Der ewige Sachse

Satire: Zur zoologischen Anthropologie eines deutschen Volksstammes
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„Neben den Menschen gibt es noch Sachsen und Amerikaner, aber die haben wir noch nicht gehabt und bekommen Zoologie erst in der nächsten Klasse.“ Kurt Tucholsky

Zoologisch betrachtet, gehört der Sachse zu den höheren Primaten. Im Gegensatz zu anderen Exemplaren seiner Gattung, etwa dem Orang Utan bewegt er sich zumeist nur auf zwei Beinen fort. Sehr jungen Exemplaren und meist älteren und männlichen Vertretern der Art, fällt dies häufig schwer. Letzteren vor allem nach dem übermäßigen Genuss eines aus Gerste hergestellten Getränks, welches am liebsten aus Radeberg bezogen wird. Weil dem Sachen die zweibeinige Fortbewegung so schwer fällt, hatte er sich schon vor Jahren in einem so genannten Sachsenring https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/91/Sachsenring_logo.svg/331px-Sachsenring_logo.svg.pngzusammengeschlossen und versucht, aus Pappe, Sondermüll und Tapetenkleister ein Automobil zu bauen. Auch wurden in Zschopau Fahrräder mit Hilfsmotor produziert. Diese beendeten die Zeit des kollektiven Winterschlafs, der in alten Zeiten neun Monate dauerte, da brünftige Jungsachsen mit dem Geknatter ihrer Maschinen den ganzen Landstrich aufweckten.

Die Genetik konnte bislang nur wenig zur Klärung der Herkunft des Sachsen beitragen. Gesichert sind bislang nur drei Erkenntnisse. Zum einen, dass die Art mit dem Homo Sapiens Sapiens eng verwandt zu sein scheint. Zweitens, dass die meisten Sachsen Nachfahren von August dem Starken sind, der wegen des eingeschränkten Sexualtriebes dieser Rasse die meisten seiner Untertanen selbst herstellen musste. Drittens ist sicher, dass jenes Gen, welches es den Türken so schwer macht, die deutsche Sprache zu erlernen, beim Sachsen doppelt vorkommt.

Die Sprache des Sachsen ist daher für richtige Menschen schwer verständlich. Bei der Umsiedlung des Sachsens in kultivierte Landstriche blieben bis lang auch alle Versuche, diesen Fehler zu korrigieren, erfolglos. Statistisch ist daher auch belegt, dass jeder Sachse durchschnittlich drei Logopäden in den Suizid treiben kann.

Da er selbst nicht richtig sprechen kann und aus diesem Grunde in höheren Kulturen schwer zu integrieren ist, fordert der Sachse jetzt neuerdings auch, dass sich so genannte Einwanderer ihm anpassen müssten. Auf Demonstrationen, die der Sachse zu diesem Zweck veranstaltet, sagt er gar nichts, weil er weiß, dass man ihn ohnehin nicht versteht. All diese Demonstrationen waren bisher jedoch ergebnislos, denn bis jetzt ist jeder Versuch gescheitert, Einwanderern Sächsisch beizubringen. Dies liegt vor allem an der xenophoben und endogamen Orientierung dieser Volksgruppe. Unwissenschaftlich könnte man auch sagen: Tausend Jahre konsequente Inzucht führten zu einer einzigartigen Rasse, die schwer zu mischen ist.

Sachsen, die aus ihrem angestammten Siedlungsgebiet auswanderten, mussten daher in früheren Zeiten oft erst kaserniert werden, um sich an die Zivilisation zu gewöhnen. Sie eigneten sich daher hervorragend als Volkspolizisten und Grenzsoldaten.

Inzwischen haben wir Inklusion. Und auch wenn es nicht fein ist, Witze über Behinderte zu machen, so erheitert der Sachse gelegentlich durch seine drollige Art, sich auszudrücken, das deutsche Fernsehpublikum.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/ac/Dresden-Jenidze-gp.jpg/640px-Dresden-Jenidze-gp.jpgNeuerdings fürchtet der Sachse, ihm könne eine art- und lebensfremde Religion aufgezwungen werden. Das ist leicht verständlich. Schließlich befindet sich in der Landeshauptstatt der Sachsen schon seit fast hundert Jahren der größte moscheeähnliche Bau Europas. Ein solches Gebäude muss auf den Sachsen beängstigend wirken, da er sich ansonsten am liebsten in seiner als so genanntes „Umgebindehaus“ getarnten Blockhütte, im Bergwerk oder am Biertisch zuhause fühlt.

Nachdem der Sachse sein Bergland so nachhaltig durchwühlt hatte, bis auch wirklich alle Bodenschätze erschöpft waren, verlegte er sich auf das Schnitzen von http://www.webshop-erzgebirge.de/erzgebirge/detail/kantenhocker-kaffeesachseGr.jpgstinkenden Räuchermännchen, Schwibbögen und anderem Holzkitsch, den kein Mensch wirklich braucht. Allerdings ist der fleißige Chinese dem Sachsen draufgekommen und kopiert inzwischen die Holzware dermaßen gut, dass abzuwarten bleibt, wann es die ersten Chinesen mit sächsischem Dialekt gibt. Das Kopieren des Holzkitsches ist übrigens eine späte Rache des gelben Mannes für das Kopieren des Porzellans, dessen Herstellung früher nur den Chinesen bekannt war. Man ließ den sächsischen Raubkopierer daher auch sofort einsperren. Aber zum Gedenken an diese Kulturleistung, http://freshideen.com/wp-content/uploads/2013/08/badezimmer-renovierung-toilette-aus-wei%C3%9Fer-keramil.jpgbesitzt der Rest der zivilisierten Welt heute meist einen kleinen Andachtsraum mit Porzellanschüssel, auf die sich die Menschen zu meditativen Geschäften zurückziehen. Das mitteleuropäische WC kann daher als Synkretismus von buddhistischer Meditationskultur und den Leistungen eines sächsischen Raubkopierers gefasst werden.

