Der schöne Seemann Erdbeben von Tahiti

Literaturskizze Nach dem Erdbeben herrscht eine gewisse Anarchie. In Tahiti, ein Inselstaat in der Karibik. Die Frau des Arztes geht fremd, da sie sich in einen Seemann verliebte
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1 Am Horizont war das Schiff zu sehen, auf das sie wartete, bald würde der Kahn in den Hafen einlaufen. Zum Schutz gegen die sengende Sonne trug sie einen Schirm, was auf dieser karibischen Insel nicht ungewöhnlich war. Kolibris flogen durch die Luft, im Bracken Wasser stapfte eine Flamingo umher. Es war heiß. Feuchtes Klima. Brütende Hitze. Die Kleidung klebte auf der Haut.

Morgen, Frau Doktor. Morgen. Ihr Mann hat seit dem Erdbeben alle Hände voll zu tun. Ja. Das stimmt. Die Cholera geht um. Vorsicht Wasser. Ich trinke nur Import Wasser. Das ist gut so, Frau Doktor. Ihr Mann erwartet Medizin. Es ist bestimmt auf dem Schiff. Ja, das hoffen wir alle.

Obgleich sich die Zeit verändert, bleibt der Flamingo am Ufer stehen und blickt die Frau gleichmütig an. Spielte für Tiere die Zeit keine Rolle?

Ein Händler bietet Kochbananen an. Der Kasten ankert in der Bucht, weil der Kahn dort geschützter war, als im Hafen

Der Kasten ankert in der Bucht, weil es geschützter war, als im Hafen. Es konnte zu Nachbeben kommen. Ein Rettungsboot taucht auf. Sie ist aufgeregt. Er ist es. Er springt auf das Kai, elegant wie ein Balletttänzer. Sie ist unvorsichtig. Sie gehen in die Innenstadt. Bettler, deren Unterkünfte zerstört waren, strömen durch die Gassen. Sie war berührt von den umherirrenden Menschen, ihrer Not und von ihren von der Angst gezeichnete flehenden Augen. Sie gab etwas Geld. Sofort hingen Kinder an ihrem Rockzipfel. Der Matrose verscheucht sie. Er trägt ein Unterhemd ohne Ärmel, er ist ein Kraftpaket von maskuliner Gewalt.

Sie finden ein kleines Hotel. In der Nähe der Kathedrale. Sie sind wie zwei Magnete. Sie findet ihn anziehend. Ja, er hat wunderbar glitzernde Diamantenaugen in denen die Kraft des Lebens eines Mannes singt, der sie nimmt, ohne zu zögern, ohne Worte, als sei sie seine Beute. Er reißt ihre Kleider vom Leibe. Stummheit. Seine Kraft, sein Wille ist animalisch, jetzt ist es die Sprache der Tat. Seine Hände gleiten über ihren Körper. Sie tauschen Küsse und Speichel aus. Sie gibt sich ihm hin, mit verschlossenen Augen, ihr Gesicht ist ein Maskenspiel der Verzückung, das sich je nachdem verändert, je tiefer er in sie eindringt. Sie stöhnt. Sie verspürt Schmerzen und Wollust. Er füllt sie aus. Sie scheint über dem Bett zu schweben. Es ist ein Erdbeben, als sie kommt. Es folgen kleinere körperliche Stromstöße, Nachbeben. Nach dem Liebesakt setzt Müdigkeit und eine leise schwebende Ernüchterung ein. Er raucht eine Gitane. Er zieht sich an. Ich muss zum Schiff zurück. Warte? Ein Adieu. Er geht. Sie liegt nackt auf dem Bett. Gedanken tröpfeln aus dem Unterbewusstsein hervor, wie Wasser aus der Quelle. Dieses blöde zerstörende Gewissen. Sie hasst es. Sie hat es getan. Merde. Sie verspürt keine Schuld, aber sie denkt an ihren Mann. Es ist dieser Zwiespalt, er ist das gasartige geruchslose Gift.

Sie geht zum Hospital, das überfüllt ist. Er ist müde. Er hat rund um die Uhr gearbeitet. Ihr Mann sagt. Die versprochene Arznei war nicht mit dabei. Und das Wasser? Eine Palette. Gott sei Dank. Die Cholera wütet. Warst du im Hafen? Nein, sagt sie. Er sieht sie schweigend an. Ich liebe dich, raunte sie. Ich weiß. Sein Lächeln zeichnet seine Gedanken nicht auf sein Gesicht. Sie küsst ihn auf die Stirn. Er umarmt sie. Er mag ihren Geruch, ihre Augen, in denen er Schmerzen erkennt.

