Saul Rednow

Meine Themen: Rechtsextremismus - Rassismus - Homophobie - Politik - Musik u.a.
Saul Rednow
RE: Rückständiger als Amerika | 12.08.2015 | 18:05

@Peter Rehberg

Ergänzung:

Im Deutschen Bundesrat (Ländervertretung) wurde am 12. Juni 2015 durch Mehrheitsbeschluss angenommen:

1.) Entschließung des Bundesrates 274/15

Entschließung für eine vollständige Gleichbehandlung von gleichgeschlechtlichen Paaren …

PDF-Datei:

http://www.queer.de/docs/bundesrat-274-15.pdf

2.) Gesetzesantrag 273/15

Entwurf eines Gesetzes zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts …

PDF-Datei:

http://www.queer.de/docs/bundesrat-273-15.pdf

RE: Rückständiger als Amerika | 12.08.2015 | 17:49

Der Kommentar ging an @JR's China Blog

RE: Rückständiger als Amerika | 12.08.2015 | 17:48

Mit der „Argumentation“ schon am Ende?

Im übrigen kapiere ich ganz besonders diesen „letzten“ Kommentar von Ihnen nicht, waren SIE es doch schließlich, der hier den allerersten Kommentar absetzte, der ach so missglückt witzig an den Blogautor Peter Rehberg gerichtet war.

Also, was wollen Sie eigentlich von mir? Sie sind es doch schließlich nicht, dem Grund- und Menschenrechte vorenthalten werden, also kommen Sie mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Wenn Ihnen doch noch sachliche Argumente, wofür auch immer, einfallen sollten, bitte gern, Sonst war’s das für mich hier im Moment, weil auch @Scheidungskind nur seine bereits in einem anderen Thread zum Besten gegebenen Pseudo-Sprüche absondert.

S.R.

P.S. Ihre versuchten Ferndiagnosen dürfen Sie sich gern sparen. weil sie nicht nur falsch sind, sondern auch sachlich nichts zum Thema des Blogs beitragen

RE: Rückständiger als Amerika | 12.08.2015 | 15:50

Mir geht es nicht um einen „Negativ-Wettbewerb“ in Sachen religiöser Fundamentalismus und dessen Einfluss auf politische Entscheidungen von us-amerikanischer und deutscher Regierung. Jedoch widersprechen meine eigenen Erfahrungen Ihren Schilderungen @JR’s China Blog.

Während es sich bei den USA, nach Selbsteinschätzung, um „God’s own country“ handelt und „Gottes Wille“ immer wieder ganz ungeniert als Begründung für viele Verhaltensweisen der jeweils Regierenden herhalten muss, haben wir es in Deutschland - jedenfalls vordergründig - mit einem säkularen Staat zu tun.

Andererseits bin ich aber auch gar nicht der große Unterstützer der vom Autor Peter Rehberg gewählten Überschrift für seinen Artikel. Ich hätte an seiner Stelle sicher anders formuliert, so what?

Doch offenbar hat seine Formulierung genau für die Provokation und Aufmerksamkeit gesorgt, die er wollte und die z.B. einen Kommentator @JR’s China Blog auf den Plan rief :-)

RE: Rückständiger als Amerika | 12.08.2015 | 15:29

@Scheidungskind schrieb am 12.08.2015 um 12:47 Uhr u.a.

„Folgen einer Öffnung der Ehe für Homosexuelle „(…) die zivilisatorische Wirkung der Ehe beruht hauptsächlich auf der konkreten Inaussichtstellung einer eigenen Familie für jeden jungen heterosexuellen Mann zwischen 15 und 30 Jahren.

