Frauen* und Kinder an die Macht

Frauen*kampftag Der Kapitalismus ist sexistisch, der Klimawandel ist sexistisch, die Politik ist es auch. Zeit, dass sich etwas ändert. Junge Feministinnen fangen gerade an
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Frauen* und Kinder an die Macht
Demonstration in Berlin am 08. März

Foto: Carsten Koall/Getty Images

Zum Frauen*kampftag gibt es viele gute und viele schlechte Ratschläge, viele ermunternde und viele traurige Geschichten, viel Aktion und viel Resignation. Und Hoffnung. Die gerade von heute auf morgen berühmt gewordene junge Klimaaktivistin Greta Thunberg schreibt: „Nowhere in the world today women and men are equal. And that is a fact. Just look at who own the money and who are the ones in power. Still today we have a long way to equality. And we have to acknowledge that.“

Mit ihrer nüchternen Feststellung der derzeitigen gesellschaftlichen Zustände ist sie schon viel weiter, als es wohl die meisten sind; und nein, nicht als die meisten „in ihrem Alter“, sondern auch und vor allem die, die aus diesem Alter schon rausgewachsen sind. In nur sechs Ländern sind Frauen* rechtlich den Männern gleichgestellt (Deutschland gehört übrigens nicht dazu) und das ist nur die oberflächlichste Betrachtung des Problems.

The more I learn about the climate crisis the more I realise how crucial feminism is. There are many studies showing that men emit more than women on average. And that women are the ones who are going to be most effected by the climate crisis. We can not live in a sustainable world unless all genders and people are being treated equally. Period.“ Basta. Treffender und nachdrücklicher als sie es tut, ist es kaum auszudrücken.

Und Greta Thunberg hat Recht. Die Klimakrise ist sexistisch, denn sie ist vor allem von Männern verursacht und schadet gleichzeitig vor allem den Frauen. Und auch wenn das schon unfair genug ist: Wir müssen alle weiter auf der Erde Leben. Retten müssen wir sie also allemal. Und dafür braucht es die Frauen, vor allem die Frauen.

Wie sehr Klimakrise und Patriarchat zusammenhängen, stellt auch Luisa Neubauer (gerne als „deutsche Greta“ betitelt) fest. „Die ersten, die für unsere Ignoranz bezahlen, sind Frauen“, denn sie leiden unter den Kriegen um Wasser am meisten, sie baden die Fehlende Ernte aus, sie kompensieren (oder versuchen es wenigstens) was andere an Lebensgrundlage zerstört haben. Dafür verlassen sie die Schulen, laufen kilometerweit zu Wasserstellen, stehen an Lebensmittelhilfen an.

Gleichzeitig ist es Fakt, dass Frauen – so es ihnen denn möglich ist, das ist schließlich ein Privileg der bessergestellten Gesellschaften dieser Welt – mehr auf die Umwelt achten. Sie machen sich Gedanken um Plastik und CO2, essen häufiger vegetarisch. Das Patriarchat und zurückgebliebene Männlichkeitsbilder dagegen scheinen Männer zu Klimasündern zu machen, denn SUVs und Grillfleisch tun dem Klima nun mal gar nicht gut.

Feministische Klimapolitik

Zwei junge Frauen, zwei Klimakämpferinnen an der Spitze des Streiks für den gesellschaftlichen Wandel, für das Umdenken, für die Forderung nach politischen Veränderungen. Weiblich, jung, voller Tatendrang und sich dem Problem bewusst, haben sie dem Patriarchat (wenigstens dem europäischen) das Fürchten gelehrt. Wenn sich die halbe deutsche männliche weiße Medienlandschaft plötzlich bemüßigt fühlt, sich an einer 16-jährigen Schwedin und einer 22-jährigen Klimaaktivistin abzuarbeiten, dann muss sie die Angst gepackt haben.

Und das ist gut so. Es braucht eine feministische Klimapolitik. Frauen als Entscheiderinnen achten auf Energiebilanzen, sie achten auf Bedürfnisse, und das nicht nur von sich selbst, sondern auch von anderen. Feministische Außenpolitik ist friedlicher, diplomatischer, effektiver, was das Bilden von Allianzen statt das Befeuern von Krieg angeht. Und genau diese Zusammenarbeit braucht es. Die Klimakrise ist nicht alleine und nicht hierarchisch zu lösen – sie muss gemeinsam gelöst werden.

Gerade ist Greta Thunberg in Schweden zur Frau des Jahres gewählt worden. Ein schönes Zeichen zum Frauen*kampftag. Sie selbst bezeichnet es als unglaublich und eine Bestätigung dafür, dass ihr Tun einen Unterschied mache. Sie finde es aber schon auch lustig, sie sei schließlich noch ein Kind.

Ein Kind sein, das sollte kein Hindernis dafür darstellen, gehört und ernst genommen zu werden. Weil das bis dato aber so ist, braucht es eben Druck. Und davon kann sich der erwachsene Teil der Gesellschaft ruhig mal etwas abschauen. Denn ohne Druck geht es nicht, und ohne respektvolle und gleichgestellte Zusammenarbeit sowieso.

Die Kinder haben verstanden was wirklich wichtig ist (Spoiler: es ist nicht die Schulpflicht), die Frauen* sind das Kämpfen um eigentlich selbstverständliche Dinge lange gewohnt. Damit ist viel zu schaffen. Deswegen: Frauen und Kinder an die Macht.

19:00 08.03.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Sarah Kohler

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