Ich zieh dir eine mit der Peitsche über!

Rücksichtslos ... ... preschen sie an mir vorbei. Verstellen mir den Weg und zwingen mich abzusteigen. Sie repräsentieren den üblen Rest der Gesellschaft und wissen es nicht einmal
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LIVESchaltung: In Zeiten wie diesen hat Mitmenschlichkeit zwei Gesichter. Das eine müht sich um Solidarität, das andere läuft oder fährt auf dich zu - bis der Abstand nur Zentimeter beträgt und … verhöhnt dich. So gerade geschehen, als mir zwei Mädchen, nebeneinander fahrend, entgegen kamen. In diesem Moment hätte ich gern ein Peitsche zur Hand gehabt. So weit sind wir schon – diese beiden und ich selbst auch.

In einer Gesellschaft, in der die Aufmerksamkeitsschwelle ob der unendlichen Kicks so hoch wie nie ist, muss schon der absolute Horror herhalten, um Leute noch zu erreichen, schweige denn aufzuschrecken. Heute allerdings reicht schon die Wirklichkeit aus, um Angst und Schrecken zu verbreiten. RKI und Politik malen die CoronaEpidemie so aus, wie sie vermutlich vor der Tür steht. Mit dem Ergebnis, dass viele unserer Mitbürger schockiert sind, die meisten die HygieneRegeln minutiös befolgen und der übliche Rest gegen alles verstößt, was angesagt ist. Corona ist wie Radioaktivität oder elektrischer Strom: man riecht, schmeckt und hört sie nicht. Was es schwer macht, ihre Anwesenheit zu beweisen. Folglich dürfte erst die Katastrophe auch diejenigen zur Ordnung rufen, die noch aufbegehren. Dann aber werden sie bereits sich selbst und viele andere angesteckt haben.

In dieser Sphäre kommen mir seltsame Gedanken:

