Sexuell vernetzte Singles

WEDER WOHNGEMEINSCHAFT NOCH AUSBEUTUNG Bert Brechts Briefe an Frauen geben Aufschluß über die Lebensweise einer Künstlergemeinschaft

Für Brecht gab es keine Trennung zwischen künstlerischer und politischer Tätigkeit einerseits und einem Privatleben andererseits. Hier mischte sich ein Bewußtsein der notwendigen Kollektivität des politischen Anspruchs, die Welt verändern zu wollen, mit Einsichten der Sexualwissenschaften seit Freud über die Nichtkongruenz des Sozialen und des Sexuellen. Wer meint, daß es sich hier nur um zynisches Ausleben traditioneller Männerhaltungen handelte, vergißt, daß der antibürgerliche emanzipatorische Aufbruch nach dem Ersten Weltkrieg durchaus auch weibliche Prägungen aufwies, wie es die welthistorisch erstmalig auftretenden Moden der kurzen Röcke und des Männerhaarschnitts deutlich machten. Allerdings entwickelten sich auch antiemanzipatorische Gegenströmungen, die in der Zurücknahme der fortschrittlichen Sexualgesetzgebung in der Sowjetunion und im züchtigen Familienbild des Faschismus gipfelten.

Manifestationen heutiger antiemanzipatorischer Strömungen, die die Befreiungswellen im Gefolge des Zweiten Weltkrieges rückgängig machen wollen, sind unter anderem die politisch motivierten Sex-Tribunale in den USA. Es ist dieselbe Quelle puritanischen und zudem oft von Männern vertretenen »Feminismus«, der auch Brechts polygame Lebensweise anprangert. Obwohl sich dessen angeblicher »Frauenverschleiß« gegen denjenigen heutiger Popstars eher bescheiden ausnimmt, wird er gegen ein kitschiges Idealbild ewiger sexueller Treue ausgespielt. Dieses Bild liegt sogar unter dem heutigen Niveau der Regenbogenpresse, die es nur noch als Hochzeitstraum präsentiert, nicht mehr als erreichbare Realität. Um so erstaunlicher, daß es im politischen Kampf vollen Ernstes einsetzbar ist. Im Falle Brechts ist es jedenfalls gelungen, seine »private« Persönlichkeit so nachdrücklich zu denunzieren, daß die künstlerische und politische Persönlichkeit vielen als Lügengewebe erscheint.

Die seit ein paar Monaten vorliegende dreibändige Edition von Brechts Briefen bietet zum populär gewordenen Thema »Brecht und die Frauen« reichlich neues Material. Ohne daß der vielfach Angeklagte als Musterknabe erscheint, kann dem Leser doch deutlich werden, daß die Nichtkongruenz von Sozialem und Sexuellem im Brecht-Kreis keinesfalls asoziale Verantwortungslosigkeit nach sich zog. »Du sagst auch immer, daß ich einfach nur nicht weiß, was Liebe ist«, schrieb er 1940 an Ruth Berlau. »Aber ich glaube, ich weiß es. Es ist etwas, was sich immerzu in Fürsorge verwandeln kann und dann wieder aus der Fürsorge in Liebe und überhaupt noch in viele Dinge und immer zurück.«

Ein Teil der 1981 noch nicht gefundenen oder aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen noch zurückgehaltenen Briefe an Frauen wurde inzwischen bereits in Einzelausgaben publiziert. So die anrührenden Briefe an die Jugendgeliebte und Mutter seines ersten Sohnes, Paula Banholzer, der er 1919 schrieb: »Ich glaube, Du wirst einmal ebensoviel Mitgift bekommen wie jedes andere Mädchen im neuen Staat: nämlich gar keine. Das macht aber nichts ... Dann kommt es höchstens darauf an, ob ein Mädel gut ist oder schlecht, faul oder fleißig ...«

