Wang wartet auf den Messias

103. Geburtstag Stephan Bock entziffert chinesischen und jüdischen Subtext in Brechts "Der gute Mensch von Sezuan"
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Dass Brecht hochmusikalisch, eine verspielte Natur und trotz lebenslanger Verhaftung in der Sprache Augsburgs kulturell ein globalisierter Weltbürger mit besonders starker Beziehung zum Chinesischen war, ist allgemein bekannt. Dass er noch viel musikalischer, viel verspielter und vor allem viel chinesischer war, als wir bisher dachten, suggerieren die in manischer Kleinarbeit zusammengetragenen Forschungen des Dramaturgen Stephan Bock. Er steht in Dissidentenpose, in scharfem Gegensatz zu den meisten bisherigen Brechtforschern und -herausgebern, die wie auch die meisten Regisseure sich nur mit der Oberfläche von Vernunft und Pädagogik in Brecht-Stücken befassen. Es ist Glücksache, wenn heutzutage noch etwas von der geheimnisvollen poetischen Wirkungskraft auf die B