Scharfenorth
12.06.2016 | 13:47 16

Stopft den Gourmets die Leber!

Es ist einfach ekelhaft ... wenn Jagd- und Essgewohnheiten von Menschen einfach so hingenommen werden. Überall auf der Welt werden Tiere zu unserem Wohl abgeschlachtet - oft nur aus Genussucht.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Scharfenorth

Der Freitag ist im Vorfeld der Fußball-EM – ähnlich wie viele andere Blätter – auf Frankreich fixiert. Dagegen ist nichts einzuwenden – im Gegenteil. Doch wenn Annika Joeres in ihrem Beitrag auf die französischen Essgewohnheiten und die französische Küche zu sprechen kommt, sträuben sich mir die Haare („der Freitag“ -Vier Gänge für alle, 23/2016) . Nichts gegen ein gesund ausgedehntes, genussvolles Essen, aber wer – wenn nicht die Franzosen – kredenzen das in geradezu unerträglicher Weise auf Kosten von gequälten/verspeisten Kreaturen. Wer Wachteln und Singvögel isst, Hummer und Garnelen lebend in kochendes Wasser wirft, wer lebenden Austern den Zitronenhieb verpasst, an Stränden ätzende Salze und Flüssigkeiten gegen WattBewohner in Stellung bringt und dann noch mit der Gänsestopfleber prahlt, ist bei mir unten durch – etwas mehr sogar als die Massentierschlächter und BilligfleischFresser hier zu Lande.

Dr. Ulrich Scharfenorth, Ratingen

www.stoerfall-zukunft.de

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (16)

h.yuren 12.06.2016 | 14:03

zur erklärung der dopplung: das technikauge rollte und rollte und wollte nicht aufhören zu rollen. da riss mir der geduldsfaden. ich nahm den cursor von der kommentartaste und ging sofort danach wieder auf dieselbe. das technikauge stoppte, drehte und rollte kurz andersrum, dann wieder wie vorher und schon - erschienen zwei kommentare bzw. die dopplung. zwei ist besser als keiner...

Achtermann 12.06.2016 | 14:28

Ganz hartgesottene Gourmets scheren sich nicht um einen sanften Tod für ihr Abendessen. Sie töten den Hummer so, dass er am besten schmeckt. Manche französische Hausfrau legt den Hummer lebendig in kaltes Wasser und heizt ihm ganz langsam ein. Damit er nicht herausspringt, beschwert sie den Topfdeckel mit einem Wackerstein. (Der Spiegel)

Die neuseeländischen Experten empfehlen stattdessen einen zweistufigen Tötungsplan. Zunächst sollte der Hummer in Salzwasser heruntergekühlt werden auf zwei bis vier Grad Celsius. Das versetze ihn in eine Art Koma. Dann sollte er der Länge nach gespalten werden. Erstechen sei auch gut, am besten mit einer Art Dorn, der von unten durch die Brust in den Kopf gerammt wird. In beiden Varianten werden die wichtigsten Nerven durchtrennt. (Quelle: dito)

Achtermann 12.06.2016 | 15:04

Ich bin in die Härte des Tiertötens hineingewachsen. Als Kind und Jugendlicher wohnte ich neben einer Metzgerei. Montags wurden die lebenden Schweine angeliefert. Mit Fußtritten wurden sie in einen verschließbaren Raum bugsiert. Einzeln wurden sie ins Freie geholt und mittels eines Bolzenschussgeräts, das zwischen die Augen gehalten wurde, getötet. Das klappte nicht immer auf Anhieb. Als spätere Tötungsvariante wurde Strom verwendet. Das Gerät sah aus wie eine riesengroße Zange, in die der Kopf des Schweines geklemmt wurde. Das Quieken bis zum Ende ist mir heute noch in den Ohren. Mit Interesse und Neugier schaute ich dem montäglichen Treiben vom Fenster aus zu. Auch in der Jetztzeit esse noch ab und an ein Schnitzel.

h.yuren 12.06.2016 | 20:11

Das Quieken bis zum Ende ist mir heute noch in den Ohren.

das kenne ich auch. das gequieke vom schlachthof, der neben dem tennisplatz für schweinische begleitmusik sorgte. an welchen tagen das schlachten und quieken fällig war, habe ich mir nicht gemerkt.

als kind wohnte ich neben einem bauernhof. da wurde im november geschlachtet. vom töten und quieken weiß ich nichts. wahrscheinlich wurden die kinder ferngehalten. aber an das abschaben der borsten am toten tier kann ich mich genau erinnern. es wurde heißes wasser auf die schwarte gegossen vor dem schaben, ähnlich wie beim rasieren.

weiß auch, wie das schwere tier auf die leiter kam und der bauch aufgeschnitten wurde. ich habe aber keine erinnerung, dass mir das tier irgendwie leid getan hätte.

habe dann an einer toten maus den bauchaufschnitt nachgemacht. rein sachlich, wie kinder manchmal sein können...

denkzone8 13.06.2016 | 06:18

da lauern sie mit ihren messern.

und wenn das köpchen ein kleines erdhäufchen produziert,

stechen sie brutal in die mutter erde und schneiden

dem spargel das beste ab!

menschen sind nicht nur brutale jäger,

sondern auch rücksichts-lose sammler,

un-moralische: beute-macher!

ich leg mich jetzt raus,

streich mich grün an und versuchs

mit photo-synthese.

Achtermann 13.06.2016 | 08:27

aber an das abschaben der borsten am toten tier kann ich mich genau erinnern.

Zuvor gab es noch den Messerstich in den Hals des toten oder noch nicht ganz toten Tieres, um das Ausbluten des Schweines zu forcieren. Das Blut wurde in einem flachen Behältnis, das unter den Kopf des am Boden liegenden Schweines gestellt wurde, aufgefangen. Schließlich kam das Rote ja in die Wurst.

Ich zelebriere nicht nur meine eigene Brutalität. Die Fakten des Tötens und Verarbeitens des Tieres sollen den Fleischkonsumenten nicht verborgen bleiben, auch wenn heute hauptsächlich die serielle Tötungsapparatur eingesetzt wird.

h.yuren 13.06.2016 | 09:47

Zuvor gab es noch den Messerstich in den Hals des toten oder noch nicht ganz toten Tieres, um das Ausbluten des Schweines zu forcieren. Das Blut wurde in einem flachen Behältnis, das unter den Kopf des am Boden liegenden Schweines gestellt wurde, aufgefangen. Schließlich kam das Rote ja in die Wurst.

damit rufst du mir in erinnerung, was ich auch beobachtet habe. die blutwursterei. seltsam, dass ich selbst es nicht automatisch mit erinnerte. erst deine schilderung bringt mir die erinnerung zurück. auf der bühne agierten nur die erwachsenen. wir kinder schauten nur zu - vom rand des geschehens. sehe jetzt wieder das in eine wanne einströmende dampfende blut, das kräftig gerührt wurde. ich war nicht teil des unverständlichen rituals. es war nur ein film mehr für mich wie der mit der laterna magica. aber es war zur blutigsten zeit des weltkriegs in der endphase.