Ihr ist sein Schweigen lästig. Sie redet, dummes Zeug: Ein grünes Chamäleon sitzt in der Ecke. Siehst du das? Was? Das Tier. Nein! Hörst du wieder Stimmen? Ich bin glücklich. Du siehst verändert aus. Ich war spazieren. Die Not der Menschen greift mich an. Er lächelt.

Sie geht in den Garten. Setzt sich auf eine Bank Im Garten auf dem braungrünen Gras. Ein watschelnder dunkelbrauner Pelikan liebäugelt mit ihr. Im Käfer der Papagei Joker, der krächzt: Liebe ich liebe dich Liebe. Seine Kakaostimme ist belegt. Willst du mit mir reden?

Ja. Danke, krächzt er. Wo warst du? Sie weiß es nicht, ob sie sich das einbildet. Sie sehnt sich nach dem Seemann.

Das Verlangen und sehende Gefühl bleibt. Sie sah die Kiefer- und Regenwälder, die sich über Hügel und Bergrücken hinwegzogen. Der Dschungel flößte ihr Angst ein. Wenn man ihn betrat, fühlte man sich in eine düstere archaische Welt zurückgeworfen.

Im Bett liest sie ein Buch. Sie denkt an den Seemann. Sie schlägt das Buch zu. Ihr Konzentration ist gestört. Hunderte von Gedanken schießen durch ihr Gehirn. Ihr Mann drängt, er hat körperliche Gefühle. Verlangen. Er legt sich auf sie.

Sie öffnet die Beine, er dringt in sie ein. Ihre Scheide wird feuchter. Sie hält ihn fest. Sie spürt, wie er entkrampft. Beide zittern. Er ist entspannter. Naja, war ein blöder Tag. Er schläft ein, während sie wacht. Sie wünscht sich ein Kind von Georg, obschon ihr Verlangen nach dem Seemann größer war, als ich ihr Wunsch mit Georg zu schlafen. Seltsam: Sie liebt beide Männer.

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Als sie Georg kennenlernte, war sie fasziniert von ihm, es war mit ihm, seinem Wesen, der Mensch-Wahrheit an sich, als blicke man durch ein milchige schimmerndes Glas.

Es schien, als verweigere er Einblick in tiefe Gefühle von ihm, oder dies war einfach ein Teil seines Wesen, das verklärt war, wie eine gerade angesetzte Kraftbrühe.

Sie drängte auf Klärung, er schwieg. Für sie schien es vernünftig zu sein, die mikroskopische Angst vor Georg zu verschweigen, den winzigen molekulare Teilchen, die im Inneren für sie Abbildungen der Seele waren und wie flirrende Watteknäulchen erschienen, waren undurchsichtig und sie nahm das in Kauf, wegen der Ehe, in der sie damals Vorteile sah, die aus einer Aussicht auf ein behütetes Leben bestand.

Ihren Mann lernte sie auf einem Kreuzfahrtschiff kennen. Sie war jung und arbeitete als Krankenschwester. Sie ging nach dem Landgang in Key West sofort zum Hospital, das sich nach und nach füllte. Es herrschte schlechtes Wetter. Das Schiff spürte die Ausläufer einen Hurrikans. Sie gab den Kranken Pillen gegen die Seekrankheit.

Sie assistierte dem Schiffsarzt. Meist ging es um Lappalien wie Erkältungen, Fieber, Zahnschmerzen, Virusinfektionen und ab und an Durchfälle. Das Schiffs- Personal und ältere Patienten mit Vorgeschichten betreute sie auch.

Diarrhö Erkrankungen musste sie dem Kapitän melden,das war Teil der Hygiene Vorschriften. Auf einem Schiff bestand immer die Gefahr, das eine Epidemie ausbrach. Sie war penibel. Jeder Besuch, jeder Krankheit notierte sie in ein Tagebuch. Fügte Datum und Uhrzeit hinzu.

Als George das Hospital betrat, traf sie ein Blitzeinschlag. Ihr Magen sendete betäubende kosmische Signale aus.

George Kahn, stellte er sich vor. Angenehm. Ich brauche ein Schmerzmittel für meine Frau. Der Arzt ist noch nicht da. Ich kann ihnen momentan nur Aspirin geben. Unsere Apotheke ist nicht so toll bestückt. Wir warten auf eine Ladung Arznei. Gut, ich begnüge mich mit Aspirin. Er trug einen weißen Cotton- Anzug, ein offenes weißes Hemd. Er sah gepflegt aus.

