Jesus als Existentialist

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Jesus mit seiner Philosophie wollte nicht an der Verklärung der Dinge mitwirken. Er wusste, dass es Freiheit wohl nur im Gottes-Reich gab. Hier war er mit Sartre einig in der Frage der Ungebundenheit, die es auf der Erde auch nach meiner Meinung nicht gibt. Für den Einzelnen ist das Tagwerk eine Folge von Abhängigkeit. Braucht er Brot, so braucht er den Bauern oder er brauchte Samen. Oder er benötigte Ackerland, wenn er keines besaß, dass er dann kaufen musste. Dies Abhängigkeit verändert sich, kann sich mildern oder verschlimmern. Das verweißt auf das Ungleiche der Existenz an sich. Der Mensch muss laut Sartre danach streben, das Ungleiche zu mindern. So sah es auch Jesus.

Das Judentum kann zur Zeit Jesu in (1. Jh. n. Chr.) in drei unterschiedliche Schichten eingeordnet werden. Zum einen in die Oberschicht, zum anderen in Mittel- und Unterschicht. Man spricht heute von der Sozialpyramide der einzelnen Gruppen.
An erster Stelle steht die Oberschicht. Diese setzt sich unter anderem aus dem Priesteradel, den Großgrundbesitzern, den Großhändlern und den Steuerpächtern zusammen.
Die Oberschicht profitiert allein von ihren ausgedehnten Ländereien mit fruchtbarem Boden und günstiger Lage. Diese Schicht lebt allein von Reichtum und Luxus. Die Oberschicht lässt ihr Land in den meisten Fällen verwalten, dass bedeutet es wird von einzelnen Vertretern der Mittelschicht gehandhabt. Den Gewinn erhält die Oberschicht. In manchen Fällen wird das Land auch an die Unterschicht verpachtet. Die Gruppe der Oberschicht lebte häufig in den Städten und kam nur gelegentlich aufs Land um Inspektionen durchzuführen und den Verdienst zu erlangen. Die Gruppe der Oberschicht hatte zu dieser Zeit keinen sehr guten Ruf, man sprach über schlecht behandelte Kurzarbeiter und Sklaven.
Alles in allem kann man die Oberschicht als eine der Reichen und vornehmen Minderheiten an der Spitze der palästinensisch-galiläischen Sozialpyramide bezeichnen.
Die Mittelschicht hingegen ist bei weitem nicht so wohlhabend, wie die Oberschicht. Sie setzt sich überwiegend aus Verwaltern, Handwerkern, Fischern und Kleinbauern zusammen.
Die Kleinbauern bilden hierbei den größten Teil. Die Aufgabe der Mittelschicht beinhaltet im Wesentlichen das Beaufsichtigen und Entlohnen der Unterschichtarbeiter. Unter anderem verwalten sie noch das Land der Oberschicht. In vielen Fällen können die Gruppen ein Darlehen bekommen was ihnen etwas mehr Wohlstand einbringt. Dennoch müssen sie immer wieder mit der Gefahr rechnen in die Unterschicht abzufallen.
Das Existenzminimum in der Mittelschicht liegt bei 200 Denaren. Das heißt die meisten der meist 6-9-köpfigen Familien besitzt nur einen kleinen Teil (etwa 8-10 ha) Land. Den größten Teil der Ernte verwendet man für seine eigenen Bedürfnisse, der andere wird zum Tausch oder Verkauf freigegeben. Die Menschen besitzen nicht einmal genug für neue Kleider, Werkzeug oder Hausrat.
Die ärmste der drei Schichten ist die Unterschicht. Diese besteht aus Pächtern, Tagelöhnern, Arbeitslosen, Sklaven, Kranken und Bettlern, die keinen Besitz vorweisen können.
Auch Jesu gehörte gewissermaßen dieser Schicht an.
Die Unterschichten haben die Regel, dass der Besitz nicht geteilt werden darf. Dementsprechend gehen viele der Großfamilien leer aus, da nur der älteste Sohn erbt. Um sich ernähren zu können sind viele der Menschen Tagelöhner. Sie verdienen bis zu 1 Denar am Tag. Dennoch sind sie jeder Notsituation hilflos ausgeliefert. Tagelöhner sind in dieser Schicht als unterste aufgelistet. Die Lage der Sklaven stellt sich als bessere dar, als die des Tagelöhner, da Sklaven feste Dienstverhältnisse besitzen und nicht über die eigene Person, sondern nur über die Arbeitskraft hinweg bestimmen dürfen.
Die hoffnungslose Ausweglosigkeit führt die meisten in den Ruin. Sie leben von Resignationen, damit sind soziale Einrichtungen gemeint, die ein kleines etwas an Arme verteilen, das sogenannte Podionbrot. Andere aber emigrieren auch ins Ausland
Alles in allem kann man sagen, dass sich die oberen Schichten weit von den unteren abgrenzen und es dadurch schwierig ist in eine höhere Schicht aufzusteigen.
Quellen: Bettina Lukaszyk, Ulrich Reh, Elfi Zimmer: Lernzirkel Jesus der Nazarener, Speyer 1999, S. 50-53 Edith Breit: Jesus der Nazarener, München 1995, S. 43.

Diese Bemerkungen kann man auch auf die heutige Gesellschaft übertragen, die angebliche Klassenlosigkeit würde Jesus heute widersprechen. Jesus ahnte dies, er war hier schon früh teilweise auf der Seite von Nietzsche . Nietzsche erkannte Differenzen und Wiederholung der Dinge, als er von der Wiederkehr des Ewig Gleichen sprach. Diese Wiederkehr sieht Jesus im Leidens- Gedanken des Dasein auch für gegeben. Dies war das irdische Leid. Weil er nach Vollkommenheit strebte, strebte er nach Erlösung von allem Irdischem. Um Gleichklang zu erlangen, zumindest für sich. Die Erlösungsanrufe war der Schrei nach umfassender Gerechtigkeit.

Sarah Liebkind alias Tom Bourgeoise

Seemann, Musiker, Chansoneur, Chef.

Der Mann mit der Ibanez Joe Pass Serie Gitarre

Immigrant in Kanada & USA

Lebt in Ajiic, Mexiko

Meist auf der Plaza vor der Kathedrale

Oder am See Chapala

Oder auf der Sierra Wandern

Part Time Stuttgart

Meist im Bix oder Cafe im Kunstmuseum

05:45 13.07.2012
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