schlesinger
06.09.2009 | 17:10 20

Israel: Bringen nur die Hardliner Frieden? (Teil I)

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied schlesinger

Eine oft gehörte These zur israelischen Sicherheitspolitik lautet: Nicht die ach so friedliebenden Linken seien es, die im wirklichen politischen Leben Israels den Frieden brächten (oder zumindest das Potential dazu haben), sondern die Falken, die Rechten, die Hardliner.

Wer schlich vor Ausbruch des Unabhängigkeitskriegs von 1948 als Beduine verkleidet zu König Abdullah ins damalige Transjordanien, um letzte Möglichkeiten für einen Frieden auszuloten? Golda Meir, die starke Frau Israels!

Wer hat nach dem glorreichen israelischen Sieg von 1967 die Hand in Richtung Araber ausgestreckt, und auf den viel zitierten "Telefonanruf aus Amman" gewartet? General Moshe Dayan, der Held des Sechstagekriegs!

Wer hat mit den Verhandlungen von Camp David im Jahr 1979 den ersten israelisch-arabischen Frieden zustande gebracht? Menachem Begin, Chef des rechten Likud!

Wer sorgte durch eine unnachgiebige Sicherheitspolitik ab 1996 für ein drastisches Nachlassen der palästinensischen Selbstmordattentate? Benjamin Netanjahu, Chef des Likud, in seiner ersten Amtszeit als Ministerpräsident!

Wer hat den Abzug Israels aus dem Gazastreifen im Jahr 2005 angeordnet? Ariel Scharon, ebenfalls Chef des Likud!

Dem äußeren Schein nach alles zutreffend, ist mit diesen Schlagwörtern doch nur der populäre Teil der jeweiligen Geschichte dargelegt.

http://lh4.ggpht.com/_MawbEA36bnc/SXo3QbmYWcI/AAAAAAAABS8/12lKt8bhSf0/charon_FULL.jpg?imgmax=400

GOLDA MEIR

Schon am ersten Beispiel Golda Meir zeigt sich die ganze Fragwürdigkeit einer Trennung in "links und rechts" oder "Falken und Tauben".

Die Sondierungsgespräche von Golda Meir galten keineswegs "den Arabern", sondern dem haschemitischen Königshaus in Jordanien, zu dem seit längerem gute Beziehungen bestanden. Das rührte aus den Anfängen der zionistischen Bewegung.

Prinz Faisal focht mit dem berühmten Briten "Lawrence von Arabien" an seiner Seite gegen die Osmanen und für ein unabhängiges Arabien. Gleichzeitig stand er der zionistischen Bewegung aufgeschlossen gegenüber.

Das zeigte sich nach Ende des Ersten Weltkriegs im Abkommen mit dem späteren Führer der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim Weizman. In diesem Faisal-Weizmann-Abkommen standen Dinge zu lesen, die heute zutiefst utopisch klingen:

"We Arabs... look with the deepest sympathy on the Zionist movement.

... we regard them [ the zionist goals and proposals at the Paris peace conference of 1919, Anm. S.] as moderate and proper.

We will do our best, in so far as we are concerned, to help them through;

we will wish the Jews a most hearty welcome home...

I look forward, and my people with me look forward, to a future in which we will help you and you will help us, so that the countries in which we are mutually interested may once again take their places in the community of the civilised peoples of the world."

Die Verhandlungsbereitschaft von Golda Meir galt somit einem Herrscherhaus, das von sich aus und früh Entgegenkommen und Kooperationswilligkeit zeigte. Man kann darüber spekulieren, ob Meirs Verhalten eine "linke" Friedenswilligkeit zugrunde lag, oder "nur" pragmatische, vernünftige Politik. Von letzterem verstand Meir einiges.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/90/Golda_Meir_03265u.jpgVor ihrer Zeit als Premierministerin war sie leitende Gewerkschaftlerin der mächtigen Histadrut, dann Arbeitsministerin unter dem ersten Ministerpräsidenten Ben Gurion und spätere Vorsitzende der Arbeiterpartei Mapai. All das weist sie als klassische "Linke" aus. Ben Gurion nannte sie anerkennend "seinen besten Mann im Kabinett".

