Erzählungen aus der Zukunft (I)

Zur Brisanz von Sci-Fi Anhand Margaret Atwood und Dietmar Dath sei aufgezeigt, wie sehr Science-Fiction mit unserer Gegenwart und unserer Zukunft verbunden ist
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Erzählungen aus der Zukunft (I)

Foto: Frank Barratt/Getty Images

I.

Das Thema dieses Aufsatzes liegt in mehrfacher Hinsicht im Geist der Zeit: Nicht nur, dass die Frage nach der digitalisierten Zukunft, die nebenbei das humanistische Menschenbild umwirft, die wohl dringendste des frühen 21. Jahrhunderts ist; sondern auch, dass die Frage der Zukunftserzählung eminent ist, haben kürzlich mehrere Menschen bemerkt. So sind mir in jüngster Zeit gleich drei Artikel zufällig, und nicht während der expliziten Recherchen zu diesem Thema, in die Hände gefallen, die ihre Anmerkungen dazu machen:

‘Lesen Sie Science-Fiction!’ titelt eine Spiegel-Online-Kolumne im November 2017, die mit dem schlechten Ruf aufräumen will, den Science-Fiction-Literatur unter Literaturkritiker*innen zuweilen hat. Ganz richtig heißt es in der Kolumne so:

„Meiner Wahrnehmung nach ist "1984" für das Nachdenken der Menschheit über sich selbst weit wichtiger als das Gesamtwerk von Adalbert Stifter oder das von Robert Walser. Die Letzteren aber sind selbstverständlich kanonisiert, das Erstere nicht. Der Science-Fiction-Autor Neal Stephenson hat mir einmal in einem Interview gesagt, klassische Literatur handle von Menschen, Science-Fiction aber von Ideen. Ich glaube, er hatte recht. [...] / Science-Fiction ist heute, anders als zu Jules Vernes Zeiten, so wichtig, weil alles so schnell geht. Die Menschheit verändert ihre eigene Lebenswelt in so atemberaubendem Tempo, dass die Visionen von gestern sehr schnell zur Gegenwart von heute werden können. Wenn unsere Gesellschaften aber darüber nachdenken sollen, in welche Welt all die rasante Entwicklung führen wird und sollte - ob in Sachen Künstliche Intelligenz, in Sachen Gentechnik, in der Robotik oder angesichts der Folgen des Klimawandels -, dann wird ihnen der Blick zurück und nach innen dabei nicht helfen. Sie werden sich zum Nachdenken auf Autoren beziehen müssen, die sich das Nachdenken über Morgen und Übermorgen zum Beruf gemacht haben. / Früher galt das Lesen von Science-Fiction als eskapistisch. Heute ist es Eskapismus, keine Science-Fiction zu lesen.“ [1] In diesem Sinne sei auch hier die Notwendigkeit und Gegenwärtigkeit von Science-Fiction aufgefasst.

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Im Online-Magazin Geschichte der Gegenwart wurde kürzlich von Philipp Sarasin, anlässlich der Neu-Verfilmung von Philip K. Dicks Do Androids Dream of Electric Sheep? (1968), die erste Verfilmung von 1982 (Blade Runner) unter der Überschrift Vergangene Zukunft. Über „Blade Runner“, November 2019 unter dem Vorzeichen besprochen, dass die 1982er-Zukunftsvision heute Vergangenheit ist. Wie in Dicks’ Roman (und wie in den Blade Runner-Filmen) steht dabei der Android im Mittelpunkt, den Sarasin u.a. aus der Perspektive des Aufklärungstopos’ vom ‘Maschinenmensch’ begreift. Den Fortschritten in der Robotik zum Trotz hält der Autor einen menschenähnlichen Androiden indes für nicht realisierbar; gleichzeitig verweist er in seinem Schlusswort aber darauf, dass wir heute bereits in der Zukunft leben: „[...] während wir doch schon von Algorithmen umgeben sind, die keinen Körper brauchen, um uns glauben zu machen, dass sie Menschen seien. Eine sanfte Stimme, ein hübsches Bild, gegebenenfalls auch ein wenig romantische Klaviermusik reichen jedenfalls, damit wir uns in den neuen Städten der social media, wo es nie regnet, in ihrer Gesellschaft wohlfühlen.“ [2]

So wird hier wiederum einerseits auf die Gegenwärtigkeit von Science-Fiction verwiesen. Anderseits wird deutlich, dass Zukunft heute bereits Vergangenheit sein kann. ˗ Aus Letzterem lässt sich ein Problem unserer Gegenwart (sowie auch von Science Fiction) formulieren, wie es der Kapitalismuskritiker Mark Fisher mit seiner Aufsatzsammlung Ghosts of my Life. Writings on Depression, Hauntology and Lost Futures (2014) tat, der eine allgegenwärtige Retro-Sehnsucht konstatiert: Der Wunsch nach einer Rückkehr zum untergegangenen Sozialstaat, der sich als Gegenbewegung zum Erstarken des Neoliberalismus seit den 1980ern in den Kulturproduktionen durch die diversesten Retro-Trends ausdrückt. Die Pop Musik weiß so nur selten Neues zu bieten, sondern setzt vielmehr geradezu auf Remakes und Wiederholungen, aber auch Science-Fiction-Erzählungen wiederholen gerne Stoffe, erörtern mit Dystopien und Post-Apokalypse-Themen eine Unmöglichkeit der Zukunft oder greifen ‘auf die Vergangenheit zurück’, indem sie Vorgeschichten (die zweite Star Wars-Trilogie oder Star Trek: Discovery) hervorkramen. Das aber bedeutet: „[...] so lastet auf dem 21. Jahrhundert der Alp der Endlichkeit und Erschöpfung. So fühlt sich keine Zukunft an. [...] Das allmähliche Aufkündigen der Zukunft ist von einer Deflation der Erwartungen begleitet.“ [3] Dem Eingang in die Depression, in die Dystopie oder in eine untote, gespensterhafte Ontologie (der Philosoph Derrida prägte hierfür in einer Marx-Schrift [4] den Begriff Hauntology) will der vorliegende Aufsatz freilich einen Kontrapunkt setzen und mittels des Utopischen in Science-Fiction auf bessere Zukünfte verweisen.

Ein dritter Artikel, der mich kürzlich fand, beschreibt die Anschauungen des progressiven Astrophysikers Carl Sagan (1934-1996), der u.a. Projekte zu der Suche nach außerirdischer Intelligenz vorantrieb: Carl Sagan on the Power of Books and Reading as the Path of Democracy [5]. In dem Artikel wird eine späte Schrift Sagans thematisiert, die das erhöhte Reflektionsvermögen durch das geschriebene/gelesene Wort mit sich bringt. Sagan meinte damit grundsätzlich, dass Belesenheit den Aufstieg von Diktatoren oder Autokraten verhindern könne (nicht umsonst verbieten oder verbrennen jene schließlich gerne Bücher). Auch wenn, wie gesagt, nicht das Dystopische hier im Mittelpunkt stehen soll, birgt die (digitalisierte) Zukunft freilich auch ein erhebliches Gefahrenpotential, welches Science-Fiction-Romane antizipieren und so möglicherweise minimieren können.

Die Notwendigkeit, die mich zum Schreiben dieses Textes motiviert, mag anhand der drei Zufallsfunde deutlich geworden sein. Ein letzter Punkt sei noch hinzugefügt, der die Bedeutung von Erzählungen/Narrationen unterstreichen soll:

Die moderne Geschichtswissenschaft hat sich von dem Gedanken verabschiedet, dass es nur eine einzige, lineare Historie gibt. Dieses Modell war eine recht isolierte europäische Vorstellung, welche unter der Vielzahl der globalen Kulturen nur hier entwickelt und hochgehalten wurde.Geschichte in diesem Sinne gibt es aber nicht, es gibt nur Geschichten, die sich widersprechen oder ergänzen, die lebendig, dynamisch oder fragmentarisch sind. Diese Anschauung hat wieder durch den postkolonialen Kontakt mit anderen Kulturen freigelegt werden können und indem Erzähl- und Geschichtsstrategien anderer Kulturkreise ebenso akzeptiert werden; insbesondere die Postcolonial Studies fügen so wiederum der herrschenden Geschichtsschreibung Gegen-Geschichten von Unterdrückten hinzu. Science-Fiction-Erzählungen seien hier analog als (mögliche, alternative) Geschichte(n) der Zukunft verstanden.

Zwei Erzählungen möchte ich im Folgenden vorstellen, aufzeigen, wie sehr sie trotz ihrer Ansiedlung in der Zukunft mit der Gegenwart verbunden sind, wie sehr die Gegenwart bereits Züge dieser Zukunft hat und wie diese Erzählungen uns inspirieren können, wie wir unsere Zukunft gestalten.

Die eine Erzählung stammt von der kanadischen Autorin Margaret Atwood (*1939), der im Oktober 2017 in Frankfurt der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen wurde, in der Begründnung des Stiftungsrates heißt es: „Die kanadische Schriftstellerin, Essayistin und Dichterin zeigt in ihren Romanen und Sachbüchern immer wieder ihr politisches Gespür und ihre Hellhörigkeit für gefährliche unterschwellige Entwicklungen und Strömungen. Als eine der bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit stellt sie die sich wandelnden Denk- und Verhaltensweisen ins Zentrum ihres Schaffens und lotet sie in ihren utopischen wie dystopischen Werken furchtlos aus. Indem sie menschliche Widersprüchlichkeiten genau beobachtet, zeigt sie, wie leicht vermeintliche Normalität ins Unmenschliche kippen kann. Humanität, Gerechtigkeitsstreben und Toleranz prägen die Haltung Margaret Atwoods, die mit wachem Bewusstsein und tiefer Menschenkenntnis auf die Welt blickt und ihre Analysen und Sorgen für uns so sprachgewaltig wie literarisch eindringlich formuliert. Durch sie erfahren wir, wer wir sind, wo wir stehen und was wir uns und einem friedlichen Zusammenleben schuldig sind.“ [6]

Obwohl Atwoods MaddAddam-Trilogie (‘Oryx und Crake’ (2003) / ‘Das Jahr der Flut’ (2009) / ‘Die Geschichte von Zeb’ (2013)) im Grunde als Dystopie angelegt ist und mit wechselnden Erzählperspektiven die letzten Jahre der hochtechnologisierten Welt vor einer globalen Pandemie resp. die Zeit der wenigen Überlebenden nach der Katastrophe beschreibt, steht doch eben jenes letztgenannte ‘friedliche Zusammenleben’ im Mittelpunkt und m.E. hat Atwood in dieser Erzählung, die sich über drei Bände erstreckt, so auch etliche Aspekte des Zukunftsfähigen/Visionären zu bieten.

