Homophobie, religiös verbrämt

RKK & Homophobie: Der nachstehende Text war als Kommentar-Antwort gedacht, geriet dann etwas zu lang, hatte Probleme mit der Lesbarkeit (Formatierung) und wurde daher zum Blog.
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Vorwort:

Auslöser für diesen Text war die Frage eines FC-Users an mich, die er mir im Kommentarbereich seines Blogs stellte.

Die Frage lautete: "(...) Was Sie allerdings aus den Medien erfahren ist, dass der Papst an der Einstellung der Kirche zu Homosexuellen nichts ändern will. Ich stelle Ihnen die Frage wieso glauben Sie ist das so?"

Darauf antwortete ich: "Hier kommen meine Versuche eine Erklärung für die bis heute andauernde homophobe Haltung der RKK und damit eine Antwort auf Ihre Frage zu finden, in Stichworten, um meinen Kommentar nicht länger werden zu lassen, als den Blog-Beitrag (...)"

https://www.freitag.de/autoren/andreas1973/der-vertreter-gottes-auf-erden

Leid und Lust:

Basiert das sog. „Christentum“ nicht auf dem Bild vom Menschen, als stillen Erdulder von Leid und Elend, der sich damit trösten muss, dass er erst im „Jenseits“ Freude und Glück erreichen wird?

Wenn nun aber homosexuelle Menschen (besonders schwule Männer, während lesbische Frauen von der RKK kaum beachtet werden, weil Frauen von ihr geringer geschätzt werden) offen- sichtlich Spaß am Sex haben (man sagt Schwulen ja einen gewissen Hedonismus nach) und das „noch nicht einmal unter dem Vorwand für Nachwuchs zu sorgen“, dann kann das den „demütig leidenden“ heterosexuellen Christenmenschen schon sehr in Rage bringen und lässt ihn das eigene lustfeindliche Leben vielleicht ein wenig schwerer ertragen. Also muss der lust-orientiert lebende schwule Mann verdammt und bestraft werden, weil der Neid es so gebietet?

Projektion:

Bei homophob auftretenden katholischen Männern handelt es sich wohl häufig um verklemmte Homosexuelle, die es nicht wagen ihre Sexualität zu leben, da ihnen von Kindesbeinen an durch die Katholische Kirche eingebläut wurde, dass das Hingezogensein zum eigenen Geschlecht durch und durch "sündhaft" bzw. "verbrecherisch" sei. Dieser homosexuelle Selbsthass wird dann stellvertretend an anderen ausgelassen. Eine Art übertragene Selbstgeißelung oder Projektion.

Angst vor Machtverlust der RKK:

Die Römisch-Katholische Kirche, als jahrhundertelanger Unterdrücker von Anders- und Nichtgläubigen (Stichworte: Inquisition, Zwangstaufen von Juden, Enteignungen, Scheiter- haufen etc.), mit ihren Allmachts- und Gewaltphantasien, verkraftet offensichtlich nicht den schwindenden Einfluss auf Regierungen und dumme Mitläufer (Stichworte: Kirchenaustritte und die bereits in vielen Staaten erfolgte Öffnung der Zivil-Ehe für schwule und lesbische Lebenspaare, die trotz des erbitterten Widerstandes der RKK stattfand und zwar auch in mehrheitlich katholischen Ländern, wie Spanien und Portugal aber auch in „säkularen“ Staaten: Großbritannien, Frankreich, Niederlande, Luxemburg usw.).

Bei einem Treffen mit französischen Politikern erklärte Papst Franziskus, „dass man beschlossene Gesetze auch wieder außer Kraft setzen könne." - Anmerkung S.R.: "Man kann Religioten auch wieder in die Klappse stecken, aus der sie offenbar ent- wichen sind" :-)

Die Bibel schreibt angeblich die Bekämpfung der Homosexualität vor?

So, so, ein nachweisbar von Menschen verfasstes, mehrfach umgeschriebenes und teilweise auch noch falsch übersetztes Buch, das vor tausend(en) von Jahren das Zusammenleben von Menschen regeln sollte, wird von christlichen Fanatikern nach- geplappert, als wäre der zeitliche Kontext, in dem es entstand, kein entscheidendes Kriterium für die Beurteilung.

Die Bibel behauptet noch nicht einmal, dass Sodom und Gomorrha (das immer wieder gern als Begründung für die Ablehnung der Homosexualität herangezogen wird) wegen Homosexualität bestraft wurde, sondern wegen seiner Gottlosigkeit (Matth. 11) und wegen seiner mangelnden Gastfreundschaft.

Zitat: „(…) das Volk die Engel vergewaltigte, obwohl sie als Gäste besonderen Schutz verdienten. Lot bietet als Ersatz seine Töchter an, (also scheint es auf das Geschlecht nicht so angekommen zu sein?) …“ Was aber laut Jesus ganz klar Sünde ist, ist, seinen Mitmenschen "Rakha" zu nennen, ein böses Schimpfwort mit einer "tuntigen" Konnotation. Es geht also um Respekt vor Menschen als „Gottes Geschöpfe“.

