Regine Beyß
24.09.2014 | 15:11 89

Ein Leben ohne Bedingungen

Grundeinkommen Wir könnten anders arbeiten, anders konsumieren, anders leben – wenn wir uns von der Leistungsgesellschaft verabschieden und allen eine Grundversorgung ermöglichen

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Regine Beyß

Ein Leben ohne Bedingungen

Während sich das Wachstumsrad weiter dreht, kommen wir unter die Räder – wusste schon Charlie Chaplin in "Modern Times"

Foto: Screenshot, Youtube

Ich weiß gar nicht mehr so richtig, wie das geht: Nichts tun. Klingt doch ganz einfach. Und höre ich mich mal ein wenig um, dann scheint sich auch jede*r danach zu sehnen. Einfach mal ausspannen, ohne Stress, ohne Verpflichtungen. Der Jahresurlaub wird monatelang herbeigesehnt. Zwei Wochen am Strand. Das haben wir uns doch verdient!

Bei mir scheint da irgendwie etwas gründlich schief zu laufen. Habe ich mal einen Tag "frei", plagt mich das schlechte Gewissen. Was gibt es zu tun? Was könnte ich erledigen? Was steht schon ewig auf meiner To-Do-Liste? Ich muss dazu sagen: Ich führe kein typisches Leben. Statt regelmäßiger Arbeitszeiten, Feierabend und Urlaub ist mein Alltag vor allem von selbstorganisierter Aktivisten-Arbeit geprägt, das heißt zum Beispiel verschiedene Plena und Gruppen-Orga oder Öffentlichkeits- und Internetarbeit. Nach meinem Uni-Abschluss hab ich nun auch meinen Nebenjob aufgegeben und stecke in einer Art Übergangszeit. Über Zeitmangel kann ich mich zwar nicht beklagen, trotzdem bin ich ständig beschäftigt. Warum fällt es mir so schwer, mal abzuschalten?

Ich komme nicht umhin, über unsere Leistungsgesellschaft nachzudenken. Schon lange stelle ich sie in Frage, schon lange suche ich nach Alternativen. Denn bin ich überzeugt davon, dass sie nicht gut für uns ist. Und trotzdem muss ich immer wieder feststellen, wie sehr sie sich auch in mir selbst festgesetzt hat. Genauso wie alles, was dazu gehört: Geld, Karrieredenken, Zukunftsängste.

Spielregeln des Wachstums

Wenn es selbst mir schwer fällt, mich von solchen Kategorien zu lösen, sollte es mich eigentlich nicht wundern, dass die Maschinerie so gut funktioniert. Dass sich scheinbar die ganze Welt nur ums Geld dreht, dass die Menschen nur arbeiten, um zu konsumieren (und zwei Wochen Urlaub zu machen), dass es mitunter schwierig ist, sich gegen eine Karriere zu entscheiden. Genauso soll es sein.Wir sollen produzieren, konsumieren, Wachstum und Mehrwert schaffen. Gleichzeitig sind die Menschen zu beschäftigt (und zu besorgt), um sich um andere (wichtigere) Dinge zu kümmern.

Ich möchte dieses Spiel nicht mitspielen. Und doch kann ich nur Kompromisse machen. Denn auch eine Aktivistin muss von irgendetwas leben. Sie muss Miete bezahlen und Lebensmittel besorgen. Natürlich lassen sich die Ausgaben reduzieren. Containern gehen, in einer WG wohnen, Klamotten wenn überhaupt nur noch Second Hand kaufen, das Kulturprogramm selbst und mit Freund*innen gestalten. All das trägt ganz nebenbei auch noch dazu bei, sich dem kapitalistischen System immer weiter zu entziehen. Trotzdem lassen sich meine Ausgaben derzeit nicht auf Null reduzieren, zumindest nicht in dem Leben, das ich gerade führen möchte.

Gemeinsame Ökonomie

In naher Zukunft werde ich in eine politische Kommune ziehen, erst einmal auf Probe. Die Kommunard*innen leben eine gemeinsame Ökonomie, das heißt, alle Einkommen fließen in einen Topf. Jede*r hat Zugriff auf die Kasse, Ausgaben ab 150 Euro werden im Plenum besprochen. Im Vergleich werde ich dort wahrscheinlich günstiger leben als bisher in meiner Einzimmerwohnung. Trotzdem muss ich ein Einkommen beisteuern, in welcher Form auch immer.

Im Grunde bin ich in einer glücklichen Lage: Meine Eltern haben mich während des Studiums unterstützt, außerdem bekam ich ein Stipendium. Beschweren will und darf ich mich also nicht. Das kann mich aber nicht davon abhalten, mich mit den Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen, unter denen sehr viele Menschen zu leiden haben. So habe ich jetzt zum Beispiel eine vage Vorstellung davon, wie es ist, auf Dauer arbeitslos zu sein.

Wenn ich mir vorstelle, Woche um Woche Bewerbungen zu schreiben und Absagen zu bekommen, in denen (wie in meiner) steht, ich solle das doch bitte nicht persönlich nehmen, stellen sich mir die Nackenhaare hoch. Dass Arbeitslosigkeit psychische Probleme verursacht, steht für mich inzwischen außer Frage. Ich bin nicht in irgendeiner Notlage und merke dennoch, wie die unsichere Situation mich belastet. Wie muss es den Menschen gehen, die existenzielle Sorgen haben?

Lohnt sich Leistung?

Und dann wird ihnen auch noch eingeredet, sie seien selbst schuld. Sie wären nicht fleißig genug, nicht klug genug. Wer nicht über die Runden kommt, leistet halt zu wenig. Ist doch klar! Leistung soll sich lohnen. Womit wir wieder beim Jahresurlaub wären. Der Kreis schließt sich – und bei mir reihen sich derweil die Fragezeichen aneinander.

Es gibt offensichtliche Hinweise darauf, dass in diesem System etwas falsch läuft. Arbeitslose Menschen werden drangsaliert, obwohl es nicht so viele Stellen wie Suchende gibt. Menschen haben teilweise zwei Jobs und müssen trotzdem jeden Euro zweimal rumdrehen. Junge Menschen sind prekär beschäftigt oder hangeln sich von Praktikum zu Praktikum. Und diejenigen mit einer festen Stelle haben Angst vor dem „Abstieg“, nehmen deswegen mitunter schlechter werdende Arbeitsbedingungen in Kauf.