Die zwei wichtigsten Prüfungen hatte Meir in 1972 und 1973 zu bestehen. Das Massaker an israelischen Sportlern während der Olympischen Spiele von 1972 veranlasste sie dazu, dem Geheimdienst Mossad die Tötung der Attentäter zu befehlen. Das führte in den folgenden Jahren zu einer Spirale der Gewalt. War Meir damit ein Hardliner? Hatte sie eine Wahl? Nichtstun hätte so viel wie Hinnahme dieses Angriffs bedeutet. Ein äußerst umstrittener Vorgang, der sich kaum beantworten lässt.

Als Syrien, Jordanien und Ägypten Israel ausgerechnet zum Auftakt des höchsten israelischen Feiertags Yom Kippur angriffen, war es Meirs nüchterne Einschätzung der Lage, die Israel überstehen ließ. Ein "Falke" wäre wohl der Empfehlung des damaligen Generalstabschefs Elazar gefolgt und hätte den Präventivschlag gegen Syrien durchgeführt. Doch Meir schätzte die kritische Haltung Washingtons richtig ein. Ein Kriegsbeginn durch Israel wäre von Nixon und Kissinger nicht unterstützt worden.

MOSHE DAYAN

Ein ähnlich vielschichtiges Bild hinsichtlich der Ausgangsfrage liefert der vormalige General und Verteidigungsminister während des Sechstagekrieges, Moshe Dayan.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1e/Mosche_Dajan.jpgEr soll darauf gewartet haben, dass ihn die unterlegenen arabischen Führer anrufen und Frieden anbieten. Das klingt gut, macht ihn aber noch nicht zum Friedenspolitiker. Dayan kannte die arabischen Führer genug um zu wissen, dass sie nach dieser militärischen Demütigung keinesfalls um Frieden bitten würden. Denn es war keine Niederlage, die vor allem Ägypten und Syrien hinnehmen mußten, sondern eine vernichtende Niederlage.

Sie war umso schmerzlicher, als die arabischen Führer zuvor lauthals tönten "Die ursprüngliche jüdische Bevölkerung Palästinas kann, sofern sie überlebt, bleiben. Aber ich glaube, dass niemand von ihnen überlebt", so PLO-Chef Schukeiri am ersten Juni 1967, oder wie Iraks Präsident Aref trompetete: "Die Existenz Israels ist ein Fehler, der korrigiert werden muss.... Unser Ziel ist klar: Israel von der Landkarte wegzufegen."*

Dass Ägyptens Nasser wohl nur bluffte, wie man heute annimmt, war aus der damaligen israelischen Perspektive nicht erkennbar, zumal es im selben Jahr an der syrisch-israelischen Grenze zu mehreren Zwischenfällen gekommen war.

Niemand kann Dayan oder Israel verdenken, den unerwarteten Sieg gegen solche Feinde in vollen Zügen ausgekostet zu haben, ganz zu schweigen von der Erlösungsstimmung in der Bevölkerung, die mit der Einnahme Ostjerusalems und damit der Klagemauer verbunden war. Immerhin stand auf der ägyptischen Seite Präsident Gamal Abd El Nasser. Nasser war nicht nur ein glühender Nationalist, Begründer der durchaus imperialen panarabischen Bewegung, erklärter Israelhasser, sondern auch die treibende Kraft hinter der Gründung der PLO.

Apropos PLO: Weitgehend unbekannt ist, dass die PLO im Jahr 1964 durch die Arabische Liga initiiert wurde. Sie agierte dabei weniger als Befreiungsorganisation der Palästinenser, sondern als Untergrundorganisation gegen Israel, war weitgehend von Ägypten gesteuert und wurde geführt vom saudischen Diplomaten Schukeiri. Dabei stand sie in den ersten Jahren bis 1969 in Konkurrenz zu den "echten" palästinensischen Widerstandgruppen, vor allem der Fatah unter Arafat und Abu Jijad, bis sie 1969 unter der Führung Arafats zur Einheits-PLO verschmolz.

Dayan jedenfalls war in der Regierung Golda Meir erneut Verteidigungsminister. In den Stunden vor Ausbruch des Yom Kippur Krieges riet er entgegen den Empfehlungen seines Generalstabschefs von einen Präventivschlag ab und sprach sich sogar gegen eine Generalmobilmachung aus. Die Haltung eines auf Frieden bedachten Ministers oder nur die Konsequenz aus einer mangelhaften Lagebeurteilung?

