1982: Ein inszenierter Schaumord verbreitet in Algerien Angst und Schrecken

Zeitgeschichte Als sich mit dem „Berber-Frühling“ eine säkulare Studentenbewegung Gehör verschafft, schlagen islamistische Fanatiker zurück und verüben an der Universität von Algier ein grauenhaftes Verbrechen. Das Land erfassen Angst und Terror
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 01/2023
Kamal Amzal, 20, verblutete nach dem Angriff mit einem Säbel
Kamal Amzal, 20, verblutete nach dem Angriff mit einem Säbel

Foto: ZVG

Der Dichter und Anthropologe Mouloud Mammeri war im April 1980 auf dem Weg nach Tizi Ouzou, um an der Universität der kabylischen Metropole einen Vortrag über alte berberische Lyrik zu halten. Als ihn Gendarmerie daran hinderte, begann als Reaktion darauf eine Wochen dauernde Volksbewegung für die Anerkennung der Kultur der Berber – die Nachkommen der Ureinwohner Nordafrikas. Ihre mit dem Arabischen nicht verwandte Sprache wurde in Algerien seinerzeit von etwa einem Drittel der Bevölkerung im Alltag gebraucht. Der „Berber-Frühling“ wandte sich gegen die seit der Unabhängigkeit von 1962 betriebene Zwangsarabisierung des öffentlichen Lebens.

Ein Flügel der Berber-Bewegung verfocht separatistische Ziele, ein anderer wurde zum Vorreiter