Erinnerung an Curzio Malparte

Frischfleisch Die Haut Roman über Neapel am Ende des 2. Weltkrieg
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Die Haut ist ein Text, der auf dem pad oder kindle gespeichert sein sollte, der in der Umhängetäsch liegt, wenn du in alten Städten in Italien am flanieren bist, Espresso, Ramazotti, nach den Bordellen, dem Dolce Vita, dem Straßenstrich suchen. Ein bisschen Fellini Flair einfangen, mit dem Schmetterlingsnetz.

Tintenfisch vom Grill, mit Knoblauch und Zitrone. Vino Tinto. Auf den römischen Treppen.

Leider ist der Roman nur mit Glück auf dem Flohmarkt zu finden.

Im Roman von Malparte geht es um die Freundschaft zwischen einem amerikanischen und einem italienischen Soldaten. Der Verbindungsoffizier Malaparte macht seine Runden in Neapel, zusammen mit dem Ami.

Er kommt zu den Ecken und dunklen Gassen, wo es Liebe zu kaufen gibt. Und die Angebote ähneln den heuten Eros Landschaften, die Liebesdienerinnen werden in Neapel immer billiger angeboten. Heute gibt es Flatrate Puffs. Billige Nutten aus Osteuropa wildern auf den Straßenstrichs.

Das Thema ist so uralt wie die Erde.

Malparte schreibt über das Ende des 2. Weltkrieg. Die Amis sind dabei Italien zu befreien. Die Soldaten brauchen Sex. Alkohol.

Ein Zuhälter jammert: Es gibt zu viel Waren, aber zu wenig Nachfrage.

Die Rede ist von Frischfleisch, das es in die Stadt schwemmt, Frauen, Waisen, auf der Suche dem Glück, die verhökert werden, denn die Gis sind hungrig. Und wenn du willst gibt es auch Kinder im Angebot, Jungs.

Alles was die Menschen so suchen. Wird zur Ware.

Heute würde so ein Roman kaum einen Verleger finden, da solch eine messerscharfe Literatur nicht gefragt ist. Die bringt kein Geld. heute kann jeder sich was einbilden, wenn er einen Blog im Internet absondert und sich dabei fühlt, als sei er auf der Höhe der Zeit.

Der Roman Die Haut war, als der Text veröffentlicht wurde, ein Skandal, der Autor wurde weltberühmt.

Das letzte Mal, wo es zu einem gewissen Eklat kam, war beim erscheinen der Bücher von Michel Hollebeque: Elementarteilchen und Plattform.

Die Deutschen lieben es ein bisschen verschlüsselt, man redet gerne um den heißen Brei herum, Naturalismus ist nicht so gefragt.

Heute ist ohnehin alles durchgekaut. Auf einen Blog folgen zig Tausende von Blogs und alles verschwindet im Orkus des Internets. Und die Buchhandlungen werden überschwemmt mit Büchern, die am Ende verramscht werden.

So war der Autor zumindest happy, als er den Text schrieb und in seinem Thema und seinen Gedanken versank. Und Malparte wußte, daß er mit dem Roman die Welt nicht verändern würde, da er ein Denker war.

Auszug Die Haut:

Der Totenkarren war bereits in der dunklen Gewirr der Forcella Gassen verschwunden, und das Jammern der angehörigen, díe dem Trauerwagen folgten, verlor sich allmählich in der Ferne.

Negersoldaten glitten den Mauern entlang oder blieben auf der Schwelle der „Bassi“ stehen und verglichen den Preis eines Mädchen mit demjenigen eines Päckchens Zigaretten oder eine Dose Corned Beef.

Jimmy und ich gingen schweigend durch das dichte stickige Dunkel, bis wir an einem Haus mit halb offener Tür gelangten, wir stießen sie auf und blieben auf der schwelle stehen

Das innere des schmutzigen Raumes war von dem weißen gellen Lampe erhellt. Die auf der Marmorplatte einer kommode stand. Zwei Mädchen in aufdringlichen Kleidern standen in der mitte des Zimmers.