Es geht auch anders

Warum das alles? Wir müssten nicht auf diese Weise arbeiten. Wir müssten nicht so viel arbeiten. Wir müssten nicht auf diese Weise konsumieren. Wir müssten nicht so viel konsumieren. Und: Wir müssten nicht auf diese Weise leben.

Denn: Es ist genug für alle da. Wir sind längst in der bequemen Lage, die gesamte Erdbevölkerung zu ernähren. Der technische Fortschritt sollte uns die Arbeit abnehmen, stattdessen machen wir uns weiterhin von ihr abhängig. Wir könnten viel weniger arbeiten, ohne ein Versorgungsproblem zu haben – denn wir produzieren deutlich mehr als wir brauchen. Uns werden Bedürfnisse eingeredet, die wir eigentlich nicht haben – während andere Menschen nicht mal ihre Grundbedürfnisse erfüllen können, weil ihnen der Zugang zu den nötigen Ressourcen verwehrt wird. Wir kaufen ständig neu und schmeißen gleichzeitig zu viel weg. Während sich das Wachstumsrad weiter dreht, kommen wir unter die Räder.

Die Idee von Freiheit

Wie wohltuend ist es bei alledem solche Worte zu lesen: "Freiheit ist: nicht tun zu müssen, was man soll." Dieses Zitat von Rousseau tauchte in einem Interview mit Götz Werner auf, der Gründer der Drogeriekette dm. Er ist ein lautstarker Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) und erklärte kürzlich seinem Interviewpartner von der FAZ, wieso er diese Idee für sinnvoll hält.

Ehe der Einwand kommt: Nein, natürlich ist das BGE nicht die Antwort alle Fragen. Und es wird auch nicht all unsere Probleme lösen. Das würde nur eine größere Transformation der gesellschaftlichen Verhältnisse zu Kooperation, Solidarität und freiwilliger Vereinbarung. Aber das BGE stellt eine Idee in den Raum, die uns gut tun würde: Jeder Mensch hat Anspruch auf eine Grundversorgung, die nicht an irgendwelche Bedingungen geknüpft ist.

Politisch nicht gewollt

Wir könnten uns diese Grundversorgung leisten. Und sie würde so unglaublich viel in Bewegung bringen - und genau deshalb hat das Konzept es in politischen Kreisen auch so schwer; die Veränderungen während weitreichend und würden womöglich einen Stein ins Rollen bringen, der die bisherigen Grundfesten unserer Gesellschaft in Frage stellt.

Es würde uns befreien, auch von Druck und Ängsten. Wir könnten bestimmen, zu welchen Bedingungen wir arbeiten wollen, weil wir eine Stelle nicht mehr um jeden Preis annehmen müssen. Gleichzeitig würde endlich all die Arbeit gewürdigt, die bisher nicht entlohnt wird, wie die Reproduktionsarbeit. Das BGE würde uns unabhängig machen und uns in die Lage versetzen, tatsächlich das zu tun, was wir wollen. Natürlich ist das eine Herausforderung, aber angesichts der heutigen Situation könnten wir nur gewinnen.

Ein Leben ohne Urlaub

Ich bin mir sicher, dass ich mit 1000 Euro im Monat nicht auf der faulen Haut liegen würde. Studieren, politische Arbeit, Volxküchen, Selbstversorgung – mir fallen genug Dinge ein, in die ich gerne mehr Zeit investieren würde. Nichts tun ist wie gesagt nicht meine Stärke. Aber vielleicht würde ich sogar das wieder lernen, wenn wir uns endlich wieder über andere Dinge definieren als nur über unsere Leistung. Und ich käme meinem Lebensziel wahrscheinlich ein gewaltiges Stück näher: so zu arbeiten, dass ich keinen Urlaub brauche.

Zum Weiterlesen:

Utopie trifft Politik (Der Freitag, 24. September 2014): Seit vielen Jahren kämpfen Aktivisten für ein bedingungsloses Grundeinkommen in Deutschland. Warum setzt sich diese Idee nicht durch?

"Wir schuften uns zu Tode" (Der Freitag, 10. Mai 2014): Fast sieben Millionen Deutsche haben eine 45-Stunden-Woche. Trotz technischen Fortschritts gelingt es unserer Gesellschaft nicht, weniger zu arbeiten. Warum eigentlich?

http://vg08.met.vgwort.de/na/a7821c5b71f04f4ca87769a1f35f6275

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (89)

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Ehemaliger Nutzer 24.09.2014 | 17:59

Ein Leben ohne Bedingungen

Da liegt schon der Kardinalfehkler versteckt im Gestrüpp der Bedeutung-en.

Bedingungslos ist in der Natur nicht vorgesehen und auch nicht vorhanden.

Der seit längerer Zeit betriebene Aufwand, die enorme Energie die etliche Menschen die dieses Thema beackern hineinstecken und die gleichzeitige Aussichtslosigkeit, die Unerreichbarkeit dessen, macht mich schlicht traurig. Kampf auf verlorenem Posten.

Nicht das ich gegen ein BGE wäre - ganz im Gegenteil. Ich bin mir nur sicher, daß es nicht eingeführt wird.

Ich frage mich immer, warum gehen die Menschen - z.B. die sich ein BGE ersinnen, aber auch alle Anderen - auf ihrer Suche nach einem System das alle Menschen wirtschaftlich gut, friedlich und frei leben lässt [denn darum geht es in der Basis ja wohl], nicht einfach konsequent den logischen Weg.

Kann es denn sein, daß das niemand kann?

GEBE 24.09.2014 | 19:56

"Wir könnten anders arbeiten, anders konsumieren, anders leben - wenn wir uns von der Leistungsgesellschaft verabschieden und allen eine Grundversorgung ermöglichen."

Was für ein Mißverständnis!

Es geht überhaupt nicht um Leistungslosigkeit. Es geht um Entkoppelung des Einkommens von Erwerbsarbeit. Wenn es um Leistungslosigkeit ginge, müßten ja intrinsische Motive abgeschafft werden. Die Arbeit, statistisch die durchschnittliche Beschaffenheit eines Popels auf Salzgehalt und Größe in Korrelationen mit dem Tragen von blauen Slippern z.B. zu betreiben, wäre nämlich auch schon eine Leistung!

