Kommentare von Saltadoros

Saltadoros 14.03.2017 | 19:49

Ich denke, Ihre Beschreibung ist richtig. Ich denke aber auch, dass es nicht wenige unbekannte Dinge gibt, gerade in Bezug auf Finanzen und auf Nebenabsprachen mit den Europäern.

Mich hat Erdoğans "Wirtschaftswunder" immer skeptisch gemacht. Zum einen, weil ich weiß, dass es Wunder in der Wirtschaft nicht gibt.

Aber auch wenn die Zahlen geschönt sein mögen, so hat es unter Erdoğan einen sichtbaren und für die Bevölkerung spürbaren wirtschaftlichen Aufschwung gegeben.

Das Geld dafür kam aber bestimmt nicht nur aus Europa, sondern mit Sicherheit auch aus arabischen Staaten. Ich beobachte Ähnliches zur Zeit in Bosnien, wo es sichbare arabische Wirtschaftsaktivitäten gibt. Dass diese Aktivitäten ganz ohne politische Verbindungen und Hintergedanken laufen, glaube ich nicht. Und ich halte Erdoğan durchaus für einen Bruder im Geiste mit den konservativen Arabern. Es gibt ja auch Hinweise, dass er den Muslimbrüdern nahe stehen soll.

Wie auch immer, ich denke, die Europäer haben sich bei ihm verrechnet, obwohl er eigentlich schon früh gesagt hat, was er will. Ich denke, dass er die Europäer benutzt hat, genau wie die Kurden, die Güler-Bewegung und andere. Offensichtlich denkt er jetzt, dass er mächtig genug ist und holt zum letzten Schlag aus, seine Widersacher aus dem Weg zu räumen.

Die Europäer selbst haben aber mit der Türkei auch nicht ehrlich "gespielt". Ich erinnere mich an Joschka Fischer, der heimlich gefilmt wurde und sagte, dass man die Türkei nicht in der EU haben wollte (interessanterweise gibt es davon keine Spur mehr im Netz). Von Kohl ist mir ebenfalls der "Christen-Club" hängen geblieben - und mit Sicherheit den Türken auch (darüber gib es genug!).

Darauf kann Erdoğan nun aufbauen. Denn in Europa sind solche Äußerungen längst vergessen, aber nicht in der Türkei, wo sie eine tiefe Demütigung bedeuteten. Wie bösartig Gedemütigte reagieren, ist ja auch beispielsweise in den USA zu sehen.

Diese Unehrlichkeit fällt unseren Regierenden nun voll auf die Füße. Ich denke, man unterschätzt bis heute Erdoğan. So halte ich die Analyse, dass alles sei nur Pulverdampf, der sich nach den Wahlen schon verziehen werde für eine Illusion. Der Mann wird weiter machen. Und wenn die Definition, wonach Faschismus das gewaltsame Zerschlagen der Opposition ist gepart mit eine kriegerischen Expansionspolitik, so dürfen wir nicht überrascht sein, wenn er sich als erstes ein Stück von Syrien heim ins neoosmanische Reich holt. Und es würde mich wundern, wenn damit der Appetit gestillt wäre.

Irgendwie müssen die Schulden ja auch mal bezahlt werden. Und da sind bekanntlich Ölquellen nicht die schlechteste Option!

Saltadoros 12.03.2017 | 19:48

Dass es nicht wenige Türken in Deutschland gibt, die hier mit Fleiß und Glück ein Vermögen gemacht haben, ist richtig. Dass nun ausgerechnet die Klasse der Unternehmer aber zu den progressivsten und demokratischsten Kräften zählt, ist, glaube ich, in keinem Land der Welt der Fall.

Und natürlich gibt es eine kapitalkräftige Basis hinter Erdoğan und seiner AKP, die man unter dem Begriff "Anatolische Tiger" kennt.

Wie auch immer, es gibt bedingt durch die historische Situation des Landes, welches immer nur repressiv zusammengehalten werden konnte, kaum Menschen, die man als überzeugte Demokraten bezeichnen könnte.