Aus all diesen Gründen ist der Asiate dem Sachsen auch am liebsten. Daher bewegen sich männliche Sachsen auch immer wieder gerne ins Grenzgebiet, um dort beim „Fidschi“ Zigaretten zu kaufen und sich mit Vietnamesinnen zu paaren. Wer sächsische Frauen sprechen hört, kann dies gut verstehen, da dieser Dialekt auch den stärksten Sexualtrieb abtötet.

Da der sächsische Siedlungsraum meist aus tiefen Berg- und Flusstälern besteht und ein direkter Zugang zum Meer nicht vorhanden ist, fehlt dem Sachsen seit eh der Weitblick. Seit einiger Zeit hat der Sachse daher versucht, diesen Mangel durch Fernsehen auszugleichen. In den ersten vierzig Jahren dieses Versuchs war dies meist mit erheblichen Frustrationen verbunden. Zum einen herrschte lange Zeit Mangel an geeigneten Empfangsgeräten. Der Sachse hatte Glück, wenn es ihm schließlich gelang, einen jener zentnerschweren Fernseher sowjetischer Bauart nachhause zu schleppen. Da der Schaltplan dieser Geräte noch von Dschingis Kann persönlich auf Pergament gezeichnet worden war, konnte man mit der Wärmeleistung eines Apparats auch gleich noch einen Kachelofen ersetzen, was zumindest in der neun Monate dauernden Winterzeit der Sachsen nicht unangenehm war und dem phlegmatischen Temperament dieses Volksstammes voll entgegen kam. Man konnte beim Fernsehen länger sitzen bleiben und Fettbemmen mümmeln, da man kein Holz mehr nachlegen musste.

Überliefert ist aus jener Zeit auch, dass nicht wenige Bewohner, vor allem in den bergigen Regionen, wochenlang mit dem Bau von Antennenmasten beschäftigt waren, die in Größe und Form dem Eifelturm in Paris in nichts nachstanden. Psychologen rätseln noch heute über dieses Phänomen und es gibt zwei konkurrierende Thesen über die Entstehung dieser Masten. Die eine These lautet, dass die enormen Masten eine typisch sächsische Sublimationsleistung darstellen, mit denen die Komplexe wegen zu klein gewachsener Penisse kompensiert werden sollten. Die etwas schlichtere, dafür aber nicht weniger glaubwürdige These behauptet, die Sachsen hätten wenigstens der Antenne einen Blick in die Zivilisation gönnen wollen.

Nach der Installation der Antenne und der Inbetriebnahme des Gerätes war der Sachse wiederum frustriert. Denn auch der schönste Farbfernseher konnte nicht über die Tristesse des lokalen Fernsehprogramms hinwegtäuschen, dessen beste Satiresendung ausgerechnet „Der schwarze Kanal“ http://www.mdr.de/damals/archiv/bild133282_v-standardBig_zc-3ad1f7a1.jpg?version=22130hieß. Und selbst Besitzer eines Schwarz-Weiß-Gerätes beschwerten sich lange über den Rotstich im Programm. Umso froher war der Sachse, als ihn nach der so genannten Wende endlich richtiges Fernsehen erreichte. Er brauchte dann noch einmal fünfundzwanzig Jahre, um festzustellen, dass ihn diese Programme auch nicht schlauer gemacht hatten. Folgerichtig fordert er auch seit neuestem, auf seinen wöchentlichen Demonstrationen, dass er keine Gebühren mehr zahlen muss. In dieser Frage ist er sich ausnahmsweise auch mit den Schwaben einig, die ohnehin alles für zu teuer halten.

Neben all diesen Tätigkeiten ist der Sachse dafür bekannt, dass er gerne bei Sachen mitmacht, die nachher in die Hose gehen. Nicht nur dass er sich in den Freiheitskriegen Napoleon anschloss, im dritten Reich mitmarschierte und in Form von Walter Ulbricht als Geisel über die DDR kam; egal was es war, nachher war es kaputt.

Daher ist es für den in der zoologischen Anthropologie Kundigen beruhigend, dass der Sachse an der Spitze der so genannten PEGIDA-Bewegung steht. So bleibt einzig die Frage, welchen erfolglosen Projekten sich dieser Volksstamm in Zukunft zuwenden wird. Aber da braucht man sich um den Sachsen keine Sorge zu machen. Denn hier wie überall gilt: „Dümmer geht’s immer!“

19:13 09.01.2015
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Geschrieben von

Saltadoros

Olaf Schäfer: Pädagoge, Musiker...
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