Sein französischer Akzent empfand sie als anziehend. Seine Haut glänzte zimtbraun. Aber neben den guten Gefühlen, die nun wie ein Virus durch ihre Seele und Körper schwirrten, flößte er ihr auch Angst ein. Sie war froh, als er ging. Sie atmete tief durch. Ihre eigenen keimende Gefühle waren ihr fremd. Dieser Mann hatte sie verzaubert. Sie beschäftigte sich mit Patienten, um sich abzulenken.

Als er sie zum Essen einlud, zögerte sie, zitternd betrat sie den Speisesaal, ein Kellner brachte sie zum Tisch, sie war überrascht, eine Frau saß mit am Tisch. Das ist meine Frau, sagte er. Sie war eine Weiße. Ihre Figur war weiblich, sie hatte aber schöne Gesichtszüge. Wir suchen für das Hospital in Port au Prince Krankenschwestern, sagte sie. Aber wollte sie nach Haiti? Und jetzt wo es heraus war? Er war ein verheirateter Mann.

Nach dem Essen ging seine Frau auf ihr Kabine. Rosa leidet an Migräne, sagte er. Sie gingen zur Bar. Er war älter als sie. Sie war fünfundzwanzig und er fünfundvierzig. Wollte sie so einen älteren Mann heiraten? Ihr Gedanken wogen hin und her. In ihrer Fantasie malte sie sich viele Dinge aus. Gute und Böse. Würde sie sich einem Mann ausliefern?

Sie war Jungfrau. Er sagte: Meine Frau und ich führen eine moderne Ehe. Als er seinen Arm um ihre Schultern legte, zitterte sie. Es war ein Gefühl, dem Geschmack von Schokolade ähnlich. Es mischte sich mit Angst und Unsicherheit. Sie hatte keine Erfahrung mit Männer. Bis auf die Affäre während des Tanzkurses. Dieser schüchterne Junge taumelte vor Augen, als sie die schloss.

Er zeigte ihr eine Kladde. Das ist mein Tagebuch. Ich habe noch immer die Hoffnung eines Tages Dichter zu werden. Ich will über mein Volk schreiben. Es gibt nur wenige Dichter auf unserer Insel.

Der Bar- Kellner brachte Champagner. Moet. Und Erdbeeren mit Schokolade überzogen- All dies sprach die Sinne an.

Sie fügte sich in seine Arme, sie spürte seinen Körper. Sie hatte die kalte Mauer, die es zwischen fremden Wesen oft gab, überwunden. Es war die Fügung, der sie sich auslieferte. Sie hatte keine klare Gedanken. Nur ein Bienenstock im Kopf.

Nach Mitternacht trennten sie sich. Er küsste sie auf dem Flur. Was denkt deine Frau darüber? Nichts. Sie ist eine moderne Frau. Sie weiß, ein Mann kann mit einer Frau nur nicht auskommen. Ich will es aber nicht, fauchte sie. Er umarmte sie. Sie entzog sich seiner Umarmung. Sie lag die ganze Nacht über wach. Am Morgen ging sie in das Hospital.

Das Meer war aufgewühlt. Rough sea, Passagiere fühlten sich schlecht. Kalter Schweiß klebte auf der Stirn. Der Gleichgewichtsinn spielte verrückt. Ein Wirbelsturm tobte über dem Meer. Es war ein Seetag.

George wollte sie sprechen. Er wartete im Bistro., das leer war. Es lag am Wetter. Er saß an der Bar. Neben ihm seine Frau. Sie lächelte. Ma blieb stehen. Ich baue ein Hospital in Port Au Prince. Ich benötige Krankenschwestern, sagte er.

Warum nehmen wir sie nicht als Au Pair, sagte sie. Sie wohnte im Haus und das wäre doch praktischer. Ma zitterte. Die beiden schienen über ihr Schicksal zu entscheiden. Kost und Logis haben sie frei. Ma überlegte. Auf dem Schiff konnte sie nicht malen. Sie litt an Klaustrophobie. Die enge Kabine nervte sie. Sie war nicht kreativ, als sei ihr Talent zum erliegen gekommen. Wenn sie malte, meditierte sie. Malen, das war, als starre man in der Kirche auf den Alter, mit hölzernen geschnitzten Jesus.

