Im Bauch des weißen Wals

Moderne Sklaven Slave Ship/ Unter Deck auf einem Kreuzfahrtschiff
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1 Auf der Flucht vor sich selbst, heuerte er auf einem Kreuzfahrtschiff an. Die meisten Menschen betrachten das Seemannsleben mit einem romantisch Blick. Seit 2 Wochen war er auf der Galeere. 12 Stunden Tag, 7 Tage Woche, 6 Monate du jour, ohne frei, morgens um 7 in der Küche, bis 14 Uhr, 16 ging es weiter, bis 22 Uhr. Die Illusionen waren wie weggeblasen.

Nun war er nüchtern, auf einen Schlag, wie nach einem Rausch, der Arsch ging ihm auf Grundeis, er war angeschlagen, wie ein malader weich geprügelter Boxer: Blasen an den Füßen, die Schuhe drückten, spürte er seinen Körper und Knochen, wie nie zuvor, die Gedanken wogen hin und her: Sollte er kündigen? War es besser, das Handtuch zu werfen?

Zwiesprache, Gedankenketten schwirrten durch den Kopf, Sätze: Gelobt sei was hart macht, hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder. Ihm fiel das Wort KZ ein. Diese Schiffsküche war Knast. Ein Arbeitslager. Ihm standen Tränen in den Augen, er dachte an seine Eltern. Heimweh.

Er las eine Weile im Steppenwolf von Hesse, hörte er ein paar alte Lieder von Leonard Cohen. Er warf die Kopfhörer ab. Er warf sich hin und her.

Er war hundemüde, es war unmöglich, zu schlafen. Das Meer tobte und bellte, wie ein geprügelter Hund. Grelle Pfeif-Geräusche weckten ihn. Der Stahl ächzte, Wellen schlugen gegen den Dampfer. Auf dem Flur Lärm. Der Hurrican Roxanne war ein Dämon, ein Gespenst der Naturgewalt, die Koje schwankte, das Bullauge sah aus wie ne Waschmaschine, das das Wasser umherschleuderte.

Merde. Um 6 Uhr antreten. Stramm stehen, in der Küche. Er war zum Frühstück eingeteilt. Eine frühe Landung in Mexiko war geplant. Da war viel los. Die Passagier wollten an Land, hatten Ausflüge gebucht. So war ein schneller Service wichtig.

Nun spuckte Gott in die Suppe.

Sein Leben schweifte an ihm vorbei, wie in einem Film. Es waren Polaroid Kopf Schnipsel. Nie hatte er die Familie verlassen wollen, das Paradies, und nun war in die weite Welt geraten, in den Ring gestiegen: der Kampf war hart, ein Kampf um das tägliche Brot.

Das Leben drohte ihn zu verschlingen. Er hatte Angst, dass ers nicht packen würde.

Ein Seemannsleben bestand aus harter Arbeit und einem kargen Leben, es bestand aus Einsamkeit, die wie ein Virus an ihm nagte, darauf war er nicht vorbereitet. Seine Kabine war nicht größer als eine Gefängniszelle. Dusche, WC, ein Bullauge, ein 2 ½ Meter breit, 3 ½ Meter lang. Ihm fiel die Decke auf den Kopf.

Suchst die nicht die Freiheit?, raunte er, und nun bist du nur am Malochen? Wie ein Ochse? Ist das die gesuchte Freiheit?

Er war im Gedärm des weißen Wals auf Deck 4. Es roch nach Seawage. Den Abwasserröhren, der Pissegeruch war widerlich. Er wälzte sich hin und her. Er ging zur Toilette. Er übergab sich. Er trank einen Schluck Wodka. Spülte den bitter Geschmack des Mundes nach. Pennen war nicht drin. Dann Halbschlaf. Dösen. Traumschlaf. Er schreckte hoch, schwitzend, Schweiß gebadet.

Er stand auf, ging im Schiff umher.

Die Pool Bar war beschädigt. Die Wellen schlugen gegen die Brücke.

Passagiere lagen in Decken gehüllt auf dem Boden des Amphi- Theaters.

