Wittgenstein Oder Das Ende der Philosophie

Leben Sterben Die vielen Philosophen
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Abhängen war angesagt, im Kunstmuseum, mit Aperol Spritz. Gespräche mit Sunny über Gott und die Welt, Tod und Teufel.

Gegen 22 Uhr 30 gingen wir zum Bahnhof.

Die Gettotürken waren unterwegs, viele Gruppen auf dem Weg zu den Klubs.

Der Versuch der Getto Türken oder Punks aufzufallen, Samstag nachts in der City, hat mit Wahrnehmung zu tun.

Mit der Hamlet Frage: Sein oder Nichtsein, das ist die Question, my lord…

Der Mensch leidet daran, nicht wahrgenommen zu werden.

Und der Alltag zwischen Döner, Pizza und Zeitarbeit ist öde.

Eine Philosophie ist heute gar nicht mehr möglich, im Sinne der Innovation, sodass es den Menschen weiterbringt in Form einer Sinnstiftung.

Es geht nur noch Geschichtsphilosophie, die die Entwicklung der Welt, der Philosophie, der Technik und der Kunst aufzeigt.

Die reine Philosophie wird entweder in der Metaphysik stecken bleiben, oder im chiffrierten intellektuellen Geschwafel, wie es die postmoderne Philosophie zeigt.

Es ist ein Steckenbleiben in Wörtern und man will nur sagen: Ja, es gibt den Tod.

Es ist ein intellektuelles Spiel des Egos, oder nur noch pure Lust an der Sprache, in dem der Philosoph zu brillieren versucht, mit möglichst vielen Fremdwörtern auf die Pauke zu hauken.

Dadurch sind es keine Texte fürs Volk. Und denken die Philosophen überhaupt an das Volk?

Es ist besser, ein Bild von Cy Twombley zu betrachten, man erfährt mehr über die Welt und den Menschen, sei es auch ein abstraktes Gemälde.

An den Hochschulen wird Philosophie nur verwaltet, als Bestandsaufnahme, als Geschichtsunterricht.

Der Philosoph mit Beamtenstatus ist die Totgeburt der Fantasie. Die wieder nur zur zigsten Abhandlung über Nietzsche führt. Oder wieder raunt es im Auditorium: Ja, es gibt den Tod.

Ludwig Wittgenstein:

Die meisten Sätze und Fragen, welche über philosophische Dinge geschrieben worden sind, sind nicht falsch, sondern unsinnig. Wir können daher Fragen dieser Art überhaupt nicht beantworten, sondern nur ihre Unsinnigkeit feststellen. Die meisten Fragen und Sätze der Philosophen beruhen darauf, dass wir unsere Sprachlogik nicht verstehen.

Dies bedeutet das Sprachvermächtnis des Menschen ist dem Denken unterlegen.

Es ist erstaunlich, wie Philosophen ihre Werke aufblähen und eigentlich nur sagen wollen: Ja, es gibt den Tod.

Man kann die Texte und Essays von Peter Sloterdijk gar nicht mehr zählen. Spähren 1& 2, die Kritik der zynischen Vernunft. Regeln für den Menschenpark.

Ob er einen Ghostwriter hat, Assistenten, die für ihn schreiben?

Er wird ja auch noch bezahlt beim Schreiben. Und nicht immer ist seine Philosophie verständlich.

Hat so ein philosophische Professur auch mit nem großen Ego zu tun?

Vermutlich ging Nietzsche die Uni auf die Nerven. Das Getue und Wichtigtuerei der Professoren, die alle sagen wollen: Ja, es gibt den Tod. Und nur mit ihrem Wissen prahlen.

Wie viel weiß man wirklich?

Ob es im All Philosophen gibt?

Die Frage stellt sich, wenn die neuen Nietzsches die philosophischen Fakultäten stürmen.

Gestern beim Unwetter saß einer im Wartesaal des Bahnhofs von Stuttgart-es fuhren keine Züge. Es blitzte und donnerte.

Er kritzelte Seite für Seite eine Kladde voll.

-Was schreiben Sie?

-Philosophie. Nun, wenn sie über Philosophie schreiben, schreiben sie nur über den Tod.

Ich schwieg.

Er ließ sich nicht stören, in der Halle ein Chaos, Reisende suchten nach Weiterreisemöglichkeiten. S21 Demonstranten- ein versprengter Haufen- lärmten, begleitet von Straßenmusikanten.

-Ich brauch heute Nacht nur einen guten Satz schreiben, einen einzigen, sagte der Bahnhofs Philosoph.

Die Sprache soll unser Leben regeln, scheinbar dient sie mehr zur unproduktiven Kommunikation als zu Erhellung.

Hier spielt auch das Zurücknehmen des Philosophen eine Rolle.

Das Werk von Sloterdijk könnte auch bescheidener sein, vor allem auch klarer.