Sie haben zwei freie Tage, warf George ein. Sie schwankte, zaudern, wogten ihre Gedanken hin und her, wie ein Boot ohne Steuermann. Was lesen sie gerade?, fragte Rosa. Die verlorene Zeit von Marcel Proust. Sie werden Mitglied in unserem Literaturklub, sagte Rosa. Sie war aufgekratzt, begeistert. Sie schien ohne Eifersucht zu sein.

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Das Haus der beiden lag auf einem Hügel, am Rande von Port Au Prince. Ma bekam ein Zimmer. George kaufte ihr eine Staffelei. Farbtuben. Pinsel. Ma genoss die Freiheit. Für den Haushalt und Garten sorgten Einheimische.

Rosa war etwas altmodisch. Sie lud andere Frauen zum Lesetag ein. Es gab Kaffee und Petit Fours, kleines süßes Gepäck. Ma liebte Marzipan. Und Schäumchen. Merinque. Diesesmal war ein einheimischer Dichter zu Gast. Roger. Eines Tages werden sie einen karibischen Roman schreiben, sagte sie, nachdem er vorgelesen hatte. Er sah Ma wie gebannt an. Er war ein schöner Mulatte, mit blitzgescheiten Augen, schmalen Lippen und Spitzbart. Ma zierte sich, sah zu Boden.

George war noch wohlhabend, wenn man sah, wie arm die Bevölkerung der Insel sah. Sein Vater war durch Kakao Plantagen reich geworden. Vielleicht wirkte deswegen George so souverän. Seine Erziehung war liberal. Großzügig. Mit Papa Doc Duvalier war die Familie befreundet gewesen. Er kannte nur ein Leben mit Hauspersonal. Die Plantage war verpachtet, der Ertrag war auf dem Tiefpunkt angelangt.

Zur Plantage gekommen waren sie um 1800- 1802 nach dem Sklavenaufstand. Und Georges Vorfahren waren selbst Sklaven, die von Toussaint L’Ouverture und dessen Revolution profitiert hatten.Sie waren die Sieger des Sklavenaufstands. Glücksritter. Immer hatten sie das Fähnchen in den Wind gedreht, wie er übers Land gefegt war. Jetzt wurde es für George immer schwieriger. Das Vermögen löste sich auf. Jedes Jahr wurde es weniger. Haiti war ein armes Land.

Nachts kam George in ihr Zimmer. Er legte sich zu ihr. Er nahm sie, wie ein Tiger eine blutende Antilope erlegte. Sie ließ es geschehen. Sie mochte den Geruch, seinen Körper, sein Glied füllte sie aus. Wenn er kam, bäumte sie sich auf, wie ein Tier, das in den letzten Zuckungen war. Sie schrie. Und sie war sicher, Rosa, seine Frau, würde die Lustschreie hören.

Am Morgen am Frühstückstisch lächelte Rosa. Als George weg war, sagte sie, ich bin happy, wenn George glücklich ist.

Es macht ihnen nichts aus? Nein, nenn mich Rosa. Ich kann ihm das nicht bieten. Warum? Sie sind wie geschaffen für seine Lust. Ich bin unbegabt im Bett. Er ist unersättlich, wie ein läufiger Hund.

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Als ihre Liebesgeschichte mit dem Seemann begann, war Ma oft in der Stadt unterwegs, sie war eine gute Beobachterin, nach dem Erdeben sah George ihre Ausflüge nicht gerne. Sie traf George unterwegs, vor dem Palast des Präsidenten. Du gehst nicht zu den Zelten, Ma. In der Zeltstadt gibt es viele Verbrecher, die aus dem Gefängnis ausgebrochen sind, sagte er. Komm mit, ich fahre zurück! Ma: Ich will helfen. Da kümmern sich Leute drum, raunte er. Er trug einen altmodischen weißen Baumwolle- Anzug. So stieg sie ein zu ihm in die Limousine.

Am nächsten Tag kam sie zurück. Sie wanderte durch die Zeltstadt. Da sah sie den Seemann. Er stand mit einem dunkelhäutigen Haitianer zusammen.

Sarah Liebkind alias Billy Gutman

Texter, Sänger, Gitarrist, politischer Aktivist

Soziale Gerechtigkeit

OST WEST Versöhnung

Wahrheit- Klarext Politiker

Vorsitzender der weißen List, die

2017 Bundestagswahl antreten wird.

Ziel: Ein unabhängiger Kanzlerkandidat

Keiner Partei angehört

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07:14 11.01.2013
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