Der Kapitän nahm neuen Kurs auf. Weg von der Küste Mexikos. Er drehte ab.

Auf See war es leichter, neue Manöver zu steuern. Sie konnten nicht anlegen, rechtzeitig.

Tom rutschte auf dem Deck aus, das Parkett war glatt, wie eine Eisfläche, der Regen peitschte. Der Himmel war schwarz, zornig. Blitze am Horizont.

Besser er ging zurück.

Plötzlich wachte Tom auf, mit einem Ständer, er wichste, unter der Dusche, es ging nix, der Druck lastete auf ihm, einseifen mit indischer Seife, dann eierte er in die Küche. Schwankend. Mit dicken Eiern. Die schmerzten.

Er ging zum Suppenposten, arbeitete an den großen Kesseln.

Mit Rinderknochen setzte er eine Brühe an: Kaltes Wasser, drüber, blanchieren, abspülen, neu ansetzten, mit kalten Wasser, und wenn ers kocht Bouquet Garni zugeben: Thymian, Knoblauch, Lauch, Karotten, Wurzelsellerie, Lorbeerblatt, Zwiebel mit Schale halbieren, auf dem Ofen rösten, dann ab in die simmernde Suppe.

Er ging in die Crew Kantine. Ein Katzensprung. Ein kurzer Weg. Wenige Schritte.

Am Serviertresen aus Edelstahl, er schöpfte: Rührei, Toast, Speck. Ein Becher Muckefuck, Kaffee. Ein Glas Milch.

Mit dem Plastik- Tablett, ging er zu einem Tisch.

Er mied die einfachen Köche. Er war Souschef. So und so: Er fremdelte. Lieber allein sitzen.

Mit den Flipsen, den Yellowmen konnte er nix anfangen. Auf dem Teller ein Berg Reis schlürften sie Suppe, schmatzend. Sie naschten Reis mit den Fingern.

Der Franzose setzt sich zu ihm: „Gehst du mit?“, fragte Michel.

„Wohin?“

Er wischte über die verklebten Augen: „Trese Media.“

„Was ist das?“

„Merde, Weiber, Sodome et Gomorrhe, Putains. Ein Bordell, in Cozumel, Amigo“, raunte er.

Er war blond und schmächtiger Terrier-Typ.

Tom freute sich auf Mexiko. Doch der Sturm schien einen Strich durch die Rechnung zu machen. Michel sah ihn mit durchdringendem Blick: „Und, kommst du nun mit?

Ein Ruck:„Klar, geh ich mit!“

Er war nie in einem Puff. Er war schüchtern. Und was Frauen betraf, ein Spätentwickler.

„Du wirst es nicht bereuen!“, sagte Michel.

Sie futterten.

Die Scheißhausparolen gingen von Mund zu Mund. Michel und Tom horchten. Spitzten die Ohren.

„Nix. Ficki- Ficki“, raunte ein philippinischer Koch.

„Was?“

„Heute nicht Trese Media, nicht Cozumel.“

„Wieso?“, fragte Michel, erstaunt.

„Hurrikan macht Landung unmöglich.“

„Woher weißt du das?“

„Mein Bruder arbeitet…Brücke“, sagte der Gelbe.

„Sie wissen immer alles, bevor wir es wissen“, sagte Michel, der mehr Schiffserfahrung als Tom hatte.

„Scheiß Philippino Mafia!“

Er tunkte einen Croissant in die braune Kaffeebrühe, schweigend.

Tom salzte die Eier. Der Speck war knusprig.

Sie gingen in die Küche.

Der Tag begann, wie die Nacht begonnen hatte: Schwankendes stöhnendes stählernes Schiff. Der verschweißte Wal. Mit Diesel-Motor und Schraube. 12 Decks. 3000 Passagiere, der Koloss, ein Spielball der Natur, stöhnte, wie ein Freier während der Peitschenhiebe der Domina im SM Spiel.

Der Himmel übergibt sich, als wolle Gott eine neue Erde schaffen. Passagiere schlucken Tabletten gegen die Seekrankheit, das kleine Krankenhaus an Bord ist überfüllt.