Dayan war Mitglied der Arbeiterpartei. Später wechselte er in den konservativen Likud unter Menachem Begin, wurde dessen Außenminister und trug zum Abschluss des Camp-David-Abkommens bei.

Weil er mit der Siedlungspolitik Begins nicht einverstanden war, trat Dayan zurück.

Was war Dayan nun? Falke, Taube, Pragmatiker? Oder alles, je nach Zeitläuften?

In anderen Fällen als Golda Meir und Moshe Dayan lassen sich die Antworten vielleicht einfacher geben: Bei Scharon, Begin oder Netanjahu. (Teil II)

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* zit. nach Schreiber / Wolffsohn, Opladen 1989, 2. Aufl., dtv, S. 196

Bild: (c) courtesy Randall Stoltzfus, "Charon", 1999

Photo: Golda Meir, Moshe Dayan, je Wikipedia CC Lizenz

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (20)

tetenal 06.09.2009 | 23:00

Ja, schließ mich poor on ruhr an, vor allem das im Faisal/Wiezmann Abkommen haut mich um. Das arabische Volk heißt die Juden willkommen... Klingt ja echt unglaubwürdig, wenn man alles sieht was heute so abläuft. Wenn aber das Verhältnis zwischen den Israelis und den Haschemiten so gut war, wieso hat Jordanien dann mitgemacht im Krieg von 1967?

schlesinger 07.09.2009 | 00:38

@ poor on ruhr: vielen Dank für das große Lob! Dito an tetenal, und zum Thema Jordanien:

König Hussein von Jordanien war zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs noch sehr jung, gerade 32 Jahre alt.

Obwohl er zuvor vorsichtig agierte, hat er sich von Nasser beeinflussen lassen, der Koalition gegen Israel beizutreten. Jordanien verlor die zuvor von ihm verwaltete Westbank an Israel. Infolge dessen strömten noch mehr Palästinenser ins jordanische Kernland (Ostbank).

Das wurde für Hussein äußerst gefährlich, da die Palästinenser und vor allem ihre politische Vertretung PLO zum Staat im Staat wurden und das Königshaus bedrohten. Hussein wehrte sich dagegen und zerschlug im sogenannten Schwarzen September von 1970 die Führungsriege der PLO in Jordanien.

Syrien, der PLO nahestehend, intervenierte militärisch. Offenbar führten Drohungen Israels gegen Syrien militärisch vorgehen zu wollen, zum Abzug der syrischen Kräfte, sodass Hussein die PLO aus Jordanien treiben und politisch überleben konnte...

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rahab 07.09.2009 | 00:46

na ja, mit gerade 32 noch sehr jung .... ganz naiv denke ich dazu, dass das einem könig nicht passieren darf, zu jung zu sein. obwohl 32 noch nicht so wahnsinnig alt ist.

aber die frage ist schon richtig und wichtig: warum hat er, obwohl ihm die vorgeschichte ja bekannt sein mußte, sich von Nasser beeinflussen lassen? war es das? oder wollte er die west-bank wieder loswerden und wußte nicht so richtig, wie? denn wenn ich mich dunkel richtig erinnere, kam king Hussein ja garnicht so richtig dazu, überhaupt am krieg teilzunehmen.

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rahab 07.09.2009 | 00:53

ansonsten warte ich auf den zweiten teil! denn wenn man sich die weitere geschichte etwas genauer beguckt, kann ja von frieden so richtig auch nicht die rede sein.
mir geistert dazu im kopf herum, dass das verhältnis zu Ägypten ein "kalter frieden" genannt wird. und ob es mit Jordanien besser ausschaut?

zum ersten teil wäre mein fazit: Golda Meir und Moshe Dayan waren zionisten, für die verteidigung nach außen (nicht unbedingt noch weiterer gebietsgewinn) das wesentliche war. weshalb ja der ma'arach (arbeiterblock) vor allem der siedlungsbewegung fast hilflos ausgeliefert war (sich fühlte?)