Wenn die Demokraten aber schon nicht aus der autoritären türkischen Schule kommen, warum hat da unser Bildungssystem so versagt? Ich hätte da Antworten! Eine wäre, dass wohl kaum ein Migrant in Deutschland ohne das Trauma der Demütigung die Schule verlassen hat.

Saltadoros 12.03.2017 | 19:29

Ich glaube, Can Dündar unterschätzt wie viele andere die Dimension, die das hat! Das ist keine diplomatische Frage mehr, denn Erdoğan wird jede noch so diplomatisch formulierte Kritik ins leere laufen lassen. Das, was die europäischen Regierungen bisher gemacht haben erinnert mich stark an die Appeasement-Politik Chamberlains. Man hätte viel früher und viel deutlicher auf all das reagieren müssen, was Erdoğan in der Türkei und auch außenpolitisch (Krieg in Syrien) gemacht hat.

Ich fand heute dazu Peter Schneider im dlf sehr gut:

http://www.deutschlandfunk.de/schriftsteller-peter-schneider-es-laeuft-auf-die.911.de.html?dram:article_id=381055

Saltadoros 12.03.2017 | 19:12

Frau Merkel hat in der Vergangenheit indirekt Wahlkampfhilfe geleistet, indem sie Erdoğan vor den Wahlen mit einem Staatsbesuch beehrte.

Sie alleine profitiert freilich nicht davon. Jedoch die Kräfte, die auch in Deutschland die politische Richtung nach rechts verschieben wollen. Dazu wird erst einmal diese vergiftete Stimmung aufgebaut. Danach kann man restriktive Gesetze gegen Einwanderer durchbringen oder Dinge wie das neue Gesetz, nach dem Polizisten besonders gegen Übergriffe geschützt werden. Das geschieht jetzt ständig, auch in Holland und das sind nicht alleine Reaktionen auf die Angriffe der Populisten am rechten Rand. Mir scheint es, als ließen sich die Regierungen geradezu gerne von diesen Dingen antreiben. Warum sonst setzen sie so wenig dagegen?

Saltadoros 20.07.2015 | 11:22

Die möglichkeiten der Manipulation der öffentlichen Meinung hat seit LTI ja weiter zugenommen. Es ist ja nicht nur die Sprache, es ist der ganze Medienrummel von BILD bis Google und Facebook, der die Menschen manipuliert. Für mich ist es ein Phänomen, dass wir in den achtziger Jahren einmal über die 35-Stunden-Woche diskutierten und dass ich (Jahrgang 1964) jetzt plötzlich bis 67 arbeiten soll. Wenn es so weiter geht, haben wir irgendwann wieder der 12-Stunden-Tag. Das ist nur ein Beispiel. Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Der Roll-Back ist in voller Fahrt. Vergessen ist auch, was Ursache des Faschismus war und ist. "Formen bürgerlicher Herrschaft" fällt mir da als Titel ein...

Saltadoros 21.01.2015 | 18:59

Als zoologischer Humanist hatte ich da nie einen Zweifel dran! Alle Probleme sind letztlich biologisch abbaubar. Spätestens mit 70 hat man mehr Angst vor dem Urologen, als vor dem Salafisten.

Und wenn das Wetter wieder besser wird, wird das ja auch langweilig, mit den ewigen Demos. Dann sitzt man doch lieber mit einer Flasche Bier neben dem Grill im Garten, dreht die (hoffentlich Thüringer) Wurst um und denkt sich, "Ätsch, den Spass hat der Ismamist nicht".

In diesem Sinne denke ich, im Sommer haben wir andere Probleme, zum Beispiel den Russen, der hier immer vor der Tür steht. Ich denke, der wird es sein, denn Vogelgrippe ist durch und Ebola war ja auch nicht so wirklich aufregend in unserer Gegend. Und solange der Ismamische Staat nicht auf Zypern Urlaub macht, muss es einfach der Russe sein. Also, es bleibt wie immer spannend! ...