Die zweite Geschichte, die hier in den Fokus gestellt sei, ist Dietmar Daths Venus siegt! (2015), die Dath im Folgejahr um den Epilog Venus lebt! erweiterte. Der deutsche Journalist und Autor (*1970) verknüpft in seinem Roman seine marxistisch-leninistische Weltsicht mit der Science-Fiction-Handlung einer von Menschen, Androiden und virtuellen Intelligenzen kolonisierten Venus. Die drei trans- resp. posthumanen Spezien sollen auf der Venus durch das sozialen Experiment des ‘Bundwerks’ gleichberechtigt und kommunistisch miteinander leben. Die spannende, futuristische Handlung orientiert sich mit ihren Verläufen und ihrem Personal an den Geschehnissen der Russischen Revolution ˗ von Lenin zu Stalin ˗, ohne dass die Analogisierung dabei gezwungen oder bieder wirkt. Freilich wird die Dath’sche Wertung impliziert, dass letztlich ein Kommunismus à la Marx und Lenin eine alleinseligmachende Zukunft verheiße.

Dabei ist Dath durchaus modern & progressiv und in keinerlei Weise mit den reaktionären & autoritären Funktionären linker Parteien zu vergleichen, die manch einer nur aus Spielfilmen aus dem kalten Krieg kennt. In verschiedenen Dath’schen Schriften entsteht der Eindruck, dass dieses Hochhalten von Marx & Lenin vielleicht nur ein exzentrischer Spleen ist, denn tatsächlich finden sich bei Dath auch deutlich progressivere und emanzipatorischere Ideen denn bei Marx/Lenin, geschweige denn bei Marxisten, Leninisten oder Trotzkisten. In folgendem Absatz aus Daths Maschinenwinter (2008) wird deutlich, dass er die Ablehnung marxistisch-leninistischer Dogmen durchaus verstehen kann, die Dogmen aber dennoch präferiert:

„Das Verfahren, die Wissenschaftlichkeit einer Aussage an ihrer Vereinbarkeit mit Kirchenvätertexten [gemeint sind die Schriften von Marx und Lenin; R.W.] zu eichen, ist von beweglicheren Geistern als „dogmatisch“ gegeißelt worden. Es hatte aber, wie andere Spielarten linker Wagenburgmentalität, eine gewisse Berechtigung aufgrund der Tatsache, daß ein gut auswendig gelernter Marx im Zweifelsfall immer noch besser funktioniert und weiter führt als ein schlecht selbst ausgedachter „dritter Weg“. [...] Das meiste, was seit 1917 in Abgrenzung vom Marxismus als funkelnagelneue linke Kombi-Idee vorgeschlagen wurde, krankt fortdauernd daran, daß es in Wahrheit substantiell älter konzeptionell schwächer ist als die Tricks, die man Marx und den klügeren unter seinen Schülern verdankt [...]. / Die szientistisch verkleidete Orthodoxie vieler Altmarxisten aber ist tatsächlich oft ein Schiefbau. [...] Und damit zum Gleichnis, auf da ich hinaus will: Ein wirklich wissenschaftlicher Sozialismus für die Gegenwart hätte mit Marx soviel und sowenig zu tun wie die gegenwärtige Physik mit den Funden Maxwells und die gegenwärtige Biologie mit denen Darwins. / Eine ganze Menge also, aber eben jeweils im überprüften (und immer neu zu prüfenden) Anwendungsbereich.“ [7]

Nun könnte der Schluss, der aus dem Gesagten gezogen wird, freilich genauso gut sein, dass Maxwell, Darwin und Marx lediglich Bausteine neuer Theorie darstellen. Es handelt sich hier schlicht um eine Frage der Perspektive. Des Weiteren verweist die Notwendigkeit des Überprüfens schlechterdings darauf, dass Maxwell, Darwin und Marx keine zeitlose Theorien entwickelt haben, sondern in vielem schlicht Kinder ihrer Zeit waren. Im Falle von Marx bedeutet das m.E. dezidiert, dass wir heute notwendigerweise postmarxistisch Kritik, Einspruch und Modifizierung walten lassen müssen. Die Frage, wie viel Marx die Zukunft verkraftet, wäre eines eigenen Aufsatzes wert, hier nun beginne sie zunächst ohne Karl.

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II.

Atwoods Trilogie spielt zum einen in einer Gegenwart, die gesellschaftspolitische Zustände und Stand der Technologie des 21. Jahrhunderts nur geringfügig zuspitzt. Es zeigt sich so eine Welt, die sich einerseits in sexueller Ausbeutung, Versklavung von Sexarbeiter*innen, Pädophilie, Reality-Sexfilmen und Live-Hinrichtungen im Internet, mit der Realität verknüpften Computerspielen, ausgelebten Gewalt-Fantasien, den bizarrsten Sekten oder den verschiedensten Formen der Cyber-Unterhaltung ergeht, und die andererseits unter der Herrschaft einzelner Konzerne die überragendsten technologischen Fortschritte macht, welche z.B. mittels Transplantations- und Gentechnik einer zahlkräftigen Elite enorme Verbesserungen der Lebensqualität und -spanne zu bieten haben. Die Welt teilt sich in die Hochsicherheitsviertel der Wohnanlagen in Konzernnähe und das verrufene ‘Plebsland’, das in einer Textstelle wie folgt beschrieben wird:„Trotz der sterilen Verbindungskorridore und der Hochgeschwindigkeitszüge war es immer riskant, die Stadt zu durchqueren. [...] Trotz der Ausweise mit Fingerabdruck, die jetzt jeder bei sich haben musste, war die öffentliche Sicherheit in Plebsland mangelhaft: Dort trieben sich Leute herum, die imstande waren, alles Mögliche zu fälschen, und irgendwer sein konnte, zu schweigen von den Streunern ˗ den Süchtigen, den Straßenräubern, den Armen, den Irren.“ [8]

Zum anderen erstreckt sich die Handlung auf eine postapokalyptische Welt, die vom Zusammenfinden und Zusammenleben kleiner Gruppen von Überlebenden nach einer globalen Seuche geprägt ist. Obwohl zwei Krisen dieser Handlungsebene vorhergehen, die spätkapitalistischen Dekadenzen inkl. einer auseinanderklaffenden Schere zwischen Armen und Reichen & die Seuche, welche Großteile der Bevölkerung ausgerottet und damit Wirtschaft wie Gesellschaft zum Erliegen gebracht hat, lassen sich hier Visionen neuer Formen der menschlichen Existenz und des gemeinsamen Lebens lesen.

Sowohl die spätkapitalistischen technologischen Höhenflüge als auch die Krisen sind dabei Vorbedingung für die neue Zukunft ˗ ein Gedanke, der sich bei Marx als notwendige Hoch-Industrialisierung vor einer erfolgreichen Revolution findet oder der sich im anarchistischen Diktum vom Wachsen einer neuen Gesellschaft im Gehäuse der alten Welt formuliert.

Auch wenn einige Ideen der Bücher auf die Leserin fantastisch wirken mögen, ist aus Atwoods Danksagung am Ende des letzten Bandes zu zitieren, dass „es darin keine Technologien oder Biowesen [gibt], die nicht bereits existieren, sich im Bau befinden oder theoretisch möglich wären.“ [9]

In den Romanen argumentieren gentechnische Konzerne und ihre Verfechter, dass mittels des sogenannten ‘Organschweins’ (welches mikroben- und virenresistent ist, problemlos mehrere menschliche Nieren oder auch menschliches Neokortex-Gewebe tragen kann) die Medizin fatale oder gar tödliche Krankheiten therapieren (z.B. Hirnschlag-Patienten) könne. Gemäß Konzern-Ideologie sei dies kein Abzocken von Patient*innen, sondern das Geben von Hoffnung [10]. Eine kritische Romanfigur indes bekundet: „„Ja, genau das brauchen wir“, sagte Jimmys Mutter. „Noch mehr Leute mit Schweinehirnen. Weil wir noch nicht genug davon haben!“ [...] „Doch, bei den Preisen, die NooSkin verlangt, ist es das [d.i. Abzocken] sehr wohl! Ihr hypt eure Sachen auf, lasst die Leute blechen, bis sie pleite sind, und dann ist Schluss mit der Behandlung. Euretwegen können sie verrotten. Hast du vergessen, wie wir früher geredet haben, hast du vergessen, was wir alles vorhatten? Wir wollten das Leben verbessern, für alle, nicht nur für die Reichen. Du warst so... du hattest Ideale, früher.““ [11] Die spätkapitalistische Konzern-Ideologie beinhaltet dabei z.B. auch, dass die Pharmaindustrie neue Krankheiten erschafft, um verkaufsträchtige Medikamente dagegen zu entwickeln. [12]

Die Mehrheit der Bevölkerung indes, welche in ‘Plebsland’ lebt, geht einer prekär bezahlten Beschäftigung nach, ist hochverschuldet und hat hohe Hypotheken auf ihre eventl. Eigenheime aufgenommen, welche so nicht selten Objekte von Zwangsversteigerungen werden. [13].

