What the Funk?

Medien ARD und ZDF gehen mit einem neuen jungen Format an den Start. Ein Kommentar zum neuen öffentlich-rechtlichen YouTube
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
What the Funk?
Bild: Screenshot Youtube/ARD/ZDF

1950 wurde die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, besser bekannt als ARD, gegründet. Dreizehn Jahre später folgte das Zweite Deutsche Fernsehen, kurz ZDF. Seitdem sind Sender gestartet und abgeschaltet worden: ARD 2, ZDF 2 oder der ZDF Musikkanal. 66 bzw. 52 Jahre nach der Gründung der beiden öffentlich-rechtlichen TV-Riesen startet ein Programm für junge Menschen. Und das Programm IST jung, eigentlich schon ein Novum bei ARD und ZDF. Das Ganze nennt sich Funk und soll die lange vernachlässigte Zielgruppe der 14 bis 30-jährigen ansprechen.

Doch was ist eigentlich dieses Funk? Das ZDF schreibt: "funk – das sind Online-Formate von ARD und ZDF für 14- bis 29-Jährige auf Drittplattformen wie Facebook, YouTube, Snapchat, aber auch in der eigenen funk App sowie auf der funk Webseite. funk ist also ein Inhalte-Netzwerk von ARD und ZDF, kein Kanal." Und weiter: "Die Formate von funk richten sich nicht an eine Gruppe, sondern an viele verschiedene. Zuerst einmal wird zwischen vier Altersgruppen unterschieden: 14- bis 16-Jährige, 17- bis 19-Jährige, 20- bis 24-Jährige und 25- bis 29-Jährige. Denn das Leben mit 29 ist eben ganz anders als das Leben mit 14. Dazu kommen unterschiedliche Interessen und Lebenswelten. funk will Menschen unter 30 eine Stimme geben, ihnen die Möglichkeit bieten, sich zu orientieren, zu informieren und zu unterhalten. Das zeigt sich in der Themenwahl, aber auch in der Unterstützung junger, talentierter MedienmacherInnen, die die Gesichter von funk sind. Die NutzerInnen von funk bestimmen die Formate mit. Sie werden bei der Entwicklung einbezogenen und beeinflussen durch ihr Feedback die weiteren Entwicklungen." Klingt soweit doch ganz gut, endlich ein Medium für junge Menschen. Dumm nur, dass dieses Programm 1. viel zu spät kommt und 2. bei genauerer Betrachtung eigentlich nur ein öffentlich-rechtliches YouTube ist.

Doch erst mal von vorne: Funk setzt auf das World Wide Web. Denn dort, so die Auffassung von ARD und ZDF, sind die jungen Leute von heute unterwegs. Fernseher? Was ist das? Ja, es stimmt: Jugendliche bzw. junge Erwachsene nutzen Smartphones, Tablets, Laptops und Plattformen wie Facebook, Twitter, YouTube, Snapchat, Instagram und wie sie alle heißen täglich. Wir haben im Wohnzimmer mittlerweile nicht nur den Fernsehbildschirm, sondern mindestens noch einen weiteren, meistens das Smartphone. Netflix, Maxdome und Spotify sind für viele mittlerweile Radio und TV geworden. ARD und ZDF dachten sich deshalb: Hey! Wenn wir junge Leute ansprechen wollen, dann müssen wir da hin! Gute Idee, nur leider wurde da nicht weiter gedacht. Plattformen wie Netflix und co. sind mittlerweile Marktführer und weiten ihr Programm weiter aus. Spotify streamt schon Radiosendungen und auch Apple und Amazon wollen in den Radiomarkt einsteigen. Jetzt bringt sich funk auf den Markt, der hart umkämpft ist und schon von großen Konzernen dominiert. ARD und ZDF haben es sicherlich nur gut gemeint, aber mit dieser Strategie könnten sie scheitern. Hinzu kommt, dass sich ARD und ZDF mit dieser Online-Strategie davor drücken einen Jugendkanal im Fernsehen einzuführen oder ihr Programm endlich mal zu reformieren. Rund 45 Millionen Euro kostet funk pro Jahr. Dafür mussten die Sender EinsPlus (der eigentlich auch ein junges Publikum ansprach) und ZDFkultur eingestampft. Statt zwei Spartenkanäle vom Netz zu nehmen und das Geld ins Internetz zu stecken, hätte man einfach funk auf einen dieser Kanäle starten können. Besser noch wäre eine Reform des Programmes. Zwar sehen auch viele junge Menschen Formate im Ersten oder im ZDF, wie etwa die heute Show oder extra 3, sowie verschiedene Nachrichtenformate und so manche Serien und Filme, doch eigentlich sind ARD und ZDF doch noch immer Senioren-TV. Carmen Nebel und der Musikantenstadl sind beste Beweise dafür. Statt etwas zu wagen und ein öffentlich-rechtliches Fernsehprogramm für alle zu machen, werden die jungen Menschen ins Internet verbannt. Eine völlig falsche Strategie. Zwar mag das traditionelle Fernsehen bei jungen Menschen an Bedeutung verlieren, aber mit einem Online-Only-Programm begräbt man das Fernsehen für eine ganze Generation beinahe schon.