Saltadoros 14.01.2015 | 20:16

Na da sieht man mal, was tüchtige deutsche Volksstämme so aus Ostpaketen und dem Länderfinanzausgleich machen können! Jahrzehntelang schickt man da Pakete und macht sich Sorgen um das "bayerische Landmädchen" (galt mal in den späten 60ern als die klassische Bildungsverliererin) und wenn man nicht aufpasst, dann ist man selbst abgehängt und muss sich hier den Latte-Macho von den Südis bezahlen lassen ;-)

Saltadoros 28.12.2014 | 12:10

"Da frage ich mich schon, ob du nicht auf dem selben Niveau argumentierst, das du den Demonstranten unterstellst..."

Welches Niveau? Welche Argumente? Ach ja, die Leute fühlen sich fremd im eigenen Land! Na dann clonen wir doch August den Starken und führen in Sachsen wieder einen barocken Feudalismus ein, mit Schwibbogen und Räuchermännchen im P4-Plattenbau. Vielleicht fühlen sich die Leute dann wieder "zuhause". Die demokratische Tradition reicht ja bekanntlich 25 lange Jahre zurück. Da kann ich schon verstehen, dass man sich fremd fühlt! Ja, ja, das Leben in einer pluralistischen Gesellschaft ist nicht einfach. Da kommen einfache Geister mal schnell auf die Idee sich Sündenböcke zu suchen. Ob das Juden oder Muslime sind, spielt ja keine Rolle. Hauptsache man hat was zum hetzen!

Was das alles damit zu tun haben soll, das ich Pädagoge bin, verstehe ich nicht. Mir ist schon bekannt, dass meine Berufgruppe im Ansehen gleich hinter den Politikern und Zuhältern kommt. Aber wenigstens verdanken die meisten Menschen uns, dass sie lesen und schreiben können. Na, das ist doch auch was! Und ich vermute übrigens, dass ich die Sache genau so sehen würde, wenn ich Werkzeugmacher oder Feuerwehrmann währe!

Ansonsten haben Ihnen ja die verbliebenen aufrechten Bürgerrechtler schon sehr deutlich gesagt, was es mit dem PEGIDA-Abendland auf sich hat. Ich kann mich dem nur anschließen: Sie wollen Dunkeldeutschland und Jesus würde Kotzen! Besser hätte ich es als "Hassprediger" - der ich gegen die braune Soße gerne bin - auch nicht ausdrücken können!

Saltadoros 27.12.2014 | 09:52

"...kann ich den Autor nicht mehr ernst nehmen, schon gar nicht, wenn die Aura seines Textes eigentlich "Demokratie" und Friede" ausstrahlen möchte". Ja, ja, "Drachenbrut" klingt natürlich theatralischer, vor allem, wenn man es im Bundestag sagt! Schön, dass Sie immer am Thema vorbeischreiben! Von was wollen Sie ablenken? Es geht nicht darum, wer mit wem spricht - das ist jedem selbst überlassen. Es geht um eine faschoistoide Grundhaltung von Leuten, die nicht mehr mit den "Lügenmedien" sprechen wollen. Wie verlogen das alles ist, zeigt die Tatsache, dass sich PEGIDA-Organisator Lutz Bachmann selbst damit brüstet, mit dem Springer-Verlag eng zusammen zu arbeiten: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/pegida-und-die-luegenpresse-chef-bachmann-war-bild-leserreporter-a-1010393.html

Saltadoros 27.12.2014 | 00:30

Ja, ja, das Positionspapier! Weder Papier noch Position kann ich da nur sagen! Wölfe, die Kreide fressen, sind mir nur zu gut bekannt. Auch im Wahlprogramm der NSDAP stand übrigens nicht, dass die Nazis vorhatten, sechs Millionen Juden umzubringen! Und tausende Menschen, alles ganz brave und normale Nachbarn, die dem "Führer" zujubelten oder nichts unternahmen, wenn ihre jüdischen Nachbarn abtransportiert wurden, können ja nicht der Maßstab sein, ob eine Sache richtig ist. Das gilt auch für die 17.250 Dresdner auf der letzten PEGIDA-Demo!

