RE: Die Probleme sind viel größer | 22.08.2017 | 23:41

Also da waren mehrer Dinge drin. Ich versuchs mal…

Und wenn ich ein rohes Lammkottelett anfasse, brauche ich keine Latexhandschuhe, denn die Gefahr, sich mit antibiotikaresistenten Keimen zu infizieren ist doch eher gleich null, oder?

Wir setzen auch in der Schäferei Antibiotika ein. In den meißten Fällen, brauchen wir es aber für Einzeltierbehandlungen und es wird direkt verabreicht und nicht über das Futter. Es gibt durchaus resistente Keime auch in der Schäferei. Allerdings sind diese Keime in der Regel gegen Antibiotika resistent, die in der Humanmedizin nicht mehr eingesetzt werden. An die guten Sachen aus der Humanmedizin kommen wir gar nicht dran.

Um deine Frage also zu beantworten. Nein, du brauchst keine Angst vor diesen Keimen zu haben. Allerdings ist das je nach Tierart auch in anderen Bereichen so.

Zum Hintergrund: Resistenzen entstehen meist dann, wenn die Bakterien Zeit haben, sich mit dem Antibiotika auseinanderzusetzen ohne davon getötet zu werden. Wir haben einige Antibiotika die durch ziemliche schlaue Tricks der Pharmaindustrie über einen längeren Zeitraum wirken. So werden flüssige Stoffe in kristalline umgewandelt, die dann erst langsam im Blut abgebaut (und damit abgegeben) werden. Im Idealfall, werden mit der Gabe von einem solchen Antibiotika ein Großteil der Bakterien getötet und das sich langsam abbauende Antiobiotika reicht aus, auch dem Rest den Garaus zu machen. Ist dem nicht so, können Resistenzen entstehen. (Deshalb wird von Ärsten u.a. auch empfohlen das Antibiotika immer bis zum Ende zu nehmen, selbst wenn es besser wird.) Wir pegeln je nach Antibiotika noch einemal auf. Verabreichen also nach einem bestimmten Zeitraum nochmals Antibiotika. Die Dosis ist wichtig. Alle Keime müssen getötet werden. Bei Gaben über das Futter oder Wasser besteht halt immer die Gefahr, dass ein Tier zu wenig aufnimmt und Resistenzen enstehen. Weit gefährlicher als Tierställe sind aber im übrigen Krankenhäuser.

Nur ist mir das Paket vom Schäfer für meinen Ein-Personenhaushalt zu gross, oder gibt es da irgendeine Lösung, ohne die die Versandkosten teurer sind als die Ware?

Leider wohl nicht. Die Schäfer oben haben ja keine vollautomatischen Verpackungsanlagen. Deshalb ist das Verpacken sehr aufwändig. Wurst kann man auch einfrieren und beim Fleich ist es vielleicht eine Möglichkeit mal auf der Arbeit zu fragen, ob man sich da nicht was teilen kann. Wenn man selbst Interesse entwickelt, ist es bei den Kollegen vielleicht genauso?! Die schönste Möglichkeit ist sicher sich mit Freunden, Bekannten, Nachbarn zusammenzutun und vielleicht alle 14 Tage sich gegenseitig einzuladen. Dann lohnen auch größere Portionen.


>>Auswüchse auf Ackerflächen abzuweiden.<<
Können die Bauern damit nicht Glyphosat sparen?

Doch. Zumindest zum Teil. Also in der Menge. Es gibt auch Bauern, die extra zu uns kommen und darum bitten. Eben aus diesem Grund.

P.S.: Eine Turbokuh gibt 40 Liter. 20 sind sogar ziemlich wenig. Eine risige Leistung die Tiere da bringen. So oder so.

RE: Die Probleme sind viel größer | 22.08.2017 | 23:00

Das habe ich mich auch mal gefragt! Einfach aus Interesse. Man muss wie bei jedem Thema lange suchen, bis man zumindest einigermapen verlässliche Informationen findet.

Es gibt wie bei jedem Thema so verdammt viele Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben in ihrem Interesse über ein Thema zu informieren und dabei immer wieder Dinge verschweigen oder in ihrem Sinne auslegen. Dadurch wird der Anschein erweckt, der Öffentlichkeit werden bestimmte Informationen vorenthalten.

Es gibt ein paar wenige anerkannte Wolfsexperten in Deutschland und mir scheint, es heißt dort sehr einstimmig. Die Wahrscheinleichkeit ist sehr gering, aber ausschließen kann man es nicht. Es gibt einen englischsprachigen Wikipediaartikel zu dem Thema aber mir war es dann zu mühselig die Informationen auch zu überprüfen oder in relation zu setzen. Den Artikel findest du hier.

Ich bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass es dieses Risiko zwar gibt aber nicht meiner Aufmerksamkeit bedarf. Es gibt so viele Risiken für unsere Kinder und wenn man seine Energie in den Schutz von Kindern stecken möchte, gibt es wirklich ander Themen als den Wolf, mit dem man sich beschäftigen könnte.

Aber natürlich gehören diese Risiken dazu, wenn man sich ein Bild zum Wolf machen möchte und ich glaube man tut sich am Ende keinen Gefallen, wenn man die Öffentlickeit nicht auch über dieses Risiko informiert. Auch mit Kindern und Eltern in Wolfsgebieten mal ein paar Verhaltensregeln durchzugehen, kann ja nicht schaden.

Ich mache als Landwirt die Erfahrung, wie weit sich die Menschen teilweise von den realitäten des Lebens entfernt haben und natürlich kommt man da ins Grübeln, ob man auch über schwierige Themen informiert. Es ist manchmal hahnebüchend wovon Menschen ausgehen. Auch ist es manchmal sehr schwer den Menschen relationen klar zu machen. Am Ende geht es aber um Vertrauen und Vertrauen kann man sich eben nur dadurch erwerben, dass man alle Aspekte eines Themas anspricht auch wenn das Erklären manchmal sehr mühsam und langwierig ist.