Jemen-Krieg: Vorspiel zur Waffenruhe

Saudi-Arabien Medienwirksam attackieren die Huthis saudische Ziele mit Raketen – nicht zuletzt nahe der Formel-1-Strecke in Dschidda. Was steckt dahinter?
Ausgabe 13/2022
Die Hafenstadt Dschidda in Saudi-Arabien: Medienberichten zufolge sollen die Huthi-Rebellen aus dem Jemen hier eine Raffinerie des Öl-Unternehmens Aramco angegriffen haben
Die Hafenstadt Dschidda in Saudi-Arabien: Medienberichten zufolge sollen die Huthi-Rebellen aus dem Jemen hier eine Raffinerie des Öl-Unternehmens Aramco angegriffen haben

Foto: Nordphoto/IMAGO

Plötzlich wurden die am 25. März für das Formel-1-Rennen in Saudi-Arabien trainierenden Fahrer von einer ohrenbetäubenden Explosion, Flammen und einer sich schnell ausbreitenden Rauchwolke überrascht. Es war sicher kein Zufall, dass während des Trainings die von den Huthis aus dem Jemen abgefeuerte Rakete einen nahe der Piste in Dschidda gelegenen Ölspeicher des Aramco-Konzerns traf. Nur in Verbindung mit einem medienwirksamen Ereignis wie einem solchen Rennen können die Huthis damit rechnen, dass ihr Kampf gegen den übermächtigen Kriegsgegner Saudi-Arabien international wahrgenommen wird.

Tatsächlich hatten sie schon Tage zuvor Raketen nach Dschidda auf Anlagen von Aramco geschossen, dem Hauptsponsor der Formel 1. Zugleich waren Raffinerien in Ras Tanura, Rabig, Dschasan sowie eine Flüssigerdgasanlage im Hafen von Janbu am Roten Meer sowie Ziele in der Hauptstadt Riad mit Drohnen angegriffen worden. Die aber konnten größtenteils unschädlich gemacht werden. Es kam zu Sachschäden an Autos und Wohnhäusern. Personen wurden nicht verletzt.

Auch das Formel-1-Rennen konnte letztlich ohne Gefährdung stattfinden, weil die saudische Armee das Gelände entsprechend absicherte. Als Vergeltung flog sie am 26. März schwere Luftangriffe auf die von den Huthis beherrschte jemenitische Hauptstadt Sanaa und die am Roten Meer liegende Stadt Hodeida. Über deren Hafen werden internationale Hilfsgüter für den unter Hunger und Seuchen leidenden Jemen eingeführt. Zwischen einer von Riad geführten Koalition und den vom Iran unterstützten Huthis, die sich gegen den Einfluss des übermächtigen Königreichs wehren, herrscht seit sieben Jahren Krieg.

Die massiven Drohnen- und Raketenangriffe der Huthis, die im Unterschied zu den Luftangriffen der Koalition wenig Zerstörungen anrichteten und mit denen vorrangig ein psychologischer Krieg geführt wurde, waren wohl als eine Art letzte Machtdemonstration gedacht. Überraschend verkündeten die Huthis mittlerweile einen einseitigen Waffenstillstand. Sie seien zu Verhandlungen bereit, hieß es in einer offiziellen Erklärung. Diese sollten aber nicht in Riad stattfinden, wie das Saudi-Arabien möchte, sondern auf neutralem Boden.

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