RE: Die Maschine, die alles mitliest | 16.12.2016 | 09:33

Ich finde es höchst fragwürdig, wie selbstverständlich man solchen gesellschaftlichen Problemen wie Hate Speech mit technologischen Schein-"Lösungen" begegnet. Ein scheinbar "objektiver" Algorithmus soll demnach den Hass "messen". Und irgendwann kommt sicher jemand auf die blöde Idee, auch die Entscheidung zu löschen dem Algorithmus zu überlassen. Aber diese Vorgangsweise begründet sich auf der sehr subjektiven Verwendung von Catch Words. Ich meine, bei rassistischen Schimpfwörtern mag das ja noch nachvollziehbar sein, aber wie kommt man auf die Idee, dass Begriffe wie "Lüge" und "Verbrecher" per se auf Hate Speech hinweisen? Hier kommt es doch auf den Kontext an, in dem diese Begriffe verwendet werden. Und genau diesen Kontext wird ein Algorithmus ganz bestimmt nicht durchschauen. Von ironischen Beiträgen ganz zu schweigen. Also es ist ja verständlich, wenn man den Forenmoderatoren die Arbeit angesichts der Flut an Hasspostings erleichtern möchte, aber der Weg mit Algorithmen erscheint mir wie so oft völlig falsch.

RE: Alle gegen sich selbst | 24.10.2016 | 13:00

Was ist denn hier passiert? Gestern waren hier noch ca. 25 Postings im Forum, wo sind die alle hinverschwunden?

RE: Her mit dem schönen Leben! | 20.05.2016 | 13:21

Schöner Text, ich wünsche mir mehr davon, liebe Frau Beyss! Ich bin zwar nicht besonders gut im Ratschlag geben und tue das eher selten, aber vielleicht macht es Sinn, sich nicht nur individuell Gedanken zu machen, wie das schöne Leben ausschauen kann, sondern gerade sich mit anderen Menschen darüber auszutauschen und gemeinsam an dem schönen Leben für alle in Theorie und Praxis zu bauen.

Ich denke mir, das schöne Leben ist so gestaltet, wie wir es uns wünschen. Das kann individuell sehr unterschiedlich sein und das ist auch etwas Gutes daran. Es gibt eine Vielfalt von Lebensentwürfen und Vorstellungen über das schöne Leben. Die schwierige Frage ist: wie können wir unsere verschiedenen Lebensentwürfe so verbinden, dass jeder Mensch nach seinen Vorstellungen glücklich wird und niemand den anderen einschränkt? Das hat also mit den sozialen Beziehungen zu tun.

Und ich denke auch, dass der Kapitalismus dem schönen Leben für alle massiv im Weg steht. Denn der Kapitalismus macht es für viele Menschen schon schwierig und für manche sogar unmöglich, allein ihre Grundbedürfnisse wie Essen, Wohnen etc. zu decken. Wir verbringen die meiste Zeit des Tages mit Arbeit, um unsere Grundbedürfnisse halbwegs befriedigen zu können. Aber das schöne Leben, so wie ich es mir vorstelle, ist so viel mehr als das.

Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der von vornherein die Deckung unserer Grundbedürfnisse garantiert ist und niemand mehr Zeit dafür verschwenden muss, für den eigenen Lebensunterhalt zu arbeiten. Diese Gesellschaft nennt sich Kommunismus. Denn Voraussetzung dafür ist, dass die Produktionsmittel allen gehören und nicht länger in privater Hand liegen. Und Voraussetzung ist eine demokratisch organisierte Wirtschaftsweise, in der alle mitbestimmen und die an unser aller Bedürfnisse orientiert ist. Und das einzig Gute am Kapitalismus - die Entwicklung von moderner Technologie - kann dann dazu beitragen, dass unser Leben erleichtert wird, weil wir dann die Maschinen, so weit möglich, für uns arbeiten lassen und daher für uns alle viel mehr Zeit übrig bleibt.

Sobald wir einmal soweit sind, kann das schöne Leben für alle beginnen! Denn ab dem Punkt steht uns alles offen. Wir haben dann viel Zeit, um unseren Leidenschaften nachzugehen. Wir können den lieben langen Tag lauter Dinge tun, die uns Spass machen, Freude bereiten und uns interessieren.

Ich weiss, was das für mich persönlich wäre: ich möchte viel Zeit mit anderen Menschen verbringen, gemeinsame Tätigkeiten wie Reden und Spielen pflegen und mich interessiert Bildung, ich lerne gerne Neues und ich erlebe gerne Abenteuerliches und bereise gerne die Welt. Letztlich sind es gar nicht die außergewöhnlichen Dinge, die das schöne Leben in einer kommunistischen Gesellschaft ausmachen, denke ich. Es ist dann eben so, dass uns die ganze Welt offen steht, es soll dann keine Grenzen mehr für unsere Bedürfnisse und Wünsche geben.

