagt es schon diesen zu widersprechen. Da braucht es schon die Einfachheit des Kindes, das ausspricht, was alle sehen, aber keiner sich zu sagen traut: der König ist nackt und Helikopter-Ben und Krugman sind Hohlköpfe, die nichts von Wirtschaft verstehen.

Kann bisher einer von diesen beide erklären, wieso trotz schwindelerregender Geldmengen, die Inflation nicht anspringt? Nein können sie nicht. Von all den Inflationstheoretikern, die noch vor nicht allzu langer Zeit die Welt in Panik versetzten mit der Behauptung, dass die ausufernden Geldmengen die Inflation antreiben, ist keiner mehr zu hören. Alle sind sie still geworden. Aber keiner hat bisher festgestellt, öffentlich, dass man sich geirrt hat. Geld funktioniert anders, als es die Großkopferten des kapitalistischen Wirtschafts-Lehrbetriebs ihren Anhängern über Jahre vermittelt haben. Aber wie es funktioniert, wissen sie auch nicht. Hat auch niemanden bisher interessiert, weil ja scheinbar zu funktionieren schien, was sie der Welt und den nationalen Wirtschaften als Rosskuren verschrieben hatten. Denn anders als bei den exakten Wissenschaften, kann man in der Ökonomie viel behaupten, ohne dass es dem Test an der Wirklichkeit gerecht werden muss. Die falsch berechnete Brücke bricht zusammen. An wirtschafswissenschaftlichen Prognosen, die nicht eintreten wie vorherge3sagt, lässt sich immer noch etwas interpretieren.

Auch die Berechnungen des hier zitierten Friedman können eigentlich nur Kopfschütteln hevorrufen. Wenn der gute Mann die Zukunft so genau kennt, dass er sie auf 10 Jahre vorhersagen kann, sollte er Lotto spielen. Glaubt der tatsächlich, was er da redet? Glaubt der allen ERnstes, Prognosen und Berechnungen bis 2026 machen zu können? Und morgen wird die ERde vielleicht von einem Meteoriten getroffen oder Trump wird Präsident der USA, macht Ernst mit seinen hirnrissigen Phantasien und sprengt die Welt in die Luft und dann, was ist dann mit den exakten und ausgefeilten Berechnungen des Herrn Professor. Sind das Papier nicht mehr wert, worauf sie ausgedruck wurden. Aber sicherlich wären sie Wirklichkeit geworden, die Theorien über die wirtschaftliche Entwicklung, wenn es überhaupt noch Wirtschaft, Menschheit und Erde gäbe.

Das einzig gute an diesen "radikalen" Vorschlägen ist die Aussicht auf 15$ Mindestlohn. Das würde die freuen, die heute für weniger sich abplagen müssen. Aber das will auch erst einmal ungesetzt sein. Und da gibt es mächtige Interessen, die dem entgegenstehen und wenig Einsicht und Verständnis haben für die Berechnungen unseres guten Wirtschaftswissenschaftlers. Die Welt außerhalb der Universitäten besteht nämlich aus einer Realität, in der es um Interessenkonflikte geht und um Macht, die es braucht, um diese Interessen durchzusetzen. Da ist es mit Zahlenspielen nicht getan.

RE: Mitstreiter und dumme Buben | 05.04.2016 | 23:45

"Wann gab es das zuletzt, dass ein Linker nicht nur komplizierte ökonomische Vorträge halten, ...". Was ist denn das für ein Politikverständnis? Was nützen solche Vorträge, wenn sie keiner versteht. Das beeindruckt vielleicht einen Schreiber, der noch weniger als Varoufakis von Politik und Ökonomie zu verstehen scheint. Das ist doch nichts Bewunderungswertes, dass ein Linker unverständliche Vorträge hält. Und zudem, was ist denn überhaupt ein Linker? So bezeichnet sich doch heute jeder, der ein wenig chic daherkommen und sich mit ein bisschen Robin-Hood- und Outlaw-Image parfümieren will.

Leute wie Varoufakis wirbeln ein wenig in der Weltgeschichte herum und wenn sich der Staub wieder gelegt hat, ist alles wie vorher, nichts hat sich verändert. Varoufakis, Tsipras und auch die Leute von Podemos treten sicherlich an mit gutem Willen. Aber um die Welt zu verändern reicht guter Wille alleine nicht aus. Man muss auch die Realitäten erkennen. Diese modernen "Volkstribunen" sind gescheitert an diesen Realitäten und ihrer Überheblichkeit zu glauben, dass sie allein mit ihrem guten Willen dafür sorgen können, dass Wasser bergauf läuft. Wasser läuft nicht den Berg hinauf; nur, diesen Volkstribunen läuft das Volk davon, und es bleibt nur ein unbedeutender "paneuropäischer Fanclub", der nichts bewegen wird, weil er in erster Linie aus eitlen Selbstdarstellern und sich selbst überschätzenden Intellektuellen besteht. Den Volkstribunen ist das Volk davon gelaufen, und als Tribunen alleine, ohne Volk, können sie nichts bewegen. Es ist das Volk, das die Dinge bewegt, nicht die Tribunen.