Wie schon oben umrissen, herrscht des Weiteren eine entmenschlichende Gesellschaftsordnung, die in einer eindrücklichen Passage von MaddAddam 3 als eine Welt des Glücksspiels, der (Cyber-)Kriminalität, der allgegenwärtigen Prostitution (inkl. von ‘Prostibots’ und ‘Wichsroboter’, aber auch der ausgebeuteten Bio-Prostituierten) und der wiederholten Szenen des Kindesmissbrauchs geschildert wird. [14]

Die Roman-Figur Crake arbeitet für einen der biotechnologischen Konzerne an einem Unsterblichkeitsprojekt. Mit der BlyssPluss-Pille werden äußere Ursachen des Todes eliminiert, womit nicht nur Krankheiten gemeint sind, sondern auch Kriege (gegen die BlyssPluss mittels gesteigerter Libido aggressionsausgleichend wirkt) und Überbevölkerung inkl. Nahrungsknappheit (wozu BlyssPluss die Fortpflanzung einschränkt). [15]. Ressourcen-Knappheit gehört freilich zu den großen Themen unserer Zeit, in der Roman-Welt formuliert sich die Problemstellung wie folgt: „Die Nachfrage nach Rohstoffen hat in geopolitischen Randgebieten das Angebot schon seit Jahrzehnten überstiegen, daher die Hungersnöte und die Trockenheiten; aber bald wir die Nachfrage das Angebot für alle übersteigen.“ [16]

Die (zynische) Konzern-Lösung der Atwood’schen Trilogie darauf ist also eine (unwissentliche) Zwangssterilisation der Bevölkerung, die mittel der BlyssPluss-Pille vollzogen wird. Antrieb diese Pille zu kaufen aber ist deren Libido-Steigerung, was direkt auf die Grundstruktur der conditio humana verweist: das Begehren. Nicht nur bei Atwood weiß der Kapitalismus dieses für seine Zwecke zu nutzen: „Unnötig zu erwähnen, fuhr Crake fort, dass dieses Zeug eine ungeheure Goldgrube werden würde. Es werde die Pille sein, die jeder haben müsse, in allen Ländern, in allen Gesellschaftsformen der Welt. Natürlich würde es den Randreligionen nicht passen, deren raison d’être beruhe ja auf dem Elend der Leute, auf endlos aufgeschobener Befriedigung und sexueller Frustration, aber sie würden sich dieser Sache nicht lange in den Weg stellen können. Die Flutwelle menschlichen Verlangens, des Verlangens nach Mehr und Besser, würde sie überwältigen.“ [17]

Zu den umtriebigen Geschäften des Konzerns, für den Crake arbeitet, gehört auch die gentechnische Erschaffung einer neuen Art der Gattung Homo, im Weiteren nach ihrem Schöpfer Craker genannt. Das Sterblichkeitsproblem ist bei den Crakern dadurch gelöst, dass ihnen keine Furcht vor dem Tod angeboren ist und sie im Alter von 30 Jahren ohne Alterungs- oder Krankheitserscheinungen friedlich sterben. Sind einzelne (z.B. ästhetische) Eigenschaften vom zahlungskräftigen Kunden ˗ ob er einen Craker nun als Nachwuchs oder als Diener wünscht ˗ individuell bestimmbar, so fehlen ihnen aufs Ganze gesehen destruktive Merkmale, wie z.B. Rassismus (sie entbehren der Neurokomplexe zur Kategorisierung von Hautfarben), sie begehren selbst weder Eigentum noch Macht, ihre Sexualität ist frei von Unterwerfungs- oder Besitzstrukturen, ihre Kinder wachsen schneller und selbstständiger heran, sie benötigen nur karge vegetarische Nahrung und haben eine optimierte Verdauung, sie haben kein Bedürfnis Symbolismen (Herrscher, Ikonen, Geld oder Göttern: „Gott ist eine Mutation des Gehirns“ [18])zu erfinden, die ihre Art bedrohen könnten. Dabei sind sie fügsam, was sich insbesondere weltweit Politiker von einer neuen Menschheit wünschten. [19]

Indes: Crakes modifiziert die Pläne seines Konzerns, da ihm keine fügsame neue Menschheit unter der Herrschaft einer Politiker-Elite vorschwebt, vielmehr ist ein Zerschlagen des Zentrums der Macht in seinem Sinne, welches sich im 21. Jahrhundert nicht mehr in Herrschern, sondern in technologische Verbindungen ausdrückt. [20] Etwas gänzlich Anderes soll entstehen: eine neue, grundlegend freie Menschheit, die ohne Aggression oder Destruktivität im Einklang mit der Natur lebt. Mittels der ByssPluss-Pille verbreitet er so tatsächlich einen Virus, der die Menschheit ˗ bis auf wenige Ausnahmen ˗ dahinrafft; [21] die Zukunft gehört den Crakern. Oder besser ˗ so kristallisiert sich es im Lauf der Trilogie heraus ˗ einer Synthese zwischen Natur (inkl. der gentechnischen Hybrid-Tiere des Spätkapitalismus), Mensch, Craker und was an neuen Lebensformen hinzutreten mag. ˗ Die naturromantische Gärtner-Sekte, die sich neben unzähligen anderen religiösen Bewegungen im ausufernden Spätkapitalismus gründet und von der vor allem der zweite Band der Trilogie handelt, versteht (ohne zu wissen, dass der Virus von einem Menschen bewusst geschaffen wurde) den Umbruch wie folgt: „Es ist nicht diese Erde, die vernichtet werden muss: Es ist der Mensch. Vielleicht wird Gott statt unserer eine neue, barmherzigere Spezies schaffen. / Denn die wasserlose Flut hat uns überrollt ˗ nicht als gewaltiger Wirbelsturm, nicht als Kometenschauer, nicht als Giftgaswolke. Nein: Sondern genau so, wie wir seit langem befürchtet hatten, nämlich als Seuche ˗ als Seuche, die nur unsere Spezies infiziert und alle anderen Geschöpfe aussparen wird.“ [22]

Weder Atwood noch diese Zeilen wollen freilich eine Auslöschung der Menschheit als Lösung aller Probleme vorschlagen. Indes ist dieser Topos bei allem Thematisieren der Zukunft aufgrund der prekären Situation von Mensch und Erde (Auseinanderklaffen des globalen Südens und Nordens, Öffnung der Arm-/Reich-Schere, Klimaerwärmung, steigender Meeresspiegel, Umweltverschmutzung, Verrohung und Rückfall in die Barbarei (Neue Rechte & Fundamentalismen), anstehende Resourcen-Knappheit etc. pp.) stets mitzudenken. Auch philosophische Arbeiten, die sich mit Zukunft und Transhumanismus beschäftigen, können diese alternativen Szenarien nicht unberücksichtigt lassen.

In seinem Bestseller Homo Deus (2015; dt. 2017 ) schreibt z.B. der Historiker Yuval Noah Harari über einen nicht un wahrscheinlichen ökologischen Kollaps und damit einhergehender sozialen Konsequenzen: „Wer weiß, ob die Wissenschaft immer in der Lage sein wird, gleichzeitig die Wirtschaft vor dem Einfrieren und die Ökologie vor dem Überkochen zu bewahren. Und da das Tempo einfach immer weiter zunimmt, wird die Fehlertoleranz immer geringer. [...] Wenn es zur Katastrophe kommt, leiden die Armen fast immer weit mehr als die Reichen, auch wenn es zuallererst die Reichen waren, die Tragödie verursacht haben.“ [23]

Und die Philosophin Rosi Braidotti verweist etwas weiterführend in ihrem Posthumanismus: Leben jenseits des Menschen (2013; dt. 2014) explizit darauf, dass wir in mehrfacher Hinsicht das Inhumane, den Tod, die Katastrophe mitzudenken haben:

Denn das Inhumane ist auf perverse Weise Bestandteil des 21 Jahrhunderts, wenn in Kriegsgebieten Menschen Gras zum Überleben essen müssen und gleichzeitig europäische Kühe, Schafe, Hühner Tiermehl zu fressen bekommen – es liegt hier ein „radikaler Abbruch der Mensch-Tier-Relation“ vor [24] Der Posthumanismus erkennt das Inhumane an, welches in jedem Individuum ruht und dieses (paradoxerweise) menschlich macht: durch seine Fremdheit und seine Nicht-Rationalität. Heute ist das Fleisch hochgradig vom ‘Inhumanen’, von technischen Gebilden, durchdrungen. [25] ˗ Hingegen wendet sich das Posthumane subversiv gegen die marxistische normative Abwertung einer Verdinglichung und weiß (wie die Kunst) das künstliche und künstlerische Objekt zu schätzen. Kunst ist eine kosmische Resonanz und per se inhuman (im wertfreien Sinne) wie posthuman, sie führt gar über das Leben hinaus. [26]
Das Posthumane hat sich aber auch seinen nekromächtigen Verstrickungen zu stellen, wenn mittels Biopiraterie – Urbild ist hier die koloniale Plantage – die „globalen Obszönitäten“ Armut, Hunger, Obdach- und Heimatlosigkeit nach dem Leben trachten; wenn der Klimawandel die ganze zoë (das Leben) bedroht; wenn ein erstarkender Fundamentalismus Frauen, Homosexuelle und sexuelle Minderheiten bedroht; wenn Kinder Kapital sind (Zwangsarbeit, Kindersoldaten); wenn die Biopolitik AIDS, Ebola, SARS und andere Epidemien gebiert; wenn der Leichnam stets präsent ist – vom Krimi bis zu den Nachrichten; wenn der seelische Tod um sich schlägt (Süchte, Depressionen, Pathologien); wenn Geflüchtete und Asylbewerber als Menschenmüll begriffen werden. [27]
Erfrischender (wenn in manchen Situationen wohl auch zynischer) Fatalismus ist Braidottis Rat, den ich im Folgenden paraphrasiere, zum Umgang mit der uns umgebenden Nekropolitik: Tun wir so, als sei alles vorbei! Leben wir mit dem Tod und nicht gegen ihn! Ein Ethos der Auseinandersetzung kann dabei einen Kontrapunkt setzen: mit neuen sozialen Bedingungen und Beziehungen aus Tod, Ungerechtigkeit, Schmerz hinaus. Denn der Tod liegt hinter uns! Begreifen wir, dass Eros und Thanatos dieselbe Lebenskraft sind! [28]

Im MaddAddam-Universum ist so die Krisis nicht mit der Auslöschung eines Großteils der Menschheit bezwungen. Vielmehr erleben die menschlichen Überlebenden ˗zunächst ohne Kenntnis vom Stamm der Craker ˗ postapokalyptische Szenen der Ladenplünderungen und Gangs auf Diebeszügen. [29]

Auch die transhumanen Craker stellen letztlich nur einen Aspekt der neuen Welt dar, obwohl sie grundlegend (vgl. oben) konzipiert sind, um ein friedlicheres Zusammenleben zu ermöglichen. Sind wesentliche Schwerpunkte in Atwoods Gesamtwerk (sowie dito in der MaddAddam-Trilogie) die Rolle der Frau, sexuelle Ausbeutung, Kindesmissbrauch und unterdrückte Frauen, so entwickelt Atwood eine neue Sexualität der Craker, welche Craker-Frauen nur alle drei Jahre als interessiert am Vollzug des Geschlechtsverkehrs konstituiert.