schlesinger 07.09.2009 | 01:00

@ rahab: Treffer, oder wenigstens ein potentieller Treffer, denn tatsächlich existiert die durchaus plausible Interpretation, dass Hussein in einer Kriegsbeteiligung die Chance sah, Israel würde ihm das politisch problematische palästinensische Westjordanland wieder abnehmen.... insofern hätte er sich dazu von Nasser bereitwillig "einkaufen" lassen können.... Aber damit sage ich Ihnen ja nicht Neues, nicht wahr ;-) Eine zuverlässige Quelle kenne ich für diese theoretische Einschätzung allerdings nicht, Sie?
Was Nasser anbelangt muss man natürlich schon einräumen, dass sein Panarabismus lange und auf viele stark wirkte, und Hussein gehörte damals (noch) nicht zu den erfahrendsten Herrschern.

schlesinger 07.09.2009 | 01:10

Sie sind zu schnell, jetzt stimmt die Reihenfolge von Kommentar / Gegenkommentar nicht mehr ;-)
Ihrer Einschätzung zu Meir und Dayan stimme ich zu. Das mit dem Ausgeliefertsein von Maarach teile ich nicht ganz, denn immerhin war Ben Gurion als die dominierende Figur der Mapai (als dem Hauptteil des Maarach-Bündnisses mit der kleineren Mapam) gewissermaßen der Begründer der palästinensischen Vertreibung und mit seinem "die Araber müssen weg" ideologischer Wegbereiter der späteren Besiedlung. Die hatte nach 67 richtig eingesetzt, wobei der damalige Ministerpräsident Eshkol (ebenfalls Arbeiterpartei / Mapai) den Dingen ihren Lauf ließ (Hebron / Moshe Levinger...)

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rahab 07.09.2009 | 01:44

ja schon aber.... in der westbank erst nach 1973! (nach meiner erinnerung). wobei man da vielleicht zwischen vertreibung und besiedlung unterscheiden muß.
je mehr menschen die west-bank verließen, umso weniger mußten kontrolliert werden. so denke ich, war die richtung.
wahrscheinlich müßte man sehr genau untersuchen, was zwischen 1967 und 1973 passierte. weshalb Israel es nicht hinkriegte, in dieser zeitspanne eine verhandlungslösung zu erreichen. war Kiriyat Arba das einzige hindernis?
kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. als ich 1974 das erste mal in Israel war, spielte diese siedlung so gut wie keine rolle - oder sie und ihre bedeutung ging mir/uns durch die lappen, das kann auch sein . das beherrschende thema war der yom-kippur-krieg.
der gab - weil er innenpolitisch ja eine einzige niederlage war - gush emunim richtig auftrieb.

schlesinger 07.09.2009 | 12:50

@ rahab (23:49) Ihr "eine theoretische quelle? da muß ich mal drüber schlafen... " nimmts aber ganz genau ;-) Ihr "raten" und meine (und anderer) Interpretationen, dass Hussein die Westbank vielleicht nicht ungern hat abnehmen lassen, ist bislang eine politologische Einschätzung, eine Theorie, meinetwegen eine Vermutung. Deswegen schrieb ich "Eine zuverlässige Quelle kenne ich für diese theoretische Einschätzung allerdings nicht". Gäbe es eine Quelle, würde aus der Theorie ein Sachverhalt, historische Tatsache. Puh, Sie zwingen mich zu größter Genauigkeit :-)

Sie sagen zur Besiedlung: "in der Westbank erst nach 1973!" Wieso? Die ersten Gush-Etzin Aktivisten wurden im August '67 bei Levin Eshkol vorstellig und überredeten ihn, ihren Aktionen nicht im Weg zu stehen. Im November '67 ersuchte Eshkol den Vorsitzenden der Zion. Weltorganisation, die Regierung bei den Siedlungsaktivitäten zu helfen.

Den Auftakt machte schließlich Rabbi Levinger als Vordenker der Siedler, indem er sich mit seiner Gefolgschaft '68 in Hebron zuerst in ein Hotel einmietete, um sich kurz danach in eben jenem Kiryat Arba festzusetzen.

Sie haben natürlich vollkommen recht, wenn Sie sagen, dass der kräftigste Siedlungsschub in der Folge des '73er Yom Kippur Kriegs kam. Man kann es durchaus als psychologischen Ersatz sehen. Einer Niederlage gerade noch entgangen, machte man sich in wiederentdecktem Pioniergeist an die Vereinnahmung des biblischen Landes.

