Das Wunder von Johannisburg

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In gut einem Monat beginnt die Weltmeisterschaft in Südafrika, doch der Weltmeister ist längst ausgemachte Sache.


Am Ende wird es wie immer sein, auch wenn die Zeitungen mächtig Druck auf Löw gemacht hatten, auch wenn in diversen Foren der Bundestrainer wahlweise beschimpft oder ihm langweiliger, pomadiger Fußball vorgeworfen wird. Auch wenn die Hardliner jetzt noch schreien, dass Deutschland am besten gleich in der Gruppenphase ausscheide, um uns die weitere Blamage zu ersparen. In gut einem Monat, am 13. Juni um 20 Uhr 30 werden all das Geschreie, Gefluche und die Besserwisserei mit einem Pfiff vorbei sein.Deutschland gegen Australien in Durban heißt es dann und 90 Minuten werden Millionen von Profi-Bundestrainer verstummen und der deutschen Nationalmannschaft die Daumen drücken. Freilich, hinterher wird dann wieder das Gemosere losgehen. Hätte man doch Kuranyi hier und Hummels da. Sie kennen das ja.

Dabei ist längst klar, wer Weltmeister wird. Deutschland.

Mathematisch hergeleitet von einem Professor für Theoretische Physik, besteht kein Zweifel mehr daran, dass diese Weltmeisterschaft unseren Jungs gehört. Doch der Herr hat die Rechnung ohne die Geschichtsbücher gemacht. Deutschland wird ohne Frage ein gutes Turnier spielen und das Finale erreichen. Der Kader ist trotz aller Unkenrufe stark und Deutschland war schon immer eine Mannschaft die im Wettbewerb noch an sich und der Herausforderung gewachsen ist.

Docham 11. Juli in Johannisburg ist Schluss mit lustig, In der 92. Minute, zwei Minuten vor Abpfiff, beim Stand von 1:0 für Deutschland wird Butt einen zwar schön über die Mauer gezirkelten, aber durchaus haltbaren Freistoß nicht erreichen. 100 Sekunden später, kurz vor dem Abpfiff und damit der rettenden Verlängerung nahe, greift Boateng daneben und sieht die rote Karte. Der verwandelte Strafstoß fährt ins deutsche Tor wie ein Stoß ins Mark. Direkt danach wird das Spiel abgepfiffen. Der Endstand 1:2.

Griechenland ist Weltmeister. Das Wunder von Johannisburg, ist ein griechisches.

Die daraufhin ausbrechende Euphorie wird auf der Halbinsel ein nie gekanntes Hauruckerlebnis auslösen und die Stunde Null des Nachkrisengriechenlands einläuten. Was danach kommt wissen wir Deutschen nur zu gut. Aufschwung und Wirtschaftswunder.

Das Versöhnliche an dieser ganzen Sache ist aber, dass es ein Deutscher war, der Griechenland zum Sieg über Deutschland führte. Was Merkel und Schäuble nicht vermochten; was die Boulevardpresse in Deutschland seit Wochen mit scharfen Angriffen zu zerreden sucht, wird eintreten. Deutsche und Griechen werden sich verbrüdern und gemeinsam in den südafrikanischen Nachthimmel tanzen. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Danke Otto Rehagel.

Wenn Sie noch mehr Beweise brauchen, dass es genauso kommt, unausweichlich. Wenn Sie also zu diesen ewig skeptischen Fragern gehören, schauen sie sich einfach die wichtigsten Daten der griechischen Geschichte an.

Am 1. Januar 2001 tritt Griechenland der Eurozone bei. Im selben Jahr wird Otto Rehagel Trainer der Nationalmannschaft. Wer da noch an Zufall glauben will, muss verrückt sein.

Das Gegenteil – Deutschland schlägt Griechenland um Haaresbreite im Finale – möchte ich gar nicht erst denken. Hoffen wir also dass Lehmann einen Spickzettel für Butt geschrieben hat. „Lass ihn rein Junge.“

10:52 07.05.2010
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Geschrieben von

S.Heinel

Schreiben gegen die Ohnmacht, gegen geistige Übelkeit, gegen politische Verlogenheit. Schreiben für mehr Wahrheit in der Politik.
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