Realitätsverlust und Machtanmaßung

#hassprediger Die grundgesetzlich vorgegebene Trennung von Staat und Religionen wird missachtet.
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Vorwort

Die, von vielen als "volksverhetzend" (§ 130 StGB) empfundenen, verbalen „Entgleisungen“ des schweizer Bischofs Vitus Hounder (während des Kongresses ‚Freude am Glauben’ 31.07. - 02.08.2015, im hessischen Fulda, veranstaltet vom Fundamentalistenverein ‚Forum Deutscher Katholiken e.V.’), haben zu europaweiter Empörung, zu mehreren Strafanzeigen gegen den Bischof und den Veranstalter und zu einer Meldung bei der hessischen Antidiskriminierungsstelle geführt.

Die, als teilweise "menschenverachtend und reaktionär" scharf kritisierte, Veranstaltung lenkt nun erneut den Blick auf anmaßende Einflussnahmeversuche religiöser Kreise gegenüber Volksvertretern und Regierung(en), welche in einem säkularen Staat, der als demokratisch pluralistische Gesellschaft organisiert ist, nicht länger zu akzeptieren oder auch nur zu dulden sind.

Widerstand gegen Gleichstellung wird vom Vatikan organisiert und angeordnet

Der Widerstand gegen die Öffnung der Zivil-Ehe in Deutschland und anderswo (in jüngster Zeit etwa vor den positiv verlaufenden Entscheidungen in Frankreich, Großbritannien, Irland usw.) wird zentral vom Vatikan gesteuert. Schon 2003 hat die sog. „Kongregation für die Glaubenslehre“, unter dem damaligen Kardinal (und späteren Papst) Ratzinger, Parlamentarier detailliert angewiesen, wie sie zu handeln haben:

„Wird der gesetzgebenden Versammlung zum ersten Mal ein Gesetzentwurf zu Gunsten der rechtlichen Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften vorgelegt, hat der katholische Parlamentarier die sittliche Pflicht [sic], klar und öffentlich seinen Widerspruch zu äußern und gegen den Gesetzentwurf zu votieren. Die eigene Stimme einem für das Gemeinwohl der Gesellschaft so schädlichen [sic] Gesetzestext zu geben ist eine schwerwiegend unsittliche [sic] Handlung.“

Kommentar: Diese Anweisung des katholischen Klerus stellt, ganz besonders in einem säkularen Staat, eine verfassungswidrige und damit unzulässige Beeinflussung („hat der katholische Parlamentarier“) und Druckausübung („unsittliche Handlung“) auf die lt. Grundgesetz nur ihrem Gewissen verpflichteten und von Weisungen unabhängigen Volksvertreter dar und sollte daher dringend strafrechtlich geahndet werden. Merke: Kleriker stehen nicht über dem weltlichen Gesetz, auch wenn einige das behaupten.

Stellungnahme:

Dazu schreibt das ‚Centre of the Studies of Discrimination based on Sexual Orientation’ an der ‘Freien Universität’ Berlin bereits 2013 u.a.

„Mit diesem Druck (…) verlässt die katholische Amtskirche die wesentlichen Grundlagen eines repressionsfreien demokratischen Diskursrahmens. Die katholische Kirche lädt einmal mehr schwere Schuld auf sich. Sie legitimiert durch ihren unbarmherzigen Kampf gegen die gleichgeschlechtliche Liebe und die damit verbundene Form des staatlich anerkannten Zusammenlebens in einer Partnerschaft, das erneute Anwachsen von Homophobie, Verfolgung und Diskriminierung (…), dies ist schändlich.“

Ratzingers homophobe Hinterlassenschaft:

Der deutsche Kardinal Ratzinger hat in einer Stellungnahme der sog. ‚Kongregation für Glaubenslehre’ am 03.06.2003 zu Homosexualität und gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften u.a. folgendes erklärt:

„Die homosexuelle Neigung [sic] ist objektiv ungeordnet [sic] und homosexuelle Praktiken gehören zu den schweren Sünden [sic]. Ferner sei der Staat [die grundgesetzlich vorgegebene Trennung von Staat und Religion wird hier massiv missachtet] auf die Notwendigkeit [sic] hinzuweisen, das Phänomen [sic] in Grenzen zu halten (…) homosexuelle Beziehungen sind in keinem Fall zu billigen“

Ratzinger beruft sich dabei sogar noch auf das angebliche „Gemeinwohl“ [sic]

Stellungnahme:

Dazu noch einmal das ‚Centre of the Studies of Discrimination’ an der FU, Berlin:

“(...) was verlangt etwa das Gemeinwohl? Der Vatikan ist aufgrund historischer und aktueller Fakten sicherlich nicht in einer Situation, das Gemeinwohl in einer demokratisch pluralistischen Gesellschaft zu dekretieren. Er ist einer von zahlreichen Teilnehmern an einer immer währenden Werte- und Gemeinwohlfindungsdiskussion. Nicht mehr und nicht weniger …“

Glossar

Fundamentalistenkongress 'Freude am Glauben':

https://www.freitag.de/autoren/saul-rednow/eine-gespenstische-veranstaltung-in-fulda

https://www.freitag.de/autoren/saul-rednow/gespenstische-veranstaltung-in-fulda-teil-2

http://www.pinkcross.ch/news/2015/bischoff-huonder-die-reaktionen

http://www.watson.ch/Schweiz/Homosexualit%C3%A4t/214633191-Wann-ist-genug--Bischof-Huonder-zitiert-eine-Bibelstelle--in-der-Homosexuelle-mit-dem-Tod-bestraft-werden

Nazis und religiöse Fundamentalisten vereint gegen Demokratie, Menschenrechte und Gleichstellung homosexueller Menschen:

http://www.cicero.de/berliner-republik/meinungsdiktatur-putin-und-pegida-religioese-rechte-und-ihre-unheiligen-allianzen

https://www.freitag.de/autoren/saul-rednow/unheilige-allianz

http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/gender-mist-gleichstellung-und-feminismus-als-feindbilder-8197

Kirchenaustritt leicht gemacht:

https://www.freitag.de/autoren/saul-rednow/es-reicht-kirchenaustritt-jetzt-1

Mehr zum 'Forum Deutscher Katholiken e.V.' und zum katholischen Bischof Vitus Hounder:

https://de.wikipedia.org/wiki/Forum_Deutscher_Katholiken

https://de.wikipedia.org/wiki/Vitus_Huonder

Fakten und Überlegungen zur Öffnung der Zivil-Ehe für gleichgeschlechtliche Lebenspaare:

https://www.freitag.de/autoren/saul-rednow/dont-leave-you-with-that

10:46 07.08.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Saul Rednow

Meine Themen: Rechtsextremismus - Rassismus - Homophobie - Politik - Musik u.a.
Saul Rednow

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