RE: Die Gretchenfrage | 29.06.2017 | 08:16

Ich denke schon, dass die technologische Dynamik in unserer heutigen, kapitalistischen Gesellschaft zwangsläufig nur für die Zwecke der privaten Profitmaximierung instrumentalisiert wird. Jeder noch so ambitionierte Versuch, die technologische Entwicklung in eine mehr gemeinnützige Richtung anzustoßen, wird innerhalb kürzester Zeit durch die kapitalistische Logik vereinnahmt werden. Das zeigt ja gerade nicht zuletzt die Entwicklung des an sich interessanten Gedankens einer Ökonomie des Teilens hin zu einem neuen Zweig der kapitalistischen Ausbeutung bei Uber und Airnb. Ich bezweifle daher, dass die Technologie für sich genommen eine Perspektive für gesellschaftliche Transformation in eine gute und sinnvolle Richtung bietet, denn diese kann nur außerhalb des Kapitalismus liegen.

Aber die Technologie gibt ein Versprechen oder besser gesagt: sie macht uns ein Angebot, nämlich die Gesellschaft so zu gestalten, dass alle bei möglichst geringem Einsatz von Arbeit ihre Bedürfnisse und Wünsche befriedigen können. Ob dieses Versprechen eingelöst wird, ist eine Frage von sozialen Kämpfen oder auch: Klassenkampf für die Revolution. Denn in einer kommunistischen Gesellschaft können wir die Technologie nutzen, um Arbeit tendenziell überflüssig zu machen und damit wir alle das Leben voll genießen und unsere Zeit so verbringen, wie wir es gerne wollen (was heute nur ein Privileg der wenigen Reichen ist). Solange wir Kapitalismus haben, wird die Technologie aber zwangsläufig durch die Verwertungslogik vereinnahmt und dieser unterworfen werden - inklusive aller drohenden Risiken und Gefahren, die einer ungehemmten und dem Menschen entzogenen technologischen Entwicklung innewohnen.

RE: Ein echter Hund | 14.04.2017 | 11:48

Man sollte schon fähig sein und differenziert berichten. Die guten Quellen des Herrn Klenk bei der öterreichischen Polizei scheinen den Herrn Klenk dazu zu verleiten, gerne Public Relations für die Polizei zu machen. Ich erinnere mich noch gut, als Klenk die größte rassistische Polizeioperation der Zweiten Republik, die sog. "Operation Spring", bei der mehr als 100 Afrikaner für Jahre hinter Gitter kamen, bejubelt und gerechtfertigt hat. Sein Artikel zu diesem Thema damals könnte auch direkt jemand aus der Pressestelle der Polizei geschrieben haben. Mehr als 100 Personen, viele vo ihnen völlig ohne irgendein Delikt verbrochen zu haben, für Jahre als "große Drogendealer" weggesperrt. Und Klenk klatschte Beifall. Da fragt man sich schon, wo bleibt da der investigative Journalismus?

RE: Lustvoller Protest | 19.02.2017 | 07:50

Vielleicht ist das hier tanzbarer? Passt auch besser zum Thema :) Riot Grrrl Revolution! https://vimeo.com/204510700

RE: Lustvoller Protest | 16.02.2017 | 18:32

"If I Can't Dance, I Don't Want To Be Part of Your Revolution" - Emma Goldman :)

RE: „Dass ich Sie zutiefst liebe“ | 29.01.2017 | 11:02

Das Zitat von Beate Klarsfeld aus dem taz-Interview ist ja wohl mehr als entbehrlich! Sie wurde international geehrt, ja okay. Aber nicht "als Deutsche" sondern als Antifaschistin. Ob Stolz das angemessene Gefühl ist, weiss ich nicht. Aber was ich an Beate Klarsfeld gut finde und schätze, ist ihr vehementer Einsatz dafür, die Naziverbrecher zur Verantwortung zu ziehen.

Das war schließlich in Deutschland alles andere als selbstverständlich, wo viele Naziverbrecher nach 1945 unbehelligt in der Gesellschaft weiterwirken und ihr Gift verspritzen konnten. Und ich weiss als Österreicher, wovon ich spreche, denn gerade hier müssen wir bis heute mit den Konsequenzen leben, die davon kommen, dass die postfaschistische Gesellschaft schlecht oder gar nicht gegen die Naziverbrecher vorgegangen ist und stattdessen "zur Tagesordnung überging" als wäre nix geschehen und die Nazis schnell wieder in die Gesellschaft integrierte und somit die braunen Kontinuitäten möglich machte, die leider bis heute aktuell sind. Also danke Beate Klarsfeld, danke Marlene Dietrich, danke Antifa.