Sie war üppige Schönheiten diese beide Mädchen, ihre dunkle Gesichtsfarbe lag unter weißen dicken Schicht Puder verborgen,sodass sich das Gesicht wie eine Gipsmaske vom hals abhob.

Glossar:

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Curzio Malaparte (* 9. Juni 1898 in Prato in der Toskana; † 19. Juli 1957 in Rom; eigentlich Kurt Erich Suckert – das ab 1925 verwendete Pseudonym Malaparte bedeutet wörtlich übersetzt der schlechte Teil und ist eine Anspielung auf Bonaparte, der gute Teil) war ein italienischer Schriftsteller und Journalist.

Malaparte war der Sohn des aus Zittau in Sachsen stammenden Textil-Ingenieurs Erwin Suckert und der aus Mailand stammenden Edda Perelli. Er besuchte das Gymnasium Cigognini in Prato und wurde 1911 Mitglied in der Partito Repubblicano Italiano. 1912 erschienen seine ersten Gedichte im Druck. 1913 wurde er Herausgeber einer satirischen Zeitschrift. Im Ersten Weltkrieg meldete er sich mit 16 Jahren als Freiwilliger und wurde 1918 mit der italienischen Tapferkeitsmedaille in Bronze und dem französischen Kriegskreuz mit Palme ausgezeichnet. In Folge eines Gasangriffs litt er bis Ende seines Lebens an einem Lungenschaden.

Nach dem Krieg trat er in den Diplomatischen Dienst ein und wurde 1919 Attaché der italienischen Gesandtschaft in Warschau. Er sympathisierte zunächst mit dem Faschismus, wurde bereits 1921 Mitglied der Partito Nazionale Fascista und war 1922 Teilnehmer beim Marsch auf Rom. 1926 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Zeitschrift 1900 - Novecento, die sich die Erneuerung und Entprovenzialisierung der italienischen Kultur zur Aufgabe gemacht hatte. 1900 sollte eine Auseinandersetzung mit der internationalen Kulturavantgarde ermöglichen und einen Beitrag leisten, um zukunftsorientierte Formen der Literatur zu entwickeln. Der Faschismus wurde dabei als eine mögliche Zukunftsperspektive mit einbezogen. 1927 verließ Malaparte die Redaktion von Novecento und wechselte zur Strapaese - Bewegung, die das entgegengesetzte Programm verfolgte und das provinzielle Volkstum als Ursprung und Mitte der italienischen Kultur auffasste.

Mit seinem Buch Viva Caporetto!, später erschienen unter dem Titel La rivolta dei santi maledetti (Der Aufstand der verdammten Heiligen) löste er bei den Faschisten Proteste aus; er beschrieb darin seine Kriegserlebnisse. In der Folge wurde er aus dem diplomatischen Dienst abberufen.

1928–31 war er Chefredakteur der großen Tageszeitung La Stampa und der kleineren Zeitschrift Fiera Letteraria. 1933 wurde er aufgrund kritischer Äußerungen verhaftet, aus der Partei ausgeschlossen und anschließend zu fünf Jahren Verbannung auf Lipari verurteilt. Im folgenden Jahr durfte er jedoch, nachdem einflussreiche Freunde (u. a. Graf Galeazzo Ciano, Schwiegersohn von Benito Mussolini) sich für ihn eingesetzt hatten, Lipari wieder verlassen. Er lebte in der Folge unter Hausarrest in der Toskana bzw. auf Ischia und konnte als Journalist, wenn auch vorerst nur unter Pseudonym, weiterarbeiten.

1937 gründete er die Literaturzeitschrift Prospettive. 1938 ging er als Korrespondent in das zwei Jahre zuvor von Italien annektierte Äthiopien. Im Zweiten Weltkrieg schrieb Malaparte als Kriegsberichterstatter für die Mailänder Zeitung Corriere della Sera in Nordafrika, Frankreich, Deutschland sowie 1940–45 auf dem Balkan, Finnland und Russland. Dort entstand Die Wolga entspringt in Europa, Augenzeugenberichte von der Ukraine-Front und der Belagerung Leningrads, die 1943 veröffentlicht wurden. 1945 wurde er Verbindungsoffizier der Amerikaner. In der Nachkriegszeit wandte Malaparte sich dem Kommunismus zu. Während einer Auslandsreise nach China wurde bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert.