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Ehemaliger Nutzer 24.09.2014 | 20:27

Kommune: Bei meinem Zug durch verschiedene selbstreferenzielle Kommunen hatte ich einmal den Spruch gehört:

Eine Kommune ist wie ein Durchlauferhitzer,

jede(r) muß mal rein,

aber jede(r) muß auch wieder raus.

Die eigenen Erfahrungen in diesen sozialen Umfeldern sind wertvoll und bleiben das auch; ich wünsche dir dafür viel Erfolg.

BGE: An anderer Stelle hatte ich im Freitag bereits meine Kommentare zum BGE geschrieben und wiederhole mich hier gern:

1. Eine Grundsicherung als alternative Sozialleistung zur jetzigen Versicherungsform wird es vermutlich ab 2030 geben müssen, wenn die Rentenversicherungsleistungen abgeschmolzen sind und die Beiträge erhöht wurden.

2. Wenn wir Glück haben, werden die Bedingungen zur Zwangsarbeit nach Hartz-IV nicht mit übernommen; in diesem Sinne wird das Grundeinkommen oder die Grundrente bedingungslos sein.

3. In der Höhe wird diese allgemeine Grundrente von denen bestimmt, die In diesem unserem Lande die Mehrheit haben werden.

4. Die Rechnung von Götz Werner enthält einen gravierenden Fehler. Er rechnet mit 50% MWSt. Bisher haben wir eine Staatsquote von ca 45% des BIP, er will also eine Erhöhung, aus der sowohl die Staatsausgaben, als auch das BGE finanziert werden soll.

5. Die Träumereien vom lässigen Nichtstun träumen genau die Leute, die nicht wissen, daß soziale leistungen nur verteilt werden können, wenn sie auch erwirtschaftet werden.

6. Es besteht kein Zweifel, daß die Verteilung der gemeinsamen Arbeitsleistung wieder homogener werden muß; es besteht aber auch kein Zweifel darüber, daß ein zu verteilendes BIP mit Produktion und Konsum erst einmal erarbeitet werden muß.

gweberbv 24.09.2014 | 21:49

Ich bin mir sicher, dass ich mit 1000 Euro im Monat nicht auf der faulen Haut liegen würde. Studieren, politische Arbeit, Volxküchen, Selbstversorgung – mir fallen genug Dinge ein, in die ich gerne mehr Zeit investieren würde.

Mein Stiefvater führt einen Handwerksbetrieb. Der typische Auszubildende dort kennt deine "Probleme" mit dem Nichtstun nicht. Bei 1000 Euro im Monat würden die meisten bis Mitte 20 erstmal Party machen.

Du gehörst zu einer winzigen kleinen Gruppe, die aus intrinsischer Motivation irgendwelche Projekte durchziehen will. Der Mehrheit der Menschen tickt anders.

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Ehemaliger Nutzer 25.09.2014 | 17:57

Ich denke nicht, dass sich das ausschließt. Gerade wenn es mir relativ gut geht, sollte ich doch meine Situation nutzen, um Dinge zu ändern.

Ein Aktivist, eine Aktivistin zu sein, schließt in der Regel nüüüscht aus. Oder führen Sie passiv eine Tasse Kaffee zum Mund? Ihre Motive sind ja ehrenwert, zu unterstützen, zu bejahen - keine Frage. Aber dieser Aktivistinnendaseins-Begriff verursacht bei mir pantomimischen Herpes. Und eine politische Vorreiterin sind Sie doch nun nicht, oder?

MfG Aktivist Brieske Senftenberg

roswitha 25.09.2014 | 18:20

"Spaßige Selbstfindung" - Fahrwax, was ist das? So etwas kenne ich nur, wenn ich über mich einmal lachen kann. das fordert aber schon viel Einsicht. Spaßig war Selbstfindung noch nie. Ich möchte auch nicht mich selber finden, wenn ich in einem Tierheim den Dreck der Tiere wegwische oder morgens die Mülleimer in den großen Wagen kippe oder am Fließband den Plastikmüll sortiere. Da habe ich es bei meinem Beruf schon leichter. Und auch da gibt es genug unspaßige Facetten.

Manche Arbeit muss einfach gemacht werden, zum Donner, weil sie sinnvoll und nötig ist. Zu dieser Selbstbestimmung gehört Verantwortung. Verantwortung heißt, mit Freiheit umgehen zu können. Das soll leicht sein oder gar spaßig?

Wäre es so leicht, hätten wir weniger Probleme mit dem Konsumismus.

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Ehemaliger Nutzer 25.09.2014 | 18:35

Zur begrifflichen Ergänzung:

«Verantwortung heißt, mit Freiheit umgehen zu können.»

Im Prinzip ja, aber Verantwortung als das Gegenteil von Pflicht heißt auch, Antworten zu finden auf Situationen und Fragen, für die es noch keine Allgemeine Dienstanweisung gibt, also nix für Beamte und Politiker, die mehrheitlich aus der Beamtenschaft stammen und Kompetenz mit Zuständigkeit verwechseln.

roswitha 25.09.2014 | 19:10

Dass Arbeit ungerecht verteilt ist - ohne Frage; dass Arbeit ungerecht bezahlt wird - ohne Frage; dass arbeitende Menschen ausgenutzt bzw. ausgebeutet werden - ohne Frage. Aber wenn alle diese Belastung des Arbeitslebens verschwunden wären, bliebe die Tatsache, dass Arbeit getan werden muss!!!

Schmutz muss entfernt, gebrochene Knochen müssen geschient, Kranke gepflegt, kaputte Autos repariert, Kleidung gewogen und genäht, Lebensmittel produziert, Müll entfernt, Kinder unterrichtet, Bücher gedruckt werden usw.usw. Dass die z.Teil bedrückenden Zusatände auf der Arbeit heute unerträglich sind, muss ausgesprochen und geändert werden; dass diese Zustände nicht geändert werden oder sogar noch schlimmer werden, hat nichts mit der Arbeit, sondern mit Herrschafts-und Machtstrukturen zu tun. Aber die Bedingungen menschlichen Lebens erfordern das Leisten von Arbeit. Der erworbene Reichtum kann und sollte durch gerechte Verteilung dafür sorgen, Arbeit zu erleichtern und Kreativität zu fördern, die Arbeit überflüssig machen kann er nicht. Und genauso wie es falsch ist, zunehmende Freiheitsmöglichkeiten, Selbst - und Mitbestimmung im Arbeitsleben zu leugnen, so ist es auch falsch, zu meinen, es ginge ohne Arbeit oder ohne die Verpflichtung zur Arbeit.