Ein Offizier im Ölmantel & Gummistiefeln rennt durch die Küche, Galley.

Fuck. Roxanne ist ein Biest, raunt er. Ein Monster. Er hat Hunger. Er will uns verspeisen. Er schaut nach den Rettungsbooten.

Trotz der rauen See kamen Gäste zum Frühstück, in der Hoffnung, das Schiff würde vor der Küstern ankern. Es war längst auf dem offenen Meer. Der Kapitän hatte die Route geändert.

Den Köchen ging es mies. Schweißausbrüche. Gleichgewichtsstörungen, der eine oder andere musste sich übergeben. Viel Arbeit für den Küchenchef, das Team an der Leine zu halten.

Am Pass Kellner in schmucken blauen Uniformen, wie Soldaten aufgereiht. Sie warten auf ihre Bestellungen. In Reih und Glied.

Frühstück a la carte. Die Gäste bestellten nach Karte. Alles war verdammt hektisch. Knochenarbeit. Wolf im Arsch. Tam. Tam. Schweiß, Stress, Gebrüll, Hektik:

2 Käseomelette. 1 Eiweißomelette. Die pochierten Eier mit holländischer Soße.

„Yes, Chef, Egg Benedict.“

„Mensch, Tom, nimm den Finger aus dem Arsch“, rief der Küchenchef.

Diese harsche Sprache war ihm fremd. Serge, Franzose, war ein harter Hund. Hundertfünfzig Köche standen unter seiner Fuchtel. Er beobachtete Tom, der war Herr von 10 Pfannen, in denen er Eier buk, die einen braunen Rand bekamen. Einer wollte es gewendet, der andere mit Ochsenaugen. Der nächste nur Eiweiß. Der andere frittiert.

Tom haute zwei Eier in die Pfanne, dann umdrehen,Pfanne flippen,sodass das Eigelb leicht von einer weißen Schicht überzogen war. Als das Eigelb zerfloss, fluchte Serge.

„Mann, du bist ein Penner!“

„Er ist ein Philosoph und Denker, er ließt Camus, Chef“, warf Michel ein.

„Camus, Camus, Merde, er soll Escoffier lesen.“

Das Wasser kocht im Arsch. Der Hut ist an der Stirn aufgeweicht, Frühstück a la carte war die Hölle, und trotz des bösen Wetters, die meisten Passagiere versäumten keine Mahlzeit. Es knisterte.

Der Matelot wieder. Geht nix, raunt der Offizier, ein jovialer rothaariger Ire.

Er war für die Sicherheit zuständig, die Notfallpläne, Rettungsboote, Notfall- Training.

Serge redet mit dem Rotschopf: Wie geht es, Rob?

Momentan ist Übersetzen unmöglich. Und was passiert?, fragt Serge.

Weiß nur Gott und der Kapitän, sagt der Ire, er trieft vor Nässe.

Die Gummistiefel voll. Salzwasser geschluckt.

Viel Salzwasser, die Natur kotzt, spuckt Wasser über die Reling, Wellenbrecher klatschen gegen das Glas der Brücke.

Nach dem Frühstück beschäftigte Tom sich mit den Suppen.

Serge kam zu ihm, als er die Tagessuppe abschmeckte. Gulaschsuppe. Der Chef probierte.

„Hat Pfiff.“

Er schrie einen Gelbhäutigen an: „Die Bohnen sind zu weich.“

Er zerquetschte sie mit dem Finger. Er liebte das Gemüse knackig.

„Da musst du besser aufpassen, Tom. Das ist dein Job. Hol Eis und kühl das Zeug runter, Ronny.“

Ronny rannte zur Eismaschine. Sie gaben in einen Kessel die Eiswürfel und Wasser. Dann die Bohnen rein.

„Du wickelst die in den Speck ein.“

Er machte ein Bohnenbündel vor und ging.

Die Vorbereitungen für das Mittagessen liefen auf Hochtouren. Die Köche rannten wie Ameisen umher.

Ein Koch hackte Petersilie, der Gemüsekoch tournierte Karotten, der Saucier passierte Soße, Tom musste die Küche im Augen behalten.