Ich bleibe dabei: Wenn man sich pauschal gegen den Islam positioniert, wie das schon im Namen der "Bewegung" deutlich ist, ist das ein Straftatbestand, der sich unter § 130 StGB subsummieren lässt. Nennen Sie den "Verein" doch mal gedanklich um in "Patriotische Europäer gegen die Verjudung Deutschlands". Was glauben Sie, was hier los wäre?

In Deutschland gibt es keinen Fall, in dem ein Islamist jemanden umgebracht hätte. Ja, ja, ich kenne auch die Seite von "PI" - und ich bin sicher, Sie kennen sie auch! - wo krude "Belege" über die angebliche Ausbreitung des Islams gesammelt werden. Das ganze liest sich wie die Ritualmordgeschichten, die die Nazis den "Volksgenossen" im Stürmer präsentierten. Und selbst wenn ein Muslim durchdrehen würde, was würde das beweißen? Sind alle Deutschen Nazis, blos weil es die Durchgeknallten von der NSU gab?

Ich bin gerade in Sarajevo. Das liegt übrigens in Europa! Ich schaue, wenn ich aus dem Haus gehe, auf Friedhöfe. Einer liegt direkt im Olympiastadion. Da liegen zehntausende Muslime meines Jahrgangs. Was ein Genozid ist, weiß ich ganz genau. Und ich weiß auch, wie man sie beginnt. Nämlich mit Lügen und Hetze.

Ich denke, so weit wird es in Deutschland nicht kommen. Ich setzte da doch auf den europäischen Bürgersinn der Bevölkerung.

Bleibt noch als letztes die grundsätzlich undemokratische Haltung der "Bewegung". Was hindert sie, sich als Partei aufzustellen und mit den Medien zu sprechen? Wenn man nicht Nazi, Kommunist oder ein Arschloch (Verbrecher) ist, kann man in diesem Land doch alles sagen und schreiben - das sehen Sie doch an mir! Also, was soll dieses trotzige Kleinkinderspielchen?

Saltadoros 02.10.2014 | 20:50

Der Veranstalter zahlt nicht ALLE Kosten! Es gibt dazu eine Anfrage im Senat. Das nicht überaschende Ergebnis: Die Finanzen rund um den Berlin-Marathon sind nicht transparent. Aber eins ist klar, es geht um viel Geld für den Veranstalter, die Reiseunternehmen, Hotels, Sportschuhherstellern... . Es ist halt wie überall. Eine Sache, die ein paar Freaks angefangen haben kommt in den Verwertungsstrudel des Kapitals. Warum soll es uns Läufern auch anders gehen, als all den anderen...

Saltadoros 26.07.2014 | 12:23

Noch etwas zum Lernen der "Akzeptanz des staatlichen Gewaltmonopols":

Ich glaube, dass das ein sehr schwerer Lernprozess wird. Er würde voraussetzten, dass Muslime weltweit die Erfahrung machen, dass das Gewaltmonopol von staatlichen und überstaatlichen Organisationen auch für ihren berechtigten Schutz eintritt. Am Beispiel der zahlreichen UN-Resolutionen, die von Israel ignoriert werden, habe ich schon gezeigt, dass das Vertrauen in die Weltgemeinschaft gering sein dürfte.

Hier in Bosnien liegt der Fall ganz ähnlich. Die Muslime in Gorazde hatten ihre Waffen bei der UNPROFOR abgeliefert. Die holländischen UNPROFOR-Soldaten taten aber nichts, um das Masaker der Serben an den muslimischen Männern und Jungen zu verhindern. In einer weiteren Enklave in Bosnien in Gorazde, hatte sich der bosnische Kommandant Ahmed Sejdic geweigert, die Waffen abzugeben. Es gelang ihm, alle Angriffe der Serben abzuwehren und die Bevölkerung von Gorazde zu schützen.

Was glauben Sie, haben die Menschen hier daraus gelernt. Was denken Sie, wem die Menschen hier vertrauen? Ich kenne die Antwort!