Durch die Aufgabe [sic] des Ehe-Strukturelements Verschiedengeschlechtlichkeit geht nicht nur die gesellschaftlich-moralische Unterstützung für die Mehrheit der heterosexuellen jungen Männer bei der Suche nach einer Partnerin verloren – die nun prominentere Institution der gleichgeschlechtlichen Ehe rückt zudem z.B. die Freundinnen der Wunschpartnerin zusätzlich als mögliche Konkurrentinnen der jungen Männer um eine Beziehung in den Focus und senkt zusätzlich die Zuversicht der jungen Männer auf eine eigene Familie. Diese Männer werden ihre Energien in Zukunft statt in Ausbildung und Karriere zu sublimieren in die Eroberung und Begattung möglichst vieler Frauen investieren – und wenn dies mehr Männer tun, werden sie auch wieder anfangen, gegeneinander um die Frauen zu kämpfen“

Saul Rednow:

Weder wird dadurch, dass auch gleichgeschlechtliche Lebenspaare heiraten dürfen, die Verschiedengeschlechtlichkeit der Ehe aufgegeben, wie von @Scheidungskind behauptet, denn an der Möglichkeit zu heiraten ändert sich für heterosexuelle Menschen, (junge Männer), mit der Ehe-Öffnung nicht das Geringste (einer von vielen Denkfehlern der „Gegenargumentation“).

Und ebenfalls tangiert die Ehe-Öffnung nicht die, ebenfalls von @Scheidungskind behauptete „Senkung der Zuversicht der jungen (heterosexuellen) Männer auf eine eigene Familie“, wieso sollte sie auch?

Fazit: Die Ehe-Öffnung nimmt keinem einzigen heterosexuellen Menschen irgend etwas, weil sie deren Rechte (und Pflichten) innerhalb der Ehe gar nicht tangiert. Die Ehe-Öffnung nimmt nichts, sondern fügt etwas hinzu für Menschen, die zu Unrecht diskriminiert wurden und werden.

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Zitat @Scheidungskind: „(…) Die Etablierung der gleichgeschlechtliche Ehe hat nicht nur mittelfristig das Potenzial, unserer Zivilisation erhebliche Schäden zuzufügen …“

Saul Rednow: Diese Behauptung ist genauso falsch und in der Tendenz volksverhetzend (§ 130 StGB), wie die Nazi-Propaganda von der „Zersetzung der Gesellschaft“ durch ‚Mischehen’ etwa zwischen Juden und Nichtjuden und zwischen Schwarzen und Weißen.

@Scheidungskind prognostiziert mit seiner absurden, ,Untergangsprophezeiung folglich die baldige „Zerstörung“ der nachstehend aufgelisteten Hochkulturen, die bekanntlich allesamt (teilweise schon seit über einem Jahrzehnt) die Zivil-Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet haben und damit alle! ausschließlich gute Erfahrungen machten

Niederlande 2001 +++ Belgien 2003 +++ Kanada 2005 +++ Spanien 2005 +++ Südafrika 2006 +++ Norwegen 2009 +++ Schweden 2009 (zuvor, seit 1995 Eingetragene Lebenspart- nerschaften) +++ Argentinien 2010 +++ Island 2010 +++ Portugal 2010 +++ Brasilien 2013 +++ Dänemark 2013 (zuvor, seit 1989 Eingetragene Lebenspartnerschaften) +++ Frankreich 2013 (zuvor Eingetragene Lebenspartnerschaften / Pacte Civil) +++ Neuseeland 2013 +++ Uruguay 2013 +++ Großbritannien 2014 +++ Luxemburg 2014 +++ Irland 2015 +++ Grönland 2015 +++ Guam 2015 +++ USA (in etwa 32 Bundesstaaten inzwischen eingeführt) usw.

Während die meisten der aufgeführten Länder von Anfang an ein einheitliches Eherecht für alle Eheleute (heterosexuelle und homosexuelle) schafften, ersetzten die Länder Dänemark, Schweden und *Frankreich, die zuvor eine ähnliche Regelung, wie das deutsche „Lebenspartnerschaftsgesetz“ hatten, ihre Übergangslösungen bereits vor Jahren durch die Ehe-Öffnung für gleichgeschlechtliche Lebenspaare (*in Frankreich haben gleichgeschlechtliche Paare seit der Ehe-Öffnung die Wahl zwischen Ehe und Pacte Civil).