Stimme zu, dass man (zu analytischen Zwecken) zw. Vertreibung Besiedlung unterscheiden muss, doch andererseits gehen beide als Bestandteile einer Kontrollmatrix Hand in Hand.

Was die wahrnehmbare öffentliche Wirkung um '74 anbelangt, dürfte Ihre Beobachtung von damals zutreffen, denn eine größere mediale Präsenz gab es m.E. erst mit der Vorzeigesiedlung Ofra in '75 ff. Dennoch waren die Siedlungsaktivitäten auch zuvor Gesprächsstoff in der Gesellschaft und erfüllten wenigstens in Teilen von ihr Identifikations-Funktionen. Der größte Protagonist von Ofra war übrigens der damalige Verteidigungsminister und heutige Staatspräsident Shimon Peres. Um hier den Bogen zum Ausgangsthema zu schlagen: Auch Peres ist einmal Falke und einmal Taube...

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rahab 07.09.2009 | 13:28

ach Schlesinger! zu größerer genauigkeit zwinge ich mich damit doch auch selbst. und dazu, mich auf die suche zu machen, das bücherregal zu durchforsten, eben genauer nachzugucken, bezüge wieder oder neu herzustellen. das einzige, was mich daran stört, ist, dass ich eigentlich was ganz anderes machen wollte (und das werde ich auch!)

erst mal habe ich einfach in meiner erinnerung gebuddelt. wobei mir auch klarwurde, dass wir damals ('74 und auch in den jahren danach) nur bestimmte leute trafen - und andere nicht. sicher waren wir auch mal auf dem Golan, aber... lieber doch in Mayan Zwi. und hätten wir an '76 nicht einen der autoren von "das ist unser Land" aus dem Lamuv-verlag dabeigehabt, wären etliche besuche in der west-bank wohl unterblieben...
nicht dass wir (eine gruppe des ev.studienwerkes)das abgelehnt hätten, aber aus diversen gründen ergaben sich eher intensive kontakte in die anti-zionistische israelische linke hinein. was ja auch nicht uninteressant war. Lea Tsemel hatte uns ja auch was zu sagen.
daraus ergab sich allerdings - im nachhinein merkwürdig - dass die siedlungstätigkeit im einzelnen nicht so im fokus stand. dass wir sie ablehnten war klar ... aber doch mit merkwürdigen ambiguitäten.
was ich noch sehr deutlich erinnere, das ist eine siedlung (besetzung - war es Ofra? kann gut sein), die zwar offiziell heftig mißbilligt wurde, aber ... die vorstellung, dass die armee losgeschickt wird und loszieht und die siedler abräumt, die war ungeheuerlich. da drohte - vielleicht nicht tatsächlich, aber wer weiß? - bürgerkrieg oder etwas ähnliches.

eine wende in der politik war dann der autonomie-vorschlag.

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rahab 07.09.2009 | 15:22

nicht direkt zum thema, aber für interessierte vielleicht anregend, folgende einladung aus meinem briefkasten:

liebe Freundinnen und Freunde des ZfL

Wir moechten Sie gern auf die folgende Veranstaltung des Zentrums Moderner Orient (www.zmo.de) aufmerksam machen, die bei uns im Haus stattfinden wird:

Monday, 7 September 2009, 7 pm

When Israelis and Palestinians Negotiate – Challenging Conventional Wisdom
Lecture by Prof Aaron Klieman

In-depth interviews with some 50 Israeli direct participants in talks with Palestinians both before and since the 1993 Oslo initiative offer a number of original insights into the deeper nature of Middle East bargaining. Sharing their thoughts and personal experiences on the negotiating process – as opposed to the substantive issues of the Arab-Israeli conflict – the interviewees challenge, in particular, three pillars of conventional wisdom:

* That the cultural gap between Israeli ("Western") and Palestinian ("Oriental") interlocutors is deep and unbridgeable.

* That the relationship between the two antagonists is clearly one-sided, disproportionate and asymmetrical.

* That the need for third-party intermediaries is imperative if a diplomatic breakthrough is to be achieved, while the role of the United States becomes increasingly indispensable.

