Ankerzentren der Solidarität

Glosse Horst Seehofer will Ankerzentren bauen. Matteo Salvini will keine Schiffe mehr in seinen Häfen. Ein Bayer möchte Europas Solidarität retten. Aber keiner hört ihm zu
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Ankerzentren der Solidarität
"Vielleicht kauft ihm Seehofer ein bisschen Hafenwasser ab. Für den Brennertunnel."

Sean Gallup/Gettyimages

Matteo Salvini weist die Schiffe mit Flüchtlingen vor seiner Küste ab. Italien unterstütze das Schleppergeschäft nicht mehr, ließ er verlauten. Dabei gäbe es doch nördlich der Alpen einen willigen Abnehmer. Einen missverstandenen Messias sozusagen.
Den deutsche Innen- aber bitte auch Heimatminister Horst Seehofer. Nur keiner hört dem zu. Nicht nur das europäische In- und Ausland, nein, sogar die eigene Kanzlerin deutet seine Aussagen falsch. Im handfesten Clinch liegen die beiden, nur weil Seehofer sich ganz offensichtlich unglücklich ausgedrückt hat. Was nicht verwundert. Der Mann ist Bayer und erfahrungsgemäß nur einer stark verzerrten alpinen Mundart mächtig.


Merkel aber ist sauer. Wegen seiner Ankerzentren. Sie will eine solidarische Flüchtlingspolitik. Von ganz Europa, sogar Bayern. Salvini nicht. Der will keine Geschäfte mehr machen. Zumindest nicht mit Schiffen mit Geflüchteten. Gibt sie der Kanzlerin also bestimmt gerne ab. Und Seehofer? Der baut Ankerzentren. Endlich ein europäischer Staatsmann, der Solidarität nicht nur einfordert, sondern selbst lebt.


Gut. Wie die Schiffe über die Alpen kommen sollen, um in Bayern vor Anker zu gehen, ist noch unklar, aber da der Minister offenbar ein Mann der Taten und, man erinnere sich an das unglückliche Missverständnis, nicht der Worte ist, kann davon ausgegangen werden, dass er unter Hochdruck auch an der Lösung dieses Problems arbeitet. Eine Teilflutung des Brennertunnels etwa. Eine Umrüstung auf Luftschiffe. Der Möglichkeiten sind Legion.


Seehofer bekäme endlich Schiffe für seine Ankerzentren, Merkel die vielbeschworene Solidarität. Und Salvini wäre die Geschäfte los, die er ohnehin nicht machen möchte. Vielleicht kauft ihm Seehofer ein bisschen Hafenwasser ab. Für den Brennertunnel. Als Zeichen der europäischen Solidarität.

17:04 16.06.2018
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