Lernprozesse, zumal historische, sind komplex und verlaufen über Generationen. Geschichte wird meist nicht aus dem Schulbuch gelernt! Mein Grovater und mein Urgroßvater lernten noch in der Schule, dass Frankreich unser Erzfeind sei. Und zumindest mein Urgroßvater dürfte als MG-Schütze in Verdun diese Feindschaft sehr konkret umgesetzt haben. Mir kommt heute, 100 Jahre später, das alles mehr als absurd vor. Das Besispiel zeigt aber, dass solche Prozesse möglich sind. Die Rechtssicherheit in Europa, der Prozess der europäischen Vereinigung und pädagogische Aktionen, wie das Deutsch-Französische-Jugendwerk haben hier ihren Anteil. Für die überwiegende Mehrheit der Menschen auf der Welt gibt es solche Erfahrungen aber nicht.

Saltadoros 26.07.2014 | 10:38

Wir reden über Rechtssicherheit und Rechtsstaatlichkeit in Bezug auf Palästinenser. So will ich hier eine Erfahrungen aus meiner Kindheit beisteuern:

Mein Vater, der Dozent an der TH Darmstadt war, hatte einen palästinensischen Kommilitonen, der zum Freund unserer Familie wurde. Dessen Bruder Wael Zwaiter, der ein hochgebildeter und sensibler Mann war, wurde 1972 in Rom vom MOSAD erschossen. Der Freund meiner Familie selbst wurde etwas später nach dem Olympia-Attentat 1972 schließlich mit vielen anderen in Deutschland lebenden Palästinensern, ohne ersichtlichen Grund, in einer Nacht-und-Nebelaktion nach Israel abgeschoben, wo er erst einmal im Gefängnis verschwand. Ich erinnere mich an die zahllosen Telefonate meiner Eltern mit Anwälten und offizellen Stellen, diesen Mann frei zu bekommen. Ich selbst würde für diesen Mann meine Hand ins Feuer legen, dass er NIE etwas mit Terroristen zu tun hatte.

Das ist nur ein Beispiel und ich schreibe es hier, weil ich es miterlebt habe und weil ich es für exemplarisch halte.

Ich kann nur erahnen, wie Einwanderer für sich in Deutschland und Europa Rechtssicherheit empfinden. Den Schaden, den beispielsweise die "NSU-Affäre" diesbezüglich angerichtet hat, lässt sich kaum ermessen.

Saltadoros 26.07.2014 | 08:32

"Das Wichtigste ist: Akzeptanz des staatlichen Gewaltmonopols."

Da gebe ich Ihnen recht! Aber soweit ich das aus der Ferne beobachten konnte, hat sich die Polizei in Berlin sehr besonnen gezeigt, was nicht immer so ist. Es scheint, als habe diese Haltung Früchte getragen. So hörte ich, dass auf den gestrigen Demonstrationen antijüdische Äußerungen nur noch vereinzelt vorkamen.

Menschen, die aus Gebieten der Welt kommen, wo es kein staatliches Gewaltmonopol gibt, sondern die Strukturen so sind, dass man sich letztlich nur auf die Stärke des eigenen Clans verlassen kann, brauchen mit Sicherheit "Nachhilfe" in zivilgesellschaftliche Konfliktlösungsstrategien. Dazu gehört, dass man lernt, dass staatliche Institutionen einem im Konfliktfall beistehen. Dass es hier wechselseitig Probleme gibt, ist offensichtlich!

Und auch hier wird es keine schnellen Lösungen geben. Ein guter Ansatz ist, dass wir in Berlin inzwischen doch einige Migranten in der Polizei und im sonstigen Staatsdienst haben. Aber schauen Sie sich doch mal in unseren Schulen um! Die Lehrerschaft ist an Neuköllner Grundschulen zu 95 % "abstammungsdeutsch" und weiblich. Die Reinigungskräfte und das Personal des "Sicherheitsdienst" bestehen wiederum aus 100% Migranten. Da begegnen Kindern früh Strukturen, die schnell dazu führen, sich "fremd" zu fühlen, auch wenn man hier geboren ist.

