EBOLA - die Büchse der Pandora ist geöffnet

Der Tod kommt leise Entweder sind sie starr vor Angst oder geizig und dumm. Die Regierungen der wirtschaftlich starken Länder lassen nicht erkennen, dass sie die Krise wirklich ernst nehmen.
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Es ist ein böser Witz, dass sich die Regierungen dieser Welt mit den üblichen politischen Spielchen, Machtkämpfen und Kriegen beschäftigen, während mit Ebola eines der weltweit größten, jemals erlebten Katastrophen-Szenarien Wirklichkeit werden könnte. Die WHO schätzt derzeit ein, dass es schon in Kürze zehntausend neue Fälle pro Woche geben könnte, wenn nicht sofort einschneidende Maßnahmen gegen den Virus unternommen würden (Artikel bei tagesschau.de). Betrachtet man zusätzlich die fahrlässig-dilletantischen Versuche der texanischen Privatklinik, der Dinge Herr zu werden, ohne über verbindliche Instruktionen, Technologien und Materialien zu verfügen (Artikel bei tagesschau.de), und stößt dann auf den immer noch fehlenden Unmut des Staates ob dieser Missstände, ist fast jeder schockiert. Wirft man schließlich einen Blick auf die ins Uferlose weisenden Prozeduren in Leipzig, wo sich ein Heer von Ärzten und Pflegekräften mit riesigem Material- und Zeitaufwand um nur einen – schließlich sterbenden – Patienten gekümmert hat http://www.mdr.de/sachsen/ebola-patient-leipzig-tot100_zc-f1f179a7_zs-9f2fcd56.html, dann, JA spätestens dann dürfte deutlich werden, dass weder die USA, noch Europa auf das Übergreifen einer Epidemie in die eigenen Territorien, geschweige denn auf Katastrophen in Asien oder Südamerika vorbereitet sind.

Die Wahrscheinlichkeit, das Leute aus den Katastrophengebieten einreisen, ja sogar bewusst die USA und Europa aufsuchen, weil sie bessere Heilungschancen vermuten, ist extrem hoch. Denn niemand kann diese Menschen, wenn es denn zu einem größeren Ansturm käme, abhalten. Ein rigoroses Flugverbot aus Afrika heraus ist zumindest derzeit nicht denkbar und Soldaten, die auf fliehende Kranke schießen, sind es ebenso wenig. Das aber schließt nicht aus, dass genau so etwas geschieht. Von den Folgen einer größeren Epidemie in den entwickelten Ländern will ich gar nicht sprechen. Hier könnte in wenigen Monaten Stillstand angesagt sein.

Doch zurück zur Gegenwart: In den USA sollen derzeit nur vier Krankenhäuser in der Lage sein, Ebola-Patienten aufzunehmen. Was sehr schnell bedeutet, dass Afrika draußen ist, sobald das Feuer in den Staaten um sich gegriffen hat. Ähnlich dürfte es in Europa aussehen. Denn weder gibt es ausreichend Krankenhäuser, noch ausreichend Spezialstationen und –Betten. Da ist immer mal von 20 Plätzen die Rede – eine lächerliche Vorstellung. Zwar könnten dann die eigenen Bürger vorrangig behandelt werden, doch selbst für die dürften die Ressourcen nicht reichen.

Was die Impfstoffforschung angeht, so tappern irgendwelche kleinen Labore mit irgendwelchen kleinen Versuchen an kleinen Patientengruppen herum http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/reisemedizin/ebola/wann-kommt-das-erste-medikament-auf-den-markt-wie-deutsche-forscher-nach-einem-ebola-impfstoff-suchen_id_4189693.html. In kleinen Testserien sollen erst in Wochen Mini-Mengen an Impfstoff erbracht werden. China hat jetzt zwar angekündigt, ein kommerziell ernst zu nehmendes Medikament auf den Markt zu bringen http://www.n-tv.de/ticker/Pharma-Firma-kuendigt-Ebola-Medikament-an-article13777461.html. Doch wann das geschehen wird und ob dieser Wirkstoff tauglich ist, weiß derzeit niemand. Immerhin kann die Volksrepublik durch schnelle Befehle an Geld und Menschen eine solche Forschung immens antreiben, während in den westlichen Demokratien ängstlich auf Parteistrategien, Staatssäckel und Budget gestarrt wird, bevor etwas passiert.

Es ist einfach skandalös, dass der Westen in Sachen Ebola nicht mit der zehnfachen Geschwindigkeit arbeitet und mit zehnfachem Eifer um das nötige Geld bemüht ist – und es dann auch auftreibt. All das müsste nämlich sofort passieren.

Der verfickte Kapitalismus bringt es mit sich, dass Konzerne am Ebola-Impfstoff nicht geforscht hatten, weil sich dessen Produktion wegen der (bislang) wenigen Toten nicht gelohnt hatte. Andererseits verfügten die Sachwalter der staatlichen Forschung weder über die nötige Empathie noch die erforderlichen Geldmittel (Afrika ist weit – das tötet und beendet sich von selbst, und Geld ist knapp!). Jetzt verhindert das Wettbewerbs-/Patent-Denken den unter sozialistischen Staaten immer möglichen Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Denn wer heute am effektivsten und schnellsten ein wirksames Medikament gegen die tödliche Krankheit auf den Markt bringt, wird Tycoon - und steinreich. Deshalb dürfte man im Westen an mehreren Orten unter strengster Geheimhaltung versuchen, eine Lösung zu finden. Natürlich mit fünf- oder zehnfachem Aufwand – weil unsinniges paralleles Herangehen an die Dinge extrem teuer ist. Auch die Pharma-Konzerne schwenken plötzlich um. Eines der ersten Beispiele: GlaxoSmithKline http://www.welt.de/wirtschaft/article131200273/Schweizer-wollen-Heilmittel-gegen-Ebola-entwickeln.html .

Hoffen wir also, dass China den Durchbruch schafft – auch wenn das dort mit den Menschenrechten (nach westlichem Ermessen) nicht weit her ist.

Übrigens hieß es erst vor kurzen in einer US-Studie, dass von den möglichen Horrorszenarien, die die Menschheit vernichten könnten, eines am wahrscheinlichsten ist: der Ausbruch hoch toxischer Keime oder Viren aus Kampfstofflaboren der Supermächte http://www.stoerfall-zukunft.de/blog/656-wir-koennten-noch-vor-2100-zum-teufel-gehen. Viel gefährlicher scheint mir jetzt der Ebola-Ausbruch in Staaten, die der nicht minder vernichtenden Krankheit hilflos gegenüber stehen.

Dr. Ulrich Scharfenorth, Ratingen

www.stoerfall-zukunft.de

02:12 16.10.2014
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Geschrieben von

Scharfenorth

Geb. 1941. Bis 1990 Gutachter fuer die DDR-Stahlindustrie. Danach Journalist/ Autor in Duesseldorf. 2008: "Stoerfall Zukunft"; 2011: "abgebloggt"
Scharfenorth

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