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Zitat @Scheidungskind: „(…) Für gleichgeschlechtliche Paare gibt es die eingetragene Lebenspartnerschaft …“

Saul Rednow: Es entbehrt ja durchaus nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik, wenn - angesichts der nunmehr auch in Deutschland in Aussicht stehenden Ehe-Öffnung - plötzlich die, von Anfang an nur als Übergangslösung konzipierte“ und 2001 gegen den erbitterten **Widerstand von CDU/CSU und der beiden großen Kirchen, durch SPD und Grüne beschlossene sog. „Eingetragene Lebenspartnerschaft“ für homosexuelle Paare nun plötzlich von Rechten und religiösen Fundamentalisten als „angemessen“ unterstützt wird :-)

(**mit „Schaum vor dem Mund“ eiferten 2001 Konservative, Rechtsextreme und Kirchen gegen „den Untergang des Abendlandes durch die Einführung der ‚Eingetragenen Lebenspartnerschaft’ für gleichgeschlechtliche Paare“. Man entblödete sich noch nicht einmal gegen das Gesetz vor dem Bundesverfassungsgericht zu klagen und verlor).

@Scheidungskind, Sie haben eine blühende Phantasie und setzen Sie ein, um "pseudowissenschaftlichen Unsinn" zu verbreiten, so hart muss ich das leider formulieren.

Es ist reine Propaganda, die den untauglichen Versuch unternimmt Vorurteile und irrationale Ängste gegen die Ehe-Öffnung zu schüren.

Sie haben in diesem Thread zudem kein einziges stichhaltiges Argument gegen die Öffnung der Zivil-Ehe geliefert.

Anhang:

Homophobie (von griech. homós: gleich; phóbos: Angst, Phobie) bezeichnet eine soziale, gegen Lesben und Schwule gerichtete, Aversion und Feindseligkeit, die lesbische Frauen und schwule Männer teilweise massiv beeinträchtigt, sowie die irrationale, weil sachlich durch nichts zu begründende, Angst vor homosexuellen Menschen und ihrer Lebensführung.

Dahinter verbirgt sich häufig eine, meist unbewusste, Angst davor, dass die eigene, vorgeblich heterosexuelle, Identität des homophob Agierenden in Frage gestellt werden könnte und damit die oft ein Leben lang ängstlich aufrecht erhaltene Lebenslüge vom Heterosexuellen (Ehemann und Familienvater) in sich zusammen fällt.

Während das Thema Homosexualität heterosexuelle Menschen kaum beschäftigt, weil es sie nicht wirklich tangiert, beschäftigen sich homophob auftretende Menschen häufig exzessiv und wie besessen mit dem Thema und wollen sie bekämpfen.

Homophobie wird zwischenzeitlich auch gelegentlich als eine Unterform des Rassismus angesehen (nicht zu verwechseln mit Rassenhass), weil sie die typischen Merkmale des Rassismus aufweist:

1. Konstruktion und Betonung tatsächlicher oder konstruierter Unterschiede zwischen (Verbal-)Täter und Opfer

2. Wertung dieser realen oder konstruierten Unterschiede zum Nutzen des (Verbal-)Täters und zum Schaden des ins Visier genommenen Opfers

3.) Eine unzulässige Verallgemeinerung und Verabsolutierung dieser realen und konstruierten Unterschiede

4.) Daraus abgeleitet, die angebliche Legitimation einer Aggression gegen andere und eines Privilegs für den (Verbal-)Täter

Mehr zum Thema Ehe-Öffnung findet sich hier:

https://www.freitag.de/autoren/saul-rednow/bundespraesident-gauck-lobt-irlands-eheoeffnung

https://www.freitag.de/autoren/saul-rednow/dont-leave-you-with-that

https://www.freitag.de/autoren/saul-rednow/unheilige-allianz

RE: Rückständiger als Amerika | 12.08.2015 | 10:43

@JR’s China Blog schrieb am 12.08.2015 um 10:10 Uhr u.a.

