Klimakrise im Garten

Gartenleben Klimakrise und Corona, Gartenarbeit und Treffpunkt – der Kapuzinergarten Eden ist für die Studierenden und Familien in Eichstätt eine echte „kleine Oase“
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Klimakrise im Garten
„Da ist man viel näher dran, wenn man sich um seine Pflanzen kümmert“, meint Malin, und lässt Erde durch die Hände rieseln

Foto: Justin Sullivan/Getty Images

Eine Gartenschere zerteilt lange Äste, die Stücke fallen zu den anderen in den Vorbau. Langsam füllt sich die große Kiste mit Holzstückchen, eine Heugabel verteilt sie gleichmäßig. Schließlich ist die Kiste zur Hälfte mit Aststückchen gefüllt. Das reicht, ruft eine Stimme durch den halben Garten. Endlich, seufzt Lea und lässt die Gartenschere fallen. Es wurde auch Zeit, denn an Malins Finger ist gerade eine Blase aufgeplatzt. Gartenarbeit geht auf die Hände.

„Die aktuellen Aufgaben im Garten sind die Vorbereitung für die Gartensaison, also die Vorbereitungen, um Mitte Mai die Pflanzen ausbringen zu können. Das heißt, der Boden und die Hochbeete werden vorbereitet“, erklärt Malin und streift die Gartenschere im Gras ab. Sie ist mit Lea schon ein paar Stunden am Werkeln. Beide gehören der „Gartengruppe“ an, die sich um den „Kapuzinergarten Eden“ kümmert und diesen gerade auf Vordermann bringt.

Der Garten ist ein Gemeinschaftsgarten, Aktivistinnen haben ihn angelegt, als der Ort zwischen dem Kloster und dem Friedhof eigentlich für einen Parkplatz betoniert werden sollte. Damals haben die ersten „Gärtner*innen“ einfach angefangen. Heute hat die Universität die Trägerschaft übernommen und das Projekt „Klimagarten“ angesiedelt. „Ziel ist es, ein bisschen vorzuleben, wie es auch funktionieren kann, und dazu zurückzukehren, Lebensmittel selbst herzustellen und darüber zu lernen, wie was wächst“, erklärt Lea und springt mit Wucht auf ihren Spaten.

Die Erde ist noch hart vom Winter, der Garten sieht auf den ersten Blick leer aus. Das Beet liegt bracht, ist von Grasbüscheln und strohigem Gewächs überwuchert. Schritt zwei des Beetbauens ist es, Grassoden zu stechen, also Grasbüschel mit Erde und Wurzeln auszuheben, und auf den Ästen zu platzieren. Drei weitere Frauen kommen Lea und Malin zur Hilfe. Insgesamt sind um die fünfzehn Menschen hier aktiv dabei, nicht nur Studierende, sondern auch Anwohner und Familien.

Seit der Pandemie ist die Gruppe sehr gewachsen. Lea und Malin haben sich hier eingerichtet, sie laufen zielstrebig durch den wuchernden Garten, kommentieren eingehende Erdbeeren und versteckte Kräuter. „Gerade während Corona war es eine kleine Oase, denn ganz lange waren wir hier nur zu dritt und haben gewerkelt, das war einfach ein schöner Ausgleich zum zu Hause vor dem PC sitzen. Es ist eine sehr befriedigende Arbeit, man sieht und spürt am Ende des Tages, was man geschafft hat, und man bekommt durch den Garten ja auch ganz viel wieder zurück“, erzählt Malin, während sie in der Pause in der Sonne sitzt. „Es gibt einem einfach wahnsinnig viel. Und während Corona war das einer der wenigen Gründe, um rauszukommen“, ergänzt Lea, das Gesicht in der Sonne.

Zusammen wird jetzt Gras ausgestochen. Über das ganze Feld verteilt stehen Frauen, sammeln Soden und unterhalten sich. In einer großen Schubkarre werden die Fetzen gesammelt, sie fliegen von allen Seiten über das Feld. Lea nimmt die Schubkarre und verteilt die Büschel mit der erdigen Seite nach oben auf den zerteilten Ästen. Malin legt Stroh darüber, das ist gar nicht so einfach, denn der Kistenrand ist hoch. Also steigt sie auf den Erde-Stroh-Dung-Haufen auf der anderen Seite der Kiste und verzieht ob des Geruchs das Gesicht.

Der Garten dient als Experimentierfläche, viele alternative Methoden werden hier ausprobiert. Gerade als „Klimagarten“ ist der Ort ein Erfahrungsort. „Ich glaube, man wird vor allem sensibel dafür, wie lange Trockenzeiten wir haben. Man sieht, was leidet, wenn es lange nicht regnet. Da ist man nochmal viel näher dran, wenn man sich gerade um seine Pflanzen kümmert“, meint Malin, und lässt Erde durch die Hände rieseln. Lea beobachtet die drei Frauen, die jetzt ein großes Sieb aufbauen. Der Garten hat seine ganz eigene soziale Dynamik, Menschen kommen zum Arbeiten und Unterhalten. Die „Sozialform“ des Gartens ist genauso Experiment wie der Anbau. „Wir haben hier keine Regeln, wer welchen Ernteanteil bekommt, das ist bedürfnisorientiert. Also wer was braucht, kann das gerne mitnehmen. Aber wir sind uns auch alle klar, dass es mehr Menschen in der Gartengruppe gibt und dass alle auch etwas abhaben wollen von der Ernte.“

Langsam wird es kalt, irgendwer schlägt vor, trotzdem das Beet noch fertig zu machen. Lea macht sich daran, Erde zu sieben. Malin reibt sich die Hände. Zum Frühlingsanfang ist es noch kalt im Garten, nach vier Stunden in der Natur merkt sie das. Aber Malin mag „das Leben mit den Jahreszeiten“ – und so wird das Beet heute doch noch fertig.

[Reportage entstanden im Zuge der HNS-Bewerbung (nicht abgeschickt)]

09:15 13.04.2021
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Geschrieben von

Sarah Kohler

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