Reif für die deutsche Talkshow

Genscher, pfui! Jeder, der als Stachel gegen Moskau taugt, wird hier zu Lande veredelt und als Held verehrt. Ob die Betreffenden nach heimatlichem Recht Verbrecher sind, ist unwichtig
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Deutschland ist in heller Aufruhr, und ein EX-Außenminister, eben noch für Rösler und Co. am Ball, hat seinen Ruf endgültig ruiniert. Die Politposse um den von Putin begnadeten Chodorkowski erlebt in Germany ihren vorläufigen Höhepunkt. Man hält Hof für einen Menschen, der nach russischem Recht wegen betrügerischer Machenschaften bei Yukos (die Anklage: Öldiebstahl) hinter Gittern saß. Bezeichnender Weise interessiert sich hier zu Lande niemand für den Straftatbestand – der dem von Timoschenko sehr ähnlich ist http://www.stoerfall-zukunft.de/aktuelles/386-fiese-krokodilstraenen . Was bei uns zählt, ist nicht der schnöde Steuerbetrug (das kann doch Uli Hoeneß auch!). Es ist der Versuch, die Macht im jeweiligen Land im Sinne des Westens zu attackieren. Chodorkowski soll – anders als andere Oligarchen – den Kremelchef direkt, und zwar politisch, herausgefordert haben. Dafür gibt es in Russland naturgemäß doppelten Knast, dann aber auch der Genscherschen Privat-Jet nach Schönefeld oder … im Fall der Blondbekränzten das Anerbieten für eine Bagatell-OP, die ebenso gut in der Ukraine stattfinden könnte http://www.stoerfall-zukunft.de/aktuelles/583-gott-bewahre-uns-vor-der-timoschenko. Ich gebe Ihnen Recht: Die Zaren in Russland und der Ukraine hätten sehr viel mehr Leute hinter Gitter bringen müssen. Die hier Genannten sind zweifellos nur ein marginales Beispiel für den beispiellosen Raub am Volkseigentum. Der hat in Russland ebenso wie in der Ukraine stattgefunden. Für ein paar Rubel haben sich alle möglichen dunklen Gestalten in beiden Ländern ehemals staatliche Unternehmen unter den Nagel gerissen. Wer die für die Vergabe zuständigen Beamten am cleversten bestach, bekam den Zuschlag. So geschah es, dass die ehemaligen Staatsbetriebe - oft ohne jegliche Modernisierung - weiter produzierten und, sofern sie lukrative, devisenträchtige Produkte lieferten, märchenhafte Gewinne/Devisen einfuhren. Oft waren die neuen Eigner ehemalige kommunistische Funktionäre. Auch Abramowitsch (heute in London) und hunderte andere Oligarchen wurden auf diese Weise steinreich. Die meisten von ihnen, haben ihre Dollar-Guthaben inzwischen in der Schweiz oder in Großbritannien deponiert, sprich: ihrer russischen Heimat entzogen. Doch diese Treulosigkeit allein war es nicht, die Putin drängte, ein Exempel zu statuieren. Es war der darüber hinausgehende Versuch, auch politisch Einfluss zu gewinnen - im Sinne des Westens. Dafür gab's Straftlager im Kreml-Land.

Dr. Ulrich Scharfenorth, Ratingen

www.stoerfall-zukunft.de

00:21 21.12.2013
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Geschrieben von

Scharfenorth

Geb. 1941. Bis 1990 Gutachter fuer die DDR-Stahlindustrie. Danach Journalist/ Autor in Duesseldorf. 2008: "Stoerfall Zukunft"; 2011: "abgebloggt"
Scharfenorth

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