Vielleicht denken Sie, es gibt diese Lehrer mit "Migrationshindergrund" nicht. Natürlich gibt es sie! Aber unser System macht weltweit etwas Einzigartiges. Es verlangt von Lehrern ein "Staatsexamen". Das haben aber Einwanderer in der Regel nicht, auch wenn sie in ihren Herkunftsländern Lehrer waren. Wenn sie dann als so genannte Quereinsteiger doch in den Schuldienst reinkommen, verdienen sie einen Lohn an der Armutsgrenze und sind den anderen Lehrkräften auch rechtlich nicht gleichgestellt!

Denken Sie nicht, dass das den Schülern verborgen bliebe. Ich war da selbst erstaunt, dass das meine Sechstklässler rausgekriegt haben...

Saltadoros 25.07.2014 | 20:32

"Es gibt Armut in allen ethischen Bereichen verteilt, aber : demonstrieren die Roma, die Bulgaren, die Syrer, die zahlreichen Schwarzen gegen einen politischen Gegner in solcher Radikalität ?"

Nun, jede ethnische Gruppe hat eine eigene Geschichte und eine eigene Kultur. Ihre Frage, wie Menschen auf Unterdrückung reagieren ist durchaus spannend! Ja, warum die Araber und nicht die Roma? Ich könnte Ihnen etwas dazu sagen, denn ich unterrichte auch Roma - und übrigens auch Juden (als ich noch in Lichtenberg tätig war). Aber das würde den Blog sprengen.

Grundsätzlich aber so viel; Man kann den Arabern nicht vorwerfen, dass sie Araber sind und den Roma nicht, dass sie Roma sind. Manche Dinge sind ohne Zweifel bis an die Schmerzgrenze unerträglich und Sie können mir glauben, dass ich bei gewissen Äußerungen mehr als einmal sehr laut geworden bin.

Aber der Gedanke, dass man sich grundsätzlich mit Respekt begennen soll, sollte doch tragen sein. Und vielleicht auch die Reflektion, dass auch "wir" für die anderen gelegentlich unerträglich sind. Oder glauben Sie, dass die Spanier etc. die Deutschen alle toll finden, wenn sie sich am Strand besaufen?

Saltadoros 25.07.2014 | 10:03

"Das sind keine Palästinenser, das sind türkischstämmige Österreicher."

Danke für diesen Hinweis! Hinzuzufügen wäre noch, dass es auch auf Türkisch das Sprichwort gibt, dass der Fisch vom Kopf her stinkt. Ministerpräsident Erdogan hat sich ja erst kürzlich zu dem sagenhaften Vergleich hinreisen lassen, Israel sei schlimmer als Hitler.

Ich habe daraufhin weder gehört, dass die "Wertegemeinschaft" NATO ihr Mitglied zurechtgewiesen hätte, noch dass von Seiten Europäischer Länder dem Ministerpräsidenten des EU-Beitrittskandidaten Türkei gehörig in die Parade gefahren würde. Wiklich gefährlicher Antisemitismus sieht für mich so aus!

Saltadoros 25.07.2014 | 09:50

"...bedarf es einer adäquaten Analyse des Antisemitismus."

Antisemitismus bzw. Antijudaismus zu analysieren war nicht das, was ich machen wollte. Ich weiß, dass Antijudaismus noch nicht einmal reale Juden braucht. Ich würde Ihnen widersprechen, wenn Sie meinen, der arabische Antijudaismus sei der Gefährlichere. Der israelische Psychoanalytiker Zvi Rex hat unsere postfaschistische Neurose wohl am besten auf den Punkt gebracht: “Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nicht verzeihen.”

Ich will auch nicht beurteilen, ob Antijudaismus, Antiislamismus, Rassismus oder irgendeine andere Form der Xenophobie die Schlimmere ist. Friedrich Nitzsche sagt, dass jeder Gedanke zur Ausführung drängt. Von der Richtigkeit dieses Satzes bin ich überzeugt, wie von der Tatsache, dass es genügt, wenn die Mehrheit der Bevölkerung die Verbrechen nur legitimiert, weil für den Rest ein paar Sonderkommandos genügen.