Fernsehen online ist die Zukunft, also ein reines online-Angebot. Schade nur, dass wir eigentlich schon in der Zukunft sind! YouTube hat verschiedenste Video-Blogger am Start, die zu allen möglichen Themen Videos hochladen. Ob Comedy, Lifestyle, Politik oder Sport, mittlerweile gibt es tausende YouTuber, die ein Fernsehen-On-Demand machen. Diese Videos sprechen die jungen Menschen an, denn die Video-Blogger oder Vlogger sind im selben Alter wie ihre Zuschauer. Das scheint funk auch zu übernehmen. Viele der Formate sind von oder mit YouTube-Vloggern, zum Beispiel Rayk Anders oder LeFloid. Diese Formate werden wiederum auf YouTube von funk veröffentlicht. Im Prinzip also nichts neues, nur in neuer Verpackung. Damit ist funk nichts weiteres als öffentlich-rechtliches YouTube. Schade, denn ein öffentlich-rechtlicher Jugendsender im Free-TV hätte den Fernsehmarkt ein wenig bunter und besser machen können. Es gibt aber auch Serien. So werden zwei britische Serien gestreamt, auch in Originalton. Trotzdem könnte man dort viel mehr und anderes anbieten. Das einzig Gute an dem ganzen: Es ist werbefrei.

Sehen wir es mal so: Es gibt endlich ein junges Programm! Im Jahr 2016. Aber besser spät als nie. Dennoch sollten ARD und ZDF sich deshalb nicht selbst beweihräuchern. Denn die Formate mögen zwar für öffentlich-rechtliches Fernsehen eine echte Innovation sein, bei YouTube und co. sind die aber schon Alltag. Deshalb ist funk eigentlich nicht wirklich neu. Ja, es ist eine Konkurrenz zu YouTube, Netflix und co. Aber dazu fehlt funk noch eine wirkliche Innovation, etwas, was funk von den anderen Plattformen wirklich unterscheidet und deren Nutzer zu sich locken kann. Mit verschiedenen Abklatschen von YouTube-Formaten ist es nicht getan. Mal abgesehen davon erfüllen ARD und ZDF ihren Auftrag nicht zu 100 Prozent, ein Fernsehprogramm für alle auszustrahlen. Es bleibt auch fraglich, ob funk überhaupt genügend Zuschauer anziehen kann. Doch warten wir mal ab. Funk ist ja gerade erst gestartet. Deshalb viel Erfolg, liebes funk. Hoffentlich verschwindest du nicht in der Versenkung. Wäre ja schade um unsere Rundfunkbeiträge.

15:51 04.10.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Rune1994

Student und Journalist mit dänischen Wurzeln und mit einem Interesse an dänischer bzw. skandinavischer Politik, sowie der EU.
Schreiber 0 Leser 2
Rune1994

Kommentare 3