Schnee auf der Rampe

KZ Sterben Liebe Tod
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Nach Mitternacht kamen sie in den Klub, in dem sie tanzte. Es waren Männer in schweren Ledermäntel. Sie nahmen sie mit.

Zwei Tage verbrachte sie in einer Zelle, dann kam der Zug.

Sie wurden wie Vieh verladen. Für die Notdurft gab es einen Eimer.

Es war Winter. Und als der Zug hielt, lag Schnee auf der Rampe.

Ein Mann schickte sie nach links.

Sie wurden zu einer Baracke geführt.

Nach Monaten waren ihre Haare grau, sie war gealtert.

Ihr war ein Zeh abgefroren, eiterte.

-Ich kann ihn abschneiden, sagte er.

-Und kann ich dann noch tanzen?

-Sie und tanzen?

-Warum nicht?

-Sie sehen aus wie meine Oma.

Er lachte scheppernd.

Sie sah ihn böse an.

-Gut, wir haben ne Friseuse im Lager für die SS Frauen.

-Wie heißt du?

-Sarah. Sarah Liebkind.

-Und was kannst du?

-Tanzen und singen.

Er gab zwei Wachleuten ein Zeichen. Sie führen sie in eine andere Baracke.

Das Zimmer war eingerichtet, mit Hirschgeweihen und Gemälden vom Königsee und dem Schloss Neuschwanstein.

Ein Foto des Führers klebte auf Blümchentapete.

Eine Dame tauchte auf. Es war die Friseuse.

Sie färbte ihr Haar, blond.

Sie fütterten und stopften sie, wie ne Gans, ordentlich, mit Weißbier und bürgerlicher Kost. Sie blühte auf, ihre grünblauen Augen begannen wieder zu leuchten.

Dann kam er, der mit dem Eisenschädel, kahl geschoren, ein stattlicher Mann.

-Du gehörst nur mir.

Von nun an kam er jeden Tag.

Sarah Liebkind alias Tom Bourgeoise

Seemann, Musiker, Chansoneur, Chef.

Der Mann mit der Ibanez Joe Pass Serie Gitarre

Immigrant in Kanada & USA

Lebt in Ajiic, Mexiko

Meist auf der Plaza vor der Kathedrale

Oder am See Chapala

Oder auf der Sierra Wandern

Part Time Stuttgart

Meist im Bix oder Cafe im Kunstmuseum

01:34 09.07.2012
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