Gleichzeitig kenne ich das Gefühl von Frau Beyss ganz gut, dass ich mich auch öfter frage, warum ich so wenig von dem schönen Leben schon jetzt (er)lebe. Und dann fällt mir dieser Satz von Adorno ein: Es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Und ich interpretiere diesen Satz für mein Leben auch so, dass ich wohl nie glücklich und zufrieden sein werde, solange wir im Kapitalismus dahin vegetieren müssen. Und das ist zwar einerseits schade, weil mir dann eben im Moment das Glück und die Zufriedenheit fehlen, aber es ist auch ein Antrieb, sich nie mit den falschen Verhältnissen zu arrangieren und stattdessen dafür zu kämpfen, dass das schöne Leben für alle eines Tages Wirklichkeit wird.

Ich glaube, in Wirklichkeit ist das schöne Leben viel greifbarer als man vielleicht denkt. Befreien wir uns zusammen von den falschen Verhältnissen und fangen wir an mit dem schönen Leben für alle!

Los geht's, gemeinsam, allez!

https://www.youtube.com/watch?v=9iKTOKidwEE

RE: Im Visier von rechten Hetzern | 28.04.2016 | 19:14

Ich bin mir nicht sicher, ob das rechtliche Instrument der "Volksverhetzung" angemessen ist. Oder besser gesagt: Vielleicht wäre es das, wenn nicht die Justiz dieses Rechtsinstrument de facto wie ein Kavaliersdelikt behandeln würde. Die Justiz tut ja gerne so, als ob es sich bei der rechten Hetze um harmlose Lausbubenstreiche handle und entsprechend milde fallen die Urteile aus, sofern in solchen Fällen überhaupt ermittelt wird.

Vielleicht macht es Sinn, die Meinungsfreiheit dort zu hinterfragen, wo andere Menschenrechte angegriffen werden. Wenn einer hinter der Meinungsfreiheit in Deckung geht, um andere Menschen in ihrer Würde zu verletzen, dann ist das ein guter Grund, die Meinungsfreiheit nicht absolut zu setzen. Und vielleicht ist es auch sinnvoll, Meinung von Hass und Hetze deutlicher zu differenzieren und abzugrenzen und letzteres schärfer juristisch zu verfolgen. Es gibt nämlich kein Recht auf Hass und Hetze.

RE: So unsexy | 23.12.2015 | 08:53

Übrigens wurden insbesondere die Obdachlosen - natürlich nur die Obdachlosen mit Ariernachweis - auch schon von den Nazis entdeckt:

„Wir lassen keinen Deutschen erfrieren“

Bisher waren Obdachlose eine Opfergruppe rechter Gewalt. Jetzt entdecken rechte Asylgegner sie für ihre Propaganda.

http://www.taz.de/Elende-Konkurrenz/!5252904

RE: So unsexy | 22.12.2015 | 08:47

Au contraire, für Sie und andere Männerrechtskameraden mag die "Gamergate"-Affäre einen "abstoßenden Feminismus" ins Rampenlicht gezerrt haben. Für halbwegs normale Menschen hat "Gamergate" aber wieder mal gezeigt, dass es da draußen und besonders verstärkt durch das Internet eine Menge gefährliche Verrückte gibt, die Frauen sofort mit dem Tod bedrohen, Vergewaltigung androhen, verspotten und ganz generell sexualisierte und misogyne Gewalt gutheissen, sobald Frauen ihren Mund aufmachen und reflektiert und kritisch sprechen. Man kann über die Kritik von Anita Sarkeesian unterschiedlicher Meinung sein, "Gamergate" offenbart aber keine sachliche Auseinandersetzung über ein Thema, sondern nur pure Gewalt.

Wie der misogyne Amoklauf Frauen zum Schweigen bringt und die Netzkultur vergiftet

http://loukanikos.blogsport.eu/2014/10/28/gamergate-misogyne-amoklauf

Außerdem sehen wir am aktuellen Beispiel des Umgangs mit dem Twitter-Hashtag #whyisaidnothing, dass dieser frauenfeindliche Sumpf auch nicht davor zurückschreckt, Opfer von Vergewaltigung auch noch zu bedrohen und zu verspotten, sobald diese sich öffentlich outen. Einfach abartig, was da abgeht.

http://www.taz.de/Rape-Culture-und-Trolle-auf-Twitter/!5263276

RE: So unsexy | 21.12.2015 | 09:13

Haha, ein Pegida-Männerrechts-Troll, der an die große Feminaziverschwörung in der Lügenpresse glaubt! Ist Ihnen unter Ihrem Aluhut der Kopf zu heiss geworden?

