Jesus als Existentialist

Sinnstifter Sartre trifft Jesus
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Sartre begründete die Philosophie des modernen Existentialismus. Im Mittelpunkt dieses Existentialismus steht der moderne Mensch in einer von Gott verlassenen Welt ohne überirdische Sinnstiftung. In dieser Lage hat der Mensch im Unterschied zum Tier die Möglichkeit, seine Existenz zu entwerfen bzw. sein Da-sein durch Taten sinnvoll zu gestalten. Dies versuchte Jesus. Er war ein Sinnstifter. Er war aber auch der von Sartre geforderte Tatmensch.

Dies ganzen Fragen, von Sartre aufgeworfen, werden zu einer besonderen Herausforderung vor allem in Situationen, die für den Menschen katastrophal sind. Das hat Camus im Roman die Pest beschrieben. Es sind Grenzsituationen, in denen der Mensch seine bisherigen Werte und Ordnungen nicht mehr als Orientierung wiederfindet. Geworfen werden kann der Mensch in solche Grenzsituationen z.B. durch gesellschaftliche Umbrüche, Naturkatastrophen oder Kriege.

Aber auch zwischenmenschliche und existenzielle Krisen, sei es nun Trennung, Krankheit oder Tod, stellen den Menschen in diese Bewährungsprobe. Dann ist der Mensch sich selbst überlassen und zu der Freiheit verurteilt, seine Handlungen alleine zu bestimmen. Dies war für Jesus gegeben. Siehe Hunger. Heuschreckenplage. Macht der Römer. Klimaveränderung. Trockenheit.

Freiheit ist also für Sartre kein bequem konsumierbares Geschenk, sondern eine unter Anstrengungen zu leistende Aufgabe. Das hat Jesus begriffen.

Der Ekel vor dem Nichts (Sinnlosigkeit des Da-Seins) und die Angst davor werfen den Menschen in eine Verzweiflung, aus der ihm nur die Tat helfen kann. Jesus sah darin die Gefahr der Gewalt. Deshalb überließ er sich seinem Schicksal. Seinem Leiden. Er war kein Terrorist.

Weitere zu Sartre: Das Tragen der Verantwortung für mein Sein beinhaltet zugleich die Verantwortung für das Sein des Anderen. Deshalb half Jesus Menschen. Er fühlte sich verantwortlich.

Das Leben des eigenen Da- Seins- Entwurfs nennt Sartre "authentisch". Freiheit definiert Sartre als die Möglichkeit, sich selbst zu entwerfen. Jesus entwarf sich selbst, unter den Strömungen seines Wesen, seinen Eingebungen und Denk-Resultaten. Er suchte Freiheit für sich und alle anderen.

Bei Sartre darf die Freiheit nicht mit Ungebundenheit verwechselt werden, die für ihn ein Zeichen von Unreife und Verantwortungslosigkeit ist. Jesus sah das anders. Jesus strebte Ungebundenheit an, für sich, für alle. Aus einem Freiheitswillen heraus, wanderte Jesus umher. Besitz empfand er als Ballast. Als GEBUNDENHEIT an Mächte. Wie die Römer. Die Priester.

Es war eine Suche, in manchen Zügen ist es eine absurde tragikbeinhaltende Suche nach Vollkommenheit. Er war hier der Existentialist moderner betrachtet. Er war der Denker seiner Zeit, wie es Sartre für seine Zeit war, es fehlte nur der Absinth und eine Maisblattzigarette. Mit dem Verweis auf Ungebundenheit redete Sartre von Pflichten. Dies war ein kantsches Vermächtnis von Philosoph zu Philosoph. Das mit der Pflicht sah auch Jesus so. Er sah es aber von der Seite der Schwachen, die durch Armut mehr gebunden waren als die Reichen.

Sartre meint: Die Freiheit als verantwortungsvolle Gestaltung seiner Existenz gibt der Vergangenheit ihren Sinn. Laut Jesus war diese aufgehoben der Sinn durch das Leiden.

