Der ewige Klassenkampf

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Die Geburt entscheidet über den Beginn der Existenziales. Viele Menschen auf der Welt werden in Armut hineingeworfen. Hier geht es dann um die existentielle Frage den Zugang zu Wasser und Essen, Schutz vor der Unwirtlichkeit der Natur.

Der Kampf des Menschen um sein tägliches Brot im Tag-Werk, in den Verhältnissen steht der Einzelne, das Individuum auf dem Bod1en der Möglichkeiten.

Die Verhältnisse ändern sich, ein stetiges Fortschreiten technischer ökonomischer Einflüsse, die Stürme der Zeit, denen ist der Mensch ausgesetzt, wie es schon war, als Rohstoffe wie Erze das tägliche Leben im Mittelalter veränderten, dies kann man getrost in Vergleich setzen, wenn die Rede von Ressourcen ist, damit wird umschrieben, daß es immer noch um Bodenschätze geht, heute um das schwarze Gold Öl, das einer bestimmten Gruppe von Menschen unermeßlichen Reichtum bringt, durchaus zu einer größeren Un-Gleich-Heit in der Welt führte, und die damit verbundenen Kriegseinsätzen, die werden verschämt mit Begriffen wie Demokratie, Freiheit und Frieden umschrieben, so daß das Publikum des Schauspiel des Kapitalismus still hält.

So stellt sich die Frage, was allgemein mit Fortschritt bezeichnet werden soll, dem das Etikett von Wohlstand-Mehrung angeheftet wird.

Natürlich gibt es einen technischen Fortschritt, den Heidegger in vielen Texten in den Mittelpunkt seines Denkens stellte, da er große Gefahren für die Mensch-Heit in dieser Entwicklung sah.

Er war der einsame Rufer in der Wüste, der sich nur noch in sein Denken flüchten konnte, es gab für ihn keine Kanzel, bis auf den Hörsaal, er fand kein Gehör, er hatte nur ein kleines Plenum, es war ihm klar, daß nicht die Philosophen zu Regenten werden würde, wie es Platon fordert.

Er sah den Sieg der Technokraten und Ingenieure voraus.

Schon Kant warnte vor der Expansion der Fürsten und Könige, der einzelnen Staaten: der Königsberger Philosoph verurteile u.a. die englische Politik: „ In Ostindien brachten sie unter dem Vorwand bloß beabsichtigter Handelsniederlagen fremde Kriegsvölker hinein, mit ihnen aber die Unterdrückung der Eingeborenen. Aufwieglung der verschiedenen Staaten desselben zu weit ausgebreiten Kriegen, Hungersnot, Aufruhr und Treulosigkeit...“

Dies steht in seiner Schrift vom ewigen Frieden. Bisher ist es in Afghanistan nicht gelungen, Armut und Hungersnot in bestimmten Regionen zu lindern.

Auch ist dort bis jetzt keine Demokratie im westlichen Sinn installiert.

Ganz zu schweigen von den vielen zivilen Opfern. Es gibt Parallelen zu Kants Zeit und unser Zeit, wie man sieht. Die Schrift der ewige Friede stammt aus dem Jahr 1795.

Dies führt zur Frage der Expansion, der der Mensch im Tag-Werk nichts entgegensetzen kann, und obgleich diese von Kriegen begleitet wird, wird dieses Wachstum als notwendig verkauft, obgleich ein Raubbau an der Natur zu verzeichnen ist, dies ist darzustellen durch Ölgewinnung aus Teersanden in Kanada u.a., wo es zu Veränderungen im Grundwasser in Alberta führte, dies alles verändert das Leben der Indianer in dieser Region, sie stehen der Entwicklung ohnmächtig gegenüber.

Platon verfaßte den STAAT, weil er kein Vertrauen in den Staat hatte.