„Oh Gott! Rückständiger als Amerika? …“

Ja!

Und das will schon etwas heißen, gegenüber einem Land in diesem Punkt ins Hintertreffen zu geraten, das berüchtigt ist für seine Bigotterie, den weit verbreiteten religiösen Irrsinn und den massiven Einfluss von reaktionären selbsternannten TV-Predigern auf Politik und Gesellschaft, oder meinen Sie nicht @JR’s China Blog? :-)

RE: Rückständiger als Amerika | 12.08.2015 | 10:30

@Peter Rehberg

Danke für den Artikel. Bitte gestatten Sie mir einige Ergänzungen und Anmerkungen.

LGBT-Aktivisten und „ganz normale“ :-) Schwule und Lesben sind nicht so begeistert, wenn von „Homo-Ehe“ die Rede ist, denn es handelt sich richtiger Weise um ein gemeinsames Eherecht für heterosexuelle und homosexuelle Paare, das durch die Öffnung der Zivil-Ehe erreicht wird. Das ist in den unten aufgeführten Ländern so und es unterscheidet sich eben deutlich von der Übergangsnotlösung der sog. „Eingetragenen Partnerschaft“, die ein eigenes Rechtsinstitut für gleichgeschlechtliche Lebenspaare darstellt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichgeschlechtliche_Ehe

Es erschiene Ihnen doch sicher auch abwegig, würde man von ‚Juden-Ehe’ sprechen, wenn es sich um jüdische Eheleute handelt, wenn von ‚Schwarzen-Ehe’ die Rede wäre, nur weil die Eheleute eine schwarze Hautfarbe haben oder wenn sogar (im rasstistisch vorbelasteten Sinne) von einer ‚Misch-Ehe’ gesprochen würde, sobald unterschiedliche Ethnien eine Ehe eingehen.

Die ARD ‚Tagesschau’ und das ZDF ‚heute’ haben, nach entsprechender Intervention, inzwischen fast komplett darauf verzichtet von „Homo-Ehe“ in ihren Nachrichtensendungen zu sprechen und stattdessen den Begriff „Ehe-Öffnung“ gewählt, solange es noch kein gemeinsames Eherecht in Deutschland gibt.

u.a. die nachstehend aufgelisteten Länder öffneten die Zivil-Ehe für gleichgeschlechtliche Lebenspaare:

Niederlande 2001 +++ Belgien 2003 +++ Kanada 2005 +++ Spanien 2005 +++ Südafrika 2006 +++ Norwegen 2009 +++ Schweden 2009 (zuvor, seit 1995 Eingetragene Lebenspart- nerschaften) +++ Argentinien 2010 +++ Island 2010 +++ Portugal 2010 +++ Brasilien 2013 +++ Dänemark 2013 (zuvor, seit 1989 Eingetragene Lebenspartnerschaften) +++ *Frankreich 2013 (zuvor nur Eingetragene Lebenspartnerschaften / Pacte Civil möglich) +++ Neuseeland 2013 +++ Uruguay 2013 +++ Großbritannien 2014 +++ Luxemburg 2014 +++ Irland 2015 +++ Grönland 2015 +++ Guam 2015 +++ USA (in etwa 32 Bundesstaaten inzwischen eingeführt) usw.

Während die meisten der aufgeführten Länder von Anfang an ein einheitliches Eherecht für alle Eheleute (heterosexuelle und homosexuelle) schafften, ersetzten die Länder Dänemark, Schweden und *Frankreich, die zuvor eine ähnliche Regelung, wie das deutsche „Lebens-partnerschaftsgesetz“ hatten, ihre Übergangslösungen bereits vor Jahren durch die Eheöff-nung für gleichgeschlechtliche Lebenspaare ersetzt (*in Frankreich gibt es, nachdem die Zivil-Ehe geöffnete wurde, nunmehr die Möglichkeit zwischen Ehe und Pacte Civil zu wählen).