Hunter S.T. 25.09.2014 | 19:12

Ich denke gerade in unser auf Konsum und mit-dem-Nachbarn-vergleichen getrimmten Gesellschaft würde das BGE vortrefflich funktionieren. Die meisten sind doch so geil auf ein dickes Auto und Apple-Produkte, dass sie freiwillig weiterhin 45 Stunden pro Woche malochen gehen würden, um sich sowas leisten zu können. Abgesehen davon hätte keiner mehr eine Ausrede einer unmoralischen Tätigkeit nachzugehen :)

fahrwax 25.09.2014 | 20:31

Allein der Verzicht auf die Dienstbarkeit gegenüber den zusammen gestohlenen Geld- und Besitzbergen gäbe die mit der Umverteilung von der Arbeitsleistung zu den Kapitalien verschwendete Arbeitszeit der Entsorgung preis, ohne die Summe von erzeugten Gütern und Dienstleistungen zu verringern.

Die sodann lustvoll verteilte, gewaltig reduzierte aber notwendige Arbeitszeit, ließe Zeit und Energien zu menschlicher Entwicklung die diese Bezeichnung verdiente?

roswitha 25.09.2014 | 20:54

"Allein der Verzicht auf die Dienstbarkeit gegenüber den zusammen gestohlenen Geld- und Besitzbergen gäbe die mit der Umverteilung von der Arbeitsleistung zu den Kapitalien verschwendete Arbeitszeit der Entsorgung preis, ohne die Summe von erzeugten Gütern und Dienstleistungen zu verringern". Können Sie mir konkreter sagen, was Sie meinen? Also: Ich stelle an eine Gemeinschaft die Bedingungen, sauberes Wasser trinken zu können, bei Bedarf einen Notarzt anrufen zu können, Kultur erleben und mitgestalten zu dürfen und den Müll Woche für Woche abgeholt zu bekommen. Wenn jeder von diesen Dienstleistungen profitieren kann, ohne dass nur das gestohlene Kapital vermehrt wird (scharf formuliert, aber wohl wahr), ist meine Vorstellung einer Gesellschaft in Ordnung. Das wäre möglich, das Geld ist da, und zwar im Überfluss - inwiefern würde aber ein bedingungsloese Grundeinkommen dies unterstützen? Wieso wäre es dann überhaupt notwendig?

Will sagen: Ich stelle an die Gemeinschaft Bedingungen, bin aber auch bereit, Bedingungen zu erfüllen, weil es anders gar nicht geht.

Hoffe, wir reden nicht aneinander vorbei.

gweberbv 25.09.2014 | 21:49

Die meisten sind doch so geil auf ein dickes Auto und Apple-Produkte, dass sie freiwillig weiterhin 45 Stunden pro Woche malochen gehen würden, um sich sowas leisten zu können.

Selbstverständlich. Wer heute einigermaßen verdient und ein dem Einkommen entsprechendes Konsumverhalten hat bzw. Kredite abträgt, für den ist ein BGE keine Option.

Die Integration von z. B. Auszubildenden in die Arbeitswelt wäre aber massiv erschwert.

Außer den paar "Kreativen", die aus eigenem Antrieb gesellschaftlich relevanten Tätigkeiten nachgehen, sehe ich niemandem, dem ein BGE (anstelle eines Erwerbseinkommens) gut tun würde.

Hunter S.T. 25.09.2014 | 22:49

'Die Integration von z. B. Auszubildenden in die Arbeitswelt wäre aber massiv erschwert.' Das denke ich nicht, da Menschen ja generell dazu neigen sich zu vergleichen und die meisten halt mehr oder mindestens genauso viele bzw. gleichwertige Konsumartikel haben möchten wie ihre Bekannten. Ist natürlich nur Spekulation, aber ich finde es wäre unbedingt einen Versuch wert. Insbesondere da sich dadurch vermutlich das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern positiv verändern würde.

gweberbv 25.09.2014 | 23:02

Das denke ich nicht, da Menschen ja generell dazu neigen sich zu vergleichen und die meisten halt mehr oder mindestens genauso viele bzw. gleichwertige Konsumartikel haben möchten wie ihre Bekannten.

Was hat denn ein durchschittlicher 18jähriger? Der lebt bei seinen Eltern und hat maximal ein paar hundert Euro für sich im Monat (wenn er Azubi ist).Wenn du da eine eigene Wohnung plus noch 500 Euro Taschengeld drauflegst (also sowas wie 1000 Euro BGE), dann gibt es aus finanzieller Sicht erstmal null Anreiz einen Finger zu krümmen. Bleibt man auf diesem Niveau stehen, sieht es mit Mitte/Ende 20, wenn "normale Arbeitnehmer" so langsam etwas mehr nachhause bringen, natürlich düster aus. Aber so weit denken nicht alle jungen Menschen.

NightCom 26.09.2014 | 06:01

Am bedingungslosen Grundeinkommen stören mich 2 Dinge :
1. ) das bedingungslos,
2. ) die Höhe, mit der da rumspekuliert wird.

Fakt ist sicher, das es nicht genug Arbeitsplätze gibt, die den Arbeitenden auch ernähren, um alle mit Arbeit zu versorgen.

Und für alle, die da nun rausfallen, muss es ein Einkommen geben.

Ein Grundeinkommen, das in etwa auf H4- Höhe liegt ( das durchaus nach obenhin angepasst gehört ), dem BEDÜRFTIGEN ein halbwegs akzeptables Leben gewährt, ohne ihn durch Zwangsmaßnahmen zu versklaven, das wäre akzeptabel.

Das gäbe den Menschen Sicherheit, aber auch Anreiz, sich eine akzeptable Arrbeit zu einem Lohn zu suchen, der ihn ernährt.
Sofern vorhanden.

Gleichzeitig würde es Beschäftigungen mit Gehältern noch unter H4- Niveau erschweren, weil niemand gezwungen wird, eben diese Beschäftigungen anzunehmen.