RE: Der Klokampf der CSU | 13.01.2017 | 14:55

Ich hingegen frage mich vielmehr, warum es nicht längst selbstverständlich ist, Unisex-Toiletten aufzustellen? Es handelt sich um einen Raum, in dem sich jeder Mensch selbst entscheiden kann, welche Toilette er oder sie benutzt. Das heisst: keine unnötigen Streiterein oder Diskussionen, ob ein Mensch eine bestimmte Toilette benutzen darf. Und sinnvoll ist es vor allem auch, weil dann die unnötige Suche nach der passenden Toilette entfällt, denn in dem Raum ist alles da, was ein Mensch - egal welchen Geschlechtes oder welcher Gender Identität - beim Toilettgang braucht. Also ist die allgemeine Einführung von Unisex-Toiletten eine Win-Win-Situation für alle! Außer natürlich für die Transphoben und Rechten, die aus Zorn darüber schäumen, weil sie Transmenschen dann nicht mehr länger aus ideologischer Überzeugung belästigen und am Pinkeln hindern können.

RE: Der Klokampf der CSU | 13.01.2017 | 11:26

Naja, also das ist ziemlich undifferenziert, weil es kann ja auch sein, dass unter denjenigen, die pflichtgemäß zur Demütigung im Jobcenter oder im Laden oder im Büro anmarschieren, auch welche dabei sind, die als Transpersonen oder Queer oder Intermenschen leben. Diese Menschen wird das Thema also sehr wohl tangieren! Ich finde daher diese künstliche und polarisierende Spaltung in soziale (Klassen)interessen und Bedürfnisse im Sinne der Gender Identität nicht besonders sinnvoll oder zielführend. Diskriminierung ist heute oft intersektionell, das heisst Menschen werden auf mehrfachen Ebenen ausgeschlossen. Und Menschen sind ja individuell und vielfältig. Oder anders gesagt: Difference unites us, in der Verschiedenheit sind wir uns alle ähnlich. Das ist gut und schön so! Nur beginnen die Probleme dort, wo rechte Politik so wie in diesem Fall die CSU diskriminierend und menschenrechtsverletzend die Bedürfnisse und Rechte von Menschen beschneidet.

RE: Eine eigene Erzählung | 13.01.2017 | 08:56

Hey, ich wollte doch mehr
Als an der Oberfläche kratzen
Wollt das Jetzt überschreiten
Und nach vorne im Gesamten
Ich will
Bißchen Menschen, die die Augen aufreissen
Und nicht laufend drauf scheißen
Dass das Grauen so kalt ist
Will die City reclaimen
Und Fabriken besetzen
Scheiss auf Autoritäten
Und ihr leeres Geschwätz
Will einen Aufstand
Will Menschen in perfekter Union
Ich will den Klassenkampf von unten
Bis zur Revolution

Yeah!

https://vimeo.com/199259377

RE: Eine eigene Erzählung | 11.01.2017 | 12:09

Lieber Lars Hartmann, ich möchte an dieser Stelle differenzieren: Es ist einerseits wie Sie sagen sehr richtig, dass nicht nur in Deutschland, sondern nach meinem Eindruck auch anderswo, auf absehbare Zeit eine soziale Revolution für den Kommunismus nicht zu erwarten ist. Aber ich orte anders als Sie und die Autoren das Problem nicht darin, dass der revolutionäre Klassenkampf heute unwichtig oder untauglich wäre. Ich finde genau das Gegenteil ist richtig: der Klassenkampf und damit verknüpfte revolutionäre Ansätze muss ganz dringend belebt werden und wer wenn nicht die Linke soll das in Bewegung setzen? Ja, es wird in der Linken tatsächlich viel gestritten und wenig bewegt. Aber das macht meiner Meinung nach eine Theorie und Praxis von revolutionärem Klassenkampf als Strategie umso wichtiger! Es sollte viel mehr Foren und Austausch darüber innerhalb der Linken geben plus Aktionen und Hinaustragen in die Gesellschaft!

RE: Eine eigene Erzählung | 11.01.2017 | 09:06

Ja, Ihrem Kommentar kann und will ich nicht widersprechen! Sehe ich auch so. Soziale Emanzipation vom Kapitalismus bedeutet zu allererst die Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Ergänzen möchte ich, dass die Frage nach den "schlauen Strategien" eben seit jeher innerhalb der Linken sehr umstritten ist. Ich befürworte so wie Sie einen gewaltfreien Weg. Und Gewaltfreiheit heisst für mich vor allem: Gemeinsam reden und Kommunizieren. Die Gewalt ist im Kapitalismus systemimmanent und strukturell. Die Linke sollte sich meiner Meinung nach darauf konzentrieren, die gesellschaftlichen Strukturen des Kapitalismus kritisch zu hinterfragen und gesellschaftlich zu delegitimieren (sich also dem System radikal zu verweigern) und nach Möglichkeit durch den Aufbau von sozialer Gegenmacht und gesellschaftlich praktikablen Alternativen die Strukturen des Kapitalismus real zu überwinden. Und last not least verstehe ich unter Gewaltfreiheit explizit nicht, dass man sich als Linke nicht verteidigen darf gegen die unzähligen Brutalitäten und Barbareien des Kapitalismus und des repressiven und autoritären bürgerlichen Herrschaftssystems.