Kürzlich wurde in den USA, wie Sie in Ihrem Artikel richtig erwähnen, durch Urteil des 'Supreme Court' vom 26. Juni 2015 rechtlich verbindlich entschieden, dass evtl. Eheverbote für gleichgeschlechtliche Paare in allen Bundesstaaten der USA verfassungswidrig sind.

Die deutsche Bundesregierung, unter der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel, gerät nun in der Tat immer mehr in Argumentationsnot, denn während etwa in Spanien und Frankreich sozialistische Regierungen die Zivil-Ehe für gleichgeschlechtliche Paare öffnen ließen, war es in Großbritannien ein konservativer Regierungschef David Cameron (also Merkels Parteifreund in der EU), der die Ehe-Öffnung zu seiner eigenen Chef-Sache erklärte, mit Verve vor der Konservativen Partei dafür stritt und ihre Akzeptanz bei den eigenen Konservativen erreichen konnte. Die Verabschiedung in Unterhaus und Oberhaus verlief dann völlig unaufgeregt und reibungslos. Als die britische Queen das Gesetz unterzeichnete trat es in Kraft.

Und auch im stark katholisch geprägten Irland waren es, neben Linken und Liberalen, eben ausdrücklich auch die Konservativen, die im Vorfeld der Volksabstimmung für die Ehe-Öffnung warben, der dann von den Iren mit überwältigender Mehrheit und bei hoher Wahlbeteiligung zugestimmt wurde.

Also Frau Merkel, auf wen meinen Sie eigentlich Rücksicht nehmen zu müssen? Etwa auf religiöse Fundamentalisten, wie das ‚Forum Deutscher Katholiken e.V.’, die ‚Deutsche Evangelische ‚Allianz’ oder gar den Verein der eindeutig reaktionären katholischen ‚Pius Bruderschaft’, die alle zusammen selbst unter CDU/CSU-Mitgliedern nachweisbar nur einen verschwindend geringen Prozentsatz von Unterstützern und in der Gesamtgesellschaft so gut wie keine Relevanz haben?

Nach der parlamentarischen Sommerpause werden im Bundestag Gesetzesinitiativen von DIE LINKE. und GRÜNE für ein Gesetz zur Ehe-Öffnung erfolgen. Die SPD, die im letzten Bundestagswahlkampf noch mit dem Slogan „Die volle Gleichstellung gibt es nur mit uns“ warb, sollte sich endlich dafür stark machen die Abstimmung im Bundestag fraktionsübergreifend frei zu geben, wie ja auch das Grundgesetz bestimmt, das die Abgeordneten einzig ihrem Gewissen unterwirft, nicht jedoch einem "verfassungswidrigen" Fraktionszwang oder gar unzulässigen Weisungen von "religiösen Großsekten", wie die nachstehend dokumentierte:

2003 hat die sog. „Kongregation für die Glaubenslehre“ der Römisch Katholischen Kirche, unter dem damaligen Kardinal (und späteren Papst) Ratzinger, Parlamentarier (auch in Deutschland!) detailliert angewiesen, wie sie zu handeln haben:

„Wird der gesetzgebenden Versammlung zum ersten Mal ein Gesetzentwurf zu Gunsten der rechtlichen Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften vorgelegt, hat der katholische Parlamentarier die sittliche Pflicht [sic], klar und öffentlich seinen Widerspruch zu äußern und gegen den Gesetzentwurf zu votieren. Die eigene Stimme einem für das Gemeinwohl der Gesellschaft so schädlichen [sic] Gesetzestext zu geben ist eine schwerwiegend unsittliche [sic] Handlung.“

Kommentar: Diese Anweisung des katholischen Klerus stellt, ganz besonders in einem säkularen Staat, eine verfassungswidrige und damit unzulässige Beeinflussung dar („hat der katholische Parlamentarier“) und Druckausübung („unsittliche Handlung“), auf die lt. Grundgesetz nur ihrem Gewissen verpflichteten und von Weisungen unabhängigen Volksvertreter.