Sartre: Mit dem Tod ist die Möglichkeit sinnvoller Lebensgestaltung zu Ende. Der Mensch ist dann das, was er vollbracht hat, nach meiner Meinung ist er erst durch den Tod frei. Laut Jesus ist er dann in das GOTT- WELTREICH eingetreten und erlöst. Hier scheiden sich die Geister im Anspruch der Philosophen, Kirchen und des gesamten Christentums. Von Anfang an gab es verschiedene Interpretationen des Glaubens. Es war eine Differenz gegeben. Dies erklärt spätere Bildung von Sekten. Es war stets ein existenzielles Streben für das Subjekt vorhanden. So kann man davon sprechen, dass Sartre umfassender Hinweis auf den Existentialismus richtig war. Trotzdem war die von Jesus angestrebte Vollkommenheit nicht gegeben oder möglich. Sartres umfassendes Werk ist daher auch nur fragmentarisch. Es beinhaltet Differenzen wie jedes philosophische Werk.

Dies bestimmte Despotie, oder Gesetzlosigkeit, diese Unvollkommenheit erklärt auch die heutigen Rebellionen und Aufstände. Dies zeigt Irrtümer der Kirche auf, dass der stetige Dogmatismus der Kirchen nicht hilfreich war. Dies hat Jesus früh erkannt. Er hat den Einfluss der Priester erkannt und die damit verbundene Macht.

Es steht im Hebräerbrief, wo Jesus als Hohepriester beschrieben wird:

Hebräer 4,14ff - Christus der wahre Hohepriester. Dabei wird vor allem Bezug genommen auf die "Ordnung Melchisedeks" - "ein Priester in Ewigkeit" - Hebr.5,6.

Im Johannes Evangelium steht:

"Ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in der Wahrheit."
(Joh.17,19) Dadurch ergaben sich Fragen für Jesus: Wer ist der erste Priester, den die Schrift nennt? Ist es Aaron? Nein. Lange vor der Gesetzgebung lebte in Jerusalem ein Priester, der zugleich König war: Melchisedek. Dieser Melchisedek war größer als Aaron und seine Nachfolger. Er gehörte zu einer höheren Ordnung. Denn Hebräer 7,1-10:Abraham gab Melchisedek den Zehnten. Abraham war der Vorfahre der Leviten und Priester Israels, die den Zehnten des Volkes empfingen. Jesus hielt den Zehnten für ungerecht. In der Person Abrahams lieferten die Leviten sozusagen den Zehnten ab. Und das geschah nicht aufgrund einer Verordnung, sondern angesichts der Würde der Person eines Melchisedeks. Und Melchisedek segnete Abraham, den Vorvater Levis, der das auch akzeptierte. „Ohne allen Widerspruch aber wird das Geringere von dem Besseren gesegnet Hebräer 7,7 Wer war dieser Melchisedek? Konnte er an der Stelle von Gott stehen? Gerade, weil er scheinbar irdisch war?

Jesus erkannte die Zersplitterung der Dinge. Er war sich aber sicher, dass es Gott gab. Und er wusste, dass die Armen nur wenige Fürsprecher hatten. Selbst die Hohepriester sprachen nicht aus, was Armut damals bedeutete. Sie waren Bewahrer der bestehenden Ordnung. Des Zehnten.

Deswegen war Jesus willensstark, beharrlich. Ihm war bewusst, dass er sich irren konnte. Das hatte mit seiner Gott- Vision nichts zu tun. Der Irrtum war beinhaltet in der irdischen Suche. Im Gottesgedanken war er unerbittlich. Das Irren und der Irrtum steht jedem Menschen zu, laut Jesus. Selbst dem Gewalttäter. Der Irrtum ist aber keine irdische Unschuldigkeits-Gewährung. Sie kann nur von Gott gewährt sein, laut Jesus. Wobei er irdische Schuld erkannte. Mit Hinweisen auf Zinswucherer etc. Er sprach von Verfehlungen. Jesus strebte nach einfacher Gesetzlichkeit- sei es irdisch oder im überirdischen Gottesreich- und seine Erklärungen waren schlicht. Er war ein Philosoph der Klarheit suchte.

Sarah Liebkind alias Tom Bourgeoise

Seemann, Musiker, Chansoneur, Chef.

Der Mann mit der Ibanez Joe Pass Serie Gitarre

Immigrant in Kanada & USA

Lebt in Ajiic, Mexiko

Meist auf der Plaza vor der Kathedrale

Oder am See Chapala

Oder auf der Sierra Wandern

Part Time Stuttgart

Meist im Bix oder Cafe im Kunstmuseum

09:04 11.07.2012
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