Ebenfalls in einer Einzelausgabe zugänglich waren auch die wegen ihrer eifersüchtigen Ausfälle oft negativ aufgenommenen Briefe an die erste Ehefrau, die elegante Opernsängerin Marianne Zoff. Die Eifersucht galt aber weniger dem Verhältnis, das Marianne mit dem später als Filmkomiker bekannt werdenden Theo Lingen begonnen hatte, sondern eher der Brecht zunächst unvorstellbaren Perspektive, daß dieser ihn bei der Tochter Hanne als Vater ersetzen sollte: »Ich werde a l l e s tun, um das Kind vor diesem Burschen in Sicherheit zu bringen. Das Kind, das noch vor einem Vierteljahr reine, klare Augen hatte, blickt jetzt trüb und verstört und ich weiß nicht wie. Dein Verbrechen ist ungeheuer.« (1926) Der »Bursche« wurde aber schließlich von Brecht nicht nur als Ziehvater, sondern auch als Schauspieler in seinen Stücken akzeptiert. Und als das spätere Ehepaar Zoff-Lingen dem Kind Schikanen in der faschistischen Schule durch eine Namensänderung von »Brecht« zu »Lingen« ersparen wollte, schrieb Brecht 1935 an Lingen, daß »sie für mich immer Brecht heißen wird«, aber doch auch »daß ich einer Namensänderung Hannes auf den dringenden Wunsch ihrer Mutter nicht opponieren will ..., daß ich zu Ihnen und Marianne volles menschliches Vertrauen habe.« Es kam dann doch nicht zur Namensänderung, weil die Bindung der zwölfjährigen Hanne an Brecht so stark war, daß sie sich erfolgreich dagegen wehrte.

Die in der Briefausgabe von 1981 noch lückenhaften Sammlungen der Briefe an Helene Weigel, Elisabeth Hauptmann und Ruth Berlau sind nun um viele Briefe erweitert worden. Zwischen Brecht und Weigel, mit der er seit 1923 zusammen war, bestand von vornherein eine »offene Beziehung« - wie sie übrigens auch Lotte Lenya und Kurt Weill hatten. Es herrschte ein freier Ton, durch den Krisen zwar nicht vermieden, aber doch zugunsten der Gemeinsamkeiten überwunden werden konnten. »Noch etwas Helli: ich habe etwas Ausfluß gehabt, wenig und sicher nur katarrhalisch ... aber geh doch zu Gotron für alle Fälle!« (Sept./Okt. 1928) Obwohl die Weigel neben Marianne Zoff zunächst nur als »Zweitfrau« fungierte (der gemeinsame Sohn Stefan wurde nicht nur ihr, sondern auch den Eltern der Weigel zunächst verschwiegen), erlangte sie gerade wegen ihrer Toleranz schließlich dauernde Priorität in Brechts Leben. Im Juni 1928, im Jahr der Scheidung von Marianne, konnte Brecht die Weigel, die im französischen St. Cyr Urlaub machte, jedenfalls bitten, die durchreisende Marianne zu grüßen. Mindestens ebenso wichtig wie die Toleranz war freilich die sich in den ersten zehn Jahren allmählich, später aber immer deutlicher entwickelnde Arbeitspartnerschaft. Ohne die Weigel ist vieles in Brechts Dramaturgie schlecht denkbar. Ohne Brecht hätte die Schauspielerin Weigel ein anderes Profil entwickelt.

Wie in den Briefen an die Weigel dominiert die Verständigung über praktische und Arbeitsfragen auch in den Briefen an Elisabeth Hauptmann (»Beß«), die seit Ende 1924 lebenslang mit Brecht zusammenarbeitete. Die intime Beziehung hat wohl nur einige Jahre gedauert - die Hauptmann war unter anderem auch mit Paul Dessau liiert. Daß sie möglicherweise ab und zu wieder aufgenommen worden ist, deuten einige der 13 Briefe Brechts an, die erst durch meine Forschungen im Hauptmann-Nachlaß ans Tageslicht gekommen sind. Hier ist das förmliche »Sie« der meisten Briefe auch mal durch ein »Du« ersetzt. Die Hauptmann, die schon sechs Jahre vor Brecht in die USA emigriert war, wo es ihr nicht gelang, eine eigenständige Existenz als Künstlerin aufzubauen, empfand es als Glücksfall, daß sie 1935 bei Brechts New Yorker Inszenierung der Mutter mitarbeiten konnte. Anfang 1936, auf der Heimreise nach Dänemark, schrieb er ihr: »Ich hoffe, Du kommst bald nach. Es war sehr gut, daß du mich in den USA eingeführt hast... Ich werde Dich nicht für immer in St. Louis lassen.«