Wir leben in einer Zeit, wo alles auf Knopfdruck funktioniert. Und die Erwartung, es möge doch da irgendwo ein einfaches Rezept geben, wie man unangenehme Erscheinungen schnell und einfach ausschaltet, liegt auf der Hand. Dass Versöhnung Generationen braucht und harte Arbeit und vor allem Menschen, die bereit sind, diese Arbeit zu tun, ist den wenigsten bewusst.

Und was wäre im konkreten Fall der arabischen jungen Männer die Alternative? Wollen wir sie erschießen oder in Lagern einsperren? Wird es besser, wenn wir alle ausweisen? Wie bitte soll die Lösung aussehen, wenn es keine „Endlösung“ werden soll?

Wenn man wirklich Ursachen bekämpfen will, führt nach meiner Meinung kein Weg daran vorbei, sich auf lange, harte Arbeit vorzubereiten. Kein Kind wird als Rassist geboren! Wenn man das voraussetzt, ist alles möglich!

Dass schließlich die Situation der Palästinenser, vor allem in den besetzten Gebieten unerträglich ist, dass Israel UN-Resolutionen fast grundsätzlich ignoriert – schauen Sie sich doch bitte mal die lange Liste an! ( http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_UN-Resolutionen ) - zeigt mir, dass der Protest der Palästinenser durchaus berechtigt ist. Dieser berechtigte Protest wird nicht gehört, solange er sich nicht radikal, wie bei der Hamas, oder antijüdisch oder antizionistisch äußert.

Und um dies abschließend zu sagen. Ich habe jüdische Freunde in Israel und der Türkei und ich habe palästinensische Freunde. Glauben Sie mir, es ist oft schwer zu ertragen, was beide Seiten sagen. Ich glaube aber nicht, dass man ein guter Freund ist, wenn man die Fehler seiner Freunde deckt. Viele Philosemiten sind mir in diesem Sinne suspekter, als die offenen Antijudaisten!

Saltadoros 24.07.2014 | 23:43

"Dass die angedeutete Formel: „Israels Verbrechen sind die Ursache des Antisemitismus“ nahe bei „die Juden sind Schuld am Antisemitismus“ liegt, ist außerdem mindestens bedenklich."

So ein Quatsch! Ich kritisiere auch meine Regierung und die Haltung meiner Landsleute, ohne dass das hoffentlich jemand "bedenklich" findet. Ich kann doch den israelischen Staat befürworten und trotzdem sagen, wenn ich die Politik der Regierung falsch finde.

Denken Sie doch bitte einmal darüber nach, wie sie den zweifelsohne schwer zu ertragenden Antijudaismus aus den Köpfen raus kriegen wollen, ohne jemandem gleich das Hirn aus dem Kopf zu pusten? Das ist schwere Arbeit und die wird nicht in einer Generation erledigt sein. Mit Kriegen wird es auf jeden Fall nicht gehen! Und auch nicht, wenn man Menschen dauerhaft von der gesellschaftlichen Teilhabe ausschließt. Egal ob in Deutschland oder in Israel oder sonstwo.

Saltadoros 24.07.2014 | 23:28

Ich gebe Ihnen unbedingt Recht! Pädagogen gehören zu den verachteten Berufsständen. Bei mir hat es leider nicht zum Politiker, Manager oder Zyniker gereicht. Das müssen Sie mir bitte nachsehen. Man sollte die Weltdeutung daher unbedingt richtigen Profis wie Broder, Enzensberger oder am besten gleich der BILD überlassen. Es ist auch immer gut zu wissen, wer die "Problemgruppe" ist. Da liegen Sie ganz richtig. Denn das sind im Zweifel mal immer "die Anderen". Selbst gehört man natürlich keiner Problemgruppe an. Also immer tüchtig draufhauen auf die blöden Araber. Dann werden sie sicherlich irgendwann kapieren, dass der einzige Weg zum Glück der ist, Deutscher zu sein, mit Bausparvertrag, Schützenfest und Urlaub auf Mallorca!

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