Russland blockierte vorübergehend Wikipedia

Staatliche Zensur: ‚Roskomnadsor’, die staatliche russische Medienaufsicht, drohte bereits damit künftig auch Google, Facebook, Twitter und YouTube zu sperren,
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Zur Situation:

Hauptinformationsquelle ist für Russen, mit weitem Abstand, das staatliche russische Fernsehen und das sendet ausschließlich Staatspropaganda.

Hält Russlands Regierung seine Bürger für "Deppen", die unfähig sind mit Informationen umzugehen, also Hintergründe und den jeweiligen Kontext zu Meldungen und Texten zu hinterfragen, selbständig (im Netz und anderswo) zu recherchieren und Meldungen und Internet-Einträge dann entsprechend einzuordnen?

Der Eindruck drängt sich jedenfalls auf, wenn man verfolgt wie repressiv die staatliche russische Medienaufsicht 'Roskomnadsor' inzwischen mit internationalen Webseiten verfährt:

Putin hat 2013 bekanntlich ein Gesetz gegen sog. "homosexuelle Propaganda" unterzeichnet, das weltweit für Empörung sorgte. Daraufhin wurden Webseiten wie die eines hoch angesehenen Projekts, das als eine der ganz wenigen noch verbliebenen seriösen Anlaufstellen für homosexuelle Jugendliche in der Russischen Föderation galt, verboten, wie die LGBT-Aktivistin Elene Klimowa berichtet.

Im "Anti-Propaganda-Gesetz" wurde auch das öffentliche Zeigen der Regenbogenflagge verboten (weltweites Symbol für Gleichberechtigung und Miteinander aller Menschen jeder sexuellen Orientierung auf gleicher Augenhöhe).

'Roskomnadsor' drohte daraufhin, wie oben erwähnt, mit dem Verbot von Google, Facebook, Twitter und YouTube, weil auf deren Seiten immer wieder Regenbogenflaggen zu sehen sind.

Jetzt hat es gestern vorübergehend also das russischsprachige Wikipedia erwischt. Grund war offenbar die vorausgegangene Weigerung einen Beitrag über Drogen zu löschen, siehe hier:

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/russlands-provider-haben-wikipedia-blockiert-a-1049667.html

In einem Radiobeitrag machte sich heute der WDR-Sender 'Funkhaus Europa' (er richtet sich vorwiegend an Migranten in Deutschland) über die zeitweise russische Blockade von Wikipedia lustig:

http://www.funkhauseuropa.de/themen/meinung/waschmittel-sanktionen-102.html

Anmerkungen:

Russische gleichgeschaltete staatliche Medien, wie ‚24*7*365’ sind auch in Deutschland zu empfangen und werden vor allem von sog. Russland-Deutschen konsumiert (läuft bei vielen von morgens bis abends). Und obwohl diese Menschen einst der UdSSR bewusst den Rücken kehrten, weil sie sich dort unfrei fühlten und sie meist schon viele Jahre in Deutschland leben, sind sie immer noch sehr empfänglich für Propaganda (auch homophobe) aus der alten Heimat.

Nachweisbar stellen Russland-Deutsche (zusammen mit Nazis) wohl deshalb auch einen überproportional hohen Anteil an den regelmäßig stattfindenden homophoben Stuttgarter Demonstrationen der rechtspopulistischen stellv. AfD-Vorsitzenden Beatrix von Storch, der sog. „Demo für Alle“.

Nebeneffekt: Aufgrund der Dauerberieselung mit russischsprachiger Staatspropaganda sprechen viele von Ihnen heute schlechter deutsch, als noch vor Jahren, was zur weiteren Isolation führt. Putin, mit seiner nationalistischen und gegen Minderheiten gerichteten Politik, gilt nicht wenigen dieser Ex-Russen als "Held", während ihnen „der Westen“ „dekadent“ und „schwach“ erscheint. Zurück nach Russland wollen sie aber trotzdem nicht :-)

Viele ihrer männlichen Nachkommen vermissen die harte Hand des deutschen Staates, weil sie weiterhin von ihren Eltern repressiv (Prügel und verbale Einschüchterungen) erzogen wurden. Das Fehlen dieser „pädagogischen Unterdrückungsmechanismen" erscheint ihnen nun als „Schwäche“, weil sie es nie gelernt haben Konflikte auf andere Weise, als durch Gewalt zu lösen. Das führt dazu, dass die männlichen Nachkommen deutsch-russischer Aussiedler in den Kriminalstatistiken bei Gewaltkriminalität weiterhin einen Spitzenplatz belegen ("sie schlagen zu, anstatt zu argumentieren, wenn Konflikte auftauchen"), Quelle reiche ich nach.

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12:03 26.08.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Saul Rednow

Meine Themen: Rechtsextremismus - Rassismus - Homophobie - Politik - Musik u.a.
Saul Rednow

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