Dazu schreibt das ‚Centre of the Studies of Discrimination based on Sexual Orientation’ an der ‘Freien Universität’ Berlin bereits 2013 u.a.

„Mit diesem Druck (…) verlässt die katholische Amtskirche die wesentlichen Grundlagen eines repressionsfreien demokratischen Diskursrahmens. Die katholische Kirche lädt einmal mehr schwere Schuld auf sich. Sie legitimiert durch ihren unbarmherzigen Kampf gegen die gleichgeschlechtliche Liebe und die damit verbundene Form des staatlich anerkannten Zusammenlebens in einer Partnerschaft, das erneute Anwachsen von Homophobie, Verfolgung und Diskriminierung (…), dies ist schändlich.“

Der deutsche Kardinal Ratzinger hat in einer Stellungnahme der sog. ‚Kongregation für Glaubenslehre’ am 03.06.2003 zu Homosexualität und gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften u.a. folgendes erklärt:

„Die homosexuelle Neigung [sic] ist objektiv ungeordnet [sic] und homosexuelle Praktiken gehören zu den schweren Sünden [sic]. Ferner sei der Staat [die grundgesetzlich vorgegebene Trennung von Staat und Religion wird hier massiv missachtet] auf die Notwendigkeit [sic] hinzuweisen, das Phänomen [sic] in Grenzen zu halten (…) homosexuelle Beziehungen sind in keinem Fall zu billigen“

Ratzinger beruft sich dabei sogar noch auf das angebliche „Gemeinwohl“ [sic]

Dazu noch einmal das ‚Centre of the Studies of Discrimination’ an der FU, Berlin:

“(...) was verlangt etwa das Gemeinwohl? Der Vatikan ist aufgrund historischer und aktueller Fakten sicherlich nicht in einer Situation, das Gemeinwohl in einer demokratisch pluralistischen Gesellschaft zu dekretieren. Er ist einer von zahlreichen Teilnehmern an einer immer währenden Werte- und Gemeinwohlfindungsdiskussion. Nicht mehr und nicht weniger …“

Gruß

Saul Rednow

RE: Die schwäbische Hausfrau | 09.08.2015 | 18:55

Täter-, Opfer-Umkehr

Ich habe Verständnis für Menschen, die sich für bestimmte Themen nicht interessieren und sich deshalb auch nicht darüber informieren wollen, etwa weil es ihnen unangenehm ist sich mit diesem oder jenem Themenkreis auseinander zusetzen.

Fast noch mehr Verständnis habe ich für diese Menschen, wenn sie sich dann auch nicht ausgerechnet zu genau diesem Themenkomplex, von dem sie nichts wissen wollen, öffentlich auf beleidigende und diffamierende Weise äußern oder dagegen demonstrieren und Restriktionen von der Politik gegenüber anderen Menschen verlangen. Worüber ich nichts weiß, weil ich darüber nichts wissen will, dazu kann ich mich auch nicht seriös äußern.

Wofür ich schon deutlich weniger Verständnis aufbringe ist, wenn Ignoranz als Grundlage von aggressiv demonstrierter Ablehnung dient, also kein rationaler Hintergrund dafür angeführt werden kann andere Menschen in ihren Grundrechten beschneiden zu wollen, nur weil sie anders sind, als man selbst.

Von Homophoben, die als (Verbal-)Täter auftreten, indem sie Menschen, die nicht der eigenen sexuellen Identität entsprechen, Menschenrechte verweigern wollen, höre ich regelmäßig „man müsse Ihnen (also den Tätern) gegenüber tolerant sein“. Das halte ich für abwegig, denn die grundgesetzlich geschützte Meinungsfreiheit beinhaltet nicht das Recht auf Diffamierung, Diskriminierung oder Beleidigung und sie endet genau dort, wo sie in die Rechte anderer eingreift.

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Toleranz gegenüber Intoleranz?

Zitat:

„Warum erwarten manche Toleranz für Intoleranz oder gar Homophobie, die sich oft in Hass und Gewalt gegenüber

homosexuellen Menschen ausdrückt?

