Ungarische Gänsezüchter und deutsche Importeure verdienen Prügel

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Es liegt zweifellos an der Vorweihnachtszeit, dass Gänse stärker in unser Bewusstsein vordringen. Wir bemänteln unsere Fresssucht mit St. Martin und hauen einfach rein – bis Weihnachten. Dabei wissen wir vielfach nicht, dass diesem Ausrottungsmechanismus auch echte Tierquälerei beigemischt ist. Nicht nur, dass dem „Federvieh“ die so genannte (große) Stopfleber verpasst wird, Gänse werden auch lebendig gerupft (ARD/“Report Mainz“, 22. November 2010). Gänseleberpastete gehört in fast jeden Feinschmecker-Zirkus, und die Daunen klagen nicht bei Befragung. Ich selbst bin kein aktiver Tierschützer, ja nicht einmal ein Fleisch-, sprich: Gänsefleischverächter. Dennoch stößt es mir inzwischen übel auf, wenn ich an den Festtagsbraten denke. Noch mehr aber wohl deshalb, weil weder Verarbeiter noch Verbraucher gegen die genannten Praktiken Front machen. Da fragt man sich doch, ob es mit der Freiheit nicht (auch an dieser Stelle) zu weit geht. Niemand verbietet den Import solcher Pasteten, Daunen und Gänse – obwohl das nicht nur aus Gründen des Tierschutzes, sondern einfach der Ethik wegen dringend geboten wäre. Man möchte demwirtschaftlich schwachen Ungarn, aber auch den hiesigen (heuchelnden und lügenden) Importeuren offenbar nicht auf die Füße treten. Wie man ja auch sonst ungern zutritt, wenn renditeträchtige Missstände zum Himmel schreien.

Aber hat es mit der Schildkrötensuppe nicht auch geklappt?

Dr. Ulrich Scharfenorth, Ratingen

www.stoerfall-zukunft.de

18:56 25.11.2010
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Geschrieben von

Scharfenorth

Geb. 1941. Bis 1990 Gutachter fuer die DDR-Stahlindustrie. Danach Journalist/ Autor in Duesseldorf. 2008: "Stoerfall Zukunft"; 2011: "abgebloggt"
Scharfenorth

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