Vielleicht geht’s auch ohne Präsident

Inspiration Die Tunesier diskutieren über eine neue Verfassung – und könnten damit für Nordafrika wie für Europa zum Vorbild werden
Exklusiv für Abonnent:innen

Es waren ein paar konspirative Vorsichtsmaßnamen zu besprechen, bevor mich die feministische Aktivistin Rachida Enneifer 1993 zu einem Büro fuhr, dessen genaue Adresse mir im Dunkeln bleiben sollte. Ich traf dort den Rechtsanwalt Taoufik Bouderbala und den Arzt Moncef Marzouki. Die beiden Männer hätten offiziell eigentlich verfeindet sein müssen.

Bouderbala war der Chef einer staatlich anerkannten Menschenrechtsliga. Marzouki leitete eine Liga, die gerade für illegal erklärt worden war, weil sie versuchte, sich Strukturen zu geben, die Infiltration durch den Staats- und Geheimdienstapparat sehr erschwerten. Dass es überhaupt Menschenrechtsligen in den arabischen Ländern gab, war damals relativ neu und mir war klar, dass eine von einem Gewaltregim