Was ein Schock für alle Übersexualisierten sein mag, ist indes nicht leib- oder sexualitätsfeindlich intendiert, sondern Atwood entwirft hier in überspitzter und fantastischer Weise ein verantwortungsvolles und gleichberechtigtes Modell der Sexualität, jenseits ebenso von sexueller Unterdrückung als auch Viagra-Wahn. Am Vorbild der Effekte von Paarungsbereitschaft z.B. bei Pavianen, am Vorbild von rhythmischen Natur-Abläufen und Ritualen von ‘Naturvölkern’ werben alle Männer um eine sexualitätswillige Frau, die sich sodann vier Männer auswählt, mit denen sie die Paarung vollzieht.

Die eindringliche Beschreibung Atwoods sei hier nicht vorenthalten: „Es wird das übliche Fünfergespann sein, vier Männer und die brünstige Frau. Ihren Zustand verrät ihr hellblauer Hintern und Unterleib, für alle unübersehbar ˗ die variable Pigmentierung ist den Pavianen abgeschaut und kommt unter Mitwirkung der dehnbaren Chromophoren des Tintenfisches zu Stande. Wie Crake zu sagen pflegte: Denk dir irgendeine Anpassung aus, eine beliebige Anpassung, und du wirst feststellen, dass irgendein Tier irgendwo auf der Welt schon lange vor dir auf die Idee gekommen ist. / Da nur das blaue Gewebe und die damit verbundene Pheromonausschüttung die Männer stimulieren, gibt es heute keine unerwiderte Liebe mehr, kein zurückgewiesenes Verlangen; kein Schatten fällt zwischen die Begierde und ihre Erfüllung. [...] Passend zu den Unterleibern der Frauen verfärben sich auch die Penisse leuchtend blau, und die Männer führen eine Art blauen Schwänzeltanz auf, bei dem die erigierten Penisse im Takt der Fußbewegungen und gesungenen Melodien unisono hin und her schwingen: eine Eigenschaft, zu der sich Crake durch das sexuelle Winken der Krebse inspirieren ließ. Anhand der Blumengeschenke wählt die Frau vier Freier aus, woraufhin bei den Verschmähten die sexuelle Inbrunst augenblicklich verebbt, ohne dass dabei böses Blut entsteht. [...] Kein Nein heißt Ja mehr, [...]. Keine Prostitution, kein Kindesmissbrauch, kein Preisgeschacher, keine Zuhälter, keine Sexsklaven. Keine Vergewaltigungen. [...] Wer der Vater des unvermeidlichen Kindes ist, spielt keine Rolle, denn es gibt nichts zu erben und auch keine kriegswichtige Vater-Sohn-Loyalität mehr.“ [30]

Ohne Atwoods Sexualitätsmodell ernsthaft in den Diskurs zu stellen, sei hier vermerkt, dass es sich um eine Synthese aus Natur und Technologie handelt, denn nur mittels Gentechnologie ist diese Sexualität denkbar. Eben diese Synthese aus Biologie und Technologie ist es, die eine verantwortungsvolle Sexualität und Reproduktion in der Zukunft ermöglicht; alternative Methoden der Befruchtung, medikamentöse Verhinderung von Geschlechtskrankheiten oder ungewollten Schwangerschaften, chirurgische Eingriffe in die Fortpflanzungsfähigkeit etc. pp. tun das bereits seit Jahrzehnten.

Beginnt schon MaddAddam 1 mit Szenen, die der eigentlichen Intention des Craker-Schöpfers entgegenlaufen, nämlich ein Interesse der Craker für Erklärungen, die sie zu Schöpfungsgeschichten mythologisieren ( in diesen werden auch Crake und seine Gefährtin Oryx zu Göttern) , so wird erst gegen Ende der Trilogie deutlich, dass hiermit nicht nur der Mythos als ein unumstößlicher Aspekt der conditio humana begriffen wird, der sich nicht weg züchten lässt. Nein, die Lernfähigkeit der Craker reaktiviert auch das Schreiben und die Schrift (ein wenig klingt hier an, dass sich der ‘Sündenfall’ der Bewusstwerdung wiederholt) und das Crakertum schreibt sich so ein in das evolutionäre und kulturelle Werden mit unbestimmtem Endresultat:

„Später ˗ nach dem Regen, nachdem der Regen aufgehört hat ˗ findet sie ihn im Sandkasten. Er hat ein Stöckchen in der Hand, und das Blatt Papier. Die anderen Kinder sehen ihm zu. Alle singen. [...] Und was kommt danach? Vorschriften, Dogmen, Gesetze? Das Testament des Crake? Wie lange wird es dauern, bis es uralte Schriften gibt, denen sie gehorchen glauben müssen, die sie aber nicht mehr deuten können?“ [31]

Nicht nur die Craker haben mit ihrer Entwicklung eine Überraschung zu bieten, sondern auch die nun frei lebenden Organschweine, die der im Laufe der Trilogie zusammengefundenen Kolonie von überlebenden Menschen und Crakern begegnen: „Ein tiefes Grunzen geht von Schwein zu Schwein. Wären es Menschen, denkt Toby, würde man sagen, ein Raunen ging durch die Menge. Es muss sich um einen Austausch von Informationen handeln, aber Gott weiß was für Informationen.“ [32] Tatsächlich handelt es sich um eine Kommunikationsaufnahme mit den Menschen, die den Organschweinen ˗ man erinnere sich, dass deren präfrontales Kortexgewebe ja humanoiden Ursprungs ist! ˗ mit den empathischen Crakern als Vermittlern tatsächlich gelingen soll und zu einem friedlichen Abkommen der verschiedenen Spezies und kooperativer Aktion führt. [33]

Problematischer indes gestaltet sich das Verhältnis zu einer vierten, mehr oder minder intelligenten, Gruppe, den sog. Painballern. In Painball-Aren, die einen Auswuchs des Neoliberalismus darstellten, wurden einst Todesduelle inszeniert, die bis zum Kannibalismus führten, es handelte sich hier um „Konzernleben in plastischer Gestalt“, Manifestation eines raubtierhaften Kapitalismus’ also. Tatsächlich verdiente die Wirtschaft aufgrund des Spekulationswertess (Wetten) des Painballs immens an dem Projekt, welches schließlich weiter vermarktet und z.B. im Fernsehen ausgestrahlt wurde. [34] Die Kämpfer in den Arenen indes entfernten sich von ihrer Zugehörigkeit zu Homo sapiens sapiens: „Einige Spiegelneuronen und ein dicker Brocken Empathiebaustein waren ihnen abhanden gekommen. Zeigt man einem normalen Menschen ein leidendes Kind, zuckt er zusammen; diese Kerle dagegen feixten.“ [35]An anderer Stelle werden die nunmehr mordenden und vergewaltigenden Painballer als ‘seelentoter Neuromüll’ bezeichnet. [36]

Das junge Bündnis aus Menschen, Crakern und Organschweinen gerät schließlich angesichts zweier gefangengenommener Painballer an seine Grenzen des friedlichen Koexistierens, denn eine demokratische Abstimmung weiß nur das Todesurteil zu fällen. Allerdings wird auch die ˗ möglicherweise protestierende ˗ Leserin hier an ihre Grenzen geführt, denn anthropozentrische Moral ist in der neuen Welt nicht der allgemeine Standard. So ist der junge Craker Blackbird, der auf den letzten Seiten von MaddAddam 3 zum neuen Chronisten wird, keineswegs entrüstet, sondern die Geschehnisse entziehen sich schlicht seiner Lebenswirklichkeit:

„Als die Großen Schweine gegangen waren, erzählte Toby, dass die zwei bösen Männer vom Meer davongetragen worden seien. Sie seien davongetragen worden, so wie Crake das Chaos mit dem Wasser [dem Virus] davongeschwemmt hatte. Also sei jetzt alles viel sauberer. [...]

Das ist also die Geschichte des Prozesses. Es ist ein Dinge des Crake. Wir unter uns müssen keine Prozesse führen. Nur die Zweihäuter [Menschen mit Kleidung] und die Großen Schweine müssen Prozesse führen.

Und das ist gut so, denn ich mochte den Prozess nicht.

Danke. Gute Nacht.“ [37]

Noch einige weitere Dinge wird Blackbird notieren, dabei entwickelt er eine (menschliche?) Vorlieb für Feiertage, die er im Zusammenhang mit den verschiedenen Ereignissen stiftet. Unter Das Fest der Artemis, Herrin der Tiere, Vollmond schließlich weiß er über drei der Menschenfrauen zu vermelden: „In den letzten beiden Wochen haben alle drei Geburten stattgefunden. Oder alle vier, denn Swift-Fuchs hat Zwillinge zur Welt gebracht, einen Jungen und ein Mädchen. Sämtliche Kinder haben die grünen Augen der Craker, [...].“ [38]

Eine weitere Art betritt so den Planeten und tritt ein in die synthetische und kooperative Gemeinschaft der intelligenten Lebensformen: die Kreuzung zwischen Mensch und Craker. Erst die Zukunft wird zeigen, welche Eigenschaften sie in sich trägt.

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III.

Beschreibt Atwood am Ende ihrer Trilogie Kooperation und Synthese verschiedener Arten und Spezien, so ist dies die Herausforderung an eine demokratische pluralistische Gesellschaft der Zukunft, dass nicht nur verschiedene Kulturen, verschiedene Lebensweisen & Sexualitäten und letztlich auch neue (modifizierte) Menschen oder gar neue intelligente Spezien (KI, Androiden, Roboter) integriert werden.