Sie haben vergessen, alle Männer, die Frauen respektvoll behandeln, als "lila Pudel" zu beschimpfen und der Kampfbegriff "Gender-Wahn" fehlt auch noch in Ihrem Beitrag.

Ansonsten kann man zu Ihrem Kommentar nur sagen: wirr, wirrer, Männerrechtsbewegung. Übrigens liebe Freitag-Moderatoren, indem der Vorposter den Feminismus mit dem Nationalsozialismus auf eine Stufe stellt, wird der Naziterror verharmlost und relativiert - ist das in Deutschland nicht gesetzeswidrig? Man kann das durchaus als Hassposting interpretieren.

RE: So unsexy | 20.12.2015 | 09:40

Auffällig zu beobachten finde ich ja, dass die rechten Trolle (siehe Foto), von denen die Debatte gerne gekapert wird, an politischer Schizophrenie leiden. Gestern hatte man noch Spass beim Hetzen gegen Quote, "Gender-Wahn" und die "Homo-Lobby", heute schon wird der Feminismus bemüht, um gegen Flüchtlinge zu hetzen.

Auch für die Rechte der LGBTI-Community macht sich heute so mancher vermeintlich stark, der sich gestern noch über homosexuelle "Provokationen" am CSD empörte und die Gleichstellung in der Ehe verdammte.

Und ja, es sind leider diese Figuren, die am lautesten und besoffen ins Mikrofon gröhlen, während die Stimmen der Normalen untergehen, aber andererseits sind es auch oft die bürgerlichen Massenmedien, die den Rechtstrollen begeistert das Mikro hinhalten, um ihre paranoiden und vor Hass geifernden "Ängste, Sorgen und Nöte" zu bedienen. Denn damit lässt sich scheinbar eine andere Art von Quote steigern.

Und so durften wir im Jahr 2015 auch beobachten, wie diese Medien aus Nazis, die Pogrome veranstalten und Flüchtlingsheime anzünden, sogenannte "Asylkritiker" wurden. Vielleicht machen dann 2016 diese Medien aus den sexistischen Schlägertypen und Vergewaltigern "Feminismuskritiker"?

RE: Oh du fröhliche Sorge | 19.12.2015 | 19:35

Tsts, ich muss schon sagen, der Herr Trump enttäuscht mich ;) Der eigentliche Skandal mit den roten Pappbechern ist doch, dass Weihnachten jetzt kommunistisch unterwandert wird!!!! Ihr werdet schon sehen, bald müssen wir alle Hammer und Sichel auf den Baum hängen und die Bäume werden nur noch aus Kuba importiert!!!! Und am Höhepunkt der besinnlichen Zeit feiern wir dann den Roten Abend und singen alle die "Internationale" unter dem kubanischen Baum!!!! Und der Mann mit dem Rauschebart, der vom Schlitten die Geschenke an die Kleinen verteilt, heisst nicht länger Santa Claus, sondern Genosse Marx!!!! Ach, Donald Trump, wann wirst du endlich die Welt mit der Wahrheit über diese kommunistische Verschwörung erleuchten????

RE: Machtkampf: Noch ist Polen nicht verloren | 18.12.2015 | 13:05

Die Frage, die Sie am Beginn stellen, finde ich wichtig: wer verhandelt? Und ich würde sogar noch ergänzen: In wessen Auftrag?

Die Vermittlung durch die bürgerlichen Massenmedien funktioniert sicher nicht. Dazu sind diese Massenmedien viel zu sehr Teil des Problems bzw. Teil des Systems. Es sind eher Riemen, die die herrschende Politik "nach unten" vermitteln und die herrschende sozioökonomische und politische Ordnung ideologisch absichern. Kritisches Nachfragen oder gar Systemkritik ist hier selten zu erwarten.

Ich setze mehr Hoffnungen auf die direkte Organisierung der Menschen an der Basis. Das heisst, die von Ihnen genannte notwendige Öffentlichkeit braucht nicht massenmedial und nur zum Schein hergestellt werden. Diese Öffentlichkeit wird in einem Prozess an der Basis hergestellt, durch politische Praxis. Es gibt ja interessante Ansätze, wo versucht wird, eine solche Öffentlichkeit herzustellen, meistens im Rahmen von Protestbewegungen, deren AktivistInnen sich in Versammlungen auf der Strasse austauschen.

Ich denke, es braucht hier weder die Massenmedien noch die Regierungen. Ein gemeinsames Europa kann auch "von unten", von den Menschen im Austausch und durch Kommunikation auf gleicher Augenhöhe aufgebaut werden.