Und wer wird den Bahnhofsphilosoph schon Beachtung schenken?

Morgens um fünf Uhr saß er noch immer da, jedes Wort war wie gestochen aufs Papier gebracht.

Und er redete über das Headset mit jemand, vielleicht mit Gott. Die Punkerin kam in den Wartesaal. Sie trug schwarze Gruftie Klamotten. Sie packte ne Geige aus und spielte, sie spielte wie eine Göttin.

Der Philosoph sah auf, sagte: In der Philosophie. Das sind alles nur Übungen. Es gibt keinen feststehenden Imperartiv.

Ich hielt Sunny fest, meine Göttin. Mein Weib. Meine Muse.

Es wird kein Ende geben, sagte Sunny.

Sie berührte mich zärtlich.

Ich saugte alles in mich hinein. Den alten Mann an Krücken, der schrie: Wann kommt mein Zug?

Er wird kommen, raunte Sunny.

Und als ich ihr Lächeln sah, glaubte ich ihr das.

War Wittgenstein ein Witzbold? Und was hatte er erkannt?

Im Tractus:

  • Dinge = etwas einfaches, atomares, nicht zusammengesetztes
  • Sachverhalt = Verbindung von Dingen
  • Tatsache = Bestehen eines Sachverhalts
  • Welt = Gesamtheit aller Tatsachen.
  • Wirklichkeit = Bestehen und Nichtbestehen von Sachverhalten
  • Struktur des Sachverhalts = Art und Weise der Verbindung der Dinge
  • Form = die Möglichkeit der Struktur
  • Der Satz ist ein Bild der Wirklichkeit
  • Die Tatsachen sind die Substanz der Welt
  • Mystik = das, was sich nicht aussprechen lässt. (Ethik, Gott, Ich u. w.)

Gibt es eine Einheit, ein Ganzes? Ist Phiosophie nur der Versuch das Sprachlose zu überwinden?

Oft sehe ich Bilder, Zeichen, Code, das mein Gehirn produziert, Geschichte, Visionen, aber sie werden nicht zu Worte oder Sätzen.

Wie Wittgenstein sagt: Es läßt sich njcht über Gott sprechen. Dadurch wird die Wahrheit verklärt. Weil man über Gott spricht, der Mensch schon immer Götter brauchte, zum Trost, weil die Tiere nicht reden, die Bäume, und es oft keine Antworten gibt.

Ich wollte mit Sunny in der Ausstellung Turner Monet Twombley. Da geht es um Abstaktion, Sehweisen. Und ich fragte mich, brauchen wir Tatsachen?

Warum genügt man sich nicht selbst?

Ist es das Ego, das in das abseitige Böse treibt, jeder will glänzen,
jeder sucht Beifall, Publkum, nur nicht der Bahnhofsphilosoph. Gibt es eine Verbindung zwischen ihm und mir? Und was ist mit der Geigerin? Und der alte Mann an den Krücken?

Woher kommt er, wohin geht er?

Der Florida Regen hörte nicht auf. Tropischer Sturm fegte über Stadt, Gleise und Bahnhof.

Die Getto Türken zogen durch die Halle, grölend. Samstagnacht. Das war ihr Fest. Sie würden in der Herrgottsfrüh besoffen die S-Bahn nehmen.

Sie sahen aus, als wäre sie wie Engel vom Himmel gefallen. Wie Regentropfen.

Röhrenhosen. Hochgegelte Haare. Ziselierte Bärte. Billige löchrige T-Shirts.

Sie waren nicht angekommen, nicht in der Stadt, nicht im Land. Sie suchten nach ihrer Heimat, hörten Getto Funk.

Polizisten folgten ihnen.

Die Toilettenfrau scheuerte den Boden. Pissen 1 Euro. Kein Fernseher, kein CNN, kein W-Lan auf dem Bahnhof, triste, grau, keine langbeinige Hostessen in schicken gelben Uniformen.

Die Manager der Bahn halten sich für innovativ, ihr Bahnhof ist es nicht.

Die Passagiere der gecancelten Züge fluchten wie Rohrspatzen.

Es bildete sich eine Schlange. Busse müssen beschafft werden, Taxis.

Den Philosoph im Wartesaal stört das nicht, er hat seine eigene Zeitrechnung.

s

Sarah Liebkind alias Tom Bourgeoise

Seemann, Musiker, Chansoneur, Chef.

Der Mann mit der Ibanez Joe Pass Serie Gitarre

Immigrant in Kanada & USA

Lebt in Ajiic, Mexiko

Meist auf der Plaza vor der Kathedrale

Oder am See Chapala

Oder auf der Sierra Wandern

Part Time Stuttgart

Meist im Bix oder Cafe im Kunstmuseum

http://www.google.de/search?q=philolex%20wittgenstein&ie=utf-8&oe=utf-8&aq=t&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a&source=hp&channel=np
03:22 04.07.2012
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