Dito Dietmar Dath benennt in seinem Venus siegt diese Aufgabe konkret, wenn auf der kolonisierten Venus der Zukunft die Staatslenkerin Maren Laukkanen den Gedanken des ‘Bundwerks’ stiftet, das friedliche und gleichberechtigte Zusammenleben von Menschen, androiden Robotern und virtuellen, künstlichen Intelligenzen. Die Menschen in Daths Welt werden dabei B/, Biotische, genannt, die androiden Roboter werden bezeichnet als D/, was für ‘Diskrete’ steht, die künstlichen Intelligenzen aber K/, was für ‘Kontinuierliche steht. Die Formel, welche das Bundwerk des Zusammenlebens ausdrückt, lautet so D=B=K.

Die K/ existieren in einem schaumartigen Liquid (Écumen), welches die Venus algorithmisch durchfließt und den verschiedensten Zwecken, Kommunikationen und Produktionen zugrunde liegt; auch das menschliche Gehirn trägt eine Schnittstelle zu Écumen in sich. Écumen wiederum wurde durch die Programmiersprache Topos geschaffen, in der Gegenwart beherrscht indes kaum ein Mensch noch Topos. Allein schon durch Topos und Écumen wird ein Ineinandergreifen und Zusammenhalten der verschiedenen Existenzen gestiftet, denn sie verbinden verschiedene Zeiten (von der Vergangenheit bis zur Zukunft) und verschiedene Bewusstseine miteinander. [39]

Laukkanen, die Gründerin des Bundwerks, ist längst verstorben und die Geschicke des Planeten liegen nun in den Händen von Leona Christensen. ‘Zweiter Mann im Staat’ ist Edmund Vuletic, dessen Vision noch weiter geht als das Bundwerk, denn er will auch die genetisch modifizierten Menschen, die Neukörper, dezidiert in die egalitäre Gesellschaft mit einbeziehen. In einer mitreißenden Rede Vulvetics heißt es so: „Wenn erst die Diskreten und die Kontinuierlichen den Bund mitsteuern, wenn erst die ersten Feedbackschlaufen etabliert sind, dann wird das Bundwerk bereits ins Freiwerk übergehen, ja, dann werden werden wir sehen, dass das Bundwerk tatsächlich die erste, die niedere Stufe des Freiwerks gewesen sein wird, und der Unterschied zwischen Menschen, Diskreten, Kontinuierlichen und Neukörpern wird bedeutungslos werden.“ [40] Das indes geht Christensen zu weit, die Rede wird Vulvetic zum Verhängnis, er muss ins Exil gehen und wird später ermordet.

Es wird deutlich, dass Daths Buch nicht nur eine Analogie oder Parabel auf den Sowjet-Kommunismus ist, sondern dass tatsächlich der Großteil des Personals und der Geschehnisse an historischen Vorbildern orientiert ist: Der Planet Venus steht für die Sowjetunion, einst unter Laukkanen/Lenin,dann unter Christensen/Stalin (dass auf einer weiteren Textebene die Namen wiederum Vorbilder haben, scheint mir für das Verständnis zweitrangig; im Fall von Leona Christensen z.B. ist der (widersinnige) Verweis auf die Talkmasterin Ilona Christen (1951-2009) überdeutlich).

Dem Planeten Erde unter Sumito liegt Hitler-Deutschland zugrunde (inkl. Stalin-Hitler-Pakt und späterem Angriff auf die Sowjetunion). Das Bundwerk meint den Staatskommunismus à la UdSSR, das Freiwerk aber den vollendeten Kommunismus, der sich gemäß Marxismus (klar, die Programmiersprache Topos meint diesen) aus ersterem ergeben soll und bekanntlich nie ergeben hat.

Vulvetic alias Trotzki erinnert an das ursprüngliche Vorhaben, Christensen/Stalin geht das zu weit, Vulvetic/Trotzki muss verschwinden. Die D/ repräsentieren die Arbeiter, die K/ aber die bürgerliche Intelligenzija. Karl Marx, Sergei M. Kirow, Grigori J. Sinowjew, Lew B. Kamenew, Nikolau I. Bucharin, Moskau oder Leningrad, etliche Personen oder Orte finden sich in Daths Roman wieder. [41]

Die Analogisierung ist dabei indes nicht platt oder trocken, sondern eingewoben in Daths überbordene Schreibe voller Kreativität und Erfindungsreichtum, so findet z.B. eine weitere Verschachtelung statt, wenn das Stück Numa (1971) des DDR-Dramatikers Peter Hacks (1928-2003) auf der Venus aufgeführt wird (in 2017 ist Numa übrigens bisher unaufgeführt!), und die Gestalt des legendären weisen und gerechten römischen Königs Numa (möglicherweise 8. Jahrhundert v.u.Z., indes ist seine Existenz nicht gesichert) nicht nur im Sinne des Theaterstücks eine Sozialismus-Allegorie mit kritischen Untertönen ist, sondern nunmehr als Verkörperung der Maren Laukkanen ausgedeutet wird. [42]

Analog zu Stalins Kommandowirtschaft, Kollektivierung und Entkulakisierung wird im Roman unter der Diktatorin Christensen (die ebenfalls über ein Bühnenstück auch mit dem wahnsinnigen Nero assoziiert wird) das Programm der Großen Integration in Angriff genommen, welches mittels der Arbeit Mensch, D/ und K/ einen will. Die autark arbeitenden menschlichen Farmer auf der Venus bekommen den Zugang zu arbeitenden D/ und über Server der K/ werden die „atomisierten Betriebsstrukturen zu größeren Einheiten“ zusammengefasst. [43] Die D/ sind nun dabei aber nicht freundliche Gehilfen der Kleinbauern, sondern sind angewiesen, die Zusammenarbeit mittels Zwang und unter Einbeziehung von menschlichen Zwangsarbeitern einzutakten. [44] Neben des historischen Bezuges zu Stalin’scher Politik, die Kleinbauern zwangs-‘proletarisierte’ und -kollektivierte, lässt sich hier die Mahnung an uns ableiten, dass bei einer Robotisierung unserer Arbeitswelt der Mensch davon profitieren, aber nicht darunter leiden solle. ˗ Eine zweite Mahnung, die für eine etwaige Zeit nach Eintreten der Singularität gilt: Angesichts von Androiden, die ein menschliches Bewusstsein simulieren können, ist einem Speziesismus entgegenzuwirken. Bei Dath verstehen sich die im Zuge der Großen Integration in der Landwirtschaft arbeitenden D/ letztlich als ausgenutzt und marginalisiert. [45] Und eine dritte Mahnung impliziert, dass vor einem Missbrauch und einer Instrumentalisierung digitaler Intelligenz abzusehen ist: In der Christensen’schen Säuberungswelle werden die D/ auch als brutalste Folterknechte eingesetzt, die mit weiteren technischen Hilfsmittel Bio-Menschen vielfältig und kaltblütig penetrieren [46].

Spannend aber ist, wie Dath über die Historie der Sowjetunion hinausgeht, auf Möglichkeiten der tatsächlichen Emanzipation und Gleichheit im Pluralismus verweist. Im Fließenden der K/ im Écumen drückt sich so ein nicht-identitäres Existenz-Verständnis aus, denn Identität oder Gender sind dito im steten Wandel. Anarchistische oder auch queer-politische Vorstellungen liegen vielmehr zugrunde als ein Marxismus-Leninismus-Stalinismus, wenn es heißt. „Verschiedene Namen gehören bei K/ nicht unbedingt verschiedenen Persönlichkeiten, dieselben Namen nicht unbedingt denselben Leuten, und der Unterschied zwischen einzelnen und mehreren Persönlichkeiten ist überhaupt fließend, weil dauernd integriert oder gesplicet wird. [...] Jedenfalls nennt sich der Bursche oder die Burschin oder das Bursch oder die ganze Burscherei da... Von Arc.“ [47] Mittels eines Avatars wird die KI Von Arc für den Ich-Erzähler Niklas Helander zur steten Inspirationsquelle. Hinter Helander steht übrigens der Philosoph und Chemiker Juri Schdanow (1919-2006), Sohn des engen Stalin-Mitarbeiters Andrei A. Schdanow (1896-1948). Juri Schdanow war 3 Jahre mit Stalins Tochter Swetlana I. Allilujewa (1926-2011), die im Roman wiederum als Aardaschini Chabert auftritt, verheiratet und zeugte mit ihr eine gemeinsame Tochter.

Weiter drückt sich die zukunftsstiftende Dekonstruktion, die das Konzept des Fließen ermöglicht (sei es ein Fließen von Identität, Zeit, Raum oder Geschichte, bekanntlich fließt alles, πάντα ῥεῖ., wie der Vorsokratiker Heraklit formulierte und wie uns heute das stete Fließen von Algorithmen und Datenströme ˗ jenseits von Zeit, Raum oder Identität ˗ veranschaulicht), in Venus siegt in dem Förderstoff des Venus-Planeten aus, dem Schwarzen Eis. Von Arc erörtert das Schwarze Eis wie folgt: „Eine Form von Materie, die an der Raumzeit auf dem Mikrolevel sozusagen... vorbeigleitet und also bestimmte Trägheits- und Gravitationseffekte modifizieren, in gewissen Grenzen aufheben kann. [...] Das Schwarze Eis ist ein System von... eine Vermählung von Gravitationskollaps einerseits und extremer Kühlung andererseits. Gefrorene Raumzeit. Und wir stellen es her, weil wir die elektrische Ladung als Kraftlinien, die in der Topologie eines multikonnektiven Raums aus Wurmlöchern gefangen sind, zu beherrschen gelernt haben. Wir stricken und nähen mit Hyperkondo-Isolation. Wir arbeiten mit der Energie der Vakuumfluktation, der Involution von Gravitation. Vielfingrige Zeit.“ [48] Sehr schön wird an dieser Beschreibung deutlich, wie mittels eines ˗ quantenphyikalischen wie postmodernen ˗ Paradoxons Einfrieren ein Fließen ermöglicht, welches sich besonders schön in den Transportröhren, die das Schwarzen Eis ermöglicht, Zilien genannt, symbolisiert: Hier tritt der Reisende ein in einen Fluss der Schwerelosigkeit. Ein Rezensent des Buches verweist in euphorischer Begeisterung auf das überbordende Fließen der Zilien, das er wiederum metatextuell mit der Dynamik des Dath’schen Geistes verschränkt: „Die Fantasie zu besitzen, den nächsten Fortschrittssprung der Menschheit nicht als Raumfahrerei zu erzählen, sondern als Weiterentwicklung unserer logischen Verdrahtungen; die Frechheit, seine Figuren deswegen seitenlang unverständlich über Grundlagenmathematik dozieren zu lassen – nur so kommt Dath zu diesem irren, überschießenden Element, dem gewissen Etwas, das die echte Science-Fiction ihren bürgerlichen Schrumpfformen schon immer voraushatte. Für den öffentlichen Nah- und Fernverkehr auf der Venus existieren haushohe, gebogene Achterbahn-Schwerelos-Rutschen, die "Zilien" – Transportwege, in denen jenes Schwarze Eis der Ingenieure und die neue Logik auf magische Art miteinander zusammenwachsen. Wenn Dath eine Zilien-Reise schildert, wünscht man sich, es würde schnell jemand diesen Roman aufwendig verfilmen, um eine ungefähre Vorstellung davon zu bekommen, wie so etwas aussehen könnte. Nicht weil Daths Beschreibungskünste unzureichend wären – sondern weil er es mit seinen Andeutungen schafft, tausend neue Welten zu eröffnen, die man sich alle gerne anschauen würde. / Noch erstaunlicher, dass Dath all das in einem Buch mit linkem Gedankengut zusammenbringt. Genau dem fehlt sonst ja gerne alles Zukunftsweisende, weil Linke heute lieber im Bestehenden herumpopeln, statt Zilien zu erfinden.“ [49]