Rather, from Israel’s perspective, the lessons of nearly two decades of Israeli-Palestinian dialogue argue for bilateral and unbrokered negotiations between two basically stalemated, interdependent parties who in fact understand each other and the rules of the game far better than is usually assumed.

Prof Aaron Klieman is Holder of the Dr. Nahum Goldmann Chair in Diplomacy and lecturer on international relations since 1969, in the Department of Political Science at Tel-Aviv University. He is Professor Emeritus and Founding Director of the Abba Eban Graduate Program in Diplomatic Studies. A native of Chicago, Illinois, his doctorate is from The Johns Hopkins University’s School of Advanced International Studies, with an M.A. from the School of International Affairs at Columbia University in Middle Eastern politics. Professor Klieman has written and edited 24 books, monographs and documentary collections in English and Hebrew, and has authored over 30 book chapters in addition to journal articles. Current writing projects involve a book on the 1937 Palestine Royal Commission's partition initiative, which merits study as the first truly "missed opportunity" in Middle East peacemaking.

Venue:
Geisteswissenschaftliche Zentren
Berlin/ZfL
Meeting Room 308, 3rd floor
Schützenstraße 18
10117 Berlin

schlesinger 07.09.2009 | 16:53

Das mit der Genauigkeit war ja auch nur neckend gemeint... Apropos: Bitte die doch etwas zahlreicheren Schreibfehler nachsehen (Levi Eshkol, nicht Levin Eshkol; Gush Etzion, nicht Gush Etzin)... das kommt vom 2-Finger-System plus dem fehlenden Ehrgeiz,auch Kommentare zu redigieren....

Die Veranstaltung würde mich brennend interessieren, da v.a. die Zusammensetzung vielversprechend ist. Aber mangels Privatjet schaffe ich es nicht kurzerhand von MUC nach Berlin, so gern ich mal wieder in die Hauptstadt gehen würde.

Was die "drei Säulen des konventionellen Verständnisses" anbelangt, schließe ich mich der Infragestellung zu Punkt 1 sofort an: Nein, die kulturellen Identitäten stellen keinen zwangsläufigen Bruch zw. Israelis und Palästinenser dar. Dafür gibt es alleine schon zu viele Mizrahim (arabisch-stämmige jüdische Einwanderer, etwa aus Äthiopien, Marokko etc.).
Das asymmentrische Verhältnis der Kontrahenten würde ich schon so sehen, und wenn es nur darauf beruht, dass Israel es so asymmetrisch wie möglich gemacht hat. Auch ein Dritter als notwendigen "ehrlichen Makler" würde ich eher bejahen. Umso mehr würden mich die Gegenargumente interessieren! Sie möchten nicht zufällig hingehen und die vorgetragenen Thesen / Argumente gerade zu diesen 3 Punkten wenn auch nur stichwortartig hier als Blog wiedergeben? Wäre toll, wann hat man schon so gute Quellen zur Hand?!

Bildungswirt 08.09.2009 | 00:23

Hallo Schlesinger,
nur ganz kurz: Qualifizierter, kenntnisreicher Beitrag, genau das braucht der Freitag, weiter so.
Inhaltlich habe ich keine Anmerkungen, du hast vielmehr umgekehrt mein Gedächtnis wieder aufgefrischt.
Freue mich auf Teil II.
Leider sehe ich in dieser Region auch in den nächsten Jahren keinen erstzunehmenden Hoffnungsschimmer für wirklichen Frieden.

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rahab 08.09.2009 | 00:33

danke bildungswirt! "wirklicher frieden" ist das stichwort für meinen bericht vom vortrag beim ZfL.

Prof. Klieman sagte, dies wort streiche er bis auf weiteres aus seinem lexikon. jedenfalls aus dem zum konflikt Israel/Palästina. ko-existenz täte es erst mal auch. wenn die erreicht würde, wäre schon viel gewonnen.

alles weitere muß ich erst mal in ruhe aufschreiben. wird ein bißchen schwierig, denn zwei teile (im sinne von zeit) habe ich wegen sehr dringender anrufe verpaßt.

hatte aber doch so viel mitbekommen, dass ich am ende zwei leicht 'häßliche' fragen stellen konnte. aber auch dazu an anderer stelle mehr.