Der Jesus Killer Teil 1

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Glauben Sie mir, es wird viel über Jesus erzählt. Damals als Jesus geboren wurde, hieß jeder zweite Jesus, und den einzigen Jesus, den ich kenne, ist Jesus de Maria. Er ist ein Killer. Vierzehn Jahre alt. Er hat ein Babygesicht. Milchige englische Haut. Als gäbe es in Juarez keine Sonne.

-Ich will wahrgenommen werden, diese Ameisen hier in der Stadt, kleine Glühwürmchen.

Er prahlte, er habe siebzig Menschen getötet, Männer und Frauen, aber keine Kinder.

-Ich glaub an Jesus. Er war ein warmherziger Mann. Er wollte die Menschen einen.

Er spuckte Kautabak aus, ne braune Brühe. Er war ein Meter sechzig groß, trug schwarze Cowboyschuhe mit hohen Absätzen.

-Wenn ich nen Banker umlege, stopfe ich ihm Dollarscheine in den Mund. Glauben Sie an Jesus?

Ich schwieg. Ich war Kameramann. Und ich hatte einen Auftrag.

-Heute lege ich einen für dich um.

-Wie?

-Weiß noch nicht.

-Wie ist das mit dem Töten?

-Du drückst den Abzug der Magnum durch. Bingo. Ich glaube, es tut nicht weh. Nur ein kurzer Schmerz, wie ein Mückenstich.

-Denkst du dann an Jesus?

-Ja. Ich spreche oft einen Rosenkranz danach.

Die Welt schien rational nicht erklärbar zu sein. Er fuhr mit dem Schweißtuch übers Gesicht.

-Jesus gab es gar nicht, sagte er.

-Woher weißt du das?

-Die Menschen sind Lügner. Fälscher, Mann. Die Menschen glauben an Fakes. Du musst nur sagen, oder vermitteln, dass es wertvoll ist, sie reißen es dir aus der Hand.

-In wiefern?

-Die Kirche ist ne Kiste, die Beruht voll auf Illusion. Die Menschen rennen hin. Meine Mutter ist jeden zweiten Tag in der Kathedrale. Sie jobbt in der Textilfabrik für ein paar Dollar pro Tag. Und meine Brüder und Schwestern werden nicht satt. Aber sie betet. Sie sagt: Als Mensch musst du warten können.

-Auf was?

-Das ist die Frage

Er zerdrückte mit dem Absatz eine Spinne.

-Wann kommt der Mann?, fragte ich.

-Wenn du einen Mord live mit erleben willst, musst du warten, Junge.

Ich checkte meine Kamera.

-Ich glaub’s nicht, dass ich im Fernsehen komme.

-Wir brauchen Stoff für die Sendung, Jesus.

-Tranquilo. Das Leben ist so leicht. Easy, man.

Stille.

-Ich will wahrgenommen werden, diese Ameisen hier in der Stadt, kleine Glühwürmchen.

Er prahlte, er habe siebzig Menschen getötet, Männer und Frauen, aber keine Kinder.

-Ich glaub an Jesus. Er war ein warmherziger Mann. Er wollte die Menschen einen.

Er spuckte Kautabak aus, ne braune Brühe. Er war ein sechzig, trug Schuhe mit hohen Absätzen.

-Wenn ich nen Banker umlege, stopfe ich ihm Dollarscheine in den Mund. Glauben Sie an Jesus?

Ich schwieg. Wenn ich ihm von Wittgenstein erzählte, würde es Komplikationen geben.

-Wenn soll ich für dich umlegen?

-Wie ist das mit dem Töten?

-Du drückst den Abzug der Magnum durch. Bingo. Ich glaube, es tut nicht weh. Nur ein kurzer Schmerz, wie ein Mückenstich.

-Denkst du dann an Jesus?

-Ja. Ich sprech’ oft einen Rosenkranz danach.

Die Welt schien rational nicht erklärbar zu sein. Er fuhr mit dem Schweißtuch übers Gesicht.

-Jesus gab es gar nicht, sagte er.

-Wann kommt der Mann?

-Wenn du einen Mord live mit erleben willst, musst du warten, Junge.

Ich checkte meine Kamera.

-Ich glaubs nicht, dass ich im Fernsehen komme.

Er war der Star der neuen Reality Show Jesus Killer.

-Tranquilo, Amigo.

Er war der Star der neuen Reality Show Jesus Killer. Er setzte sich auf den Bordstein, öffnete eine Box. Es war sein Essen. Tortillas gefüllt, mit Hackfleisch und Käse.

Mein Produzent traf ein. Mit nem schicken Porsche Ceyenne. Er stolperte aus der Kiste.

-Was geht?

-Wir warten.

-Auf was?

-Das Opfer.

Jesus prüfte lässig sein Piece. Die Waffe. Klick. Klack. Schob er ein Magazin den Lauf. Er zielte auf mich. Ein Moskito saß auf meiner Nase. Er stieß es mit dem Lauf weg.

-Glaubst du in so einem Museum sind alle Bilder echt?

Er schwieg kurz.

-Eines ist klar, wir müssen sterben, raunte er.

-Du wirst bezahlt, Mann.

-Mister, langsam.

-Wann geht’s los?

-Weiß ich nicht, wann er kommt.

-Leg einen Passanten um. Jede Minute kostet uns hundert Dollar, Freundchen.

Jesus sprang auf und drückte ihm die Magnum ins Gesicht.

-Ich polier’ dir die Fresse.

-Ich brauch Blut. Die Leute wollen Blut sehen. Blut und Leid.

-Leid?

-Das Leiden der anderen. Die Loser Geschichte: Mich hat’s nicht erwischt, der Nachbar wurde umgebracht und so. Die Menschen schaudern kurz. Und sagen: Ich bin noch einmal davongekommen. Das ist der Effekt. Der Grusel.

-Mach hier nicht auf Philosophie.

-Leg jemand um. Du hast ne Gage bekommen.

-Und wenn ich dich umlege?

-Mach keinen Scheiß.

Sarah Liebkind alias Tom Bourgeoise

Seemann, Musiker, Chansoneur, Chef.

Der Mann mit der Ibanez Joe Pass Serie Gitarre

Immigrant in Kanada & USA

Lebt in Ajiic, Mexiko

Meist auf der Plaza vor der Kathedrale

Oder am See Chapala

Oder auf der Sierra Wandern

Part Time Stuttgart

Meist im Bix oder Cafe im Kunstmuseum

http://www.youtube.com/watch?v=IHW1rjtbdlE
07:19 05.07.2012
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