Die Gehälter würden steigen, oder solch Geschäftszweige, die auf Quersubventionierung durch den Staat beruhen, schlicht verschwinden.

Win - Win, würd ich sagen

maziar jafroodi 26.09.2014 | 10:44

Ihren Beitrag habe ich mit Sympatie gelesen. Dazu mochte ich einige Saetze erwaehnen, die vielleicht noch nicht einleuchten.

Ich finde, Sie spueren innerlich, dass sie aus diesem Verruckten Kollektiv der Leistungs- und Stressgesellschaft aussteigen wollen. Aber andererseits haben sie, meiner Meinung- und Erfahrung nach, sich ein anders Kollektiv ausgesucht, die nicht weniger Stressbeladen ist. Vielleicht spurern Sie es bereits selbst, aber spaetenstens werden Sie es merken, wenn Sie frustriert werden.

Der Weg der Freiheint ist gegenwaertig keine Kollektive, sondern eine Individuelle. Nur diejenigen denen dies bewusst wird, werden diesen Weg auch gehen koennen.

Ich wuensche Ihnen auf Ihrem weiteren Weg alle Gute

fahrwax 26.09.2014 | 10:50

Eine Gesellschaft der die Abdeckung der Grundbedürfnisse ausnahmslos aller, ohne die Kreation von Privilegien, die Existenzberechtigung verschafft, duldet jedes weitere - individuelle - Bedürfnis, wenn es nicht diese - allein begrenzende - Legitimität gefährdet?

Diese Grundübereinkunft beinhaltet eine gemeinschaftliche Maximierung von Nutzen, jede idividuelle - oder gruppenspezifische, produziert Unfreiheit.

Die gleiche Berechtigung, per Geburt, schafft eine gleiche Verteilung. Jede Verteilung nach >>Leistung<< produziert Macht und Unfreiheit. Wer sollte Leistung beurteilen können, außer der gemeinschaftliche Nutzen?

Ein Bedingungsloses Grundeinkommen, innerhalb eines Systems der individuellen Nutzenmaximierung, stellt die Systemfrage - mehr nicht.

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Ehemaliger Nutzer 26.09.2014 | 11:02

«Wir könnten

anders arbeiten,

anders konsumieren,

anders leben

– wenn wir uns von der Leistungsgesellschaft verabschieden und allen eine Grundversorgung ermöglichen»

Eigentlich enthält diese Grundaussage des Artikels einen Widerspruch in sich, weil die Leistung als Maßgröße sowohl bei der Arbeit/Produktion, als auch beim Konsum gleich ist und die Relation:

Produktion = Konsum [Leistung ]

weiter bestehen bleibt, egal auf welchem Niveau diese Relation stattfindet.

Um anders zu leben kann eine Grundversorgung eine Methode von vielen sein; eine andere Methode wäre das Lean Management, die Reduktion der tief gestaffelten Hierarchieebenen, die sehr große Unterschiede in den Einkommen erst möglich machen. Bisher wurde Lean Management lediglich dazu mißbraucht, die Basis zu reduzieren und diesen Produktionsfaktor nach Billiglohnland auszulagern.

Daß dabei die arbeitslose Basis dem Staat einfach vor die Füße gekippt wurde, wie Amigo Ede sich ausdrückte, ist eine missliche Nebenwirkung und zeigt lediglich die Hilf- und Kopflosigkeit der selbst ernannten PolitEliten.

Eine andere, bessere Lebensqualität erhalten wir nur, wenn wir als Zivilgesellschaft diese sozialen, ökonomischen und politischen Verhältnisse, wie sie in der EU und der BRD derzeit bestehen, verändern können.

Sikkimoto 26.09.2014 | 12:07

Das BGE hat schon Vorteile gegenüber dem bloßen Hartz 4. Allerdings keine, die in der Lebenswelt gewisser Aktivisten vorkommen. Nehme man zB die Zuverdienstmöglichkeiten. Das restriktive H4-System sagt: Sei kein Idiot, verdiene nicht mehr als du ohnehinn abgenommen kriegst. Das ist gesamtgesellschaftlich im höchsten Maße unproduktiv. Aufgrund diverser Grenzen (Hartz 4 Zuverdienst, Sozialversicherungspflicht, Umsatzsteuerpflicht, Gewerbesteuerpflicht) wird entweder weniger erwirtschaftet als potentiell erwirtschaftet werden könnte, oder es wird gemauschelt. Besser wäre es dieses System zu reformieren. Generell weg von festen Grenzen, hin zu einem gerechteren Gesamtkonzept von BGE und (Einkommens-)Steuern. Klar ist, dass es ein BGE nicht ohne umfassende Steuerreform geben kann. Weswegen ich auch kein besonderer Verfechter davon bin: Es ist ein politisches Mammutprojekt, und ich sehe viele "Reförmchen", die sich weit leichter durchsetzen ließen und zusammengenommen einen größeren praktischen Effekt haben. Andererseits sollte auch das Steuersystem ohnehin reformiert werden.

gelse 26.09.2014 | 13:23

>>Die meisten sind doch so geil auf ein dickes Auto und Apple-Produkte, dass sie freiwillig weiterhin 45 Stunden pro Woche malochen gehen würden, um sich sowas leisten zu können.<<
Das ja.
Aber wer würde die billige Maloche machen, in Krankenhäusern, Altersheimen, bei der Müllabfuhr, und die ganzen sogenannten Dienstleistungen für'n Appel und kein Ei?
Da fährt doch unsere sanftlebende Mittel- und Oberschicht mit dem Hatz4-System besser...

Hunter S.T. 26.09.2014 | 16:00

'Aber wer würde die billige Maloche machen, ' Das wäre ja ein weiterer toller Aspekt des BGE, die 'billige Maloche' müsste endlich besser bezahlt werden, da es ja so viele Schnösel gibt, die sich zu fein dafür sind :) 'Da fährt doch unsere sanftlebende Mittel- und Oberschicht mit dem Hatz4-System besser' Aber nur diejenigen ohne Gewissen. Wobei mir durchaus bewusst ist, dass es immer Menschen dieser Sorte gibt (Stichwort: 'Politische Ponerologie' Essentielle Psychopathen werden so geboren und setzen sich mit List und ohne Moral an die Spitze der verschiedensten Organisationen. Dort angekommen vergiften sie das Klima und erzeugen immer mehr sekundäre Psychopathen unter ihnen).