Bis auf wenige Ausnahmen unveröffentlicht und daher ein wertvoller Zugewinn sind die Briefe an Margarete Steffin. Sie kam aus der Arbeiterkulturbewegung und hatte außerordentliche literarische Kenntnisse - übrigens auch in Formfragen - autodidaktisch erworben. Bei Helene Weigel hatte sie Schauspielunterricht genommen und 1932 die Rolle des Dienstmädchens in der Mutter übernommen. Seitdem war sie Brechts Mitarbeiterin und Geliebte. Mittellos, tuberkulosekrank und Mitglied der Kommunistischen Partei - die Steffin hatte im Dritten Reich keine Überlebenschance. Daher war es vor allem menschliches Pflichtbewußtsein und nicht nur sexuelle Kaprice oder der Wunsch, die wertvolle Mitarbeiterin weiterhin »auszubeuten«, wenn er sie - neben Frau und Kindern - ins Exil mitnahm. Darüber drohte übrigens die Ehe mit Helene Weigel zu zerbrechen. Und auch die Steffin wollte sich, da sich Brecht und Weigel dann doch nicht trennten, in Paris eine von Brecht unabhängige Existenz mit einer Agentur für Exilschriftsteller aufbauen. Da dieses Unternehmen rasch scheiterte, mußte sie doch alle Stationen des skandinavischen Exils mit der Brechtfamilie teilen, bis sie, auf der gemeinsamen Flucht in die USA, in Moskau starb.

»Ich bin gespannt, was Du über den (»Dreigroschen«- S.K.) Roman schreiben wirst«, schrieb er ihr 1933. »Ich möchte ihn gern bald fertig haben und dann was anderes, Gewichtigeres vornehmen. Allerdings, gegen Ende zu ... und bei Korrektur mußt du mir helfen, nicht nur mit abschreiben.« Wie stark Steffin bis in die Endformulierungen des Dreigroschenromans mitgewirkt hat, belegt ein Brief von 1935. Brecht berichtet von enthusiastischen Kritiken in mehreren Ländern und schreibt dann: »Im allgemeinen scheinst Du eben doch ein Meisterwerk verfaßt zu haben, alter Muck. Besonders gerühmt wird Deine reine Sprache. Ohne Spaß: es ist gut, wenn man den anspruchvollsten Leser im Hause hat!«

Die Zusammenarbeit war keine Einbahnschiene. Steffins eigene Manuskripte tragen Bearbeitungsspuren von Brecht. In das Sanatorium im Kaukasus, wo sie sich zu einer Kur aufhielt, schrieb er ihr 1934: »Hast du warm? Ist der Mantel gut? Die Schuhe? ... Vor allem schick mir den Schutzengel-Entwurf. Vielleicht kann ich was dazu machen.« Es handelte sich hier um das von Steffin begonnene Kinderstück Wenn er einen Engel hätte. Immer wieder setzte er sich auch für den Druck von Steffins Arbeiten ein, so zum Beispiel am 23. 2. 1937 gegenüber Johannes R. Becher in der Sowjetunion und im April 1941 gegenüber Hans Tombrock in Schweden.