Er vertrat den Suppenkoch, der malade war. Er hatte mehr am Hals, als sonst.

Wenn einer ausfiel, musste der Souschef einspringen, und er durfte die Köche nicht aus den Augen lassen.

Es gab jeden Tag vier Suppen, zwei klare und zwei gebundene, jeweils zwei für den Lunch, zwei für das Abendessen.

Sobald er mit den Vorbereitungen für das Mittagessen fertig war, machte er sich ans Abendgeschäft.

Durchs Bullauge sah Tom auf das Meer. Wo waren sie? Welchen Kurs hatte das Schiff genommen?

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2

Am nächsten Tag die See lag da, wie ein glatter grauer Teppich, wie eine Geliebte nach dem Beischlaf.

Die ganze Nacht würden sie hier verbringen und dann bis zum Spätnachmittag.. Neue Routen wurden von der Reederei und auf der Brücke geplant.

Der Himmel klar und blau.

Eine Mariachiband spielte im Restaurant, dann strömten die Musiker über die Rolltreppe in der Küche.

Serge motivierte so seine Küche. Er hatte das organisiert. Showtime, rief er.

Alle Mitarbeiten freuten sich, standen am Pass der Essenausgabe.

Die Kapelle spielten mexikanische Volkslieder. Es war eine 12 Mann Gruppe, die Gitarren, Vihuela, Guitarron, Geigen, Trompeten Töne entlockten.

Sie trugen spitze Cowboystiefel und breitkrempige Sombreros, schwarze Trachten, enge Hosen, mit gestickten Bordüren und Silberbeschläge und westenförmige verzierte Jacken.

Die Köche standen an ihren Ausgabestationen. Hinter ihnen auf dem Herd köchelten Fonds in den Töpfe, aus denen Dunstwolken hochstiegen. Die Jungs waren verschwitzt und erschöpft.

Das Essen der 2. Sitzung war serviert. Fin de Partie, raunte Serge. 1200 Essen pro Sitzung, serviert den Hauptgang in einer halben Stunde.

Sie würden sich duschen, umziehen, in die Stadt gehen. Den Mond einfangen, am Strand rumhängen, mit Chicas anbändeln. Bier und Tequila kippen. Tanzen, Singen, Träumen.

Die Band zog Leine.

Serge gab Kommandos: Küche putzen…Ramos!

Der Ernst des Lebens kehrte zurück. Die Arbeitstische waschen, die Kühlschränke. Die Lebensmittel in Kühlhäuser verräumen. Schauen, was im Mülleimer landete.

„Wash, rinse & sanitize!“, hallte Serge Stimme durch die Edelstahl Küche, die Blitz Blank sein musste.

Tom stand Wache, beobachte Köche, mit prüfendem Blick. Er checkte die Thermostate, ob die Temperaturen stimmten. Er fuhr mit dem Finger über Gummidichtungen, ein Abschlussrohr war schmutzig.

Er fauchte den Koch an: „Not clean…“

Der Commis zuckte zusammen. Tom klopfte auf seine Schulter. Die Berührungen halfen, um die Jungs bei Laune zu halten. Sie respektierten Tom, den der Souschef war ein ruhiger Typ. Er schrie nie. Seine zurückhaltende Art kam der asiatischen Mentalität entgegen.

Er und Michel waren die Kapos, die Sklaventreiber, die Aufseher, die Gelbmänner waren fleißig, putzten, wieselflink.

Jeder wollte an Land gehen. Rush Hour in der Küche.

Tom und Michel entschieden, wer gehen konnte. Die Freien flitzten zu den Kabinen, rannten zur Gangway. Um ein Platz in einem Tender- Boot zu ergattern, die zum Pier tuckerten.

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3

Am Pier in Cozumel: Michel und Tom jumpten in ein Taxi. Hola Senor, Girls, raunte Michel.

Er fuhr aus der kleinen Stadt, über eine holprige staubige Straßen. Sie landeten auf einer kleinen Hazienda, mit Innenhof. Trese Media, es war ein Bordell.