Werk

Noch während des Zweiten Weltkrieges und danach erregte Malaparte großes Aufsehen mit seinen Romanen Kaputt (1944) und Die Haut (1949), in denen er drastisch-realistisch (kritische Stimmen sagen: reißerisch), gleichzeitig distanziert Grausamkeit und Gewalt des Krieges beschrieb.

Neben realistischer Prosareportagen wie die genannten Romane, schrieb er außerdem lyrische und essayistische Texte und auch einige Theaterstücke, darunter Du coté de chez Proust, Das Kapital (beide 1951) und Anche le donne hanno perso la guerra (1954)

Villa Malaparte

Erwähnenswert ist Malaparte auch als Bauherr der Villa Malaparte, einer wegen ihrer architektonischen Formensprache gerühmten Villa am Capo Massullo auf Capri, die er Ende der 1930er Jahre von dem prominenten Architekten Adalberto Libera errichten ließ. Er bezeichnete das Haus als „una casa come me: triste, dura, severa“ („ein Haus nach meiner Art: traurig, hart, streng“). Das Haus wurde von Malaparte der Volksrepublik China vermacht, ist aber nach einem langjährigen Rechtsstreit derzeit wieder Privatbesitz. Es zählt auch heute noch zu den bekanntesten und eindrucksvollsten Gebäuden der Welt. Detailliert zu sehen ist das Haus in dem Godard-Film Die Verachtung.

Werke

Der Aufstand der verdammten Heiligen (1921)

Die Technik des Staatsstreichs. politische Essays (1931)

Blut. Erzählungen (1937)

Die Wolga entspringt in Europa. Reportagen (1943)

Kaputt. Roman (1944)

Das Kapital. Ein Theaterstück. Berlin (Karin Kramer Verlag) 1982

Die Haut. Roman. (1949)

Die Haut ist im Stahlberg Verlag Karlsruhe erschienen, evtl. im Antiquariat zu bekommen.

Ergänzend für die Atmosphäre:

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Federico Fellini (* 20. Januar1920 in Rimini; † 31. Oktober 1993 in Rom) war ein italienischer Filmemacher und gilt als einer der wichtigsten Autorenfilmer des 20. Jahrhunderts.

Die Nächte der Cabiria (Originaltitel: Le Notti di Cabiria) ist ein Spielfilm des italienischen Regisseurs Federico Fellini aus dem Jahr 1957. In dem Drama steht eine römische Prostituierte (gespielt von Fellinis Ehefrau Giulietta Masina) im Mittelpunkt, die trotz Enttäuschungen und Demütigungen von Männern ihre naive Hoffnung auf Liebe und Glück nicht aufgeben will. Thematisch ist Cabiria eine optimistische Variation der Gelsomina aus Fellinis La Strada – Das Lied der Straße (1954), die ebenfalls von Masina verkörpert worden war.

MicheL:

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/6a/2008.06.09._Michel_Houellebecq_Fot_Mariusz_Kubik_01.jpg/220px-2008.06.09._Michel_Houellebecq_Fot_Mariusz_Kubik_01.jpg

Michel Houellebecq [wɛlˈbɛk] (eigentlich Michel Thomas; * 26. Februar 1956 oder 1958 auf Réunion) ist ein französischer Schriftsteller. Heute lebt er in Irland und auf Lanzarote. Houellebecq gilt in Frankreich zurzeit als der meistgelesene, aber auch umstrittenste Autor seiner Generation.

Ausweitung der Kampfzone(Extension du domaine de la lutte, 1994). Rowohlt, 2000,

Elementarteilchen (Les particules élémentaires, 1998), List, 2001

Plattform (Plateforme, 2001). Rowohlt, 200

Die Möglichkeit einer Insel (La possibilité d'une île, 2005), Dumont

Karte und Gebiet (La carte et le territoire, 2010) übersetzt von Uli Wittmann; DuMount Buchverlag, Köln 2011

Wikipedia
06:47 21.09.2012
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