Hunter S.T. 26.09.2014 | 16:16

'Was hat denn ein durchschittlicher 18jähriger?' Beim Bezug vom BGE hätte er auf jeden Fall mehr, wenn er zusätzlich arbeiten geht. Das bräuchten nur ein paar Leute machen und schon wäre der Großteil der anderen neidisch und würde auch arbeiten gehen. Vielleicht viele nur halbtags, weil der Ehrgeiz dann doch nicht so groß ist, aber ich denke es würde trotzdem super funktionieren. Zudem könnten die Menschen leichter Jobs finden, die sie vergleichsweise gerne ausüben, da die Verlustangst nicht so groß wäre. Heutzutage lässt sich wohl kaum jemand freiwillig von der Arge schikanieren und so bleiben viele in ihren Jobs, die sie unglücklich machen und die sie selbst oft für unmoralisch halten. Bei Kündigung aus Gewissensgründen bekommt man heute auch noch eine dreimonatige Sperre der Bezüge. Mit einem BGE sähe das wohl anders aus.

namreH 26.09.2014 | 20:24

Ein Hinweis: Vor über einem Jahr - am 4. 3. 2013 - gab es diesen Blog schon einmal unter:

WOLFGANG BORTLIK 04.03.2013 | 10:45 (105)

Die Schweiz und das Grundeinkommen - Initiative Es kann gut sein, dass es beim Nachbarn bald bedingungslos 2.000 Euro monatlich gibt." (leicht inFreitag zu finden.

Der Blog hatte also 105 Kommentare.

Ich weise auch deshalb darauf hin, weil die Initiative in der Schweiz ja noch in der Mache ist - muss also in "nächster" Zeit abgestimmt werden durch die Wähler. Nur, wann? Da hat die Regierung lt. Google-suche angeblich bis 2019 Zeit.

Nun, ich denke: Das Thema ist es wert, immer wieder neu auf die Tagesordnung zu kommen. Auffällig ist im Vergleich zu diesem Blog, dass hier das BGE nach meinem Eindruck viel skeptischer beurteilt wird. Das ist für mich eigentlich merkwürdig, denn die Einkommensverteilung ist ja inzwischen lustig von unten nach oben vorangeschritten. Das BGE wäre da eine gute Möglichkeit diese Fehlentwicklung zu stoppen - hätte z. B. auch den Nebeneffekt, dass die vorhergesagte, absehbare Alterarmut einiges von ihrem Schrecken verlieren würde - um nur einen Fakt zu nennen.

roswitha 26.09.2014 | 21:04

Leuchtet mir ein. Ein Gedanke, der mir beim BGE stets in die Quere kommt, ist, dass jeder seinen Beitrag zur Geselschaft leisten solle. Dem Traum, dass dann plötzlich die Kreativität explodieren sollte, kann ich aus Beobachtung nicht nachvollziehen. Zunächst müssten dann die z.B. durch Reichtum zu Sicherheit Gekommenen unendlich viele Konzepte und Projekte zur Erneuerung der Gesellschaft bringen. Sehe ich nirgendwo. Ist aber kein neuer Gedanke.

Satorare 26.09.2014 | 22:44

Na ich hab da wohl ein deutlich optimistischeres Bild vom Menschen. Sicherlich wird es ein paar Faulenzer geben, na und? Aber meiner Meinung nach haben die meisten Menschen ein tiefes Grundbedürfnis, sich einzubringen und nützlich zu machen. Ich kenne jede Menge Leute, die sich ehrenamtlich engagieren und nebenbei noch um ihren Lebensunterhalt kämpfen müssen. Ein BGE würde da endlich mal Abhilfe schaffen und gleichzeitig die Unternehmen dazu bewegen, vernünftige Löhne zu zahlen. Man müßte sich einfach nicht mehr jeden Scheiß gefallen lassen aus Angst um die nackte Existenz.

gweberbv 26.09.2014 | 23:45

Sicherlich wird es ein paar Faulenzer geben, na und? Aber meiner Meinung nach haben die meisten Menschen ein tiefes Grundbedürfnis, sich einzubringen und nützlich zu machen.

Ich halte dieses Grundbedürfnis bei jungen, sorglosen Menschen, die außer dem eigenen Elternhaus noch nicht viel von der Welt gesehen, für nicht weit verbreitet. Woher soll das auch kommen?

Meinst du wirklich, da draußen gibt es ein paar hunderttausend Teenager und junge Erwachsene, die eigentlich nur darauf warten, endlich für alte Leute einkaufen zu gehen, Problemschülern bei den Hausaufgaben zu helfen oder die städtischen Grünanlagen aufzuhübschen und das heute nur deswegen nicht tun können, weil sie von morgens bis in die Nacht in Callcentern oder Pommesbuden hocken müssen, um ein paar Euro zu verdienen?

Ich würde den Bezug von Grundeinkommen mindestens an eine zuvor absolvierte Ausbildung und ein paar Jahre Berufstätigkeit koppeln.

gweberbv 26.09.2014 | 23:56

Beim Bezug vom BGE hätte er auf jeden Fall mehr, wenn er zusätzlich arbeiten geht. Das bräuchten nur ein paar Leute machen und schon wäre der Großteil der anderen neidisch und würde auch arbeiten gehen.

Soso. Als Raumausstatter-Azubi erhält man im ersten Lehrjahr etwas weniger als 400 Euro. Im dritten Jahr dann 500 Euro. Dafür muss man einer körperlich anstrengenden, manchmal eintönigen Arbeit nachgehen, darf gegenüber Kunden nicht pampig sein (auch wenn am Abend zuvor die Freundin Schluss gemacht hat) und muss in der Berufsschule büffeln. Ahja, und früh aufstehen muss man auch. insbesondere wenn man nicht in die Werkstatt sondern gleich auf eine Baustelle irgendwo in der Stadt kommen soll.

Schon heute, wo nach der zweiten, dritten abgebrochenen Lehre wirklich ein finsteres Leben auf einen warten kann, scheitern nicht wenige junge Menschen an diesen Herausforderungen. Was glaubst du, was los ist, wenn diese Wackelkandidaten ohne einen Finger krumm zu machen, sowieso jeden Monat 500 Euro plus Miete, Sozialversicherung, etc. auf dem Konto haben?

