Das Erwartbare oder coronavirale Hysterie

Wir müssen mit der ... Epidemie rechnen, sagt Jens Spahn und blickt dabei ernst in die Gegend. Schon gut, dass er Klartext redet. Doch wie groß ist die Gefährdung wirklich?
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Der CoronaVirus macht die Menschen verrückt. Kein Wunder, denn in NRW lassen sich die Ansteckungsketten nicht mehr verfolgen und die von Herrn Spahn verkündete Epidemie breitet sich quasi ungehindert aus https://www.tagesschau.de/inland/coronavirus-deutschland-131.html. Immer mehr Menschen dürften sich in Zukunft anstecken ohne ein wirksames Gegenmittel in der Hand zu haben.

Im Ratingen-Lintorfer ALDI, also in einer Gegend, in der von CoronaVirus bislang keine Spur ist, leeren sich die Regale. So ähnlich, wie das bereits in den abgeriegelten italienischen Regionen beobachtet wurde. Gut möglich, dass die Hysterie weiter zunimmt. Bereits jetzt sind Hand-Desinfektionmittel und Gesichtsmasken – auch in Onlineshops – weitgehend ausverkauft oder extrem teuer. Ganz offensichtlich steigern Lebensmittel- und Medizinprodukteindustrie ihre Umsätze erheblich. Wobei klar ist, dass viele der gehorteten Waren nach Abebben der Krise entsorgt werden müssen. Eine Epidemie blockiert also nicht nur, sie treibt auch zu unmäßiger Verschwendung.

Dass der Bürger im Grunde ungeschützt durch die Gegen tobt, dass er allenfalls aufs Händewaschen, auf lächerliche Nies- und HustenVorgaben gedrillt werden kann – genau das beschreibt den derzeitigen Zustand. Dabei ist völlig unklar, wieviel Prozent der Bevölkerung zielführend mit der Bedrohung umgehen. Und welcher Widerstand gegen mögliche freiheitsberaubende Maßnahmen bei krassen Corona-Situationen zu erwarten ist. Irrsinnig auch, dass man die Urlauber weiter nach Italien reisen lässt, sich also weigert, Reisewarnungen auszusprechen und das auch noch mit demokratisch kaschierten Begriffen wie Freiheit oder Persönlichkeitsrechten zusammenbringt. Wo doch jeder weiß, dass dieses Gebaren reine Heuchelei ist. Denn natürlich sind es die Lobbyisten der Tourismuskonzerne, die solche Warnungen um jeden Preis verhindern wollen, um ihr Geschäft zu schützen. Der Reisende soll gefälligst selbst bluten – zumindest der, der eigenständig Flüge und Hotels gebucht hat.

Beispiellos auch die Aktionen auf den Flughäfen. Da misst man Temperaturen, obwohl der Flugbetrieb selbst stark ausgedünnt werden müsste. Niemand weiß schließlich, ob, und wenn ja: wann Fieber richtige Schlüsse zulässt. Darüber hinaus bleibt mancher Test ungetan, weil Fluggäste und verdächtig Infizierte immer mal klassifiziert werden und nur diejenigen ihren Test bezahlt bekommen, die der ersten Gefährdungsgruppe (Reisende aus China, Italien, ältere Leute etc.) angehören https://www.tagesschau.de/inland/coronavirus-vorbereitung-deutschland-101.html. Hinzu kommt, dass bis heute über die Dauer möglicher Inkubationszeiten und über die Mechanismen der Übertragung gestritten wird https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-coronavirus-101.html#Wir-wissen-leider-noch-nicht-allzu-viel-ueber-das-Virus. Wer rutscht da durch, wer wird nirgendwo rechtzeitig erfasst und wer stirbt bereits? Hier wird, ohne Frage, gegen Windmühlenflügel gekämpft – ohne dass die wirklich sichtbar werden.

