Ist der moderne Mensch im Grunde überfordert?

"Homo sapiens, mutierte Raubaffen, die von ihrem Wesen her (also der genetischen Anlage) autoritätsfixiert sind".
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Menschen ordnen sich unter, weil sie so vorgeprägt sind?

Nochmals die, in Überschrift und Vorspann bereits kurz angerissene, Frage:

Ist „der (moderne) Mensch als eigenverantwortliches Wesen" im Grunde überfordert? Homo sapiens, nichts anderes als mutierte Raubaffen, die von ihrem Wesen her (also der genetischen Anlage) autoritätsfixiert sind und nur „funktionieren“, solange ein von ihnen gefürchteter und/oder akzeptierter Führer ("Alpha-Rüde") vorgibt, was sie wann und wie zu tun haben?

Wenn es (noch) so wäre, weil die in der Evolution so überaus wichtigen Mutationen oft doch sehr, sehr viel Zeit brauchen, um zu Auswirkungen zu führen, die sich als kollektive Wesensänderung der gesamten Art manifestieren, ist dann der Mensch, als "eigenverantwortliches Wesen" derzeit noch, eine Illusion?

Beispiele:

Eine repressive Erziehung durch Väter kann dazu führen, dass Kinder und besonders Söhne sich so sehr fügen, dass sie ein völlig fremdbestimmtes Leben für sich selbst akzeptieren bzw. als unvermeidlich hinnehmen. Ein Vater, dessen „Weisheit“ und Macht durch seine Kinder nicht in Frage gestellt werden darf und der in seinen Kindern im Grunde nur das Mittel zum Zweck sieht seine eigenen Vorstellungen um- und fortzusetzen bzw. zu vervollständigen, „kastriert“ der seinen Nachwuchs nicht in Bezug auf Persönlichkeit und Entscheidungsfähigkeit?

Wer niemals dazu ermuntert, sowie u.U. auch noch unter Gewaltandrohung (Schläge) daran gehindert wurde, die evtl. völlig anderen (vielleicht besseren) eigenen Vorstellungen vom Leben auszuprobieren, der wird zum „Klon“ seiner Erzeuger und wartet oft sein Leben lang auf Anweisungen, weil er unreif und unkritisch bleibt.

Manche haben zwar so viel Mut, Charakter und Stärke, dass sie um die eigenen Zukunftswünsche zu verwirklichen, notfalls auch den Bruch mit der Familie in Kauf nehmen, doch ein derartiges Verhalten wird fast überall sanktioniert und kann zur Stigmatisierung und zur Ausgrenzung führen. Das jedoch ist für viele ein zu hoher Preis und sie fügen sich.

Wer in einer repressiven Gesellschaft aufwächst, die jeden (gesunden und wichtigen) Widerstand gegen Autoritäten und die Infragestellung ihrer Kompetenz scharf sanktioniert, der „verkrüppelt“ in dieser Beziehung fast zwangsläufig, es sei denn er/sie hat soviel Mut und die Mittel (Geld), um aus der Tyrannei der Familie und z.B. der ihn stark reglementierenden und einengenden Religion zu flüchten in ein anderes Land, eine andere Kultur.

Doch selbst dann werden viele dieser Kulturflüchtlinge irgendwann von der eigenen Vergangenheit und der Besinnung auf die eigenen „Wurzeln“ wieder eingeholt. Manche werden dann ganz besonders fanatisch und engstirnig, weil sie (falsche und unnötige) Schuldgefühle zu kompensieren versuchen.

Jemand, der aus einem Land emigriert (vielleicht auch gegen seinen Willen, weil die Eltern ihn mitnehmen), das autoritär regiert wird und in dem die Bewohner vom Staat ein Leben lang, wie kleine Kinder in nahezu allen Lebensbereichen gegängelt werden (vorgegebene/r Familienstruktur, Beruf, Sport, Freizeit, politische Einstellung etc.), der kann völlig panisch darauf reagieren plötzlich in seiner neuen Heimat für alles selbst verantwortlich zu sein.

Entsprechend verführbar und empfänglich sind diese Menschen erfahrungsgemäß für religiöse oder politische Ideologien, die das Versprechen beinhalten demjenigen, der sich widerspruchslos fügt, alle Entscheidungen abzunehmen und ihm/ihr haarklein zu sagen, was er zu tun hat und sogar was generell „richtig und falsch“ ist. Das erscheint auf den ersten Blick für viele bequem und verführerisch.

Kommt dann noch die wahnhafte Behauptung dazu, alles was man dem Entmündigten fortan zu tun aufträgt, sei von einer nicht-menschlichen unfehlbaren höheren Instanz verfasst oder autorisiert, dann kann man wohl getrost von „hirnlosen Zombies“ sprechen, die künftig alles tun und nachplappern, was ihnen machtgeile Sadisten und religiöse Anführer befehlen.

Gegengift?

Der Laizismus ist, im Bereich des religiösen Fanatismus, sicher ein guter Ansatz, um den Einfluss von Religioten auf Staaten und Regierungen zumindest stark zu einzuschränken.

Ansonsten ist (nicht religiös kontaminierte) Bildung und nochmals Bildung wohl der Schlüssel, um eigenverantwortliche, selbstbestimmte, denk- und kritikfähige Menschen aufwachsen zu lassen, die sich - trotz genetischer Prägung zum Gruppenmitglied/Untertan - einigermaßen „resistent“ gegen religiöse und politisch-ideologische Gehirnwäsche erweisen.

Stichworte: IS, Islamisten, Evangelikale, katholische Fundamentalisten, Sekten, Nationalisten, Faschisten usw. usw.

10:33 22.07.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Saul Rednow

Meine Themen: Rechtsextremismus - Rassismus - Homophobie - Politik - Musik u.a.
Saul Rednow

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