Algorithmische Existenzen der K/ artikulieren in Venus siegt eine völlig emanzipierte und anarchistische Lebensweise, so heißt es angesichts der Frage, ob nur halb-bewusste Künstliche Intelligenzen (auch diese gibt es noch in der Zukunft) zu vollem Bewusstsein gepusht werden sollen, über (den selbst freilich völlig bewussten K/) Patria: „Patria wiederum [...] besetzt eine extrem linke Position. Er sagt ungefähr: Gewiss halbsentiente K/ von ihrer Dumpfheit zu erlösen, das wäre, wie wenn man die D/ aus ihren Körpern holt. Aber eben das soll man tun. Ja, man sollte noch weiter gehen ˗ man soll die [...] viel zu langsam vorangetriebenen Experimente fortsetzen, die unseren Intelligenzbegriff insgesamt revolutionieren wollen: D/ und Menschen zu K/, Menschen zu K/ und D/ machen. Im- und Export von Bewusstsein in alle Richtungen. Aufhebung der Gattungen. Abschaffung der Arten.“ [50] Neben der Anspielung auf Daths eigenen früheren Sci-Fi-Roman Die Abschaffung der Arten (2008), drückt sich also die Forderung einer radikalen Freiheit des Bewusstseins aus, die (und das ist herrlich schön unmarxistisch!) nicht mehr Bewusstsein an ein bestimmtes Materialistisches koppelt, sondern ˗ übrigens ist zumindest die Schnittstelle zwischen menschlichem Gehirn und Internet in 2017 schon gefunden [51] ˗ Bewusstsein davon emanzipiert.

Tatsächlich wird die stalinistische Politik Christensens freilich das Gegenteil verfolgen: K/ werden z.B. mit virtuellen Sperren belegt, an einzelne Server gefesselt. [52] Andererseits gibt es unter Christensen auch etwas, das der ‘Aufhebung von Klassenunterschieden’ in der UdSSR entspricht: „[...] diverse Exemplare einer neuen Untergattung der D/, [...] absolut menschenähnlich, in weicher Prägebiotik, recht dunkelhätig, etwas längergliedrig als wir, aber um Mimisis [...] bemüht, im Geiste des ‘Zusammenwachsens’ und ganz auf Christensen-Linie.“ [53]

Und schließlich sind da die Neukörper, die fantasievoll genetisch modifizierten Menschen auf der Venus, nicht nur Ausdruck des Künstlerischen, Kreativen, Anarchistischen und Queeren, dessen Träger*innen unter Christensen/Stalin als Erstes brutal denunziert, diskriminiert, verfolgt und ermordet werden, sondern sie versinnbildlichen eben durch das Künstlerische, Kreative, Anarchistische und Queere das Fließende, Dynamische und Transformierende, welches jede bessere zukünftige Welt erst möglich macht.

Über ihr Zusammenleben in der Boheme-Kolonie Rhinoclavis heißt es: „In Rhinoclavis tanzt man bewusst über dem Abgrund. Sie haben dort begonnen, einander ohne Vorsicht zu klonen, diese... Neukörper. Sie kreuzen menschliche DNS mit der von Pflanzen, sie fliegen, sie tauchen in Tanks und wollen einen Teil der Meere für sich, um dort Siedlungen ˗ nein: Schwärme, sagen sie ˗ einzurichten. Einige von ihnen haben so viele Arme und Beine wie die gelenkigsten D/. Andere kleiden ihre gesamten Innenschädel mit Écumen, bilden zu dritt eine Person, partieren eine Person in vier.“ [54]

Diversität, Pluralität, Kreativität, Experimentierfreude, Überschreitung, neue Lebensweisen und Lebensformen werden so von den Neukörpern ausgelebt.

In den Mittelpunkt des Erzählens werden die Neukörper dadurch gestellt, da sie ˗ kurz nach Einsetzen der Verfolgung von Vuleticisten/Trotzkisten [55] ˗zu den ersten Opfern der Stalin’schen/Christensen’schen Säuberungen zählen. Zunächst werden ihnen die Kinder weggenommen und versucht diese mittels ‘Erziehung’ ideologisch umzudrehen [56], Denunziationen über durch Neukörper verbreitete Krankheiten in Umlauf gesetzt [57] (Analogien zu z.B. antisemitischen Denunziationen, dass Juden die Gesundheit bedrohen würden, liegen auf der Hand) später wird ihre Kolonie in einem blutigen Massaker nahezu ausgelöscht [58].

Der Ich-Erzähler kommt mit den Neukörpern in besonders engen Kontakt, da sein (von der Familie lange entfremdeter) Bruder Frédéric, nunmehr modifizierter Neukörper, wieder Kontakt zu ihm aufnimmt: „Ich erblickte jemanden, den ich nie wiederzusehen erwartet hätte. Ein Seufzer des Entsetzens fiel mir aus dem Mund. [...] Da ragte ein Mensch mit getigertem Fell statt Haut vor mir auf, mit dunklen Augen und verlängertem Kinn. Die dichten Fellstreifen leuchteten teils dunkelgrün, teils pechschwarz, nur im Gesicht war der Flaum weiß, während grüne und schwarze Pinselsträhnen dieses Gesicht umrahmten ˗ eine groteske Wachskreidezeichnung. Das Wesen besaß Flügel, weit ausgebreitet, so dass ich alle Federn sah ˗ nein, keine Federn: lange Klingen, auch sie intermittierend grün und schwarz. [...] Immerhin trug er eine Art Hose, blau bis zu den Knien ˗ unterm Beinrand allerdings sah ich Schienbeine von knochig weißer Härte in etwas Hufartigem enden.“ [59] Die Flügel wiederum sind aus Schwarzem Eis, in die pluralistische und anarchistische Existenzform wird so zusätzlich ein überdeutliches Element des Flexiblen und Dynamischen eingefügt.

Die schwebende Stadt Rhinoclavis, die Kolonie der Neukörper, wo indes auch unveränderte Menschen leben, hat paradiesische Züge: keine Kälte, strahlend blauer Himmel, so dass Mensch & Neukörper unter freiem Himmel leben kann. Die Gebäude sind im Gemeineigentum, wissenschaftliche kulturelle, museale und bildungsbezogene Einrichtungen sind reichlich vorhanden und stehen allen offen. [60] Die neuartigen Formen der Lebenskunst sind freiheitlich, queer, ohne patriarchale Strukturen und emanzipiert , was den Ich-Erzähler zunächst irritiert: „In ihren mehr oder weniger versteckten, nicht ganz privaten Winkeln liebten sich die Leute sogar, was mir anfangs sehr störend auffiel. [...] Die Leute, die so lebten, waren mir anfangs nicht geheuer, das gebe ich zu: Leute mit Fell, Leute auf vier Beinen, in Schuppen, mit Federn, Leute mit silbernen Augen, mit freiliegend am Schädel getragenen Écumenverstärkern und Aggregatoren, mit mehr Gliedmaßen, als zum Menschenbauplan gehörten, fliegende Leute, am Grund der Seen lebende Leute. [...] [Wechsel zu direkter Rede] Ich begreife einfach nicht, wie hier gelebt wird, welche Sorte von Beziehungen es da gibt, wenn jede und jeder so übersteigert einzigartig... ich weiß nicht. [...] Ich meine, Familien sind das ja nicht in unserem Sinne, diese Menschen, die sich da mal für ein paar Jahre zusammenrotten [...] [Tempus-Wechsel] Hier, wo ich dies schreibe [...] gibt es sogar uralte Worte für diese spezifische Lebensweise meines Bruders damals: „schwul und single“. An längeren Bindungen mit den Männern, die er liebte, schien Frédéric nicht interessiert: „Ich lasse mich auflesen, und irgendwann fall ich wieder raus“ [...].“ [61] Über die Queerness ˗ der homosexuelle Frédéric dient so auch einer alleinstehen Frau als Leihvater ˗ hinaus, ist die Lebenskunst der Neukörper ein Musizieren mit Biotik, welches die Freiheit & Individualität begründet. [62] Kurz: „Es ist ein neues Leben, eins, wie es nie zuvor welche gegeben hat.“ [63] Der einzigartige Individualismus, der in diesem neuen Leben möglich ist, „wird von der ganzen Gemeinschaft mitorganisiert, mitgetragen, weil er in der Tiefe eben nur als sozialer funktioniert, als asozialer nicht.“ [64]Zu diesem sozial legitimierten Individualismus gehört freilich auch die Akzeptanz und Gleichberechtigung von Androiden und virtuellen KI, worin der Venus-Kommunismus versagte, der Venus-Anarchismus indes die Grundlagen legt: „Die nächste Generation wird sowohl freier und individualistischer als auch solidarischer sein als wir... kann man das Wort ‘solidarisch’ steigern? Jedenfalls, sie werden erwachsener sein, , weil die Eltern der verschiedensten Sorten von Intelligenzen jetzt in einem Austausch stehen, der täglich lebhafter wird.“ [65]