Das halbe Schiff war hier, auch Gelbhäute. Sie winkten.

Die beiden setzten sich an einen freien Tisch, sie beobachten den Reigen.

Männer mit Stetson Hüten tanzten. Ein Alleinunterhalter quetschte die Orgel. La Paloma im verschleppten Tempo.

Unter den Arkaden vor den Matratzenlagern saßen Damen mit regloser Mimik. Sie trugen schäbige Negligsees. Männer kamen zu ihnen. Sie standen auf, gingen in ihre Bunker. Nach einer halben Stunden tauchten sie wieder auf, zupften am Minirock, fuhren nervös durch ihr Haar.

Wenn Schiffe im Hafen lagen, krachte es.

Michel bestellte braunen Tequila und Corona Bier. Tom tanzte mit einer Lady Disco Fox. Sie schmiegte sich an ihn. Sie war kräftig gebaut, mit weiblichen Hüften, prallen Brüsten, ein Popo zum Anfassen. Sie roch nach Rosen.

Am Tisch legte sie ihre Hand auf seinen Oberschenkel, Michel grinste.

„Tequila, Senor! Por favor. Und Limonade für die Damen!“

„Como?“

„Tequila. Tequila.“

Er kam mit dem Plastikeimer, in dem die Flaschenbatterie lagerte. Er setzte Michel einen Helm auf. Schenkte ein. Er trillerte mit einer Pfeife und schlug ihm auf den stählernen Hut. Ex hopp. Sie kippten den Schnaps runter.

„Tequila, por favor!“

Sie soffen um die Wette, bis Michel mit einer Hure auf einem Zimmer verschwand.

Tom zögerte.

Bunte Glühbirnen glühten. Zirpende Grillen waren zu hören, wenn die Musik verstummte.

Es war warm. Und das Leben war leicht. Sie nahm in bei der Hand, sie gingen in eine Kammer.

Sie zog sich aus. Tom strippte, legte sich auf das Bett.

„Where you from?“, fragte er.

„Vera Cruz!“

Sie bestieg sein abstehendes Glied. Sie ritt auf ihm, wie auf einem Esel, auf und ab. Er zwickte ihre Brustwarzen. Ihre Muschi war wie ein Schraubstock. Als er kam, klopfte sie auf seine Hoden. Ein süßer Schmerz durchzuckte seinen Körper, sein Samen schoss durch ihre Vagina.

Sie streichelte ihn.

Zurück am Tisch grinste der Franzose: „Nun bist du getauft, ein richtiger Seemann. Kennst du Arthur Rimbaud?“

„Hab von ihm gehört.“

„Wir bleiben im Exil, wie er, und verkaufen Weiber. Scheiß auf Europa!“

Er schwieg kurz: „Er schrieb Gedichte und verpisste sich. Verkaufte Elfenbein, Opium, Kakao. Und du kannst über einen mexikanischen Puff schreiben.“

„Ich bin kein Dichter!“

„Warum nicht?“

„Rimbaud war ein Genie!“

„Du schreibst auch.“

„Nur Tagebuch.“

„Komm deine Kajüte ist voller Bücher.“

„Es ist ein langer steiniger Weg, wenn du ein Poet werden willst.“

„Komm, trinken wir noch einen! Tequila por favor, Senor!“

Sie waren besoffen. Michel tanzte mit der Hure, eng umschlungen. Steh- Blues.

Sie hieß Ena. Sie war mädchenhaft, eine dunkle Latina.

Seine taufte er Vera, nach Vera Cruz. Sie trug eine Papierrose im schwarzen duftenden Haar. Ihr Kleid war rot, folkloristisch geschneidert.

Er musste an den Film Carmen von Carlos Saura denken, eine Adaption von Georges Bizets Oper.

Als der Musiker Salsa anstimmte, sprang sie auf, sie tanzten. Die Zeit war unwichtig geworden. Die Zeit umarmte die Matelots.

Nach dem Tanz ging er mit ihr aufs Zimmer. Er warf seine hart verdienten Dollars auf den Nachttisch. Das selbe Ritual. Sie zog sich aus. Liebesspiel.

