Auch sportlich verlieren unsere Kinder

Corona Kinder und Jugendliche können sich während der Corona-Pandemie kaum noch sportlich betätigen
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Kinder und Jugendliche haben sich noch nie so wenig bewegt, wie es aktuell der Fall ist. Zudem haben sie vor Bildschirmen noch nie so viel Zeit verbracht. Wissenschaftler sind sich sicher, dass das enorme Folgen haben wird. Die Corona-Krise trifft Kinder und Jugendliche besonders hart. An dieser Krankheit selbst leiden sie zwar weniger als die Erwachsenen, dafür jedoch umso mehr unter den hiermit verbundenen Einschränkungen, insbesondere unter dem Sportmangel. Pro Tag sollten Kinder und Jugendliche mindestens eine Stunde sportlich aktiv sein – laut der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO. Dieses Ziel haben im zweiten Lockdown jedoch lediglich 16 von 100 Kindern geschafft.

Körperliche Alltagsaktivitäten wie zum Beispiel draußen Spielen und Radfahren sind stark eingebrochen beweist eindrucksvoll eine Studie von dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Der Studienleiter Professor Alexander W. konnte demnach feststellen, dass sich pro Tag die vier- bis fünfjährigen Kinder lediglich 63 Minuten bewegen. Es waren vor dem Lockdown 189 Minuten und somit das Dreifache! Hierbei hat der Mangel an Bewegung starke körperliche Auswirkungen. Die Hälfte der Kinder gaben an, dass sich durch den zweiten Lockdown ihre Fitness verschlechtert habe. Zudem berichten 28 Prozent, sich hätten zugenommen. Vor allem sind bei denjenigen, die zugenommen haben, die Kinder und Jugendlichen betroffen, die bereits zuvor übergewichtig waren.

Alexander W. beschreibt, dass es so zu sein scheine, dass die Pandemie Unterschiede im Bewegungsbereich eher befeuere, die bereits vorher vorlagen: Vom Bewegungsmangel seien Kinder und Jugendliche aus sozialen Brennpunkten in Städten stärker betroffen als die Jugend in Vorstadtsiedlungen mit einem Garten. Zahlreiche Impulse würden fehlen. Neben der gesundheitlichen Entwicklung würden auch die soziale und kognitive Entwicklung zu knapp kommen. Für Alexander W. ist erstaunlich, dass sich die unorganisierte Aktivität im ersten Lockdown erhöht habe. Die Straße als Bewegungs- und Spielraum habe sozusagen eine Renaissance erfahren. Hierfür sei der Grund der plötzliche Freiraum, da die Schulen geschlossen waren. Zahlreiche Kinder hätten diese Zeit dazu genutzt, dem natürlichen Bewegungsdrang nachzukommen.

Dieser Umstand hat sich im zweiten Lockdown massiv verändert. Schließlich wurde das Homeschooling deutlich professioneller, die Kinder hatten weniger Zeit und das Wetter fiel schlechter aus. Zudem vermutet der Forscher, dass bei den Kindern und Jugendlichen der Frust über die vorliegende Gesamtsituation gestiegen sei und deshalb weniger Motivation vorhanden war, sich zu bewegen. Als Folge sank die Alltagsaktivität von etwa 107 Minuten im ersten Lockdown auf ungefähr 61 Minuten während dem zweiten Lockdown. Zugleich stieg in der Freizeit die Zeit vor dem Bildschirm von 133 Minuten auf 222 Minuten an.

Von der Universität Mainz weiß auch der Professor Perikles S., Leiter der Abteilung Sportmedizin am Institut für Sportwissenschaften, wie wichtig Bewegung für die psychische und physische Gesundheit ist. Er geht davon aus, dass pro Jahr in Deutschland 80.000 Menschen an Bewegungsarmut sterben. Durch die Beeinträchtigungen wird es laut seines Erachtens auch bei Kindern enorme Folgeschäden geben. Er sagt, dass sie damit rechnen würden, dass es nach der Pandemie zusätzlich eine halbe Million Kindern gäbe, die an Übergewicht und teilweise an starkem Übergewicht leiden würden. Dies habe gravierende Folgen, da ein übergewichtiges Kind als Erwachsener ebenfalls zu 70 Prozent übergewichtig sei. Die Pubertierenden treffe es am schlimmsten. Sie würden dort eine Zunahme der Einsamkeit und Ängstlichkeit sehen. Es komme daher zu psychischen Störungen. Sicherlich sei die Magersucht unter diesen die schlimmste Störung. Im Erwachsenenalter würden von den Kindern ungefähr 15 Prozent daran versterben.

23:52 19.07.2021
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Geschrieben von

Sandra Hirschkamp

Freudinge Grüße aus Eltingen (bei Stuttgart), ich hoffe meine Blogbeiträge finden hier Anklang.
Sandra Hirschkamp

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