Analog zu Nietzsches früher Kritik am Marxismus, dass dieser letztlich nur Untertanen-Mentalität (Sklaven-Moral) forciere und die Höhe menschlichen Geistes durch eine Gleichmacherei ausgehebelt werde, sprechen sich die Neukörper für einen Erhalt des Genialen und Komplexen aus, denn ˗ so wird am Beispiel der Sprache gezeigt ˗, „es ist diese schreckliche Gleichmacherei überall da, wo der Informationsfluss ein zäher Lavabrei wird, eine Gleichmacherei nach unten, auf das dümmste Niveau hinab. [...] Wenn du keinen komplexen Satz mehr bilden kannst, kannst du auch keinen komplexen Zusammenhang mit wenigen Invarianten und vielen abhängigen Variablen mehr schildern. Dann bleibt nur noch übrig: Subjekt Prädikat Objekt, die Sprache der Befehle und der Unterwerfung, verkleidet als Sprache der lebendigen Teilhabe an allem.“ [66]

Als Feindbild einer emanzipierten und freiheitlichen Individualität gilt freilich nicht nur der gleichmachende Venus-Kommunsimus, sondern auch die Ideologie des Erdherrschers Samito, der Hitler repräsentiert. Samitos Massenvernichtung fallen auf dem Planeten Erde jene Abermillionen anheim, die nicht dem Samito’schen Programm einer Normativität und Optimierung des Menschen entsprechen, „weil sie die Einheit störten, die er wollte: jeder Mensch ein halber D/, in den Extremitäten, im Kopf, im Verdauungstrakt umfassend mechanisiert, exochemisiert, im Kopf mit photonisierten Kontaktplatten versehen. [....] bekämpfte Samito die alten Körper, die nicht in seine Ideen vom Neuen passten, diejenigen Körper, die am altmodisch Menschlichen festhalten wollten, diejenigen Körper, die biologisch oder politisch nicht aufgerüstet werden konnten oder wollten oder einfach auf kybernetische Selbstbestimmung bestanden [...].“ [67] Die Bedrohung des freien Individuums kommt hier also analog mit der nationalsozialistischen Ideologie einher, dass alle Menschen vernichtet werden, die nicht dem aufgestellten Idealbild (sei es der ‘Arier’ oder der Cyborg) entsprechen; bemerkenswert ist dabei, wie Dath nachzeichnet, dass die Ideologie in alle Lebens- resp. Körperbereiche eindringt, nicht von ungefähr scheint dabei die explizite Erwähnung des ‘mechanisierten Verdauungstraktes’ sein, der auf die aus psychoanalytischer Sicht massiv gestörte Oralität wie Analität der Nazis verweisen mag.[68]

Die Geschichte der Erde nach der Diktatur Samitos ist dann geprägt ˗ wie unser 20. und bisheriges 21. Jahrhundert ˗ von einem extremen Auseinanderklaffen zwischen Arm und Reich. Zu der zynischen Entwicklung gehört in Daths Roman dabei, dass eine gentechnische Modifikation möglich ist, die es den Armen ermöglicht, sich von Müll zu ernähren. Ungeplant vermehrt sich diese menschlichen Subspezies enorm und ist außerhalb der Metropolen in allen zahlreichen Wüsten und Ödnissen der ökologisch ruinierten Erde anzutreffen. Mit der menschlichen Ernährung wurde den Müllesser auch die menschliche Würde genommen: „Nackt, glasige Augen, verbrannte Gesichter, auf der ganzen Welt inzwischen an die drei Milliarden, alle mit Kontakten in den Köpfen, die Sonolumina, das heißt den lokalen Ablegern dieser Intelligenz, die wir eine K/ genannt hätten, erlauben, die Übersicht über die Demographie nicht zu verlieren.“ [69]

Wir sehen hier das, was schon Marx (in diesem Fall ganz richtig) als ‘überschüssige Bevölkerung’ im Falle der fortschreitenden Maschinisierung (resp. Digitalisierung) voraussah, die wir heute bereits in Gestalt des kapitalistischen Arbeitslosen, des nicht-kapitalistischen Überschusses (Arbeiter*innen in Subsistenzwirtschaften der sog. Entwicklungsländer, machen dort (je nach Land) 30-80% der Arbeitenden aus), der protoproletarischen Bevölkerung (vom Kleinbauern bis zu Honorarkräften), der inaktiven Schicht (Entmutigte, Invalide, Kinder, Schüler*innen, Studierende, Rentner*innen etc.) kennen, [70] und deren Versorgung die gegenwärtige Politik nicht fokussiert.

Dem gegenüber stehen bei Dath ˗ und auch diese Menschen kennen wir und zwar nicht nur aus den konzerneigenen Hochsicherheitsbezirken Atwoods ˗ die wenigen Profiteure der Digitalisierung, „die komplementären Gegenstücke zu diesen leeren Leuten, ihre Cousin, die nicht Müll fressen, sondern den ganzen Tag in künstlichen Umwelten, picotechnischen Paradiesen, von einem Rausch zum nächsten taumeln, die ganze Kulturgeschichte der Menschheit in den Fingerspitzen, in den Nervenenden. Sie sind die reichsten der Reichen, die es jemals gab, [...].“ [71]

Das hier Handlungsbedarf besteht, gilt für uns wie für das Dath’sche Universum. Daths vorläufige Hoffnung auf den letzten Seiten des Romans ist es, ‘es mit dem Kommunismus nochmal zu versuchen’, was sich in der Enthüllung ausdrückt, dass Laukkanen (Lenin) einen Upload des ursprünglichen Programmiercodes (Marx) in ihr Gehirn vollzogen hatte, dass Christensen (Stalin) ein Backup dessen war und dass dieses Backup in unzähligen Sicherheitkopien, auch in jedem Venus-Menschen, weiterexistiert. [72] Die Dath’sche Moral ist also, dass Marx die Welt richtig erklärte, Lenin wie Stalin diesen Marxismus ganz richtig weitertrugen und in erneuter Anwendung des Marxismus-Leninismus die Zukunft einer gerechten und digitalisierten Welt liegt. Die insb. Stalin’schen inhumanen Exzesse scheinen dabei keine weitere Rolle für das Fortführen der Ideologie zu spielen.

Wie passt das zusammen mit der sensiblen, beeindruckenden Darstellung der Neukörper, Opfer des Venus-Kommunismus’, die ich hier mit einem vorbildlichen ‘Anarchismus’ gleichgesetzt habe? Es passt bedingt, wenn man statt ‘Anarchismus’ den Begriff des ‘vollendeten Kommunismus’ verwendet, denn die Marx’sche finale Vision (die er indes kaum beschreibt und die politisch völlig unerprobt ist) löst den Staatskommunismus bekanntlich letztlich durch Selbstabbau wiederum auf. Dath scheint in anarchistischen, queeren oder emanzipierten Bewegungen Vorformen eines finalen Kommunismus’ zu sehen, den er indes doch allein über eine vorige Diktatur und. einen autoritären Staatsapparat erreichbar sieht. Das ist und bleibt freilich kontrovers, schon allein deshalb, weil autoritäre Staatsapparate unserer zeitgeschichtlichen Erfahrung nach das Freiheitliche, Queere, das Emanzipatorische und nicht selten auch das Progressive unterdrücken.

Mit dem 150seitigen Epilog Venus lebt, den Dath ein Jahr später an seinen Roman angefügt hat, versinnbildlicht Dath indes seine Sicht der Dinge:

Über 300 weitere Jahre in der Zukunft wird das Sonnensystem zunächst von elitären virtuellen Intelligenzen in Form der ‘Lebendigen Gesetze’, Living Laws, organisiert und kontrolliert. Doch existieren auf der Venus, auch in den Gefilden, die einst die Neukörper bewohnten, widerständige Gruppen, die mittels der alten, meist vergessenen Programmiersprache Topos (der Analogie zum Marxismus) das digitale System zu übernehmen beginnen. [73] Gemäß Dath’scher Mythologie darf dabei Folgendes nicht fehlen, wie sich angesichts eines biotechnologischen Tanks offenbart: „Nein, das da unten im Zylinder wird kein Koalabär, das wird die gute alte Lily. Leona Christensen. Wir, die wir dafür stehen, dass Venus lebt, waren der Meinung, dass die Zeit gekommen ist, ihr nach einer sehr langen Zeit als Gespenst in anderen Köpfen mal wieder einen Kopf und einen Körper bereitzustellen, in dem sie sich zu Hause fühlen kann.“ [74] Nicht mehr ein Gespenst geht um im Sonnensystem, nicht nur wird Christensen/Stalin reaktiviert, auch wird das beliebte Meme ausgesprochen, der Kommunismus wäre erfolgreich (was immer das heißen mag) verlaufen, wenn er nicht äußeren Widerständen gegenübergestanden hätte, sich weiter hätte ausbreiten können. [75] Trotz dieser (m.E. unnötigen) Reaktionaritäten wird immerhin eingeräumt, dass Christensen & Co Androiden, Intelligenzen und Menschen ihres Spezifischen (Roboter-, Netz- und Menschenbewusstsein) berauben wollten ˗ zu Gunsten eines abstrakten allgemeinen Bewusstseins (wie es auch die verschiedenen Sozialismus- und Kommunismus-Experimente ja praktizierten: nur Allgemeinheit, kein Individuelles) und es wird postuliert, dass dergleichen nie wieder geschehen dürfe. [76] Anknüpfend an diese Postulierung wird im Weiteren auch die Notwendigkeit einer Synthese zwischen Individualität und Allgemeinheit ausgeführt. [77]

In diesem Sinne gelingt den Widerständler*innen schließlich der Putsch gegen das virtuelle Herrschaftssystem der Living Laws, indem ihnen Topos eingespeist wird („Ich überflute sie. [...]. Ich gebe ihnen Topos.“) und ihr davon überfordertes System zusammenbricht: „[...] sie werden... epileptische Anfälle erleben, sie werden... gezwungen sein, sich in den Tausch der Daten zu fügen [...].“ [78]

Die neue Existenzweise der Intelligenzen aber ist eine Fortführung der Neukörperei, eine Synthese aus Mensch, Tier, Pflanzen und Digitalem, die erst entstehen muss, aber experimentell bereits in den Wäldern der alten Erde erprobt wurde, wobei die Wälder dabei zu einer Art Supercomputer werden [79]: Ein sich selbst berechnendes funktionierendes Ökosystem auf höherem Level als die Natur es vorgemacht hat. Ähnlichkeiten zu Atwoods Zukunftsvision, die Technologie & Naturnähe zusammenbringt, sind dabei durchaus auszumachen.