Er duschte, zog sich an.

„Wann kommst du wieder?“

„Nächsten Montag sind wir wieder in Cozumel.“

Sie küsste ihn auf die Wange, drückte ihn.

Im Innenhof traf ihn eine Überraschung, der Puff war leer. Die Kellner räumten auf. Einer fegte die Fließen. Schwarze Gladiolen schwebten durch die Luft. Es roch nach Lavendel. Am Eingang übergab sich ein Cowboy, sein Stetson flog in den Staub. Er verschwand im grauen Schleier der Morgendämmerung.

Tom erwachte aus dem Traum. Gott, ein Taxi stand vor der Absteige, dem Hurenhaus, es brachte ihn zum Pier.

Der letzte Tender war weg. Er musste bis zum Morgen warten. Er würde zu spät kommen. Er ärgerte sich. Er setzte sich auf einen Poller. Er starrte auf das dunkle Meer. Warum hatte Michel nichts gesagt? Warum war er einfach nur verschwunden?

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3

Auf dem Schiff eilte er zu seiner Kabine, auf den Fluren emsiger Betrieb. Ölverschmierte Ingenieure stürmten an ihm vorbei. Sie trugen weiße Overalls. In die Kochklamotten geschlüpft. Die San Antonio Shoes an. Rauf. Über die Treppe. Serge Stimme überschlug sich. Er stand am Pass.

Als er Tom sah, zuckte er zusammen, ein Ruck ging durch sein Körper, sie gingen in das Chef- Büro. Sie setzten sich. Serge starrte ihn an: „Genug Muschis gevögelt?“

„Es wird nicht wieder vorkommen.“

„Du gehst nach unten, du arbeitest im Gemüseraum.“

„Chef. Es tut mir leid.“

„Komm, kneif den Arsch zusammen. Und geh auf das Proviantdeck.“

Unten in einem Raum, der mit Edelstahl ausgekleidet war, schälte und schnitzte er Kartoffel. Zwei Philippinos waren im Team. Sie sahen ihn gleichmütig an, während seine Seele rumorte. Es war ein Gesichtsverlust. Ein tiefer Stürz. Als er aufstand, wurde ihm schwindelig. Er ging ein Deck hoch, ans Heck. Er rauchte. Michel kam.

„Scheiß Leben, Boche. Er wird sich beruhigen.“

„Ich kündige.“

„Nein, wir saufen einen in der Crew Bar. Das ist nur ein reinigendes Gewitter.“

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Mentor Liste:

Melville, Duras, Camus, Hemingway, Cormac McCarthy usw.

Sarah Liebkind alias Billy Gutman

Seemann, Musiker, Chansoneur, Chef.

Der Mann mit der Ibanez Joe Pass Serie Gitarre

Immigrant in Kanada & USA

Zur Zeit: Stuttgart

Universität, Fakultät Philosophie.

Mitarbeit u.a. Edition Vincent Klink Häuptling Eigener Herd

Part Time:

Micanopy, Florida, next to Gainseville, Gators, Uni Stadt.

Meist im Publix. Oder whole foods.

Schürfen nach Food Produkten.

Hawai Salz

Oder

nach

Chinesischem Pfeffer

oder

Asiatische runde Auberginen

Lebt in Ajiic, Mexiko

Meist auf der Plaza vor der Kathedrale

Oder am See Chapala

Oder auf der Sierra Wandern

Part Time Stuttgart

Meist im Bix oder Cafe im Kunstmuseum

Part Time:

Toronto

Mitarbeit u.a. Filmproduktionen Charles Wahl

www.charleswahl.com/ -

Mitarbeit als Food Writer: u.a. Now Magazin

Der Naked Chef Zyklus oder

Naked Trout Recipes

Momentan empfohlen Chefs Toronto Chef Mafia:

Michael Stadtländer

www.earthday.ca/gala/chef-stadtlander.php - 7k

Sugar Lee

http://www.citytv.com/toronto/citynews/life/family/article/212203--renowned-chef-susur-lee-offers-camping-cooking-tips

Upton Sinclair Der Dschungel
20:04 22.10.2012
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