Was hält Gott wohl von Homosexualität?

Zunächst einmal bin ich fest davon überzeugt, dass es keinen Gott gibt, so dass sich die Frage gar nicht stellt. Da es aber nicht wenige Menschen gibt, die meinen, dass da irgendwo ein allmächtiger Gott thront, hier "die logische Erklärung" dafür, dass dieser allmächtige Gott nichts dagegen hat, dass zwei Menschen des gleichen Geschlechtes einander lieben und heiraten.

„Euer Gott ist allmächtig“, wenn er etwas gegen Schwule und Lesben hätte, dann wäre es ihm ein Leichtes diese Menschen nicht schwul oder lesbisch zu machen. Offensichtlich muss ja wohl ein göttlicher Plan dahinter stecken, dass diese Menschen sich in Menschen des gleichen Geschlechtes verlieben. Falls nicht, ist es mit der Allmacht Gottes wohl nicht allzu weit her?

„Gott hat Adam und Eva *geschaffen, *nicht Adam und Hans“, so und so ähnlich „argumentieren“ regelmäßig konservativ-reaktio- näre Hinterwäldler (z.B. in Sachsens CDU- Landtagsfraktion), wenn Sie meinen den Homosexuellen ihre Menschen- und Bürgerrechte vorenthalten zu müssen. - Frage von S.R.: "Dürften wir über diesen Augenzeugen, der offensichtlich damals *dabei gewesen, ist etwas genaueres erfahren?"

Widerspruch zwischen Kirchen-Handeln und Europäischem Recht:

„(…) Religion darf nicht zur Rechtfertigung der Diskriminierung von homosexuellen Menschen benutzt werden. Die Verpflichtung Lesben und Schwule nicht zu diskriminieren, gilt auch für die- jenigen, die aus religiösen Gründen homosexuelle Menschen ablehnen …“ (Quelle: Europäischer Gerichtshof für Menchen- rechte, Urteile vom 15.01.2013 - 48420/10, 59842/10, 51671/10 und 36516/10)

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat in seinen o.g. Entscheidungen damit insgesamt das Grundrecht auf Religionsfreiheit und den Diskriminierungsschutz gegeneinander abgewogen und er ist zu der rechtskräftigen und in allen EU-Mitgliedsstaaten geltenden und damit durchsetzbaren Regelung gekommen, dass die demokratischen Staaten nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht haben lesbische Frauen und schwule Männer vor Benachteiligung, Diffamierung, Ausgrenzung und Diskriminierung zu schützen.

Das Urteil ist eine Bestätigung dafür, dass (überraschender Weise?) auch religiöse Menschen „weltliche“ gesetzliche Regelungen zu beachten haben, denn Religion - so die obigen Urteile - ist keine Rechtfertigung dafür anderen Menschen ihre Menschen- und Bürgerrechte zu verweigern.

Wer die Bibel heute noch wörtlich nehmen will, kann damit ganz schön in Schwierigkeiten geraten, denn …

wenn ich die Bibel wörtlich nehmen würde, dürfte ich
1. auf meinem Balkon Stiere als Brandopfer darbieten, da dies einen lieblichen Geruch erzeugt (Lev 1:9)
2. meine Tochter in die Sklaverei verkaufen (Ex 21:7)
3. Frauen nach ihrer Menstruation befragen, bevor ich mit ihnen rede (Lev 15:19-24)
4. Sklaven von benachbarten Nationen erwerben (Lev 25:44)
5. einen am Samstag arbeitenden Nachbarn eigenhändig töten (Ex 35:2)
6. keine Schalentiere (Krabben, Austern, Muscheln etc.) essen (Lev 11:10)
7. mich nicht einem Altar nähern, wenn ich eine Brille trage (Lev 21:18-20)
8. meine Freunde töten, weil sie sich Haupt- und Barthaare schneiden lassen (Lev 19:27)
9. nicht Fußball spielen, weil das Berühren der Haut eines toten Schweins verboten ist (Lev 11:7-8)
10. meinen Onkel steinigen, wenn er zwei verschiedene Saaten auf einem Feld anpflanzt (Lev 24:10-16)
11. Männer verbrennen, die mit ihren Schwiegermüttern schlafen (Lev 20:14)

Gelten die Worte der Bibel nun oder gelten sie nicht? Gottes Wort ist doch unabänderlich, oder?

https://de.wikipedia.org/wiki/Homophobie

http://www.stopp-homophobie.de/

http://www.arte.tv/guide/de/051864-000/du-sollst-nicht-schwul-sein?autoplay=1

http://www.arte.tv/guide/de/051863-000/gleiche-liebe-falsche-liebe?autoplay=1

19:27 14.05.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Saul Rednow

Meine Themen: Rechtsextremismus - Rassismus - Homophobie - Politik - Musik u.a.
Saul Rednow

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