Der Boxer oder der letzte Kampf

Kämpfen Scheitern Warum ich Boxer bin? Weil ich kein Dichter bin. Ich kann keine Geschichten erzählen." Der irische Box-Profi Barry McGuigan während seiner aktiven Zeit.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Jeden Kampf, an den er sich erinnerte, hatte er verloren. Also war es besser, sich nicht zu erinnern. Sein Atem ging schwer. Er war ein nasser Sack geworden. Unbeweglich. Steif. Die alte Schnelligkeit fehlte, der leichte federnde Tripelschritt. Das Katzenhafte war weg. Die Geschmeidigkeit. Und das Auge fehlte. Die Wachheit. Die Alarmglocke. Wenn er sich ducken oder zuschlagen musste. War er zu langsam. Zu träge, fast apathisch, gelähmt.

Er war nur noch ein Abklatsch früherer Tage.

Mann, der Schwarze vermöbelte ihn, nach Strich und Faden. Wieder ein Treffer. Ein Schlag gegen die Leber. Er flog auf den Hosenboden. Er erhob sich, stütze sich mit den Händen ab. Er spuckte in den Eimer in der Ringecke. Er hielt sich an den Seilen fest, er krümmte sich, vor Schmerzen.

Jack, sein Trainer, beendete das Training, es war Scheiße, wenn sich sein Schützling im Training verletzte.

Jep stieg aus dem Ring, mit weichen Knien. Er ging in den Umkleideraum. Er war ausgepowert. Konnte er einen zwölf Runden Kampf durchhalten?

Er legte sich auf der Massage Bank. Willy, sein Masseur, knetete ihn durch. War er nicht mehr der Alte?

„Blöder Tag! Er hat mir die Fresse poliert“, raunte er.

„Du hast noch acht Wochen Zeit, Champ“, sagte Willy.

„Ich bin außer Form!“

„Du wirst wieder so sein wie früher.“

„Er hat mich zweimal niedergeschlagen.“

„Das war Pech! Lucky Punch! Das kann immer passieren!“

Jep schossen Gedanken durch den Kopf. Er war ein bulliger untersetzter Boxer, muskulös, mit Mords Muskel Paketen am Körper. Er zweifelte, er war müde. Er war alt geworden.

Die Hände des Masseurs flogen über Körper und Haut des Boxers.

Jede Muskel schmerzte.

Jep schloss die Augen. Er schien zu träumen. Er sah die Bilder von alten Kämpfen, als er noch ein Champion war und mit erhobenen Händen im Ring stehend gefeiert wurde. Verdammt, wen er gegen Sugar gewann, war er wieder im Geschäft.

„Dreh dich rum, Champ!“, weckte Willy ihn.

„Sie sagen, they never come back, viele Comeback- Versuche von Boxern scheiterten. Wenn die Uhr abgelaufen ist, tickt sie nicht mehr“, warf Jep.

“Das sind Sprüche. Was die Leute für Sprüche absondern. Klischees, Champ. Du hast bald dein früheres Kampfgewicht, Champ. Die Wahrheit zeigt sich im Ring“, säuselte Jack.

Der Trainer war immer optimistisch. Jep blinzelte: „Bin ich nicht langsamer geworden?“

„Wir müssen noch ein paar Kilo abkochen“, sagte Jack.

„Ich bin langsam, wie eine Schnecke.“

„Komm, daran darfst du nicht denken, die Psyche ist das A und O, du kannst ein Haufen Geld verdienen.“

Geld nur immer Geld.

Nach der Massage duschte Jep. Willy und Jack steckten die Köpfe zusammen. Der Masseur machte sich Sorgen.

„Ich hab Angst, dass er Schaden nimmt gegen Sugar“, sagte er.

„Wieso?“, fragte Jack.

„Hast du nicht gesehen, wie der Schwarze dauern dem Champ auf den Kopf schlug. Eines Tages wird seine Birne weich sein. Wie pürierter Spinat.“

10:34 19.06.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von