In den Briefen an Steffin schimmert auch die - freilich durch die berühmten erotischen Sonette klarer belegte - sexuelle Spannung zwischen den beiden auf. Auf Brechts Polygamie konternd, verstand es die Steffin offenbar, ihm ebenfalls des öfteren Grund zur Eifersucht zu geben oder zumindest vorzuspielen, denn er schrieb ihr - wohl nicht nur spaßig gemeinte - Sätze wie: »Die schönen Grusier mußt Du links liegen lassen« oder: »Verführ nur nicht den schönen Allen und iß gut!«

Helene Weigels Haltung zu Margarete Steffin wandelte sich im Exil zu aufrichtiger Solidarität. Brecht konnte sie bitten, Wohnungs- und Paßangelegenheiten für die Steffin zu regeln. Und Steffin selbst erlaubte es sich, in einem Nachsatz unter einem Brief Brechts an Walter Benjamin diesen mit dem »wundervollen Kaffee der Weigel« zu locken, »zu dem Sie von vornherein eingeladen sind«. (4. Mai 1934) Das Verhältnis zwischen den dreien darf man sich nicht unähnlich dem von Sartre, Beauvoir und den »SchülerInnen« vorstellen.

Wer ernsthaft das Verhältnis zwischen Brecht und Ruth Berlau studieren möchte, das bislang fast nur über die von Hans Bunge veröffentlichten Tonbandprotokolle rezipiert wurde, könnte in der um mehr als das Doppelte vergrößerten Anzahl nun zugänglicher Briefe genügend Material finden, um hier auch eine schwierige Lage auf Brechts Seite zu erkennen. Weil er die Inkompatibilität der gegenseitigen Erwartungen wohl ahnte, war es in den ersten zwei Jahren der Bekanntschaft, das heißt bis 1935, bei einer Arbeitsbeziehung geblieben. Die bis zu seinem Lebensende andauernde Katastrophenkonstellation ergab sich aber sofort, nachdem er ihr aus Finnland geschrieben hatte, das Exil mit seiner Familie und der Steffin zu teilen. Für die Aufgabe ihrer zerbrochenen bürgerlichen Ehe und des für sie durch die deutsche Besatzung ja gefährlich gewordenen Dänemark verlangte sie nicht mehr und nicht weniger als Priorität im Leben Brechts. Das aber konnte und wollte er nicht geben. 1940: »In solchen Zeiten finde ich jeden Gedanken von Dir, ich könnte hier eine finnische Sommernacht etablieren, schrecklich unadaequat, in der Tat beleidigend ... Ich weiß, du glaubst mir nicht, daß ich überhaupt solche Zeiten der Unsinnlichkeit haben könnte ...«. Und wenig später: »Mir schien es immer, daß Du doch jedes Recht hast, das Du Dir nehmen willst, und ich ein Recht habe: zu streiken. Ich weiß, daß Du das schlimm findest, eine üble Tyrannei und eine böse Erpressung ... Da es quälend für Dich - ... (andere) sehen mich mit Gleichmut streiken -, gebe ich dieses Recht mitunter auf ... aber grundsätzlich sollte ich es nicht aufgeben müssen ...«.

So geht es weiter durch das ganze Exil, immer wieder muß er der in New York arbeitenden Berlau ein gestörtes Eheleben in Hollywood vorheucheln. Und so geht es weiter in Berlin: »Es ist ja nicht nur, weil ich zu tun habe - daß ich kürzer bleiben wollte. Es ist auch, weil Du noch so hart und bitter und eine so strenge Richterin bist, daß ich nach solchen zwei Stunden eigentlich zwei Tage arbeitsfrei bräuchte, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.« (1950)

Wenn Brecht selber erkennen mußte, daß die Utopie möglichst problemloser Umwandlung von »Liebe in Fürsorge« und »noch in viele Dinge« in diesem Falle permanent scheiterte, zog er sich aus seiner Verantwortung doch keineswegs zurück. Bis zu seinem Lebensende finden sich dramatische Briefe mit Versuchen zu Versöhnung und Neuanfang »auf einer neuen Basis, da wir ja nicht mehr so jung sind, besonders ich bin es nicht. Da wäre es gut, Dich so wo dabeizuhaben.« (1956) Die Briefe bieten auch eine Fülle von Belegen, daß er die Berlau immer und überall reichlich mit Geld versorgt hat, wie auch seine anderen Freundinnen. Der vielfach erhobenen Anschuldigung, daß Margarete Steffin keinen regelmäßigen Arbeitslohn erhalten habe, kann entgegnet werden, daß die Brecht-Familie ihren Unterhalt mittrug, einschließlich der insgesamt anderthalb Jahre, die sie in der Sowjetunion verbrachte. Dort stand ihr Brechts Tantiemenkonto offen, wie später anderen. In einem seiner letzten Briefe bittet er »Genossen« vom Sowjetischen Schriftstellerverband, daß Käthe Reichel »1.000 Rubel von meinem Honorarkonto bekommt«. (1956)