Dieses Toleranz-Einfordern derjenigen, die anderen gegenüber intolerant sind, wird auch durch ständige Wiederholung nicht logischer.

Es ist eine selbstverständliche Sache, Toleranz für Menschen zu fordern, die einfach nur gleichberechtigt behandelt und nicht diskriminiert werden wollen und es ist abwegig Toleranz für diejenigen zu fordern, die diese Menschen diskriminieren.

Der Rassist fordert Toleranz für seinen Rassismus, der Sexist für seinen Sexismus. der Antisemit für seinen Antisemitismus und der Homophobe für seine Homophobie, aber die steht ihm nicht zu, denn er ist Täter und nicht Opfer.“

(Quelle: ZEIT ONLINE 25.09.2012)

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Noch einmal eine andere „Hausnummer“ sind die religiös motivierten Homophoben, die glauben sich im Recht zu befinden und die sich dabei auf die angebliche „Weisung ihres Gottes“ berufen.

So hat doch der umstrittene schweizer Bischof Hounder (siehe dazu meine Blogs „Eine gespenstische Veranstaltung in Fulda“ und „Gespenstische Veranstaltung in Fulda Teil 2“) tatsächlich folgendes geäußert: „Göttliches Recht steht über weltlichem Recht“ Er wähnt sich offenbar in einem „katholischen Gottesstaat“, doch soweit ist es noch nicht gekommen.

Der Bischof irrt noch in einem weiteren Punkt, denn obwohl er in der Schweiz lebt, die bekanntlich nicht zur EU gehört, hat er seine ggf. strafrechtlich relevante Aufforderung an die Zuhörer: „Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen. Beide werden mit dem Tod bestraft. Ihr Blut soll auf sie kommen.“ in Fulda, also auf EU-Territorium, geäußert. Damit unterliegt diese verbale Tat auch deutschem und EU-Recht.

„(…) Religion darf nicht zur Rechtfertigung der Diskriminierung von homosexuellen Menschen benutzt werden …“ (Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Urteile vom 15.01.2013, 48420/10 +++ 59842/10 +++ 51671/10 +++ 36516/10)

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„Wer in einer Weise, die geeignet ist den öffentlichen Frieden zu stören, die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er zum Hass gegen Teile der Gesellschaft aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordert, oder sie beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren bestraft“ (§ 130, StGB)

RE: Gespenstische Veranstaltung in Fulda -Teil 2- | 09.08.2015 | 09:25

Das, von vielen als „volksverhetzend und krankhaft homophob“ empfundene Referat des schweizer Bischofs Vitus Hounder („die Bibel sieht Todesstrafe für Homosexuelle vor“) auf dem Fuldaer Kongress ‚Freude am Glauben’ des katholischen Fundamentalistenvereins ‚Forum Deutscher Katholiken e.V.’ (ihm gehört u.a. Gabriele Kuby, als Kuratoriumsmitglied an) schlägt medial weiterhin hohe Wellen, besonders in der Schweiz.

Am 07. August hat sich nun auch der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz Bischof Markus Büchel zu den verbalen Entgleisungen seines Kollegen Hounder öffentlich geäußert:

„(…) Man darf eine Person nicht auf ihre Sexualität reduzieren, Prinzipien, wie die Liebe zum Nächsten, sind Schlüssel zur Interpretation von Bibelstellen in die jeweilige Zeit hinein. Unser heutiges Wissen um die Homosexualität als Anlage und nicht frei gewählte sexuelle Orientierung war zur Zeit der Bibel gar nicht bekannt.

Es ist Aufgabe der Kirche heute mit den Menschen einen Weg zu gehen, auf dem sie ihre Sexualität als Geschenk Gottes in ihr Leben und die Gestaltung ihrer Beziehungen integrieren können. Die Kirche muss sich auch der historischen Lasten [ihrer Schuld] im Umgang mit Homosexualität bewusst stellen und eine menschen- und sachgerechte Sprache finden …“