Im ethischen wie philosophischen Sinne ist eine solche ˗ wie auch immer geartete Synthese ˗ freilich auch das Wünschenswerteste für unsere Zukunft. Ausformuliert hat das die bereits erwähnte Philosophin Braidotti, die die Überwindung eines Speziesismus als ebenso dringend beschreibt, wie die Überwindung von Sexismus und Rassismus. So schreibt sie, dass das unsere trans- oder posthumane Gegenwart/Zukunft eine neue Befragung der Differenz impliziert: Jenseits der Gegensätze von sex & gender oder von Natur & Kultur, sei das Leben selbst fokussiert [80]. Differenz – das Prinzip des Nicht-Einen – ist konstitutiv für das Posthumane [81] :„Posthumane Ethik zwingt uns dazu, das Prinzip des Nicht-Einen in den Tiefenstrukturen unserer Subjektivität durchzuhalten, indem wir die Zusammenhänge erkennen, die uns in einem lebendigen Netz komplexer Wechselbeziehungen mit den vielfältigen »Anderen« verbinden. Dieses ethische Prinzip sprengt die Illusion von Einheit, Totalität, und Einheit, aber auch die Herrennarrative von ursprünglichem Verlust, unermesslichem Mangel und irreperabler Trennung.“ [82]

Sowohl Atwood als auch Dath aber arbeiten in ihren Büchern an dieser posthumanen Ethik. Beide kritisieren das Diktat des Neoliberalismus’, welches zu brechen ist, wenn die Digitalisierung nicht die Mehrheit der Menschheit für überflüssig erklären soll. Beide kennen den Nutzen, den Neue Technologien mit sich bringen: von einer gentechnischen Medizin bis zu neuen Formen der Intelligenz, die uns Bio-Menschen das Leben erleichtern und gleichzeitig unseren geistigen Horizont erweitern. Verzeihen wir Atwood die etwas negative Fixierung auf die Sexualität, die aufgrund (hiermit nicht relativierter!) sexueller Unterdrückunsgverhältnisse fast als Verzichtbares postuliert wird. Verzeihen wir Dath sein spleeniges Beharren auf Marx & Lenin, denn ebenso wie Atwoods Trilogie belegt er mit seinem Roman vor allem eines, nämlich, dass Science-Fiction einen höheren Mehrwert hat denn Marxens Das Kapital.

[Dieser Text wird dito veröffentlicht auf der Website von Transhumane Partei Deutschland]

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[1] Zit. nach: Christian Stöcker, ‘Lesen Sie Science-Fiction!“, 5. November 2017, unter: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/exponentielle-entwicklung-lesen-sie-science-fiction-a-1176316.html.

[2] Zit. nach: Philipp Sarasin, ‘Vergangene Zukunft. Über „Blade Runner“, November 2019’, 19. November 2017; unter: http://geschichtedergegenwart.ch/vergangene-zukunft-ueber-blade-runner-november-2019/.

[3] Zit. nach: Mark Fisher, ‘Gespenster meines Lebens. Depression, Hauntology und die verlorene Zukunft’, Berlin 2015, S. 17.

[4] Jacques Derrida, ‘Marx’ Gespenster. Der Staat der Schuld, die Trauerarbeit und die neue Internationale’ (1993), Frankfurt am Main 2016.

[5] Maria Popova, ‘Carl Sagan on the Power of Books and Reading as the Path of Democracy’, 8. November 2017; unter: https://www.brainpickings.org/2017/11/08/carl-sagan-books-reading/.

[6] Zit. nach: Meldung Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, ‘Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Margaret Atwood’, 13.06.2017, unter: http://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/445651/?mid=1341211.

[7] Zit. nach: Dietmar Dath, ‘Maschinenwinter. Wissen, Technik, Sozialismus. Eine Streitschrift’, Frankfurt am Main 2016, S. 60ff.

[8] Zit. nach: Margaret Atwood, ‘Oryx und Crake’ (MaddAddam 1), Berlin 2003, S.33.

[9] Zit. nach: Margaret Atwood, ‘Die Geschichte von Zeb’ (MaddAddam 3), Berlin 2013, S. 476.

[10] Vgl. MaddAddam 1, S. 59.

[11] Zit. nach: ebd., S. 59.

[12] Vgl. ebd., S. 219.

[13] Margaret Atwood, ‘Das Jahr der Flut’ (MaddAddam 2), Berlin 2009, S. 39ff.

[14] Vgl. MaddAddam 3, S. 223ff. u. S. 236f.

[15] Vgl. MaddAddam 1, S. 302ff.

[16] Zit. nach: ebd., S. 305.

[17] Zit. nach: ebd., S. 306.

[18] Zit. nach: MaddAddam 2, S. 350.

[19] Beschreibungen der Craker finden sich über die gesamte Trilogie verstreut; die Mehrzahl der hier gegebenen Eigenschaften werden geschildert in: MaddAddam 1, S. 313ff..

[20] Vgl. MaddAddam 2, S. 255.

[21] Vgl. MaddAddam 1, S. 335ff.

[22] Zit. nach: MaddAddam 2, S. 469.

[23] Zit. nach: Yuval Noah Harari, ‘Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen’, München 2017, S. 293.

[24] Rosi Braidotti, ‘Posthumanismus. Leben jenseits des Menschen’, Frankfurt/New York 2014, S. 13.

[25] Ebd., S. 121.

[26] Ebd., S. 110f.

[27] Ebd., S. 114-117, S. 123 u. S. 123.

[28] Ebd., S. 132, S. 135 u. S. 137.

[29] MaddAddam 3, S. 201ff.

[30] Zit. nach: MaddAddam 1, S. 172f.

[31] Zit. nach: MaddAddam 3, S. 258.

[32] Zit. nach: ebd., S. 333.

[33] Vgl. ebd., S. 424ff.

[34] Vgl. ebd., S. 367.

[35] Zit. nach: ebd., S. 368.

[36] Vgl. ebd., S. 449.

[37] Zit. nach: ebd., S. 454.

[38] Zit. nach: ebd., S. 463.

[39] Vgl. Dietmar Dath, ’Venus siegt’, Frankfurt am Main 2016, S. 16ff. u. S. 28.

[40] Zit. nach: ebd., S. 39.

[41] Vgl. die detaillierte Aufschlüsselung durch Christian Hippe in: Hannes Riffel, ‘Das Science Fiction Jahr 2016’, Berlin 2016, S. 79ff.

[42] Vgl. Venus siegt, S. 129ff.

[43] Ebd., S. 54f.

[44] Ebd., S. 147.

[45] Vgl. ebd., :S. 267.

[46] Vgl. ebd., S. 277

[47] Zit. nach: ebd., S. 64.

[48] Zit. nach: ebd., S. 76f.

[49] Zit. nach: Lars Weisbrod, ‘Vorsicht, Kommunisten auf der Venus!’, 19.07.2015; unter: http://www.zeit.de/2015/27/venus-siegt-dietmar-dath-science-fiction.

[50] Zit. nach: Venus siegt, S. 118f.

[51] Vgl. z.B. http://www.spektrum.de/news/gehirn-computer-schnittstellen-werden-alltagstauglicher/1398145.

[52] Zit. nach: Venus siegt, S. 260

[53] Ebd., S. 155.

[54] Zit. nach: Venus siegt, S. 110.

[55] Vgl. ebd., S. 142.

[56] Vgl. ebd., S. 139f. u. S. 189

[57] Vgl. ebd., S. 157 u. S. 187ff

[58] Vgl. ebd., S. 294.

[59] Zit. nach: ebd., S. 138.

[60] Ebd., S. 191f.

[61] Zit. nach: ebd., S. 192f,

[62] Ebd., S. 195.

[63] Zit. nach: ebd., S. 195.

[64] Ebd., S. 197.

[65] Zit. nach: ebd., S. 199.

[66] Zit. nach: ebd., S. 206f.

[67] Zit. nach: ebd., S. 306f.

[68] Vgl. Roland Wagner, ‘„Des Übermenschen Schönheit kam zu mir als Schatten“. Ästhetiken, Ideologien und Lesarten von Konzeptionen des Übermenschlichen: Friedrich Nietzsche, Karl May und Sascha Schneider – das deutsche Fin de siècle & darüber hinaus’ , Norderstedt 2015, S. 314f.

[69] Zit. nach: Venus siegt, S. 326.

[70] Vgl. Nick Srnicek und Alex Williams ‘Die Zukunft erfinden. Postkapitalismus und eine Welt ohne Arbeit’, Berlin 2016, S. 148ff.

[71] Zit. nach: Venus siegt, S. 327.

[72]Vgl. ebd., S. 337f.

[73] Vgl. ebd., S.381ff.

[74] Zit. nach: ebd., S. 429.

[75] Vgl. ebd., S. 488.

[76] Ebd., S. 446.

[77] Ebd., S. 492.

[78] Zit. nach: ebd., S. 531 u. 533.

[79] Vgl. ebd., S. 350, S. 385ff. u. S. 447.

[80[ Braidotti, S. 100.

[81] Ebd., S. 104.

[82] Zit. nach: ebd., S. 104.

13:57 07.01.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Dr. Roland Wagner

... studierte Kunstgeschichte und Germanistik & promovierte mit einer interdisziplinären Schrift zum "Übermensch"-Phänomen um 1900.
Dr. Roland Wagner

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