Paolo Bauernopfer

Vatileaks Der Wirbel um Paolo Gabriele ist nichts weiter als verstreutes Dummenpulver
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Die Öffentlichkeit ist bass erstaunt: Paolo Gabriele soll nur 1 ½ Jahre hinter Gitter. Dabei hatte der Papstdiener zahlreiche brisante Dokumente entwendet und den Medien zugänglich gemacht. Bereits im Mai 2012 waren vertrauliche Briefe von kirchlichen Würdenträgern aufgetaucht und publiziert worden. Sie kündeten – wie der Spiegel berichtete – von einer Welt voller Lügen, Korruption und Missmanagement http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-85734063.html. Nun, Paolo hat die Indiskretionen inzwischen zutiefst bedauert und Reue geschworen - vermutlich auch im Namen bislang nicht erkannter/denunzierter Drahtzieher. Fragt sich, warum er ursprünglich zu diesen Taten bereit war – aus Geltungssucht, Geldgier oder ehrlichem Bemühen heraus? Darüber erfährt der Bürger nichts. Und so wuchern die Verschwörungstheorien. Es könne gut sein, dass der Papst den Sünder begnadige, heißt es. Sprich: Der geständige Dieb ginge straffrei aus. Zweifellos wird eine solche Konstruktion in Stellung gebracht, um „VatiLeaks“ schnellstmöglich zu vergessen. Freilich nicht, ohne die Strafwürdigkeit von Paolos Machenschaften herauszustellen. Weitaus wichtiger allerdings dürfte die interne Abwiegelung sein. Hier geht vor allem um Abdichtung. All denjenigen, die das milde Urteil als Vorboten für eine weitere, noch bevorstehende Aufklärung sehen, halte ich entgegen: Ihr seid naiv! (Hier nehme ich die Medien, die derartige Mutmaßungen zum Aufpeppen ihre Auflage bewusst streuen, bewusst aus!). Vielmehr dürfte gelten: Es fällt in dem Maße schwerer, den Diebstahl an sich mit Strafe zu belegen, je mehr Missstände er offenbart. An dieser Tatsache kommt niemand vorbei – selbst dann nicht, wenn man wüsste, dass der Täter ausschließlich aus niederen Motiven heraus handelte.

Gäbe es demnächst weitere, bisher nicht öffentlich gemachte Missstände und weitere „Verräter“, dann könnte sich die Sache so lange zuspitzen, bis die Verräter ausgemacht, herausgekauft oder anderweitig stillgesetzt sind. Gut möglich, dass die Kurie im Ernstfall auch zu kriminellen Mitteln griffe – dann nämlich, wenn ein Flächenbrand drohte. Das zur Verfügung stehende Repertoire ist seit Jahrhunderten bekannt und ebenso lange gegen jedermanns Aufsässigkeit benutzt worden (Heute ist selbst der Normalbürger bestens darüber informiert. Nehmen wir nur „The Borgias“, „Die Tudors“ und tausend weitere Dokumente). In der Postmoderne freilich läuft das Räderwerk geräusch- und blutloser – weil die umgebende Welt nichts anderes zulässt. Doch das Gros der hochrangigen Kuttenträger dürfte wie ehemals von Ehrgeiz und Machtambitionen zerfressen sein. Diese Typen sind eben auch nur Macht-Menschen und als solche nichts anderes als das Pendant zum weltlichen Gerangel. Mit der wahren Lehre hat all dies nichts zu tun. Wie auch diese nicht von Gott, sondern nur von Menschen fabriziert wurde - mit Absichten, die uns allen bekannt sind. Heute – so meine ich – kann man allenfalls der christlichen Basis, der Gemeinde selbst, trauen. Nur hier manifestieren sich heute Uneigennützigkeit, christliche Liebe und Barmherzigkeit – nicht überall und immer, aber oft.

Dr. Ulrich Scharfenorth, Ratingen

www.stoerfall-zukunft.de

17:46 07.10.2012
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Geschrieben von

Scharfenorth

Geb. 1941. Bis 1990 Gutachter fuer die DDR-Stahlindustrie. Danach Journalist/ Autor in Duesseldorf. 2008: "Stoerfall Zukunft"; 2011: "abgebloggt"
Scharfenorth

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