Für Versöhnung

Glauben Navid Kermani schreibt über seinen Islam, schlägt Brücken zu anderen Religionen und zeigt wie eng sie verflochten sind. Die philosophischen Auseinandersetzungen dürften selbst Atheisten gefallen
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 22/2022
Mohammed und Jesus, persische Zeichnung aus dem 18. Jahrhundert
Mohammed und Jesus, persische Zeichnung aus dem 18. Jahrhundert

Foto: Science Source/Akg-Images

Navid Kermani ist ein sympathischer Autor und begnadeter Feuilletonist. Ich mag besonders den Linguisten, der seinen Lesern Logik, Unlogik und Verwandtschaftsverhältnisse etlicher Sprachen nahebringt. Als in Deutschland aufgewachsener Sohn von vor Schah Reza Pahlavi aus dem Iran Geflohenen hat er aus seiner doppelten Identität kulturellen Reichtum erzeugt.

Während die meisten Angehörigen der iranischen Diaspora in Deutschland vor dem Iran der Mullahs geflohen sind und „einen regelrechten Abscheu vor der Religion“ haben, weil dort „im Namen der Religion gefoltert und gemordet wird“, fühlt sich Kermani dem Sufi-Islam seiner Eltern verbunden. Nach dem Tod des Vaters versucht er, seiner 12-jährigen Tochter einen weiten Begriff des islamische