Hinzu kommt, dass die Ärzte machtlos sind, ja sich vielfach selbst gefährden und infizieren. Sie sind fast zur Tatenlosigkeit verdammt, ausschließlich darauf festgelegt, Tests durchzuführen, Erscheinungsformen zu registrieren, die Abwehrkräfte der Patienten zu stärken und Beschwerden zu lindern. Ein wirksamer Impfstoff nämlich ist völlig außer Reichweite ist, ja vielleicht wird dieser für die momentan grassierende Epidemie/Pandemie gar nicht mehr zur Verfügung stehen https://www.tagesschau.de/ausland/faq-corona-impfstoff-101.html. Ein solcher Umstand ist im 21. Jahrhundert mehr als skandalös. Viel zu lange wurden/werden die relevanten Pharmaunternehmen sich selbst überlassen. Ihre Forschung ist von den Ressourcen her nicht für großflächige Geschehnisse ausgelegt. Wer auch sollte das bezahlen? Statt, dass die Staaten eigene leistungsfähige Forschungsstätten unterhalten (davon gibt es auch in Deutschland nur wenige Bereiche in einigen Universitäten), ist es heute der WHO überlassen, Notstände auszurufen, um Abstimmungen zu ermöglichen und die Kräfte zu bündeln https://www.zdf.de/nachrichten/politik/coronavirus-who-notstand-faq-100.html. Doch damit ist die Produktion von Impfstoffen noch lange nicht koordiniert, denn nach wie vor spielen Genehmigungsfragen, Sicherheitsauflagen sowie existenzielle und GewinnInteressen eine erhebliche Rolle. Folglich ist damit zu rechnen, dass es wieder einmal diktatorisch regierte Länder (China etc.) sein werden, die den ersten Impfstoff präsentieren. Hier im Westen gehen Experten davon aus, dass erste Impfstofftests nicht vor dem Sommer 2020 stattfinden werden. Bis dann ein zuverlässig wirkender, sicherer Impfstoff bereitgestellt werden kann, dürfte es Dezember oder Januar (2021) werden.

In Situationen wie der jetzigen wird zudem deutlich, dass viele Medikamente nur noch im Ausland produziert werden (Antibiotika etc.), weil ihre Herstellung hier zu Lande wenig Rendite bringt. Eine solche Auslagerung ist allein wirtschaftlichen Überlegungen geschuldet und damit völlig unzulässig. Europa muss sich so aufstellen, dass alle wichtigen Medikamente innerhalb der Staatengemeinschaft erzeugt werden können. Leider ist dieser Sachverhalt auch für viele andere Erzeugnisse zutreffend. Wir kennen das von Akkus, seltenen Erden, von Lithium, Coltan etc. etc.

Wahrscheinlich ist es wie immer so, dass erst die Katastrophe ein Gefühl dafür vermittelt, was in Sachen Epidemie/Pandemie weltweit zu tun ist. Sicher ist, dass es globalisierungsbedingt immer öfter zu derartigen Ereignissen kommen wird und dass die Erreger zunehmend gefährlicher werden. Fragt sich, wann Coronaviren mit grippalen Partnern (aus der herkömmlichen und der Vogelgrippe etc.) noch weit gefährlichere Monster hervorbringen und ob es erst eines Deja-vus zur Spanischen Grippe bedarf, um die Politik aufs richtige Gleis zu bringen.

Weitere Infos (Deutschland und Welt): https://gisanddata.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6

https://www.tagesschau.de/multimedia/podcasts/malangenommen-coronavirus-101.html

Dr. Ulrich Scharfenorth, Ratingen

www.stoerfall-zukunft.de

18:21 27.02.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Scharfenorth

Geb. 1941. Bis 1990 Gutachter fuer die DDR-Stahlindustrie. Danach Journalist/ Autor in Duesseldorf. 2008: "Stoerfall Zukunft"; 2011: "abgebloggt"
Scharfenorth

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