Übrigens irrt, wer sich die Beziehungen Brechts zu »seinen« Frauen als Wohngemeinschaft im Stile der Kommunen von 1968 vorstellt. Der Brecht-Kreis strebte, wenn es die materiellen Bedingungen nur irgend erlaubten, vornehm getrenntes Wohnen an. Es handelte sich eher um Vorläufer heutiger sexuell vernetzter Singles. Daß Brecht selbst gern allein lebte, war freilich wohl auch Ursache für den ungepflegten Eindruck, den seine Kleidung oft machte.

Nach einer Liste, die der Amerikaner James K. Lyon zusammengestellt hat, haben nicht nur die hier erwähnten Frauen, sondern auch 27 Männer fundamentale Beiträge zu Brechts Werk geleistet. Aus einigen Briefen geht hervor, wie ernst es ihm - entgegen der verbreiteten Auffassung - mit der Publikmachung seiner kollektiven Arbeitsweise war. So schrieb er im Dezember 1937 an Wieland Herzfelde, der eine Werkausgabe vorbereitete: »Ich bin äußerst beunruhigt, weil Du mir bis jetzt noch nicht einen Abzug der ›Liste der Mitarbeiter‹ geschickt hast. Du weißt sicher, daß es sich dabei nicht um eine Formalität handelt, sondern daß dies für mich eine Sache äußerster Wichtigkeit ist. Ich kann mir nicht vorwerfen lassen, daß ich meine Mitarbeiter unterschlage. Ohne ihre Nennung können die Bände nicht gedruckt werden.« Aus welchen Gründen Mitarbeiter doch ungenannt bleiben konnten, geht aus einem Brief vom 14. 9. 1934 an den holländischen Verlag Allert de Lange hervor, der den Dreigroschenroman herausbrachte: »Habe ich Ihnen eigentlich schon geschrieben, daß man Herrn Caspar Neher erst fragen müßte, ob er seinen Namen im Roman haben will (als Zeichner des Umschlags)? Ist die Befragung nicht möglich, dann müßte man den Namen weglassen. Herr Neher könnte, da er in Deutschland lebt, sonst Anstände bekommen.«

1949 schrieb er an Günter Weisenborn: »Was die Mutter anlangt, ist Ihr Name während der Hitlerzeit auf mein Betreiben weggelassen worden, da Sie sonst gefährdet sein könnten. Das wird jetzt noch nicht wieder der Fall sein. (Sic! - S.K.) Erinnern Sie sich, wie die Tantiemenfrage geregelt war? Ich nicht. Erhalten habe ich nie etwas, ich glaube, zunächst bekam die Freundin Gorkis, was einlief.« Auch in anderen Briefen erscheint der angebliche Tantiemenräuber Brecht seinen Mitarbeitern gegenüber eher korrekt, teilweise auch großzügig. Aus Dänemark schrieb er 1933 seinem Berliner Verleger Wreede: »Von dem Vorschuß für (Elisabeth Hauptmanns Stück - S.K.) Happy End erhielt ich keineswegs einen ›größeren Teil‹. Ich bekam meine Songs beizusteuern (*) und sollte dafür einen Teil der Tantiemen bekommen. Den Vorschuß überließ ich Frau Hauptmann, sie sollte ihn später mit mir verrechnen.«

Bertolt Brecht: Große, kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe, Briefe 1-3, Band 28-30, Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar, Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main, 1998; 832 S., 816 S., 816 S., jeweils 98,- DM

(*) Formulierung steht so im Original

01:00 12.02.1999
Geschrieben von

Sabine Kebir

Publizistin
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