  • Muss ich weiterhin mit ansehen, wie Kommunen ihre spärlichen Bettenkapazitäten zeigen und im einstelligen Bereich aufstocken? Man kommt sich sofort wie ein bereits Todgeweihter vor
  • Muss man die Säumigen nicht noch einmal, noch viele weitere Male auffordern, ihre Patientenverfügungen abzufassen – damit die Angehörigen geschont/entlastet werden
  • ich hasse diesen falschen Mut, der mit der Verharmlosung der CoronaGefahr einhergeht. Ich verachte die Leute, die ohne Scheu und Gesichtsmaske in alle Verkaufsräume dieser Stadt laufen – und das mehrfach am Tage. Wer sagt ihnen, dass sie dumm und rücksichtslos sind. Ich könnte das Ganze sehr viel extremer formulieren: Warum gehen uns diese Leute nicht aus dem Wege statt ein erweiterten Suizid anzusteuern?
  • Muss ich alle Waren, die mich erreichen, desinfizieren und alles eingehende Kleingeld in Seifenlösungen werfen? Ja, sagt die RP gerade heute ...
  • Wie kann man angesichts weiterhin progressiv steigender CoronaFälle von der Aufhebung der derzeitigen Kontaktsperre sprechen? Man kann die Dinge nicht einfach aussetzen/umkehren und einen neuerlichen CoronaAusbruch riskieren.
  • Warum hören wir nichts von den Schweden, die eine völlig andere Strategie fahren – nämlich die des Immer-weiter-so - gepaart mit dem Schutz derer, die extrem gefährdet sind? Ich vermute, dass man sich hier zu Lande nicht sicher ist, ob man richtig gehandelt hat. Immerhin geht hier die Wirtschaft den Bach runter. In Schweden möglicherweise nicht.
  • Warum hetzt man in den ARD Tagesthemen und in der Rheinischen Post so ungeniert gegen China? Niemand in diesem Land muss gewollt haben, dass sich die Seuche so ausbreitet – zumal vor allem Chinesen betroffen wurden. Wer erhebt sich über diese Nation? Wer kann beweisen, dass er transparenter reagiert hätte? Immerhin haben die Chinesen die Daten des Virus bereits Ende Januar/Anfang Februar ins Netz gestellt. Und rigoros gehandelt. Wer will ein mögliches Vergehen von regional angesiedelten Funktionären der ganzen Nation anlasten? Natürlich der, der verantwortungsloser gehandelt hat als China, der nämlich, der jegliche Prävention in den Wind geschlagen oder verschlafen hat. Es sind die Trumps dieser Welt, die ihr Versagen, ihr unentschuldbares Verhalten, den Schwarzen Peter auf China verschieben möchten.
  • Bekomme ich als CoronaSterbender den Schierlingsbecher - bevor ich jämmerlich ersticke? Oder verstoßen die behandelnden Ärzte gegen das, was das Bundesverfassungsgericht inzwischen jedem Todgeweihten zugesteht? Leute, schreibt diesen letzten Willen unbedingt in die Patientenverfügung!
  • Dass die Bundesbahn Züge einspart und zulässt, dass sich die Menschen in den wenigen verbleibenden auf die Füße treten, ist reiner Wahnsinn https://rp-online.de/s-bahnen-in-nrw-trotz-corona-krise-oft-ueberfuellt_aid-49747009
  • Ich habe die Frau von Herrn Laumann, dem Gesundheitsminister NRW, angerufen und sie gebeten, ihrem Mann auszurichten, dass er die Löhne derer, die unmittelbar an der CoronaFront stehen, sofort verdoppeln müsse. Meine Begründung: Es werden derzeit riesige Geldmengen in Bewegung gebracht – nur nicht in die Richtung, die ich anmahne. Man lässt die Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte lieber von Balkonen aus beklatschen und besingen. Was für ein erbärmlicher Geiz!
  • Warum wird gegen Menschen, die die Vorsichtsmaßregeln und Vorschriften missachten, nicht strikter vorgegangen. Warum werden jetzt keine Exempel statuiert? Warum werden Menschen, die sich als infiziert ausgeben und Mitbürger/Polizisten/Feuerwehrleute/Hilfskräfte anspucken, nicht sofort eingesperrt? https://www.rtl.de/cms/anhusten-als-angriff-ermittlungen-gegen-mann-in-quarantaene-4509818.html
  • Müssen wir damit rechnen, dass bei akuter Katastrophe Strom-, Wasser- und Gasversorgung zeitweise oder komplett ausfallen? Oder können die wieder Gesunden, die Systeme aufrecht erhalten?
  • Sind wir uns im Klaren darüber, dass jeder ernsthaft Corona-Erkrankte bleibende Schäden zurückbehält?
  • Was geschieht mit den Flüchtlingen auf den griechischen Inseln, in den lybischen und in Erdogans Lagern? Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch dort die Bombe hoch geht. Wir haben Europa gegen die ungeregelte Migration abgeschottet. Das ist m. E. mit Blick auf die weiter anhaltende Zuwanderung von islamistischen Terroristen (Idlib) und coronainfizierten Flüchtlingen in die Türkei richtig. Andererseits muss Europa mit dem gleichen Elan, mit dem es die CoronaKrise im Innern bekämpft, Hilfe leisten. Also nicht nur Geld nach Griechenland, in die Türkei und nach Libyen ausschütten, sondern Schutzkleidung und Desinfektionsmittel stellen – in der Menge, die vor Ort gebraucht wird. Nicht nach dem Prinzip erst wir, dann die – sondern in einer parallellaufenden Aktion.
  • Warum werden Menschenansammlungen im öffentlichen Raum verboten, während vor gleichen Zusammenkünften in privaten Räumen nur gewarnt wird?
  • In Deutschland leben 800.000 Menschen in 11.700 Pflegeeinrichtungen. Bedeutet der in den Pflegeeinrichtungen bestehende akute Mangel an Schutzausrüstungen nicht ein Massensterben – zumal sogar infizierte oder virenübertragende Pflegekräfte dort zum Einsatz kommen (s. Würzburg, Hannover und Dessau-Roßlau)? Warum wurden die Besuchsverbote so spät verhängt?
  • CoronaTrecking und Gesichtserkennung. Heute als Mittel zur PandemieBekämpfung gefordert, morgen eingesetzt, wenn missliebige Demos laufen. Können Demokratie und Persönlichkeitsrechte unter diesen Umständen gewahrt bleiben?
  • Sind die haarsträubenden Verhältnisse bei der Pandemiebekämpfung endlich Anlass, um über sinnlose und gefährliche Bereiche des deutschen Förderalismus zu sprechen? Es werden in den „Kampfzonen“ von Bundesland zu Bundesland nicht nur unterschiedliche Maßnahmen verordnet. Auch die Kommunikation auf Flughäfen (Digitalfunk der Behörden und Sicherheitsdienste), die Auszahlorte für Finanzbeihilfen und was noch weit gravierender ist: die Höhe der Zuschüsse ist von Land zu Land unterschiedlich. In den einzelnen Bundesländern kann entweder nur die Hilfe vom Bund oder die Hilfe vom Land oder beides in Summe abgefordert werden. Dazu gibt es unterschiedliche Vorgaben, was z.B. die Durchführung des Abiturs oder das Abhalten von Hochzeiten angeht. Kann man heiraten, wieviele Leute dürfen wann und wie dabei sein. Sind Feiern, wenn ja: wie und unter welchen Bedingungen möglich?

Überall ein förderales Chaos – wie es schlimmer nicht sein kann.

Tut mir leid, das ich so etwas von mir gebe. Aber wo soll das sonst hin?

Dr. Ulrich Scharfenorth, Ratingen

www.stoerfall-zukunft.de

19:03 31.03.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Scharfenorth

Geb. 1941. Bis 1990 Gutachter fuer die DDR-Stahlindustrie. Danach Journalist/ Autor in Duesseldorf. 2008: "Stoerfall Zukunft"; 2011: "abgebloggt"
Scharfenorth

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