Er kein Frauenfeind, sie kein Opfer

Paare Die Beziehung von Bert Brecht und Helene Weigel war fortschrittlicher, als viele glauben. Eine Richtigstellung
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Brecht gilt als Schriftsteller, der die Frauen im Bett und am Schreibtisch ausgenutzt hat. Jüngst hat der Kritiker Fritz J. Raddatz dieses Bild in seiner Besprechung des Briefwechsels zwischen Brecht und Helene Weigel (Suhrkamp 2012) in drastischen Strichen gezeichnet. Einmal mehr wird der Schauspielerin und Intendantin des Berliner Ensembles der Part der unterworfenen Frau zugeschrieben, die sich mit einer Phalanx von Geliebten abzufinden hatte und als Schauspielerin den „bewegten Spiegel“ Brechts abgab, „der in Mimik, Vokalisierung und Körperhaltung sein Denken verlebendigte“.

Die Matrize für dieses Bild der Weigel stammt aus Peter Weiss’ berühmtem Roman Ästhetik des Widerstands, der zwischen 1971 und 1981 in drei Teilen veröffen