sarajevo

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RE: 19 Jahre Einheit – es reicht | 06.10.2009 | 11:38

Wie wir in diesen Tagen immer wieder hören müssen, sollen die Menschen 1989 für ein wiedervereinigtes Deutschland auf die Straße gegangen sein.

Dabei wird verschwiegen, dass erst das Scheitern der Revolution zur Vereinigung führte. Gab es keine andere Möglichkeit, war alles unabwendbar? Darüber lässt sich streiten, worüber aber nicht gestritten werden muss, ist die Tatsache, dass alle aktiven DDR-Oppositionsgruppen und neuen Vereinigungen von 1989 mit der Politik der damaligen Bundesrepublik unzufrieden waren. Alle anderen Behauptungen können nur durch individuelle Entwicklung zu einem konservativen Burgfrieden erklärt werden oder mit der Sehnsucht danach, auch einmal zu den Siegern gehören zu wollen. Antikommunismus und Kapitalismus-Umarmung gehörten nie zu den Charakteren der Oppositionsgruppen.

Jegliche Vereinnahmungsversuche politischer Kreise aus dem Westen wurden bis zum Herbst ´89 strikt zurückgewiesen. Das dann doch alles so schnell ging, vom 7. Oktober 1989 bis zum 3. Oktober 1990, zeugt von einer unvorhersehbaren inneren Dynamik und dem Kaltstellen der Herbstakteure durch die bundesdeutschen Parteien und Medien. Forderungen nach einer Reformierung der Gesellschaft wurden nach und nach leiser. Zwar gab es keine offi zielle Abkehr von der Forderung nach einem demokratischen Sozialismus, sie wurde aber von der Mehrzahl der Akteure des Herbstes 89 zunehmend gemieden bzw. der PDS überlassen. Dieses Wohlverhalten wurde umgehend honoriert. Was zwischen Ost und West folgte waren keine Gespräche unter Gleichen, sondern lediglich Beitrittsverhandlungen. Mit dem 20. Jahrestag der gescheiterten Herbstrevolution von 1989 und dem das Jubiläum begleitenden Propagandafeldzug ist die offi zielle Geschichtsumschreibung offensichtlich endlich am Ziel: „Unsere Revolution“ wollte Kapitalismus, Marktwirtschaft, NATO und Deutsche Einheit.

Aus: telegraph 118/119
www.telegraph.ostbuero.de/118_119/inhalt118_119.htm