Nicht nur unser Freizeitverhalten ändert sich

Nach der Pandemie Die Menschen haben sich im Lockdown daran gewöhnt, im Privatbereich mehr Zeit zu verbringen. Doch laut einer neuen Studie wird sich unser Verhalten auch danach ändern.
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Dabei haben sie auf Konzerte, Shopping, Fernreisen, Kirchgang oder Yoga-Gruppen verzichten müssen. Es ist gut möglich, dass die Menschen auch nach der Corona-Pandemie auf zahlreiche solcher Aktivitäten verzichten werden. Gewinner ist natürlich in jedem Fall die Online Unterhaltungsindustrie, welche dank guter Bonus Angebote die aktiven Nutzer vervielfachen konnte.. In den Vereinigten Staaten ist die Metropolitan Opera in New York das bedeutendste Opernhaus. Großteils wird diese finanziert von Fans, von Gönnern, von Menschen, die reich sind und sich darüber freuen, etwas Schöpferisches mit dem Geld anfangen zu können.

Wenn Studenten an der Kasse eines solchen Opernhauses stehen und sich über die unerfreulich hohen Preise ärgern, kommt es vor, dass Reiche anwesend sind und einen Eintritt spendieren. Wie wird es derzeit solchen Spendern gehen? Und allen anderen freiwilligen Helfern? Wie werden diese die Nachricht aufnehmen, dass der Musiktempel in New York ganzjährig bis zum Oktober 2021 geschlossen bleiben soll? Der Grund hierfür ist natürlich die Corona-Pandemie. Die Met möchte aufgrund der aktuellen Situation anscheinend nicht arbeiten. Ist sie sich eventuelle sogar zu fein dafür? Werden all die Menschen über diese lange Zeit ihre Leidenschaft aufrecht erhalten können? Kann es vielmehr sein, dass die Menschen eher das Gefühl bekommen werden, dass eine Oper gar nicht notwendig ist? Klingt das vielleicht weit hergeholt? Mit Sicherheit nicht.

Bei dem Beispiel der Met handelt es sich um ein extremes Beispiel. Dieses steht für einen aktuellen Trend, der mit der Bezeichnung Attentismus gefasst wird. Demnach warten die Menschen ab, ob sich die Umstände klären und erst dann bringen sie sich erneut ein, zeigen Interesse, raffen sich auf. Dieses Verhalten ist nachvollziehbar. Falls sich jemand ein Bein bricht, wartet er, bis die Verletzung verheilt ist, ehe er es erneut richtig belastet. Auf Fortbewegung kann jedoch kaum verzichtet werden, auf vieles andere hingegen schon.

In der Corona-Pandemie hat die Politik solche Menschen als die „besseren Bürger“ erklärt, welche daheim bleiben, die nicht rausgehen und sich nicht in Gesellschaft begeben. Ist ein Leben ohne den Stammtisch, ohne die Skat-Runde oder ohne die Chor-Gruppe nicht möglich? Ohne einen Kirchenbesuch am Sonntag? Ohne den Verwandtenbesuch an Ostern oder ohne eine durchwachte Nacht in einem Club? Ist neue Kleidung in jeder Saison, das Training im Schwimmbad, die Yoga-Gruppe, die Volksfeste, die Ballett-Stunden für Kinder, der Karneval und vieles weitere mehr – ist all das unverzichtbar? Geht es nicht ohne all diese Veranstaltungen? Es geht. Es geht sogar umso einfacher, je länger die Corona-Pandemie andauert.

Mit der Zeit entkoppeln sich hierbei Ursache und Wirkung. Zunächst wurde alles als Verzicht empfunden, doch nun wird es allmählich zu einer heilsamen Entschleunigung, was dann selbst zu einer Gewohnheit wird. Längst reden auf diese Weise nicht nur die Ängstlichen. Vor allem die Engagierten, die Umtriebigen, reden von ihren alten Gewohnheiten und dem sozialen Engagement – was nun auf einmal als „Freizeitstress“ eingestuft wird. Mehr und mehr beginnen die Menschen gedanklich auszusortieren. Hier werden insbesondere gesellschaftliche Gruppen und Institutionen ein Problem haben, die freiwillige Teilnahme brauchen. Generell gehen die Experten, die Politik und die betroffenen gesellschaftlichen Institutionen davon aus, dass nach der Krise die Menschen selbstverständlich wieder kommen werden. Dass das gesellschaftliche Leben förmlich explodieren wird. Ist das jedoch zwingend so? Die Pandemie wird nicht plötzlich verschwinden. Sie wird sich im besten Fall allmählich davonschleichen.

00:45 04.08.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Sandra Hirschkamp

Freudinge Grüße aus Eltingen (bei Stuttgart), ich hoffe meine Blogbeiträge finden hier Anklang.
Sandra Hirschkamp

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