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Ehemaliger Nutzer 27.09.2014 | 10:49

Ein simples Rechenproblem:

Von allen Einwohnern arbeiten ca 40 - 50 % und der Rest wird mitversorgt über familiäre oder staatliche Umlagen des Einkommens.

Wenn sich das Verhältnis ändert, weil mehr Senioren mitversorgt werden müssen, bleibt das ein Problem der Verteilung, die damit schlechter wird.

Das hatten wir als Studenten aber bereits in den 1960er Jahren nach dem Pillenknick gewußt, der die Babyboomer ablöste, die nach dem Kriegsknick den Kindermangel behoben.

Demografie D

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Ehemaliger Nutzer 27.09.2014 | 12:12

Im Prinzip ja, aber bisher ist nicht klar, wer alles unter diese "Reform" fallen wird, und wer nicht.

Die sozialen Verhältnisse der Zwangsversicherungen werden geändert; damit haben wir aber noch keine allgemeine Versicherungspflicht, wie z.B. bei der KfZ-Haftpflicht, weil staatliche Beamte und Vielverdiener bisher aus der Versicherungspflicht herausgehalten werden, also ihre partikulären Verhältnisse besser stellen.

Steinbrück wurde von seinem Parteigenossen Gabriel mitten im Wahlkampf 2013 öffentlich gemaßregelt, als er diesen Punkt angesprochen hatte.

Satorare 27.09.2014 | 21:25

Ich denke, das kommt aus einem selbst und ist - meiner Meinung nach - der normale Zustand. Diese Null Bock-Einstellung ist dagegen nicht natürlich und man sollte sich mal fragen, woher die kommt. Ich denke, das ist ein gesellschaftliches Problem. Und wenn ich als Kind schon mitbekomme, wie sich die Eltern abrackern und trotzdem nie auf einen grünen Zweig kommen, hab ich natürlich überhaupt keinen Anreiz, für diese Gesellschaft, von der ich mich persönlich verraten fühle, irgendwas zu tun. Das ist doch ganz klar. Als Kind hat man meist noch Träume und will die Welt verändern und seine Umwelt aktiv mitgestalten. Aber je älter man wird, umso mehr merkt man, daß man nur gegen Windmühlen anrennt und es keine Sau interessiert. Logisch, daß da am Ende nur Frust und eine gewisse Scheißegal-Haltung übrig bleiben...

gweberbv 27.09.2014 | 22:26

Diese Null Bock-Einstellung ist dagegen nicht natürlich und man sollte sich mal fragen, woher die kommt.

Die jungen Leute bleiben doch nicht morgens der Arbeit bzw. Berufsschule fern, weil sie depressiv im Bett liegen. Stattdessen haben sie den Tag vorher eben kräftig gefeiert. Oder zulange vorm PC gesessen.

Die haben auf alles mögliche "Bock", nur halt nicht auf den anstrengenden, nervigen, anspruchsvollen Teil des Lebens. Hast du als Jugendlicher nie die Schule geschwänzt? Nie die Hausaufgaben nicht gemacht? Falls das tatsächlich so ist, lag das dann daran, dass du von innerer Einsicht in die Notwendigkeiten des Lebens erfüllt warst - mit 16 oder 18 Jahren? Oder weil Eltern und Lehrer sozusagen mit Karotte und Peitsche hinter dir gestanden haben?

Wenn die Schulzeit dann endet und sich kein Studium anschließt, tauchen unerfahrene, zum Teil recht verwöhnte, schnell frustierte, junge Menschen in eine Welt ein, wo sie sich "Extrawürste" nur noch ein-, zweimal rausnehmen können. Dann ist halt schnell Schluss mit dem Ausbildungsvertrag.

Heute gibt es eine halbwegs glaubhafte Drohkulisse. Die Eltern drehen den Geldhahn zu und "aufs Amt" gehen zu müssen ist für die meisten Menschen eine abschreckende Vorstellung. Mit 1000 Euro "Sofortrente" dagegen lässt sich erstmal prima auskommen.

Um das nochmal klarzustellen: Mir geht es hier nicht um Familienväter mittleren Alters, die Verantwortung tragen, in Vereine eingebunden sind, etc. Solche Menschen werden sich kaum "auf die faule Haut legen", es sei denn, dass dauerhafte Arbeitslosigkeit sie langsam zermürbt.

Aber für junge Leute, die für sich oder andere Verantwortung zu tragen erst noch lernen müssen, sehe ich verheerende Auswirkungen, wenn man ihnen ein leistungsloses Einkommen beschwert.

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Ehemaliger Nutzer 28.09.2014 | 00:41

Sehen wir einmal davon ab, daß die Überschrift dieses Artikels

Ein Leben ohne Bedingungen

kein Fragezeichen enthält, sondern das Leben an sich mit dem BGE gleichzusetzen scheint, dann bleibt trotzdem viel Raum für eine Kritik an den bestehenden Verhältnissen.

Kinder und Jugendliche haben den natürlichen Drang, sich mit anderen zu messen und sie lernen vom ersten Tag ihres Lebens an; in den ersten Jahren lernen Kinder extrem schnell und sehr viel.

Selbst zur Schule wollen Kinder in der ersten Zeit, bis sie gelernt haben, daß die Schule kein Lernort ist, sondern eine Penne, reduziert auf lexikalische Wissensvermittlung, weil die leicht meßbar ist.

Kommen die Jugendlichen dann nach vielen gähnend langweiligen Jahren aus der Schule oder Hochschule, stellen sie vielfach fest, daß für sie zu wenig Arbeitsplätze vorhanden sind, weil die schon längst nach Billiglohnland entsorgt wurden.

Aus diesen gesellschaftlichen Fehlentwicklungen jetzt eine Unlust der jungen Leute für Verantwortung zu konstruieren, halte ich nicht nur für völlig falsch, sondern für schäbig.

gweberbv 28.09.2014 | 01:42

Selbst zur Schule wollen Kinder in der ersten Zeit, bis sie gelernt haben, daß die Schule kein Lernort ist, sondern eine Penne, reduziert auf lexikalische Wissensvermittlung, weil die leicht meßbar ist.

Das ist in meinen Augen Mumpitz. So attraktiv wie ein gutes Computerspiel, eine rauschende Party oder auch ein Fußballspiel mit Freunden kann Schule gar nicht sein, dass die Mehrheit der Schüler freiwillig dort den größten Teil des Tages verbringen würden. Ohne Druck geht das nicht.