Damals waren es Stadt-Staaten wie Athen oder Sparta. Schon damals war von Klassen die Rede: „ Der Staat ist gerecht...Wenn jede seiner Klassen der eigenen Arbeit nachgeht...“

Aber was sind die Klassen in der Gegenwart?

Ist dies mit den Klassen so eindeutig heute, wie es Platon formulierte, der in Wächter, Sklaven und Herrscher unterschied?

Wie bei Heraklit beschrieben ist auch bei Platon der Klassenkampf die Triebfeder der Veränderung, der Sklave will aufsteigen, sei es nur zum Vorarbeiter, da er dadurch in eine anderer Lohnklasse aufsteigt.

Das Wort Sklave wurde durch das Wort Leibeigene und Taglöhner ersetzt, daraus wurde der Arbeiter, Angestellte und jetzt Zeitarbeiter.

Der Kapo ist dann der Aufpasser, der nun die Kollegen beaufsichtigt, er wird von anderen überwacht, die in der Hierarchie immer noch höher stehen.

Wenn alle zufrieden wären, alle gleich schienen, würde es keinen Klassenkampf geben, der nicht nur auf den Arbeiter reduziert werden kann.

Wenn ein Mensch Geld zusammenspart, um einen Laden zu eröffnen, ist dies auch der Versuch aufzusteigen.

Der Handel ist eine andere Form desselben.

Je mehr ich Gewinn erziele, um so reicher werde ich. Um so eher steige ich auf.

Dieser Wille zur Veränderung ist die Triebfeder, dies strebt auch der Einwanderer an, der aus Afrika flüchtet. Dies sind alles Formen des Klassenkampfes.

Diese Motive haben sich nicht geändert, auch nicht durch Handy, Auto und Computer, so scheint der technische Fortschritt nur etwas Äußerliches zu sein, hat nicht unbedingt etwas mit menschlichen Werten zu tun, die von den Verhältnissen geprägt werden.

Deshalb ist der Begriff Fortschritt nur eine leere Worthülse, der gewisse Fakten verschleiern hilft, um Geschäfte als notwendig zu verkaufen.

Wie es sich momentan in der Rüstungsindustrie mit der Herstellung von Drohnen und unbemannten Hubschrauber fortsetzt, die nicht unmittelbar zur Verbesserung des Lebens des Einzelnen beitragen, wie es oft mit Robotertechnik in Verbindung gebracht wird. Dies sei eine Arbeitserleichterung.

Bisher wurden dadurch Arbeitsplätze vernichtet und haben zur Verbesserung der Verhältnisse der unteren Schichten nicht beigetragen, wenn man den weltweiten sozialen Standard zum Maßstab nimmt.

Hätte sich was verbessert, müßte es weniger Lohnabhängige und Zeitarbeiter geben.

Dies war ja die Vision der Futuristen. Es wird keine Arbeiter mehr geben, der würde durch Roboter ersetzt sein. Man benötige nur noch Entwicklung und Forschung in Europa.

Es sind neue Formen der Versklavung entstanden, vor allem für ungebildete Schichten, die sogar gegenüber dem festangestellten Arbeiter nachteilig behandelt werden. Dies führte zur neuen Klasse innerhalb der Arbeiterklasse. Der Klassenkampf wird in der Hierarchie auch benutzt, als subtiles Mittel, um Neid zu erzeugen, der die kapitalistische Maschine ölt. Wenn es den Klassenkampf nicht gäbe, alle gleich wären, bräuchte der Einzelne sich nicht verändern. Doch das System arbeitet nur effizient mit Aufpassern, Vorarbeitern, Abteilungsleitern. Eine andere Qualität der Verhältnisse wäre erreicht, wenn dies alles ohne Hierarchien auskäme und eine wirkliche Machtbalance entstünde. Oder wenn jeder zu Wohlstand käme, aber davon ist die Welt weit entfernt. So wird der Klassenkampf nie beendet sein.

Platon, Popper
03:53 18.06.2013
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