Genausowenig ist es möglich, ohne Druck eine Ausbildung bzw. ein Studium in akzeptabler Zeit hinter sich zu bringen. Ausnahme: Die paar Hanseln, deren ausgeprägte Leidenschaft genau mit einem Berufsbild/Fachgebiet übereinstimmt.

gelse 28.09.2014 | 14:57

>>...die 'billige Maloche' müsste endlich besser bezahlt werden...<<
Und dmait sind Produktionmittelbesitzer nicht einverstanden, aus Gründen der Profitmaximierung. Wir müssten sie also zuvor entmachten. Und wenn wir das geschafft haben, unser Wirtschaften demokratisch organisieren können: Dann haben wir bessere Möglichkeiten, als mit der linken hohe Steuern zu zahlen mit der rechten wieder zu empfangen.

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>>Aber nur diejenigen ohne Gewissen.<<
Das billigste Mittel gegen ein schlechtes Gewissen ist: Einfach nicht nachdenken. „Es ist eben wie es ist. Für ein paar Leute, vielleicht sogar Viele, nicht so gut, aber da kann man eben nix machen“.

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>>Essentielle Psychopathen werden so geboren und setzen sich mit List und ohne Moral an die Spitze der verschiedensten Organisationen. Dort angekommen vergiften sie das Klima und erzeugen immer mehr sekundäre Psychopathen unter ihnen).<<

Hierarchien formen ihre Aufsteiger: Wer Karriere machen will braucht das Wohlwollen der Oberen. Und wer oben angekommen ist glaubt dass es gut war und stellt die gleichen Anforderungen die nächsten Aufsteiger.
Man sollte aber nicht ausser Acht lassen, dass Hierarchien Dienerpyramiden sind: Machtausübende dienen sich nicht hoch, sondern stehen drüber.

Satorare 28.09.2014 | 21:23

Nein... ich hab tatsächlich nie die Schule geschwänzt und auch meine Hausaufgaben immer gemacht (bis auf die 2-3mal, wo ich schlicht vergessen hatte, daß welche auf waren). Und das nicht, weil ich streng erzogen wurde. Nach Party stand mir allerdings auch nie der Sinn, fand ich immer schon öde... Ich finde Dein Menschenbild recht traurig. Das, was Du da beschreibst, ist nicht der Urzustand, sondern die Folge von Vernachlässigung und falscher Erziehung. Von gelegentlichen Ausreißern vielleicht mal abgesehen. Aber wenn sich dieses Verhalten verfestigt, dann ist in der Vergangenheit bereits einiges gründlich schief gelaufen. Meine Meinung, die sich mit meiner Erfahrung deckt.

roswitha 28.09.2014 | 22:46

Richtig, Heinz. Es geht ausschließlich um lexikalische Wissensvermittlung. Und ich freue mich jeden Tag wieder, morgen meine Schützlinge vorführen zu können, denn es macht einfach Spaß, ihnen zu zeigen, dass sie nichts können. Außerschulische Aktivitäten, Kreatives - gibts nicht. Fakten, Fakten, Fakten ist alles, was zählt. Das habe ich in allen meinen Ausbildungen gelernt, verinnerlicht und führe es auch aus. Ich finde, man sollte alle, aber auch wirklich alle Lehrer einsperren und endlich mal diejenigen Leute auf die Jugend loslassen, die nicht so Böses im Sinn haben.

Heinz, ich lese deine Beiträge meist gerne, aber deine allgemeinen Aussagen über Schule widern mich an. Wenn du wüsstest, wie ich mein Wochenende verbracht habe, würdest du anders denken. Und wenn du nur einen Tag in meinen Unterricht und in den anderer LehrerInnen kämst, würdest du auch anders denken. Einiges an Entwicklung ist schlicht an dir vorbeigegangen.

Das heißt nicht, dass ich meine, unser Schulsystem wäre nicht zu erneuern, aber lexikalisches Wissen abzufragen - damit kommst du nicht eine Stunde durch, fällst bei jeder Lehramtsprüfung durch und hast revoltierende SchülerInnen.

Sorry, das musste mal raus. Gruß, Ro

gweberbv 29.09.2014 | 00:36

Nein... ich hab tatsächlich nie die Schule geschwänzt und auch meine Hausaufgaben immer gemacht (bis auf die 2-3mal, wo ich schlicht vergessen hatte, daß welche auf waren). Und das nicht, weil ich streng erzogen wurde. Nach Party stand mir allerdings auch nie der Sinn, fand ich immer schon öde...

Dann warst du ein doofer Streber und wurdest hoffentlich während der Schulzeit ordentlich oft verkloppt.

Spaß beiseite: Falls du die Zeit findest, dann engagiere dich doch mal für Problemschüler oder junge Leute, die schon mehrere Lehren abgebrochen haben. Die wenigsten davon sind schlechte Menschen oder sowas. Aber du wirst dich wundern, wie desinteressiert, ignorant, apathisch, lustlos, etc. man schon in jungen Jahren sein kann, sobald eigene Anstrengung erwartet wird.

Ob dieses Verhalten nun "natürlich" oder "gemacht" ist, völlig gleichgültig. Diese Menschen sind nunmal da. Mit ihnen muss man zurecht kommen. Andere gibt es nicht.

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Ehemaliger Nutzer 29.09.2014 | 07:05

Klatsch, Klatsch, Klatsch ...

... und der xte Streich folgt zugleich.

Mein Kommentar war die Antwort auf einen vorausgehenden, der Kinder und Jugendliche schwarzweißmalerisch als faul darstellte, die "man/frau" nur mit Druck zu ihrem Glück zwingen könne, was ja auch nichts anderes ist, als Gewalt. Wenn ich dann weißschwarz dagegen halte, ist klar, daß sowas auch nicht die letzte Wahrheit sein kann.

Selbstverständlich schildere ich hier meist meine eigenen Erfahrungen mit Schule und die meiner älteren Kinder und das ist wirklich schon sehr lange her; mein jüngster Sohn geht noch zur Schule und macht andere Erfahrungen in der Freien Schule Anne Sophie.

Mein Fazit zur Schulpolitik in ganz D:

Da muß sich noch sehr viel bewegen.